Schneetreiben in der kalten Bise

17. Januar 2017
Themen: Wetter

Die kalte Luft hat grosse Teile Europas fest im Griff. Etwas wärmere Luftmassen sind noch in Spanien, Portugal oder im nördlichen Teil der Britischen Inseln anzutreffen. So kalte Luftmassen im Winter haben ihren Ursprung meistens in Osteuropa oder Sibirien. Die kalte Luft ist das eine, mit kräftiger Bise so wie heute fühlt sich das Ganze deutlich kälter an. Mehr dazu im folgenden Blog.

Schneeschleuder im Einsatz bei Pizy (in der Nähe von Aubonne), Foto: Damien Favre "24heures"

Klassische Konstellation der Bisenlage

Die aktuelle Nordost- bis Ostlage ist insofern etwas aussergewöhnlich, als dass sich nicht nur ein kräftiges Hoch über den Beneluxstaaten aufbaute, sondern auch das Tief über dem westlichen Mittelmeerraum sich verstärkt hatte. Die dabei entstandenen grossen Druckunterschiede führten zu einer starken Bise, die im Genferseeraum Sturmstärke erreichte.

 

Sehr gute Modellvorhersage

Die Wettermodelle kündigten bereits seit Tagen diese starke Bisenlage an. Was vor Tagen noch etwas unklar schien, war die Sonnenscheindauer (ein normalerweise schwieriger Parameter). Bei starker Bise und gleichzeitiger Subsidenz wird die feuchte Hochnebelschicht oft zerrissen oder zum grossen Teil aufgelöst. Im aktuellen Fall hatten die Modelle für die Alpennordseite schon vor 4 Tagen für die meisten Regionen kaum Sonne vorhergesagt. Und so war es auch, nördlich der Alpen schien die Sonne vor allem in Bodenseenähe, im Raum Basel, im Berner Seeland und teils auch im Raum Zug zwischen 2 und 4 Stunden, sonst kaum. Hingegen in den Alpen im Süden, aber auch in der Genferseeregion, wo die stürmische Bise wehte, wurden zwischen 5 und 7 Sonnenstunden registriert.

Auch die maximalen Windgeschwindigkeiten der Bise berechneten die Modelle sehr präzise. Erwartungsgemäss werden die höchsten Windgeschwindigkeiten in der Genferseeregion und auf dem westlichen Jura erwartet. Mit 70 bis 94 km/h in den Niederungen und bis zu 142 km/h auf den Jurahöhen traf ziemlich genau das ein, was die Modelle voraus berechnet hatten.

Auswirkungen der kalten Bise

Die starke Bise hatte verschiedene Auswirkungen, nicht zuletzt auch auf den Strassenverkehr. Da die Temperaturen bereits seit Tagen kaum mehr über dem Gefrierpunkt lagen, blieb der gefallene Schnee „trocken“ oder anders gesagt pulvrig. Schneeverwehungen, üblicherweise ein Thema in den Bergen, zeigten heute auch in den Niederungen verschiedene Facetten. So geschehen beispielsweise in der Genferseeregion: Auf der A1 kam der Verkehr teilweise zum Erliegen, weil die Bise so viel Schnee auf die Fahrbahn wehte, dass kein Durchkommen mehr möglich war.

Wind Chill Effekt

Manch einer hat auch bemerkt, dass sich die Luft mit dem starken Wind noch wesentlich kälter anfühlt als wenn es windstill wäre, dabei spricht man vom sogenannten „Wind Chill Effekt“. Je stärker der Wind weht, umso rascher wird die Wärme, welche der Körper über die Haut abgibt, wegtransportiert - oder anders ausgedrückt: Bei gleicher Lufttemperatur kühlt die Haut schneller ab, je grösser die Windgeschwindigkeit ist. Die Luft fühlt sich kühler an.

Beispielsweise bei den heutigen Tageshöchsttemperaturen von -1 Grad in Genf mit 87 km/h Wind und  -4 Grad am Flughafen Zürich mit 52 km/h Wind errechnete sich eine ähnlich tiefe gefühlte Temperatur von -12 bis -13 Grad.

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