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Seegfröörni?

19. Januar 2017, 5 Kommentare
Themen: Wetter

Da die aktuelle Kältewelle doch nun einige Tage andauert, lohnt sich langsam der Blick auf die grösseren Mittellandseen. Steht eine Seegfröörni bevor? Im Titelbild ein aktuelles Foto vom eisbedeckten Lauerzersee (Quelle: roundshot.ch).

5. Eistag in Folge

Mit nur noch schwacher Bise wurde heute, mit Ausnahme vom Mittel- und Südtessin, verbreitet ein weiterer Eistag (Temperaturen ganztags unter Null) registriert, der 5. in Folge. Bei dieser Kälte lohnt sich allmählich ein Blick auf das Seegfröörni-Tool der MeteoSchweiz, das ermittelt, wie weit weg sich die grösseren Flachlandseen von einer Seegfröörni befinden.

Pfäffikersee kurz vor dem Ziel

Dazu muss man wissen, dass sich Seeeis erst dann bilden kann, wenn die gesamte Wassermenge auf 3.8°C und die Oberflächenschicht auf 0°C ausgekühlt sind und der Wind nicht zu stark ist. Um herauszufinden, ob ein See kurz vor dem gefrieren ist, muss man die Summe aller negativen Tagesmitteltemperaturen im bisherigen Winter bilden. Man spricht von der Kältesumme. Mit einer Oberfläche von 3.3 Quadratkilometern und einer mittleren Tiefe von 19 Metern ist der Pfäffikersee in der Regel der erste der grösseren Mittellandseen, der gefriert. Der Pfäffikersee braucht für eine geschlossene Eisschicht im Durchschnitt eine Kältesumme von 120. Bis heute Morgen betrug der Wert für den aktuellen Winter rund 100. Die Referenzstation ist Tänikon. Da hier heute eine Tagesmitteltemperatur von rund -5°C registriert wurde, fehlen noch 3 weitere ähnliche Tage, um das Ziel zu erreichen.

Für den Pfäffikersee reicht es, für weitere Seen wird es eng bis unmöglich

Auf Grund der aktuellen Temperaturprognosen für Tänikon ist davon auszugehen, dass der Pfäffikersee spätestens am Sonntag vollständig gefrieren dürfte. Der nächste See auf der Liste wäre der Greifensee. Da sich die Kältewelle kommende Woche abschwächt, ist allerdings im Moment schwer zu sagen, ob es dafür reicht. Definitiv ausschliessen kann man für den aktuellen Winter eine Seegfröörni von Zürichsee oder Bodensee.

Weiterführende Informationen (allerdings auf Englisch) findet man in folgender wissenschaftlichen Arbeit: hier klicken.

Kommentare (5)

  1. David, 20.01.2017, 12:14

    Ist das angesprochene "Seegfröörni Tool" irgendwo öffentlich verfügbar?

    1. MeteoSchweiz, 22.01.2017, 10:18

      Nein, dieses Tool ist nicht öffentlich verfügbar. Es wird von MeteoSchweiz intern gepflegt bzw. mit Daten "gefüttert". Als Alternative existiert - zumindest für den Pfäffikersee - ein öffentlich zugängliches Tool: http://www.umweltnetz.ch/images/seegfr/seegfr_div.php . Die Daten, welche dort als Berechnungsgrundlage dienen, stammen von der MeteoGroup-Messstation Seegräben.

  2. Andreas Roesch, 19.01.2017, 21:57

    Ist es tatsächlich sinnvoll, die Messstation Tänikon mit doch häufig ausgeprägtem Kaltluftsee für die Bildung der Kältesumme des Pfäffiker Sees auszuwählen?

    1. MeteoSchweiz, 21.01.2017, 09:46

      Für den Pfäffikersee gibt es keine langjährigen Messstationen in unmittelbarer Nähe. Zur Auswahl stehen Zürich-Fluntern, Kloten, ZH-Affoltern und Tänikon.
      Zürich Fluntern liegt in einer Hanglage in der Stadt Zürich, Kloten und Zürich-Affoltern sind auf Grund ihrer Höhe und ihrer Lage im Mittelland bei tiefen Nebelmeeren deutlich nebelanfälliger als der Pfäffikersee.
      Die repräsentativste, verfügbare Messstation für den Pfäffikersee ist Tänikon. Sie liegt etwa auf gleicher Höhe wie der in einer breiten Mulde gelegene Pfäffikersee. Tänikon befindet sich in einer ausgeprägten Muldenlage, die vergleichbar ist mit dem flachen Umland des Pfäffikersees, wo die nächtliche Abkühlung (bei Strahlungsnächten) durch das "moorige" Seeumland begünstigt wird.

  3. Gisela, 19.01.2017, 20:50

    War heute nachmittag am Bodensee unten, und tatsächlich siehts dort nach beginnender Mini-Seegfröörni aus. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch den sehr niedrigen Pegelstand. Das Eis scheint weit, weit in den See hinaus zu reichen. Ein Motorböötli pflügte sich im Arboner Hafen unter ziemlichem Getöse durch die schwimmenden Eisplatten, wobei die Schraube allerdings mehr gelitten haben dürfte als das Eis.....