Verflüssigung des Winterkleides

31. Januar 2017
Themen: Wetter

Tatenlos mussten heute viele zusehen wie die weisse Pracht dahinschmolz, der Tag stand ganz im Zeichen des Niederschlags. Nach dem ersten Vorgeschmack von gestern, brachte eine aktive Warmfront heute verbreitet grössere Niederschlagsmengen. Gleichzeitig setzte sich die Erwärmung auch in den Alpen sukzessive durch. Am meisten Niederschlag wurde in der Deutschschweiz registriert. Der Süden kam zwar weitgehend trocken davon, die hochreichende Warmfrontbewölkung liess aber auch dort kaum mehr die Sonne durch.

Obersee (GL) um 09.00 Uhr (links) und um 17.00 Uhr (rechts), der See kommt unter dem Schnee langsam zum Vorschein.
Quelle: www.tbgn.ch

Kombination von Warmadvektion und Höhentief

Für den ganztags trüben und nassen Wettercharakter waren eigentlich zwei Systeme verantwortlich. Einerseits wurde aus Nordwesten feuchtmilde Atlantikluft Richtung Schweiz geführt, andererseits blockierte ein Höhentief mit kälterer Luft über Ostdeutschland diese ostwärts vorstossende Warmluft. An der Grenze dieser beiden Luftmassen kam es zu Aufgleitvorgängen, aber auch zu Hebung durch die Zyklonalität des Tiefs und die Annäherung des Jets.

Trüb und nass, aber für die Jahreszeit nicht kalt

Das typische Erscheinungsbild bei Warmfronten ist einheitliche graue Wolkenstruktur, die wegen der Mächtigkeit das Tageslicht massiv reduziert und deshalb bei manchen Leuten, ähnlich wie bei dichtem Nebelgrau, auf die Stimmung drücken kann.

Hinzu kommt natürlich der Regen, der so wie heute oft ununterbrochen vom Himmel fällt, so dass Schutz gegen Nässe für jegliche Aussentätigkeiten unverzichtbar ist. Insbesondere in der Deutschschweiz hat es heute vielerorts praktisch durchgehend geregnet. Und die Zufuhr von milderer Luft trieb die Schneefallgrenze in Höhenlagen bis gegen 2000 Meter. Einzig in den Alpentälern erfolgte die Erwärmung etwas verzögert..

Hoher Wassergehalt

Warmfronten zeichnen sich meist durch vertikal grosse Ausdehnung der gesättigten Luftschichten, und je nach Temperatur durch hohen Wassergehalt aus. Beispielsweise lag der für Niederschlag zur Verfügung stehende Wassergehalt (niederschlagbares Wasser) auf der Alpennordseite im Bereich von 15 bis 25 mm.

Oder anders ausgedrückt: Würde man auf einem Quadratmeter Fläche über die gesamte Atmosphäre (hauptsächlich bis zur Troposphäre, darüber ist der Wassergehalt vernachlässigbar gering) den darin enthaltenen Wassergehalt auf einmal zum Niederschlag bringen, ergäbe dies eine Niederschlagssumme von 15 bis 25 Liter. So hohe Werte des niederschlagbaren Wassers sind sonst üblicherweise in der warmen Jahreszeit anzutreffen.

Schneeschmelze

Sehr effizient zum Schmelzen von Schnee ist natürlich Regen, je wärmer umso effektiver. Im Unterschied zum Föhn kann der Regen rascher in tiefere Schichten eindringen und diese zum Schmelzen bringen, während warmer Wind nur oberflächennah den Schnee zum Abschmelzen bringen kann. Die maximalen täglichen Schmelzraten bei Regen liegen gemäss Erfahrung bei ca. 10 bis 15 cm/Tag. Je nach Exposition zur wärmeren Luftmasse und Niederschlagsintensitäten wurde die Schneedecke entsprechend reduziert.

Wenn die Schneefallgrenze einmal über der sogenannten mittleren Kammlage der Alpen (bei ca. 2000 Metern) liegt, wirkt der Effekt der Niederschlagsabkühlung nicht mehr genügend effizient. Unterhalb etwa 1800 Meter kam es deshalb zu einer Reduzierung der Schneedecke, während darüber ein Zuwachs verzeichnet wurde.

Mischungsnebel

Warmer Regen insbesondere im Winter verursacht oftmals auch sogenannten Mischungsnebel. Dieser entsteht wenn zwei unterschiedlich temperierte Luftmassen miteinander vermischt werden. Im heutigen Fall lag kalte Luft über der Schneeoberfläche und mischte sich mit der wärmeren Luftmasse der Warmfront. Hinzu kommt, dass der Schmelzprozess des Schnees der Umgebungsluft Wärme entzieht und diese wärmere Luft wiederum abkühlt und zur Sättigung gebracht wird.

Fakten und Zahlen

Obwohl der Regen sicherlich das Hauptthema des heutigen Tages war, machte sich auch die starke Westströmung in den mittleren und höheren Lagen deutlich bemerkbar. Aufgrund der eher stabilen Grundschicht, konnte der Wind nicht so recht in die Niederungen durchgreifen. Dafür erreichte der Wind in den exponierten Berglagen teilweise Sturmstärke. Auf dem Napf, dem Moléson, Tiltis oder Jungfraujoch wurden Windspitzen um 70-80 km/h, auf dem Säntis 100 km/h gemessen.
Auf der Alpensüdseite blieb es abgesehen der alpenkammnahen Regionen meist trocken, aber auch hier zeigte sich die Sonne (wie auch im Norden) kaum, weil die hochreichende Warmfrontbewölkung weit nach Süden übergriff.

Was den Regen betrifft, so wurden in der Deutschschweiz heute bis zum Redaktionsschluss verbreitet zwischen 8 und 20 mm, stellenweise auch bis 25 mm Niederschlag gemessen. Etwas weniger waren es im Westen, im Wallis sowie in den Bündner Regionen. Die Temperaturen erreichten heute beidseits der Alpen Werte von 4 bis 8 Grad

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