Stürmischer Föhn

4. März 2017, 3 Kommentare
Themen: Wetter

Bereits am gestrigen Freitag kam in den Alpentälern starker Föhn auf, der sich in der vergangenen Nacht und heute Samstag noch weiter intensivierte. Gegen Abend erreichte eine Kaltfront aus Südwesten die Schweiz und hat die Föhnphase beendet.

Föhnstimmung vom Hochwachtturm beim Pfannenstiel mit Blick Richtung Osten. Foto: M. Kasper

Im Verlauf des gestrigen Freitages zog ein umfangreiches Tiefdruckgebiet vom nahen Atlantik zu den Britischen Inseln. Es verursachte im Alpenraum eine markante Föhnlage, die sich im Verlauf der zurückliegenden Nacht noch intensivierte. Der Südüberdruck lag bereits gestern Vormittag bei rund 6 hPa und nahm bis Mitternacht auf beachtliche 13 hPa zu. Nach einer vorübergehenden Abnahme auf 10 hPa verstärkte sich der Druckgradient tagsüber erneut.

Stürmischer bis teils orkanartiger Föhn

Vergrösserte Ansicht: Bis 15:38 Uhr Lokalzeit in unserem SwissMetNet verzeichnete Böenspitzen.
Bis 15:38 Uhr Lokalzeit in unserem SwissMetNet verzeichnete Böenspitzen.
MeteoSchweiz

In den Alpentälern erreichte der Föhn verbreitet Böenspitzen zwischen 90 und 110 km/h, dabei war Altenrhein mit 122 km/h Spitzenreiter. In Gersau (110 km/h), Vaduz (111 km/h) und Evionnaz im Wallis (117 km/h) wurden ebenfalls Böenspitzen über 110 km/h gemessen. In den Berglagen oberhalb von 1800 Metern wurde im Messnetz der MeteoSchweiz die höchste Böenspitze auf dem Gornergrat mit beachtlichen 181 km/h  gemessen.

Tagsüber war es heute auf der Alpennordseite teilweise, in der Ostschweiz und in Nordbünden zunächst noch ziemlich sonnig. Im Laufe des Vormittags stiess der Föhn bis ins angrenzende Mittelland vor und sorgte in Wädenswil am Zürichsee für einen neuen Stationsrekord für Föhn mit 107 km/h (Messbeginn 1981). Auch in Zürich-Fluntern wurden Böenspitzen von knapp 50 km/h registriert. Im Tagesverlauf stiess der Föhn bis weit ins Mittelland vor, was nur selten der Fall ist. So wehte der Föhn beispielsweise auch in Thun, Langenthal, Egolzwil und in Mosen. Gleichzeitig nahm am Alpenhauptkamm die aus Süden übergreifende Staubewölkung zu und am Nachmittag kamen am Alpenhauptkamm sowie in Graubünden zunehmend Niederschläge auf. Die Schneefallgrenze lag dabei um 1500 Meter.

Zeitraffer von heute Vormittag von Thalwil mit Blick Richtung Glärnischmassiv. Die "rotierende" Cumulusbewölkung macht die starken Föhnturbulenzen gut sichtbar. Video: D. Gerstgrasser

Mit Föhn frühlingshaft warm

Vergrösserte Ansicht: Temperaturmaxima am 4.3.2017. Mit Föhn erreichten die Höchstwerte auf der Alpennordseite bis zu 20 Grad.
Temperaturmaxima am 4.3.2017. Mit Föhn erreichten die Höchstwerte auf der Alpennordseite bis zu 20 Grad.
MeteoSchweiz

Gut zu erkennen ist der Föhnvorstoss auch anhand der Tageshöchsttemperaturen und der relativen Luftfeuchtigkeit, die in der Föhnluft zwischen 20 und 40 Prozent betrug. Mit Föhn stiegen die Temperaturen bis auf 20.3  Grad in Altenrhein an. Im östlichen Flachland wurden Tageshöchstwerte zwischen 18 und 20 Grad erreicht, im zentralen Mittelland lagen diese zwischen 15 und 17 Grad, während in der Westschweiz Tagesmaxima zwischen 10 und 13 Grad gemessen wurden.

Stau auf der Alpensüdseite

Auf der Alpensüdseite war es heute im Stau der Alpen bedeckt und regnerisch. Die Schneefallgrenze lag dabei zwischen 1000 und 1500 Metern. Heute Morgen wurden im oberen Maggiatal etwa 30 cm Neuschnee gemessen. Der Schwerpunkt der Stauniederschläge lag tagsüber zwischen dem Centovalli, dem Maggia- und dem Bavonatal. Dort kamen in den letzten 24 Stunden 40 bis 60 mm Niederschlag zusammen. Am Nachmittag konnten sich in der labilen Luftmasse auch ein paar Gewitter bilden.

Aufkommende Kaltfront

In der zurückliegenden Nacht hat sich nördlich der Balearen ein Teiltief gebildet. Dieses zog im Tagesverlauf nordostwärts nach Deutschland. Die zugehörige Kaltfront erfasste gegen Abend die Schweiz und damit wurde die Föhnphase beendet.

Mit der herannahenden Kaltfront nahm im Laufe des Nachmittags auch die Bewölkung von Westen her zu, und es setzten besonders gegen Westen hin auch Niederschläge ein. Dabei gab es auch in der Westschweiz einzelne Gewitter.

Mit dem Kaltfrontdurchgang frischt heute Abend vor allem in der Westschweiz und auf den Jurahöhen der Wind stark bis teils stürmisch auf. Im zentralen und östlichen Mittelland muss ebenfalls bis am späten Abend vorübergehend mit stark auffrischendem Südwest- bis Westwind gerechnet werden.

Kommentare (3)

  1. Johann Geers, 04.03.2017, 22:30

    Danke wieder für den (immer wieder) interessanten Tages analyse /Blog(s). lG Johann /Oberwallis

  2. Johan Montal, 04.03.2017, 09:13

    Einmal mehr: Herzlichen Dank für die immer sehr instruktiven täglichen Blogs und die tollen Bilder.
    Wunsch: Bei den Luftdruckkarten und den sonstigen sehr instruktiven interaktiven Bilder sind die Landesgrenzen - besonders unsere - fast nicht zu erkennen. Selbst auf meinem grossen mac-Bildschirm habe ich oft Mühe, mich zu orientieren. Entgegen meiner politischen und menschlichen Einstellung, bitte ich allein hier, unsere Schweizer-Landesgrenze bildlich etwas deutlicher zu markieren. Herzlichen Dank

    1. MeteoSchweiz, 06.03.2017, 08:48

      Besten Dank für Ihre Anregung. Wir haben die Landesgrenzen besser sichtbar gemacht.