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Schnee bis 1100 Meter

10. September 2017, 7 Kommentare
Themen: Wetter

Hinter der Kaltfront, welche gestern von Westen her an die Alpen zog, ist auf heute Sonntag trockenere Luft zur Alpennordseite geflossen. In den östlichen Alpen sowie im Süden setzte eine Wetterberuhigung allerdings erst in der zweiten Tageshälfte ein.

In der Surselva fiel in der Nacht auf Sonntag Schnee bis rund 1100 Meter wie hier bei Disentis. Bildquelle: klosterdisentis.roundshot.com
In der Surselva fiel in der Nacht auf Sonntag Schnee bis rund 1100 Meter wie hier bei Disentis. Bildquelle: klosterdisentis.roundshot.com

Niederschlagssummen seit Samstag

Bis auf lokale Schauer war es in der westlichen Landeshälfte bereits schon seit gestern Abend trocken. Anders im Süden und in der Ostschweiz, wo die teils kräftigen Niederschläge bis heute gegen Mittag andauerten und sich erst in der zweiten Tageshälfte immer mehr abschwächten. Wie gestern an dieser Stelle versprochen sind hier die seit Samstag gefallenen Niederschlagsmengen erwähnt:

Auf der Alpensüdseite sind seit Samstag flächig zwischen 80 und 120 mm Regen gefallen (ausgenommen Puschlav, wo „nur“ 35 bis 70 mm gefallen sind). Am meisten jedoch fiel vom Centovalli übers untere Maggiatal und das Verzascatal bis in die Riviera. Hier wurden Regenmengen zwischen 130 und 175 mm gemessen.

Die kräftigen Niederschläge wurden mit dem starken südlichen Höhenwind auch vor allem ins Urner Oberland, in die Surselva und nach Mittelbünden verfrachtet, wo ebenfalls Niederschlagsmengen um 80, im Hinterrhein gar um 120 mm registriert wurden.

Schnee bis rund 1100 Metern

Wie schon gestern angekündigt, ist die Schneefallgrenze in Mittelbünden und in der oberen Surselva am tiefsten gesunken. Schuld daran sind Prozesse der Niederschlagabkühlung, welche am besten bei genügend kräftigen Niederschlägen, bei windschwachen Verhältnissen und in den Tälern funktionieren. So sank die Schneefallgrenze in der Nacht auf heute zum Teil bis gegen 1100 Meter wie beispielsweise bei Disentis in der Surselva (Titelbild der heutigen Blogbeitrages).

Mesohoch

Die Niederschlagsabkühlung hatte nebst einer tiefen Schneefallgrenze noch einen weiteren Effekt. Durch die Abkühlung ist nämlich der Druck angestiegen, entsprechend ist in Mittelbünden ein kleinräumiges Hochdruckgebiet entstanden. Die Meteorologen nennen dies auch ein mesoskaliges Hoch oder kurz Mesohoch.

Dies hatte zur Folge, dass die Luft von Mittelbünden aus dem Hoch in Richtung Churer und St. Galler Rheintal sowie ins Seeztal ausfloss, wo der Druck niedriger war. Dort herrschten also Winde aus südlichen Richtungen mit Böenspitzen zwischen 25 und 44 km/h. Dies trotz einem Nordüberdruck von rund 5 hPa.

Flache Quellwolken

Wie eingangs erwähnt, ist auf der Alpennordseite von Westen her trocknere Luft eingeflossen. Die Grundschicht war allerdings noch recht labil geschichtet, so dass aus der anfänglichen Schichtbewölkung einige Quellwolken entstanden sind. Allerdings hielt sich die vertikale Ausdehnung der Quellungen in Grenzen, da eine Inversion auf rund 3000 Metern Höhe einen weiteren Anstieg verhinderte. So breiteten sich die Quellwolken an dieser Höhe zum Teil wieder aus.

Flacher Regenbogen

Mit ersten Auflockerungen heute Vormittag beim Thunersee sowie letztem schwachem Nieselregen (der auf dem Radar aber nicht mehr ersichtlich war), konnte man um ca. 11 Uhr einen flachen Regenbogen sichten. Flach war er deswegen, weil die Sonne bereits ziemlich hoch am Himmel stand, genauer gesagt um diese Zeit rund 38 Grad über dem Horizont. Etwa eine halbe Stunde später wäre kein Regenbogen mehr sichtbar gewesen, da dann die Sonne schon zu hoch stand. Um einen Regenbogen sehen zu können, darf die Sonne nämlich nicht höher als 42 Grad über dem Horizont stehen. Dies hat mit Lichtbrechung und -reflexion in den Wassertröpfchen zu tun und ist auch der Grund, warum Sie im Sommer einen Regenbogen nur am Morgen und am Abend, nie aber zur Mittagszeit sehen können, weil dann die Sonne bis ca. 60 Grad über dem Horizont steht. Falls Sie mehr über die Entstehung eines Regenbogens erfahren möchten, können Sie sich zum Beispiel unter diesem Link näher informieren.

Kommentare (7)

  1. Hansruedi Völlmin, 11.09.2017, 11:26

    Liebe Meteo Schweiz
    Ihre jeweilige Berichterstattung über den gestrigen Wettertag finde ich immer wieder sehr interessant. Mit grossem Interesse lese ich diese Beiträge. Seit Jahrzehnten interessiere ich mich für Wetterentwicklungen in jeder Jahreszeit. Auch nur durch genaues Beobachten dieser eindrücklichen Materie Wetter, kann man für sich viel lernen. Es freut mich dann, wenn ich aus Ihren Beiträgen diesbezügliche Bestätigungen feststellen kann. Auch Ihre Wetterbilder sind immer wieder sehr aussagekräftig. Macht weiter so!

    1. MeteoSchweiz, 12.09.2017, 09:03

      Besten Dank im Namen aller Autorinnen und Autoren. Es freut alle, dass wir einer treuen Leserschaft täglich mit Hintergrunderklärungen das Wetter und Klima erläutern können.

  2. sorin, 11.09.2017, 10:11

    very good

  3. Wolfgang, 10.09.2017, 20:09

    Dieser September ähnelt bis jetzt eher dem März. Ist denn überhaupt noch eine Wetterbesserung auf der Alpennordseite in Sicht oder geht es jetzt nahtlos in den nächsten Winter?

    1. Johan Montal, 11.09.2017, 09:13

      Ja doch, die' Wetterbesserung' ist schon da! Es ist kühler - die Erderwärmung bremst also ein bisschen ab; es ist feuchter, an einigen Orten sogar nass - die Trockenheit konnte für einmal wieder gestoppt werden; die Luft ist wieder reiner und kühler - meine beschädigten Lungen und Herz danken es. Endlich einmal wieder eine 'Wetterbesserung'! Der Natur sei Dank!

    2. S.Banse, 11.09.2017, 09:27

      Also das ist doch eher Herbst als Winter, zumindest hier am Bodensee. Wenn die Sonne raus kommt ist es schön warm, herbstlich eben.

    3. MeteoSchweiz, 11.09.2017, 10:10

      MeteoSchweiz erstellt regelmässig Vorhersagen der Temperaturtendenz für die nächsten drei Monate. Diese Langfristprognosen zur Klimaentwicklung sind trotz leistungsfähigen Computern und fortschrittlichen Modellsimulationen begrenzt.
      Sie finden den Saisonausblick auf unserer Website:
      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/zukunft/saisonausblick.html