Etwas Niederschlag und Hitzetag im Tessin

24. Oktober 2018, 5 Kommentare
Themen: Wetter

Die Nordwestlage, welche sich gestern und heute vorübergehend eingestellt hatte, brachte der Alpennordseite deutlich weniger Bewölkung als erwartet. Der Nachmittag war in der Westschweiz und in der Region Bern sogar ziemlich sonnig. Mehrheitlich bewölkt und sogar zeitweise nass war es in den östlichen Landesteilen. Südlich der Alpen sorgte der kräftige Nordföhn mit 30.5 Grad in Locarno-Monti für einen Hitzetag und diverse neue Oktoberrekorde.

Schon lange nicht mehr gesehen. Regentropfen auf dem farbigen Herbstlaub und nasse Böden. Foto: Christa Hayoz
Schon lange nicht mehr gesehen. Regentropfen auf dem farbigen Herbstlaub und nasse Böden. Foto: Christa Hayoz

Nordwestlage und Warmfront Streifschuss

Die Schweiz lag heute Mittwoch am westlichen Rand einer kräftigen nordwestlichen Höhenströmung, welche sich zwischen einem ausgedehnten Hoch mit Zentrum westlich von Irland und einem umfangreichen Tief über Osteuropa eingestellt hatte. Darin eingelagert streifte eine Warmfront vor allem die östlichen Landesteile und brachte den grenznahen Gebieten etwas Niederschlag.

Da die Schweiz somit auf der warmen Seite der Luftmassengrenze verblieb und sich der Trog mit der Kaltluft weiter im Osten gegen Süden ausdehnte, war nördlich der Alpen die Bewölkung im Wesentlichen das einzige Element, womit sich die Änderung der Grosswetterlage bemerkbar machte.

Auf der Alpensüdseite verursachte die kräftige nordnordwestliche Höhenströmung und der damit einhergehende Nordüberdruck für eine kräftige Nordföhnlage. Der Nordföhn sowie die optimale Position der Schweiz am westlichen Rand der Höhenströmung mit der wärmsten Luft sorgten in der Folge im Tessin für neue Temperaturhöchstwerte für Oktober.

Sonniger als erwartet

Der Tag startete auf der Alpennordseite grösstenteils stark bewölkt. In den östlichen Landesteilen, das heisst in einem Streifen vom Bodensee über das Rheintal bis und mit Nordbünden fiel auch etwas Niederschlag. Die Niederschlagsmengen waren allerdings relativ bescheiden und lagen im Bereich von wenigen Tropfen bis rund 5 mm. Immerhin wurde damit auf der Alpennordseite seit längerer Zeit wieder einmal etwas Niederschlag gemessen.

Aber auch sonst war der Tag weitaus freundlicher als noch gestern erwartet. Einerseits war die Bewölkung weniger dicht, dies zeigte sich bereits am Morgen an ersten Wolkenlücken, andererseits lockerte sich die Bewölkung auch früher als gedacht von Westen her auf. Vor allem in der Westschweiz und in der Region Bern war der Nachmittag dadurch sogar recht sonnig. In der Ostschweiz sowie entlang des zentralen und östlichen Alpennordhangs dauerte es bis am späten Nachmittag bis sich die Bewölkung auflockerte. Die Sonne zeigte sich aber auch in diesen Regionen gegen Ende des Tages noch kurz.

Durch die längere Sonnenscheindauer lagen die Temperaturen im Westen ebenfalls höher als prognostiziert. Während in der Ostschweiz die Höchstwerte bei rund 12 bis 16 Grad lagen, reichte es in der Region Bern bereits für 17 bis 19 und am Genfersee sogar für 20 Grad.

Temperaturrekord im Tessin

Die eingangs erwähnte Nordföhnlage sorgte im Tessin einerseits für sonniges Wetter und andererseits für diverse neue Oktoberhöchsttemperaturen seit Messbeginn. Am wärmsten beziehungsweise am heissesten war es mit 30.5 Grad in Locarno-Monti. Aber auch an den anderen Messstandorten in den Niederungen des Tessins war es mit Höchstwerten zwischen 28 und knapp 30 Grad sehr warm.

Die ehemaligen Oktoberrekorde stammten allesamt von anfangs Oktober. Bis anhin waren die 29.9 Grad am 1.Oktober 1997 in Grono die höchste im Oktober gemessene Temperatur in der Schweiz, gefolgt von 29.4 Grad am selbigen Tag in Acquarossa/Comprovasco sowie 29.2 Grad am 15.10.1957 in Magadino/Cadenazzo.

Vergleicht man die heutigen Temperaturhöchstwerte mit den bisherigen Höchstwerten für das letzte Oktoberdrittel, dann zeigt sich umso mehr, wie aussergewöhnlich die heute gemessenen Temperaturen sind. Üblicherweise lassen sich die Tageshöchstwerte von anfangs Oktober nicht mehr mit denjenigen Ende Monat vergleichen.

Die Gründe dafür sind unter anderem auf die kontinuierliche Abnahme der Tageslänge, aber auch auf die kühlere Luftmasse zurückzuführen. Die Tageslänge ist beispielsweise um den 24. Oktober bereits über eine Stunde kürzer als noch am 1. Oktober.

Zudem braucht es eine ideale Konstellation der Grosswetterlage, dass eine ausreichend warme Luftmasse von Norden her zu den Alpen geführt wird, damit in den Niederungen des Tessins im letzten Oktoberdrittel Höchstwerte um 30 Grad erreicht werden.

Wie anhand der nachfolgenden Tabelle ersichtlich ist, wurden die Rekorde für das letzte Oktoberdrittel sogar deutlich überboten.

Der Nordföhn erreichte in erhöhten Lagen verbreitet Böenspitzen um 100 km/h. Aber selbst in den Tälern des Mittel- und Südtessins wurden Böen um 80 km/h gemessen.

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Kommentare (5)

  1. R. A., 25.10.2018, 17:18

    Ich konnte gestern Abend (18:00) am Jura Südfuss, etwa zwischen Olten und Solothurn eine Föhnwolke (Föhnmauer) beobachten. Genauer gesagt hat sich sich die Wolke, wie eine Föhnwolke in den Alpen, an der Grenze zum Mittelland, also über der ersten Jurakette, aufgelöst. Die Wolke war ca. auf 1600m höhe. Ich konnte leider kein Foto machen, aber ist das möglich, dass eine solche Staubewölkung im Jura auftritt?

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    1. MeteoSchweiz, 26.10.2018, 09:48

      Ja, das ist möglich. Ihre Beobachtung passt auch gut zur Wettersituation am Mittwochnachmittag beziehungsweise -abend. Am Juranordfuss sowie generell nördlich der Schweiz hatte es damals noch verbreitet tiefe Restbewölkung. Durch den mässigen Nordwestwind staute sich diese Bewölkung am Jura und es wäre demnach plausibel, dass sich am Jurasüdfuss durch das Überströmen zeitweise eine Art Föhnmauer (Wolkenvorhang) bilden konnte. Diese Art von Wolken sind grundsätzlich an jedem Gebirge beziehungsweise Hindernis möglich, wenn die Strömung ungefähr Senkrecht darauf gerichtet ist und es überströmt wird. Freundliche Grüsse.

  2. R. W., 25.10.2018, 11:04

    Kann man Meteoschweiz auch schöne jahreszeitlich bezogene Photos senden, welche Sie dann im Blog veröffentlichen oder nehmen sie nur "interne" Photos?

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    1. MeteoSchweiz, 25.10.2018, 13:16

      In der Regel verwenden wir in unseren Blogs Wetterbilder von unseren Mitarbeitern. Aussergewöhnliche Aufnahmen von Wetterphänomenen publizieren wir in Ausnahmefällen ebenfalls; Bilder dazu können uns gerne via Kontaktformular (Über uns / Kontakt) zugeschickt werden . Es besteht jedoch keine Veröffentlichungspflicht für den zuständigen Blogger.

  3. Iris, 24.10.2018, 23:54

    Sehr interessant, merci für so tolle Berichte

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