In den Alpen föhnig, im Süden regnerisch

11. März 2018, 7 Kommentare
Themen: Wetter

Föhn in den Alpen, im Osten wolkenverhangen aber kein oder nur wenig Niederschlag, im Westen, vor allem aber im Süden regnerisch und trüb.

Blick vom rechten Zürichseeufer Richtung Alpen: Während über dem Zürichsee eine morgendliche Nebeldecke liegt, zeigen sich am Himmel vom Föhn modellierte Wolkenbänder. Bild: R. Mühlebach
Blick vom rechten Zürichseeufer Richtung Alpen. Während über dem Zürichsee eine morgendliche Nebeldecke liegt, zeigen sich am Himmel vom Föhn modellierte Wolkenbänder. Bild: R. Mühlebach

Wetterlage

Ein Tief verlagerte sich heute vom nahen Atlantik allmählich zum Ärmelkanal. Auf seiner Vorderseite nahm der schon starke Südwestwind weiter zu und verstärkte vorerst die Föhnlage über dem Alpenraum. Mit abnehmendem Süd-Nord-Druckgegensatz schwächte sich der Föhn im Laufe des Tages allmählich ab und eine schwache Kaltfront überquerte aus Westen die Schweiz.

 

Föhnig in den Alpen

Der Föhn war sicherlich das markanteste Wetterphänomen des heutigen Tages. Nachdem er gestern schon eingesetzt hatte, verstärkte er sich in der Nacht und erreichte seinen Höhepunkt im Laufe des heutigen Vormittags. Im weiteren Verlauf des Tages schwäche er sich allmählich wieder ab. Die höchsten Windsitzen, die in den Föhntälern gemessen wurden, weisen Werte von 60 bis 85 km/h auf, was einem mässig starken Föhn entspricht. Auch in der Höhe erwies sich der Süd- bis Südwestwind als nicht besonders stark, wurden doch hier lediglich Spitzen von 100 bis 115 km/h registriert.

 

Stau im Süden

Wie es zu einer Föhnlage oft gehört, staut sich die herangeführte feuchte Mittelmeerluft am Alpensüdhang und verursacht unter anderem im Tessin wie auch in Teilen der Bündner Südtälern Niederschlag. Dies hat tatsächlich stattgefunden: So setzte der Niederschlag im Verlaufe der Nacht auf heute ein und hat mehr oder weniger den ganzen Tag angehalten. Allerdings blieb bis am späten Nachmittag die Niederschlagsmenge von 20 bis 35 mm in einem für die Alpensüdseite bescheidenen Rahmen.

 

Föhnfenstern am Alpennordhang

Nachdem sich gestern am Alpennordhang keine ausgeprägten Föhnfenster zeigten, waren solche heute doch etwas schöner ausgebildet. So wurden von Interlaken über die Zentalschweiz bis hin zum Alpstein sowie in Nord- und Mittelbünden Dank der Wolkelücken bis zu einer Stunde Sonnenschein registiert. Ansonsten bleib es trüb, dies vor allem im regnerischen Tessin wie auch in der Westschweiz, wo sich im Laufe des Tages die annähernde Kaltfront bemerkbar machte.

 

Frühlingshafte Föhntemperaturen

Kaum ein Föhn treibt nicht die Temperaturen in den Alpentälern in die Höhe, so auch heute. Mit bis zu 20 Grad in Vaduz erreichten die Föhntemperaturen deutlich höhere Werte als jene im Mittelland. Hier wurde zum Teil nicht mal die 10-Grad-Marke überschritten, so auch im sonst wärmeverwöhnten Tessin. Hier schneite es gar oberhalb von rund 1300 Metern.

 

"Dusty Cirren" durch Saharastaub

Ein besonderes Phänomen liess sich heute auf den Satellitenbildern ausmachen, vor allem am Vormittag. Die Oberfläche der Cirren-Bewölkung zeigte eine unübliche „gemasterte“ Struktur. Man bezeichnet dies als „dusty cirrus“, wird diese Struktur doch von Saharastaub verursacht, der durch Sandstürme bis ins Cirrenniveau verfrachtet wird. Dieses Phänomen trifft vor allem im Frühling auf. Tatsächlich streifte der süd- bis südwestliche Höhenwind Nordafrika und führte Sarahstaub mit sich, was auch von den Aerosolmessgeräten auf dem Jungfraujoch registriert wurde.

 

Kommentare (7)

  1. Gerhard Müller, 09.04.2018, 11:59

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    fast täglich lese ich Ihren sehr informativen Wetterbloq. So schrieben Sie in Ihrem Beitrag vom 11.03.2018 über "Dusty Cirrus" - eine gemaserte Struktur der Cirren die von der Advektion von Saharastaub in der Höhe rühren soll. Heute - am Morgen des 09.04.2018 - ist, ebenfalls mit einem starken Saharastaubereignis, eine ähnliche Cirrenstuktur über dem Süden Deutschlands zu beobachten.
    Mir ist unklar welche Auswirkung der Saharastaub auf die Struktur der Cirrus-Bewölkung haben kann - eine solche Formation der Cirren würde ich mit starken vertikal Bewegungen - Turbulenzen in der höheren Troposphäre verbinden - so werden auch heute starke Turbulenzen in der Höhe in den Sigmets erwähnt.
    Können Sie mir Quellen nennen, aus denen die Auswirkungen von Saharastaub auf die höhere Bewölkung - Dusty Cirrus hervorgehen ?
    Vielen Dank - mit freundlichen Grüßen
    Gerhard Müller

    1. MeteoSchweiz, 09.04.2018, 14:45

      Man nimmt an, dass die Aerosole (Saharastaub) die Strahlungsverhältnisse in der Wolken verändern, oder anders gesagt, sie sorgen wegen besseren Abstrahlungseigenschaften der Aerosole in der Nacht für eine stärkere Abkühlung an der Wolkenobergrenze. Dies führt zu einer instabileren Schichtung und damit zu einer konvektiven Zellstruktur innerhalb der (Cirrus-)Bewölkung. Tagsüber nehmen die Aerosole die Sonneneinstrahlung auf und kühlen dadurch nicht mehr weiter ab oder erwärmen sich wieder, die Labilität in der Cirrusbewölkung nimmt ab. Dies scheint auch der Grund zu sein, weshalb solche "dusty Cirren" oft nur in den Morgenstunden sichtbar sind.
      Es gibt auf der Homepage von Eumetsat einen kurzen Artikel über diese konvektive Zellstruktur, allerdings nur in englischer Sprache, zu finden hier als PDF:
      http://oiswww.eumetsat.org/WEBOPS/iotm/iotm/20100211_dust/report_kollath.pdf
      oder als Website hier:
      https://www.eumetsat.int/website/home/Images/ImageLibrary/DAT_IL_10_02_11.html

  2. Tobias S., 11.03.2018, 22:09

    Ist die Squall-Line über Ostfrankreich nicht erwähnenswert gewesen? Ist schließlich nur knapp von der Schweiz entfernt und war ja obwohl erst Mitte März ist schon ziemlich "sommerlich" ausgeprägt?...

    1. MeteoSchweiz, 12.03.2018, 10:26

      Selbstverständlich wäre die Gewitterlinie erwähnenswert gewesen, allerdings könnten wir nicht immer alle Phänomene beschreiben, sonst werden die Blogbeiträge zu lang. Der Blogger hat sich gestern auf die Phänomene konzentriert, welche eine Auswirkung auf das Schweizer Wetter hatten.

  3. Martina, 11.03.2018, 20:29

    Liebes Meteo-Team,
    Danke für Ihre immer wieder interessanten und informativen Beiträge.
    Nun meine Frage: Am Samstagabend hatte man von Bern eine wunderschöne Abendstimmung Richtung Dreigestirn. Weshalb scheinen die Berge bei Föhn näher zu sein, als üblich? Besten Dank für eine Antwort. Martina

    1. Niklaus Wiget, 12.03.2018, 10:25

      Sehr geehrte Frau Martina, die Berge sind bei trockener Luft (niedriger relativer Luftfeuchtigkeit) besser, d.h. klarer zu sehen. Deshalb sind sie aber nicht näher, scheinen uns aber in unserem subjektiven Empfinden näher und grösser zu sein. So lernten wir es in der Primarschule - das ist bei mir 50 Jahre her. Schön, dass das beim Föhn unverändert so geblieben ist. Ihr Niklaus Wiget

    2. MeteoSchweiz, 12.03.2018, 10:27

      Die Berge schienen vor allem näher, weil die Sichtverhältnisse sehr gut waren. Dies ist vor allem auf die besseren Kontraste zurückzuführen, weshalb im Gelände mehr Details zu erkennen sind. Bei Föhn ist die Sicht allerdings nicht immer gut, sie kann auch durch Saharastaub getrübt sein. Fehlt während einer Föhnlage der Niederschlag im Süden, so sind auch die Sichtverhältnisse im Norden meist nicht ausserordentlich gut.