Witterung Winter 2017/2018

1. März 2018, 10 Kommentare
Themen: Klima

Der Schweizer Winter 2017/2018 war im landesweiten Mittel normal temperiert. Die Berglagen registrierten eine unterdurchschnittliche, die Tieflagen beidseits der Alpen eine überdurchschnittliche Wintertemperatur. In den Bergen brachte der Winter reichlich Schnee. Die winterliche Sonnenscheindauer blieb in der ganzen Schweiz unterdurchschnittlich. Besonders trüb zeigte sich der Februar.

Curaglia im Bündner Oberland. Hier zerstörte der Wintersturm Vivian im Februar 1990 den lebenswichtigen Lawinenschutzwald. Foto: S. Bader
Curaglia im Bündner Oberland. Hier zerstörte der Wintersturm Vivian im Februar 1990 den lebenswichtigen Lawinenschutzwald. Foto: S. Bader

Normale Wintertemperatur

Die Wintertemperatur 2017/18 bewegte sich im landesweiten Mittel im Bereich der Norm 1981–2010. In Berglagen lag sie 0.8 Grad unter der Norm, in den Tieflagen der Alpennordseite 0.7 Grad über der Norm. In den Tieflagen der Alpensüdseite stieg die Wintertemperatur nur geringfügig über die Norm 1981–2010.

Der Dezember 2017 zeigte sich im landesweiten Mittel 0.6 Grad kühler als die Norm 1981–2010. In den Bergen und auf der Alpensüdseite lag die Dezembertemperatur 1 bis 2 Grad unter der Norm. Die Januartemperatur 2018 stieg regional in eine extreme Rekordhöhe. Am Messstandort Genf erreichte die Januartemperatur 2018 den alles überragenden Rekordwert von 6.0 Grad. Die bisher mildesten Januarmonate lieferten in Genf um 4.5 Grad.

Auch im landesweiten Mittel erlebte die Schweiz mit einem Temperaturüberschuss von 3.1 Grad den mildesten Januar seit Messbeginn 1864. Im Februar hingegen blieb das landesweite Mittel 2.8 Grad unter der Norm 1981–2010. In Berglagen betrug das Temperaturdefizit gegenüber der Norm sogar 3.5 Grad. In den Bergen endete der Winter mit einem der kältesten Februarmonate der letzten 30 Jahre.

Lange Messreihen sind unerlässlich

Die Einordnung des vergangenen Winters in den langjährigen Temperaturverlauf der Schweiz ist nur möglich, weil wir auf Temperaturmessungen der letzten 150 Jahre zurückgreifen können. In der Schweiz gibt es solche langen und auf Qualität geprüfte Messreihen aber nicht nur von der Temperatur, sondern auch von anderen klimarelevanten Messgrössen wie Gletscherlängen, Niederschlagsmengen oder Ozonkonzentrationen. Kombiniert betrachtet helfen uns derlei Messreihen, unser Klima besser zu verstehen. Eine Übersicht der wichtigsten klimarelevanten Messreihen der Schweiz findet man in einem erst kürzlich von MeteoSchweiz publizierten Inventarbericht:

Inventory report of the National Climate Observing System (GCOS Switzerland)

Blogartikel Lokal messen - global verstehen

Reichlich Niederschlag und Schnee

Die winterlichen Niederschlagsmengen erreichten verbreitet 130 bis 170 Prozent der Norm 1981–2010. Im Wallis und in Graubünden stiegen die Werte regional auf über 200 Prozent. Die Alpensüdseite registrierte 100 bis 150 Prozent, lokal auch um 180 Prozent der Norm.

Im Januar 2018 registrierten 95 Messstandorte rekordhohe Monatsniederschläge. An 72 dieser Standorte reichen die Messreihen mehr als 50 Jahre zurück. Im Wallis brachte der Januar 2018 an vier über 50-jährigen Messstandorten nicht nur die höchste Januarsumme, sondern die höchste Monatssumme überhaupt: Zermatt erhielt 257 mm, Stalden/Ackersand 220 mm, Visp 328 mm und Grimentz 254 mm.

In den Bergen fiel im Dezember und im Januar reichlich Schnee. Die Lawinengefahr war vor allem im Januar in weiten Teilen der Alpen gross bis sehr gross. Einige Täler waren mehrere Tage nur mit Helikopter erreichbar. In Arosa auf 1880 m lieferte der Winter 2017/18 die beachtliche Neuschneesumme von 5.3 m. In den letzten 50 Jahren gab es hier nur im Winter 2011/12 mit 5.8 m eine grössere Neuschneesumme. Am Walliser Messstandort Grächen auf 1600 m fiel eine winterliche Neuschneesumme von über 2 m, was zu den höchsten Wintersummen seit Messbeginn vor 50 Jahren gehört.

Unterdurchschnittliche Sonnenscheindauer

Die Sonnenscheindauer blieb im Winter 2017/2018 in der ganzen Schweiz unter dem Durchschnitt. Auf der Alpensüdseite und im Engadin gab es meist Werte zwischen  80 und 90 Prozent der Norm 1981–2010. In den Alpen erreichte die winterliche Sonnenscheindauer verbreitet 70 bis 80 Prozent, auf der Alpennordseite nur 50 bis 75 Prozent der Norm.

Im Dezember 2017 lag die Sonnenscheindauer in den meisten Gebieten zwischen 80 und 110 der Norm 1981–2010. Regional gab es im Wallis nur 70 Prozent, im Mittelland und im Südtessin nur 60 Prozent der Norm. Die Bodenseeregion erhielt hingegen bis 120 Prozent der Norm 1981–2010.

Auch im Januar 2018 erreichte die Sonnenscheindauer in der Bodenseeregion 130 Prozent der Norm 1981–2010. Die übrigen Regionen der Schweiz registrierten Werte zwischen 60 und 90 Prozent der Norm.

Ausgesprochen trüb zeigte sich der Februar. Nördlich der Alpen und in den Alpen blieb die Sonnenscheindauer in einigen Gebieten unter 50 Prozent der Norm 1981–2010. Regional war es einer der trübsten Februarmonate der letzten 30 Jahre. Die Alpensüdseite erhielt verbreitet 70 bis 90 Prozent der Norm.

Stürmischer Winter

Die Alpennordseite erlebte einen stürmischen Winter. Die Monate Dezember und Januar brachten am Messstandort Zürich-Fluntern nach mehreren Jahren eigentlicher Sturmflaute eine erhöhte Sturmaktivität. Schäden verursachten vor allem die Januarstürme, insbesondere der Sturm Burglind vom 3. Januar 2018.

Vom 16. bis am 18. Januar 2018 herrschte in der Schweiz eine sehr intensive dreitägige Sturmperiode. Am Messstandort Zürich-Fluntern gab es an allen drei Tagen eine maximale Windspitze um 100 km/h oder mehr. Eine vergleichbar intensive dreitägige Sturmperiode wurde am Messstandort Zürich-Fluntern letztmals im Januar 2004 aufgezeichnet. Dann muss man in den Aufzeichnungen bis zum Jahrhundertsturm Lothar vom Dezember 1999 zurückblättern, um auf eine ähnlich intensive Sturmperiode zu treffen.

Der definitive Bericht zum Winter 2017/2018 ist ab dem 12. März 2018 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.

Monats- und Jahresrückblick

 

Die Berichte zu den Wintermonaten Dezember 2017, Januar 2018 und Februar 2018

Klimabulletin Dezember 2017
Klimabulletin Januar 2018
Wetterrückblick Februar 2018, Blogartikel vom 27. Februar 2018

Kommentare (10)

  1. Simon Vetsch, 05.04.2018, 21:59

    Bin etwas erstaunt über diese Rekorde. Der schwere lawinenwinter 1999 brachte über den gesamten alpenraum von Frankreich, Schweiz und Österreich mit starken nordwest Strömungen riesen Mengen, welche nur mit dem lawinenwinter 1951, und weiter zurück im 1817 vergleichbar sind. Im 1999 geschah dies um den 22. Februar, also spät. Fast um das gleiche Datum im Jahr 1970, fielen im Unterengsdin von Samstag morgen ab 10:00 bis am Sonntag Abend ca.. 21:00 in Vnà auf 1600 ganze 160 cm Neuschnee, habe so was noch nie gesehen im Unterengadin, da nicht gerade bekannt für Stauniederschläge. . Abends betrug die Gesamthöhe 1.8m und fiel in sich zusammen bis am Morgen auf 1.6m wegen des temperaturanstiegs. Einen Tag zuvor kam die Lawine in Reckingen VS niederund tötete ein ganze Armeetruppe. Ich gehe davon aus dass es (1970")nicht ganz mit den genannten lawinenwinter herein geht, weil vielleicht Frankreich wenig betroffen war,hingegen gibt es Bestätigungen aus dem Vorarlberg, zumal war es auch er eine starke nordwest Strömung.

  2. Timo Kleger, 05.03.2018, 16:35

    Wird die Vergleichsperiode 1961-1990 nicht mehr gebraucht?
    Damit könnte man doch den Klimawandel besser bzw. dramatischer darstellen!

    Für aktuelle Erwartungswerte ist die neue Vergleichsperiode schon sinnvoll.
    Aber dann müsste man dies auch klar schreiben finde ich. Wenn ein Leser liest, dass der Winter normal warm war (im Untertitel), dann könnte er denken, dass der Winter im Vergleich zu früher normal warm war.
    Im Vergleich zur Normperiode 1961-1990 ist aber auch dieser Winter zu warm ausgefallen.
    Wie viel °C macht dies durchschnittlich zwischen den beiden Perioden aus? ca. 1°C?

    1. MeteoSchweiz, 06.03.2018, 10:08

      Gleich im ersten Satz des ersten Abschnitts des Blogartikels ist klar festgehalten, dass es um die Vergleichsperiode 1981-2010 geht. Diese Vergleichs- bzw. Normperiode wird auch im weiteren Text immer wieder erwähnt. Der Leser weiss also, dass die Winterbeurteilung im Vergleich zum Norm 1981-2010 erfolgt. In allen unseren Monats-, Saison- und Jahresbulletins wird für die Beurteilung standardmässig die Vergleichsperiode 1981-2010 verwendet. Damit folgt MeteoSchweiz der Empfehlung der Weltmeteorologie-Organisation (WMO), das aktuelle Geschehen im Vergleich mit der Normperiode 1981-2010 aufzuzeigen. Bei der Diskussion der langjährigen Klimaänderung wird hingegen, auch gemäss Empfehlung der WMO, nach wie vor die Normperiode 1961-1990 verwendet, zum Beispiel im Klimareport 2016 der MeteoSchweiz (ab Seite 50):

      Klimareport 2016
      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/klima-der-schweiz/monats-und-jahresrueckblick.subpage.html/de/data/publications/2017/5/klimareport-2016.html

      Von der Normperiode 1961-1990 zur Normperiode 1981-2010 ergibt sich bei der landesweit gemittelten Wintertemperatur ein Anstieg von +0.6 Grad. Bei der landesweit gemittelten Sommertemperatur liegt der Anstieg bei +1.2 Grad.

  3. P Hand, 01.03.2018, 19:30

    Bezüglich Arosa: Wie ist die mittlere Tagestemperatur vom 26.02. (wohl ca -19 Grad) einzuordnen? Danke!

    1. MeteoSchweiz, 02.03.2018, 22:23

      Das Tagesmittel in Arosa lag am 26.2.2018 bei -19.4 Grad, am 27.2.2018 bei -21.0 Grad. Das war das dritt-tiefste Februartagesmittel in der seit 1959 homogen verfügbaren Messreihe. Die beiden tieferen Werte von -21.6 Grad (04.02.2012) und von -21.5 Grad (10.02.1986) stammen aus der ersten Februarhälfte. Somit war der 27.2.2018 in Arosa der kälteste Tag in der zweiten Februarhälfte in der seit 1959 homogen verfügbaren Messreihe.

  4. D. Keller, 01.03.2018, 17:29

    Frage: der Chart der Neuschneesumme Arosa zeigt keinen Trend an. Einzig um 1930 zeigt sich "ein Loch" mit schnearmen Wintern. Ist Arosa exemplarisch für den Schweizer Alpenraum? Oder anders gefragt: ist die Neuschneesumme in den Schweizer Alpen so stabil wie in Arosa?

    1. MeteoSchweiz, 02.03.2018, 09:54

      MeteoSchweiz verfügt nur über wenige Schneemessreihen im Gebirge. Die Spezialisten zur langjährigen Schneeklimatologie in den Schweizer Alpen befinden sich am Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos. Sie haben kürzlich das Thema "Änderung der Schneedecke seit 1970" in einem wissenschaftlichen Artikel publiziert:

      Shorter snow cover duration since 1970 in the Swiss Alps https://link.springer.com/article/10.1007/s10584-016-1806-y

      Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos https://www.slf.ch/

  5. D.Keller, 01.03.2018, 17:16

    Einem sehr milden Januar folgte ein sehr kalter Februar. So nah können "extreme" Messwerte liegen: Wetter-, keine Klimakapriolen. Und so mündete der aktuelle Winter in ein durchschnittlich. Zeigt, dass man "Extremwerte" durchaus gelassen nehmen kann.

    1. Tobias Leuzinger, 08.03.2018, 08:28

      @D.Keller Wahre Worte !

    2. S.K., 13.03.2018, 08:26

      Der Mensch sieht oder in diesem Fall liest, halt nur was er sehen will! Sehr betrüblich!