«Wer sich aktiv beteiligt, hat mehr Einfluss.»

31. Mai 2018

Peter Binder, Direktor von MeteoSchweiz, wurde diese Woche zum Präsidenten des European Meteorological Networks EUMETNET gewählt. Was er als Vorsitzender des bedeutenden Interessenverbandes erreichen will und was ihm dabei besonders wichtig ist, erzählt er im Interview.

Peter Binder, Direktor MeteoSchweiz
Peter Binder, Direktor MeteoSchweiz

Peter Binder, Sie sind soeben zum Präsidenten von EUMETNET, dem Netzwerk der europäischen Wetterdienste gewählt worden. Herzliche Gratulation. Es interessiert uns sehr, was das für Sie und die MeteoSchweiz bedeutet.

Was bedeutet Ihre Wahl für Ihr Bundesamt und für die Schweiz?

Zunächst einmal ist es eine grosse Ehre, als Vertreter eines der 31 Mitgliedstaaten das Präsidium übernehmen zu können. Die Wahl zum Präsidenten bestätigt mir auch, dass der Einsatz von MeteoSchweiz sehr geschätzt wird.

Wir engagieren uns gerne in diesem bedeutenden Interessenverband, der gerade im Bereich des Wissens- und Erfahrungsaustausches wichtige Aufgaben übernimmt. Dabei ist klar: wer sich aktiv beteiligt, kann seine eigenen Interessen einfacher einbringen und damit auch die EUMETNET-Aktivitäten beeinflussen. Und wer rechnet, der sieht schnell, dass dank EUMETNET Synergien genutzt werden können und das Engagement einen guten „Hebeleffekt“ hat: So beteiligen wir uns beispielsweise mit 3-4% an den Kosten und profitieren zu 100% von den Resultaten.

Welche Aufgaben kommen Ihnen als Präsident zu?

Mit seiner Arbeit kann der Präsident Einfluss auf die Gestaltung der Zukunft der Organisation und die wichtigsten Neuerungen nehmen. Als Vorsitzender kommt mir die Leitung der halbjährlich stattfindenden Vollversammlung der Mitglieder (Assembly) zu, ich bin höchster Repräsentant der Organisation und Vorgesetzter des „Executive Directors“, der mit seinem Sekretariat die operativen Geschäfte führt. MeteoSchweiz nimmt damit in der EUMETNET-Führungsstruktur eine aktive Rolle ein.

In den letzten beiden Jahren hatte ich als Vizepräsident den Auftrag, mit einer Arbeitsgruppe die EUMETNET-Strategie bis 2025 auszuarbeiten, die letztes Jahr verabschiedet wurde. Als Präsident will ich jetzt für die Umsetzung dieser Strategie sorgen. EUMETNET soll dazu beitragen, dass die nationalen Wetterdienste ihre Aufgaben bestmöglich erfüllen können.

Für die Zeit ab 2019 bereiten wir zudem die Erneuerung des Abkommens vor, das EUMETNET zugrunde liegt. In diesem Zusammenhang stehen auch einige wichtige und spannende Veränderungen an, auf die ich mich freue. Der Bundesrat hat dem erneuerten Abkommen bereits zugestimmt.

Welches sind die wichtigsten Neuerungen?

Die EUMETNET Strategie orientiert sich am Credo der Wetterdienste „collaboration and complementarity“, also Zusammenarbeit und Ergänzung. Um die Zusammenarbeit möglichst zu fördern und flexibel gestalten zu können, ändern wir das Abkommen dahingehend, dass in Zukunft auch kleine Gruppen von Mitgliedern Projekte abwickeln können, die ihren Bedürfnissen entsprechen. Zudem gibt es den sogenannten „market place“, wo jedes Mitglied Mitstreiter für seine Projektidee suchen kann.

MeteoSchweiz hat zwei innovative Ideen eingebracht, die bereits Resultate zeitigen. Das erste Beispiel betrifft die automatische Messung von Pollen in der Luft. Das EUMETNET-Projekt Auto-Pollen widmet sich der Etablierung und Harmonisierung dieser neuen Messmethoden. Das Projekt wurde von der Assembly bewilligt und gestartet. Die zweite Projektidee betrifft die Nachverarbeitung von Wettermodellvorhersagen (Postprocessing) und bezweckt, Knowhow und Methoden auszutauschen. Eine Interessengruppe ist dabei, einen konkreten Projektantrag auszuarbeiten.

MeteoSchweiz ist aber auch auf Programmebene initiativ: Sie bewirbt sich für die Koordination des Programms, das die verschiedenen auf Fernerkundungsmethoden beruhenden Messnetze zur Bestimmung der Vertikalprofile von Wind, Aerosolen und Wolken zusammenbringt. Neben dem Betrieb wird natürlich auch an der verfeinerten Auswertung der Daten gearbeitet.

Was ist Ihnen besonders wichtig?

Zentral in der Arbeit von EUMETNET ist die Definition der Programme und Projekte. An den diesjährigen Vollversammlungen im Mai und November beraten wir darüber, welche Programme ab 2019 unter dem neuen Abkommen durchgeführt, welche Projekte umgesetzt werden sollen. Grundsätzlich führen wir weiter, was bisher erfolgreich war und lancieren neu, was für EUMETNET von strategischer Relevanz ist.

Das bedeutet zunächst vor allem in Bezug auf die Finanzierung eine Herausforderung, worüber wir erste Diskussionen geführt haben und im November entscheiden werden. Ich bin gespannt auf die konkrete Ausgestaltung des EUMETNET-Programms und freue mich auf eine spannende Präsidialzeit.

Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg in der neuen Funktion.

Was steht hinter EUMETNET?

Das European Meteorological Network (EUMETNET) ist eine Interessenverband bestehend aus 31 nationalen Wetterdiensten in Europa. EUMETNET bildet den Rahmen für die Zusammenarbeit der Wetterdienste in Form von Kooperationsprogrammen in unterschiedlichen Bereichen von meteorologischen Basisaktivitäten. Dazu gehören Beobachtungssysteme, Datenverarbeitung, grundlegende Prognoseprodukte, Forschung und Entwicklung sowie Schulungen. Der Wissens- und Erfahrungsaustausch wird dank EUMETNET stark gefördert.

Weitere Informationen zu EUMETNET finden Sie hier.

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