Der Gipfel auf 375 Meter über Meer

29. Oktober 2019, 6 Kommentare

Einen Gipfel auf 375 Meter über Meer gibt es doch gar nicht. Und wenn es ihn gäbe, dann kann er nicht so spektakulär sein. Oder doch? Am 29. Oktober findet nämlich zum ersten Mal der High Mountain Summit statt – und zwar in Genf in der Schweiz. Durch die Klimaveränderung steigt das Risiko von Naturgefahren und Ökosysteme stehen zunehmend unter Druck. Gebirgsräume sind dem besonders ausgesetzt. Durch den High Mountain Summit, organisiert von der Weltorganisation für Meteorologie WMO, wird diese Thematik angegangen.

Photo by Ivo Raeber on www.unsplash.com
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Als im Jahr 2003 auf einer Höhe von rund 3400 Meter über Meer mehr als 1000 Kubikmeter Fels in die Tiefe donnerten, schockierte dies nicht nur Bergsteigerinnen und Bergsteiger, sondern die gesamte Schweiz. Der Felssturz am Matterhorn entsprach circa dem Volumen von zwei Einfamilienhäusern. Durch steigende Temperaturen wurde der Fels bis tief hinunter erwärmt und das Eis, welches in Poren und Rissen enthalten war, schmolz weg. Der Permafrost, der die Felsen zusammenhalten sollte, war nicht mehr vorhanden.

Die Folgen der Klimaveränderung zeigen sich in Gebirgsregionen sehr deutlich, denn sie sind den damit einhergehenden Naturgefahren besonders ausgesetzt. Das ist nicht nur am Permafrost erkennbar, sondern an der gesamten Kryosphäre – Gletscher und Schnee gehören auch dazu. Die Kryosphäre und Ökosysteme der Hochgebirgsregionen liefern und regulieren die Süsswasserressourcen für rund die Hälfte der Weltbevölkerung. Durch Veränderung in der Verteilung der Niederschläge, durch den Anstieg der Schneefallgrenze und das Abschmelzen der Gletscher wird die Verfügbarkeit von Wasserressourcen beeinflusst.

Dies unterstreicht der eben veröffentlichte Sonderbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) über Ozean und Kryosphäre in einem sich wandelnden Klima (SROCC). Das IPCC ist das Gremium der Vereinten Nationen zur Bereitstellung des aktuellen Stands der Klimaforschung im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Genannt wird das IPCC oft auch Weltklimarat. Der IPCC Sonderbericht hilft, die klimabedingten Veränderungen in den weltweiten Gebirgsregionen besser abzuschätzen und die Risiken zu minimieren, damit Bevölkerung, Sachwerte und natürliche Lebensgrundlagen besser geschützt sind.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen braucht es einen koordinierten Effort entlang der gesamten Wertschöpfungskette, beginnend bei der Wissenschaft bis hin zu den verantwortlichen  Behörden. Wissenschaftlich fundierte Daten, Vorhersagen, Informationen und Dienstleistungen sind Kernpunkte zur Stärkung der Klimaanpassungsfähigkeit auf verschiedenen Ebenen – lokal, regional und national. Aufgrund dessen findet von heute bis zum  31. Oktober 2019 in Genf ein Gipfeltreffen statt, der High Mountain Summit. Dieses Treffen wurde von der Weltorganisation für Meteorologie WMO zusammen mit anderen (UN-)Partnerorganisationen und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einberufen. Eröffnet wird der High Mountain Summit durch eine Begrüssungsrede von Bundesrat Alain Berset. Der Summit soll den Dialog vorantreiben, um auf die benötigten Dienstleistungen hinzuarbeiten. Aus dem Gipfeltreffen soll ein konkreter Aktionsplan – Call for Action – resultieren. Der Summit soll somit insbesondere dazu beitragen, eine nachhaltige Entwicklung in den Gebirgsregionen zu gewährleisten.

Als Gebirgsland erkennen wir die Dringlichkeit dieses Vorhabens. Die Schweiz erforscht auch deshalb die Klimaveränderungen in nationalen Klimaszenarien sowie die Auswirkungen des jetzigen und zukünftigen Klimawandels auf Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt unter anderem im Rahmen des National Centre for Climate Services (NCCS). Das NCCS ist das Netzwerk des Bundes für Klimadienstleistungen und die nationale Umsetzung des Global Framework for Climate Services der WMO.

Vergrösserte Ansicht: Bundesrat Alain Berset bei seiner Eröffnungsrede zum High Mountain Summit am Dienstagmorgen in Genf.
Bundesrat Alain Berset bei seiner Eröffnungsrede zum High Mountain Summit am Dienstagmorgen in Genf.

Die WMO in Kürze

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ist die Sonderorganisation der Vereinten Nationen für Meteorologie (Wetter und Klima), Hydrologie und verwandte geophysikalische Wissenschaften. Die Schweiz trat der Organisation 1949 bei und ist gleichzeitig Sitzstaat. Federführend für die Interessenvertretung der Schweiz ist das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz.

 

Links

WMO High Mountain Summit

National Centre for Climate Services (NCCS)

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Kommentare (6)

  1. Bucher, 29.10.2019, 22:14

    Danke für den super interessant Blog!!!!!!!! Das erste Foto ist super!!!! Ich liebe das Matterhorn!!!! Noch einen schönen Abend! Grüsse Bucher

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  2. Stefan S., 29.10.2019, 18:27

    Als Mineraliensammler und Geologe kann ich nur sagen, dass es keine signifikante und nachweisliche Zunahme von Steinschlägen und Felsstürzen in neuester Zeit gegeben hat.

    Heute wird mit Satelliten u. Messapparaten alles bis in den letzten Winkel eines Tales überwacht, und ein jeder Wanderer / Biker zückt sofort sein Handy, um einen herunterfallenden Stein zu dokumentieren, das hat es vor 50 oder 100 Jahren nicht gegeben, wurde also auch nicht aufgezeichnet.
    Wer aber die Landschafts- und Klimageschichte der Alpen kennt, weiss, das vor allem geologische Prozesse für derartige Vorgänge verantwortlich sind. In der Klimadiskussion werden Ursachen und Anlass leichtsinnig und sträflich vermischt, besonders was die Alpen und deren Verkehrswege betrifft.
    Vielleicht sollte der IPCC im Kloster Einsiedeln oder im Kloster Disentis die Jahrhunderte alten Wetteraufzeichnungen und Berichte lesen und studieren, denn Wissenschaft muss auch kritisch sein bzw. hinterfragen und nicht nur polemisieren

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    1. Markus D., 30.10.2019, 16:45

      Danke!

    2. Elli, 31.10.2019, 21:49

      Interessanter Beitrag, Stefan S., meine volle Zustimmung!

    3. Katharina D., 01.11.2019, 08:46

      Dass wir heute dank modernerer Technik und höherer Bevölkerungsdichte mehr Kenntnis von Felsstürzen und Steinschlägen, insbesondere kleineren Ereignissen haben, haben Sie richtig erkannt.
      Ich widerspreche Ihnen aber in Ihrer Behauptung, dass vor allem geologische Prozesse für solche Ereignisse verantwortlich sind und diese sich über die Zeit nicht ändern: Ein ganz wesentlicher Faktor ist das Wasser, flüssig oder gefroren, das sollte Ihnen als Geologe bewusst sein. Und dass die Gletscher der Alpen in den letzten 100 Jahren fast ausnahmslos im Rückzug begriffen sind, dürfte hinreichend dokumentiert sein. Gletscherrückgang und tauender Permafrost sind eine direkte Folge des Klimawandels. Und wo das Eis als Stütze oder Kleber fehlt, verliert der Fels (mit der Zeit) seine Festigkeit und stürzt ins Tal.
      Ein Felssturz macht noch keinen Klimawandel, aber es gibt einen direkten Zusammenhang, und den sollten Sie als Wissenschaftler eigentlich auch sehen. Sagt diese Geologin hier.

    4. holzhackerheini, 13.11.2019, 21:41

      Klimawandel ist ok. Hat es immer gegeben, Wir mussen uns aber anpassen an die neue Situation. Das empfinden wir als sicherheitssuchende Menschen schwierig. Die Alpen und die Bergen werden sich andern, egal ob wir das wollen oder nicht. Wir werden im Zukunft sowieso ein Planet B brauchen. Besser wir unterstutzen die Nasa, statt Miljarden aus zu geben an sinnlose Klimabekampfung.