Wie nutzen Kantone die Warnungen des Bundes?

13. Oktober 2019, 2 Kommentare
Themen: Über uns

Heute ist der Internationale Tag der Katastrophenvorbeugung. Wir haben diesen zum Anlass genommen, zwei Kantonsvertreter zum Umgang mit Naturgefahren und Warnungen zu befragen. Was macht der Kanton Uri, um z.B. im Falle von Dauerregen und Hochwasser die Infrastruktur zu schützen?

Hochwasser in Locarno
Hochwasser in Locarno

Die Naturgefahrenfachstellen des Bundes, das Bundesamt für Umwelt, das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz, die Forschungsanstalt WSL mit dem Schnee- und Lawinenforschungsinstitut (SLF) und dem Schweizerischen Erdbebendienst haben sich zusammengeschlossen, um Bevölkerung vor drohenden Naturgefahren zu warnen. Den Kantonen stellen sie wichtige Informationen und Warnungen zur Verfügung, damit diese Infrastruktur und Bevölkerung z.B. vor Hochwasser, Lawinen oder Stürmen schützen können. Im Interview mit Oliver Indergand, Projektleiter der Abteilung Infrastruktur des Amts für Tiefbau, und Lukas Eggimann, Leiter der Abteilung Naturgefahren des Amt für Forst und Jagd,  erfahren Sie mehr.

Inwiefern sind Naturgefahren für den Kanton Uri ein Thema?

Der Kanton Uri ist den Naturgefahren ganzjährig ausgesetzt. Im Sommerhalbjahr dominieren Hochwasser und Murgänge, im Winter sind es die Lawinen, die den Einsatz der lokalen Einsatzkräfte fordern. Nicht zu vernachlässigen sind auch Sturzereignisse wie Steinschlag, die übers ganze Jahr hinweg vorkommen.

Vergrösserte Ansicht: Steinschlag in Isleten im Jahr 2016
Steinschlag in Isleten im Jahr 2016

Auf welche Informationen und Daten sind Sie angewiesen?

Für uns sind Warnungen der MeteoSchweiz für Dauerregen und Schnee erst ab Stufe 3 von Interesse, da Warnungen der Stufen 1 und 2 oft keine oder allenfalls nur kleine Schäden anrichten. Den vielen Gewitterwarnungen schenken wir eher weniger Beachtung, da in den meisten Fällen keine Vorlaufzeit für allfällige Interventionsmassnahmen bleibt.

Wie nutzen Sie Warnungen des Bundes?

Die Warnungen für Dauerregen und Schnee ab Stufe 3 fliessen in die Beurteilung der aktuellen Wetter- und Gefahrensituation der lokalen Einsatzkräfte und Behörden ein. Diese Warnungen werden auch in den allgemeinen Ablaufschemas der Notfallplanung eines betroffenen Naturgefahrenprozesses integriert.

Welche Massnahmen ergreifen Sie, wenn Sie eine Warnmeldung erhalten?

Die uns zu Verfügung stehenden Instrumente wie Pegelüberwachung, Wetterstationen, Videokameras, GIN (gemeinsame Informationsplattform von Naturgefahren für Bund, Kantone und Gemeinden) etc. werden intensiver beobachtet. Solche Warnungen werden für Entscheidungen der lokalen Einsatzkräfte miteinbezogen, um allfällige Beobachtungen und Interventionen auszulösen.

Was ist die häufigste Naturgefahr, welcher der Kanton Uri ausgesetzt ist?

Am häufigsten treten kleinere Sturzereignisse wie Steinschlag oder kleinere Felsstürze auf. Diese sind in ihrer Ausdehnung stark eingeschränkt, womit auch die Schäden in den meisten Fällen nur gering sind. Bezüglich der Schadensumme stellen Hochwasser und Murgänge die bedeutendste Naturgefahr dar.

Wie schützt sich der Kanton Uri im Allgemeinen vor Naturgefahren?

Im Kanton Uri werden Naturgefahren nicht nur mittels Schutzbauten abgewehrt, sondern der Umgang mit Naturgefahren wird auf verschiedenen Pfeilern abgestützt. Dazu gehört eine gut funktionierende Kommunikation zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Im weiteren werden Grundlagen der Gefahren- und Risikobeurteilung erstellt und zur Vermeidung von Schäden wird eine verhältnismässige Prävention und Vorsorge (raumplanerische, baulich-technische Massnahmen, Notfallplanung, Frühwarnung, Organisation) getätigt. Insbesondere den organisatorischen Massnahmen wird eine grosse Bedeutung beigemessen. So verfügt der Kanton Uri über einen eigenen Lawinenwarndienst, welcher z.B. für bestimmte Strassenabschnitte spezifische Lawinengefahrenstufe ermittelt. Als Grundlage dienen dazu selbstverständlich auch die Wettervorhersagen der MeteoSchweiz sowie die Lawinenbulletins der WSL/SLF.

Ebenfalls ein wichtiges Instrument sind die Notfallplanungen Naturgefahren. Die Abteilungen Infrastruktur und Naturgefahren erarbeiten zusammen mit den Gemeinden eine Notfallplanung Naturgefahren für die Naturgefahrenprozesse Hochwasser, Lawinen, Rutsch und Sturz. Bis Ende Jahr 2019 sind alle 20 Urner Gemeinden im Besitz einer Notfallplanung Naturgefahren. Diese enthält Informationen über die heiklen Stellen im Gemeindegebiet und zeigen Interventionsmassnahmen im Ereignisfall auf. Die Notfallplanung Naturgefahren soll lokale Einsatzkräfte und Behörden bei der Bewältigung von Naturgefahrenereignissen unterstützen.

 

Weiterführende Informationen

MeteoSchweiz - Gefahren

Naturgefahrenportal

Kanton Uri - Naturgefahren

Internationaler Tag der Katastophenvorbeugung

MeteoSchweiz ist offen für einen respektvollen Onlinedialog und freut sich über Ihre Kommentare und Fragen. Kontaktformular

Kommentare (2)

  1. Neymar, 16.10.2019, 14:12

    Super Bericht

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  2. Jeykrezum, 16.10.2019, 14:02

    Super Bericht!!!😃

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