Viel Neuschnee und stürmischer Föhn

15. November 2019, 3 Kommentare
Themen: Wetter

Die Sturm- und Schneewarnungen der Stufe 3 und 4 konnten heute Mittag aufgehoben werden. Im heutigen Blog ziehen wir Bilanz über die höchsten Windspitzen und die grössten Neuschneesummen.

Die Webcam von Bosco/Gurin zeigte heute Mittag ein tief verschneites Winterdörfchen. Quelle: www.rsi.ch
Die Webcam von Bosco/Gurin zeigte heute Mittag ein tief verschneites Winterdörfchen. Quelle: www.rsi.ch

Auf der Vorderseite eines umfangreichen Tiefs mit Zentrum über Frankreich lag die Schweiz unter einer kräftigen südlichen Höhenströmung. Dabei hat sich bereits gestern Donnerstag auf der Alpensüdseite eine Südstaulage und über den Alpen eine starke Föhnphase eingestellt. In der Nacht auf heute Freitag verstärkte sich sowohl der Schneefall wie auch der Föhnsturm, bevor heute im Laufe des Vomittags eine allmähliche Wetterberuhigung statt fand.

Der Föhnsturm

Vergrösserte Ansicht: Messverlauf an der Station Altdorf: Oben der mittlere Wind und die Böenspitzen (schwarze Linien) sowie die Windfiedern. In der Mitte die Tempratur (rote Linie), der Taupunkt (blaue Linie) und die relative Luftfeuchtigkeit (grüne Balken), die typischerweise während der Föhnphase sehr tief lag. Und unten noch die Niederschlagswerte (blaue Balken). Die Föhnphase wurde mit dem Niederschlagseinsatz heute Morgen beendet.
Messverlauf an der Station Altdorf: Oben der mittlere Wind und die Böenspitzen (schwarze Linien) sowie die Windfiedern. In der Mitte die Tempratur (rote Linie), der Taupunkt (blaue Linie) und die relative Luftfeuchtigkeit (grüne Balken), die typischerweise während der Föhnphase sehr tief lag. Und unten noch die Niederschlagswerte (blaue Balken). Die Föhnphase wurde mit dem Niederschlagseinsatz heute Morgen beendet.
MeteoSchweiz

Der Föhn setzte in den Föhntälern bereits am frühen Donnerstagmorgen ein. Seine stärkste Phase erreichte er dann am Donnerstagabend und in der ersten Nachthälfte auf heute Freitag. Dabei wurden in den Föhntälern 80 bis 120 km/h, im Urner Reusstal sowie im Haslital sogar Böenspitzen von 125 km/h gemessen. Mit dem Niederschlagseinsatz am frühen Freitagmorgen wurde die kräftige Föhnphase wieder beendet.

Vergrösserte Ansicht: Höchste Böenspitzen seit Donnerstagmorgen bis heute Freitagmittag im Alpenraum Die Werte sind in km/h angegeben. Böen über 80 km/h sind rot, Böen über 120 km/h sind lila eingefärbt.
Höchste Böenspitzen seit Donnerstagmorgen bis heute Freitagmittag im Alpenraum Die Werte sind in km/h angegeben. Böen über 80 km/h sind rot, Böen über 120 km/h sind lila eingefärbt.
MeteoSchweiz

Noch etwas stärker blies der Wind in den Bergen: Auf den Berggipfeln oberhalb von 2000 Metern erreichte der stürmische Südwind zwischen Donnerstagmorgen und Freitagmittag Windgeschwindigkeiten zwischen 120 und 160 km/h. Auf dem Jungfraujoch wurden 162 km/h, auf dem Gütsch 152 km/h und auf dem Piz Martegnas 151 km/h gemessen. Im Berner Oberland registrierte die Messstation Russisprung vom SLF unterhalb des Lauberhorns sogar Windspitzen bis 205 km/h.

Viel Neuschnee entlang des Alpenhauptkamms

Vergrösserte Ansicht: Das Webcambild zeigt das verschneite Obergoms heute Mittag. Am Morgen wurden in dieser Region 40 bis 60 cm Neuschnee gemessen.
Das Webcambild zeigt das verschneite Obergoms heute Mittag. Am Morgen wurden in dieser Region 40 bis 60 cm Neuschnee gemessen.
Quelle: www.storia-obergoms.ch

Die Niederschläge setzten auf der Alpensüdseite bereits am Donnerstagmorgen zwischen dem Maggiatal und dem Bedrettotal ein. Am Donnerstagabend und in der Nacht auf heute Freitag verstärkten sie sich deutlich und breiteten sich auf die gesamte Alpensüdseite sowie die angrenzenden Regionen des Alpenhauptkamms aus. Die Schneefallgrenze lag zunächst zwischen 600 und 800 Metern. In der Nacht sank sie im Nordtessin allerdings bis auf die Talböden ab.

Vergrösserte Ansicht: 24-stündige Neuschneemengen heute Morgen. In einem Streifen von Zermatt bis zum Gotthardgebiet wurden 40 bis 70 cm Neuschnee gemessen.
24-stündige Neuschneemengen heute Morgen. In einem Streifen von Zermatt bis zum Gotthardgebiet wurden 40 bis 70 cm Neuschnee gemessen.
Quelle: SLF

Im Maggia- und Verzascatal fielen dabei bis zu 20 cm Neuschnee, in der Region Riviera und im Misox 0 bis 5 cm. In den höheren Lagen wurden am Freitagmorgen zwischen der Region um Zermatt über das Simplongebiet und das Oberwallis bis zum Gotthardgebiet und Region Airolo 40 bis 70 cm Neuschnee gemessen. Bei der Station Simplon lag am Freitagmorgen 70 cm, in Ulrichen 57 cm, in Oberwald 53 cm, in Grächen 49 cm, in Zermatt 48 cm, auf der Göscheneralp 47 cm und in Airolo 45 cm Neuschnee. Aber auch von Sedrun über Splügen bis zum Oberengadin sowie vom Berner Oberland bis La Fouly betrugen die Neuschneemengen bis heute Morgen 15 bis 30 cm.

Wetterberuhigung im Verlauf des Freitags

Im weiteren Tagesverlauf fand eine deutliche Wetterberuhigung statt, so dass am Mittag alle Unwetterwarnungen aufgehoben werden konnten. Nicht nur die Niederschläge auf der Alpensüdseite schwächten sich allmählich ab, sondern auch der Wind in den Bergen liess stark nach. Auch die Bewölkung auf der Alpennordseite lockerte sich zeitweise auf, so dass sich stellenweise auch die Sonne zeigen konnte. Es bleib aber in der Deutschschweiz und im Wallis meist bei sehr kurzen sonnigen Abschnitten. Im Westschweizer Mittelland floss bereits im Laufe des Vormittags trockenere Luft aus Westen ein und es fand ein Übergang zu recht sonnigem Wetter statt. So wurden im Westen 3 bis 7 Sonnenstunden, in der Deutschschweiz und in den Alpen nur ein paar Minuten Sonne gemessen. Im Süden blieb es bis Redaktionsschluss stark bewölkt.

Vergrösserte Ansicht: Karte mit den heute Freitag gemessene Sonnenstunden bis Redaktionsschluss um 15.45 Uhr. Während der westlichste Teil der Schweiz 3 bis 7 Sonnenstunden geniessen konnte, blieb es im Süden ganztags bedeckt.
Karte mit den heute Freitag gemessene Sonnenstunden bis Redaktionsschluss um 15.45 Uhr. Während der westlichste Teil der Schweiz 3 bis 7 Sonnenstunden geniessen konnte, blieb es im Süden ganztags bedeckt.
MeteoSchweiz

Kommentare (3)

  1. Doris, 16.11.2019, 11:14

    Soo schöne Föteli. Leider können wir im Mittelland tatsächlich nur von Schnee träumen.....

  2. Urs, 15.11.2019, 19:08

    Schnee und Kälte wäre hier im Mittelland tatsächlich etwas wunderbares....

    Man darf ja noch träumen dürfen.

  3. Peter Bernet, 15.11.2019, 18:33

    Die recht intensiven Niederschläge vom heutigen Vormittag
    im Raum St. Gallen hatte niemand im Focus.
    Dafür wurden wir am Abend mit einem unvergesslichen
    Abendrot belohnt!