Wenn die Wolke in die Breite wächst...

9. November 2019, 7 Kommentare
Themen: Wetter

Ein Zwischenhoch sorgte heute für schöne Wolkenbilder, wir gehen den Details auf den Grund. Zudem schauen wir uns die winterliche Kälte und die Schneemengen in den Bergen etwas genauer an.

MeteoSchweiz Webcam Ravoire bei Martigny von heute um 13 UTC.
MeteoSchweiz Webcam Ravoire bei Martigny von heute um 13 UTC.

Wetterlage

Vergrösserte Ansicht: Links: Bodenwetterkarte mit Fronten von heute Morgen um 12 UTC. Rechts: Höhenwetterkarte 500 hPa (ca. 5500 m) mit Geopotential (schwarze Linien) und Temperaturverteilung (Farbflächen) von heute 12 UTC.
Links: Bodenwetterkarte mit Fronten von heute Morgen um 12 UTC. Rechts: Höhenwetterkarte 500 hPa (ca. 5500 m) mit Geopotential (schwarze Linien) und Temperaturverteilung (Farbflächen) von heute 12 UTC.
Quelle: Deutscher Wetterdienst, DWD (links) und MeteoSchweiz (rechts)

Der Tiefdruckeinfluss und damit die Niederschläge endeten in der Nacht auf heute. In den unteren Luftschichten wurde Zwischenhocheinfluss wetterwirksam, in der Höhe blieb die Kaltluft über dem Alpenraum liegen. Die Luftmasse wurde hier aber markant abgetrocknet.

Unterhalb von 2900 bis 3200 Metern blieb ausgedehnte Restfeuchtigkeit liegen, diese wurde im Tagesverlauf allmählich etwas abgetrocknet. Allerdings war die Schichtung der Atmosphäre recht labil, sodass rasch neue Quellwolken entstanden.

Schneemessungen

Vergrösserte Ansicht: Auch in der Pizolregion gab es etwas Neuschnee.
Auch in der Pizolregion gab es etwas Neuschnee.
Foto: M. Baumann

In den Bergen ist in den vergangenen Tagen wiederholt Neuschnee gefallen. Die Messung der Gesamtschneehöhe von heute Morgen zeigt, dass in einigen Regionen bereits 25 bis 40 cm Schnee liegen.

Vergrösserte Ansicht: Gesamtschneehöhe in Zentimetern, gemessen heute Morgen um 6 UTC von den Schnee- und Wetterbeobachtern des SLF und von MeteoSchweiz. Rechts die Hitliste der Stationen.
Gesamtschneehöhe in Zentimetern, gemessen heute Morgen um 6 UTC von den Schnee- und Wetterbeobachtern des SLF und von MeteoSchweiz. Rechts die Hitliste der Stationen.

Spitzenreiter an den Stationen mit händischer Schneemessung ist die Station Piz Corvatsch im Oberengadin mit 73 cm vor der Diavolezza mit 60 cm. In den mittleren Höhenlagen sind die 35 cm in Ulrichen im Obergoms (1366 m), die 41 cm in Andermatt (1440 m) und die 30 cm in Sedrun (1420 m) erwähnenswert.

Winterliche Kälte in den Bergen

Vergrösserte Ansicht: Die Rückwärtstrajektorie für das Jungfraujoch für heute Morgen um 6 UTC zeigt die Herkunft der Luftmasse (rot für 3500 m, blau für 4000 m). Vor fünf Tagen befand sich die Luft noch über der Hudson Bay respektive über Neufundland.
Die Rückwärtstrajektorie für das Jungfraujoch für heute Morgen um 6 UTC zeigt die Herkunft der Luftmasse (rot für 3500 m, blau für 4000 m). Vor fünf Tagen befand sich die Luft noch über der Hudson Bay respektive über Neufundland.

In den Bergen hat es nicht nur eingewintert, mit der eingangs erwähnten Höhenkaltluft ist auch winterliche Kälte eingekehrt.

So lagen die nächtlichen Tiefstwerte auf dem Jungfraujoch bei gut -17 und auf dem Titlis bei knapp -14 Grad.

Bereits gestern wurden in den höheren Gipfellagen bei den Tagesmitteltemperaturen negative Abweichungen von 4 bis 5 Grad im Vergleich zum Normwert der Jahre 1981 bis 2010 gemessen.

Verschiedene Wolkenschichten, Quellwolken und Ausbreitungen

Nun aber noch zum heutigen Wetter. Vielerorts startete der Tag mit ausgedehnter tiefer Bewölkung in verschiedenen Schichten, teils auch neblig. Einzig in Teilen des Wallis, in den Berner Hochalpen und auf der Alpensüdseite startete der Tag sonnig. Die Wolkenobergrenze lag zwischen 2900 und 3200 Metern.

Vergrösserte Ansicht: Sonnenaufgang am Sex Rouge (Les Diablerets) heute Morgen - der Gipfel lag knapp über den Wolken.
Sonnenaufgang am Sex Rouge (Les Diablerets) heute Morgen - der Gipfel lag knapp über den Wolken.
Quelle: https://glacier3000.roundshot.com/
Vergrösserte Ansicht: Radiosondenaufstieg Payernde, VD von heute Mittag um 12 UTC. Dargestellt ist die Temperatur (rot), der Taupunkt (blau), die Feuchttemperatur (dünne schwarze Linie) sowie die Windgeschwindigkeit und - richtung (schwarze Fiedern).
Radiosondenaufstieg Payernde, VD von heute Mittag um 12 UTC. Dargestellt ist die Temperatur (rot), der Taupunkt (blau), die Feuchttemperatur (dünne schwarze Linie) sowie die Windgeschwindigkeit und - richtung (schwarze Fiedern).

Bis am Mittag lockerte die Bewölkung in den Alpen von West nach Ost auf. Im Flachland, sowie den Voralpen und dem Jura entlang erfolgte die Abtrocknung nur sehr zögerlich.

Da die untersten rund 3000 Meter der Atmosphäre recht labil geschichtet und angefeuchtet waren, sind mit der Sonneneinstrahlung rasch Quellwolken entstanden.

Vergrösserte Ansicht: Blick von Luzern in Richtung Rigi: Trotz Quellwolken und mittelhohen Wolkenfeldern (Altocmulus) war der Wettereindruck freundlich.
Blick von Luzern in Richtung Rigi: Trotz Quellwolken und mittelhohen Wolkenfeldern (Altocmulus) war der Wettereindruck freundlich.
Foto: E. Müller

Doch damit nicht genug: An der Inversion, welche in der Mittagssondierung in Payerne auf rund 2700 Metern lag, wurde das vertikale Wachstum der Quellwolken jäh gestoppt.

Wie so häufig in diesen Fällen breitete sich die Feuchtigkeit an der Inversion seitlich aus, und es entstanden teils ausgedehnte Schichtwolken. Diese werden als Altocumulus cumulogenitus bezeichnet. Es handelt sich also um eine Haufenwolke in den mittleren Schichten, die aus einer Quellwolke entstanden ist. Vereinzelt produzierten diese Quellwolken im Laufe des Nachmittags sogar noch einmal schwache Schauer.

Optische Phänomene

Zum Abschluss des heute etwas bildlastigen Blogbeitrages schauen wir uns noch die optischen Phänomene des Tages an. Wie so häufig fanden diese an der Nebel- respektive Wolkenobergrenze statt. Zu beobachten waren:

  • Eisnebelhalos (Entstehung an Eiskristallen)
  • Nebelbögen (Entstehungan kleinen Wassertröpfchen)
  • Glorien (Entstehungan kleinen Wassertröpfchen)
  • Brockengespenst (Entstehung an kleinen Wassertröpfchen)
Vergrösserte Ansicht: Oben: Oberhalb der Belalp waren heute ganztags Eisnebelhalos zu sehen. Erkennbar ist der 22°-Ring und zwei Nebensonnen. Unten: Am Sex Rouge (Les Diablerets) konnte man hingegen einen Nebelbogen, sowie eine Glorie mit Brockengespenst beobachten.
Oben: Oberhalb der Belalp waren heute ganztags Eisnebelhalos zu sehen. Erkennbar ist der 22°-Ring und zwei Nebensonnen. Unten: Am Sex Rouge (Les Diablerets) konnte man hingegen einen Nebelbogen, sowie eine Glorie mit Brockengespenst beobachten.
Quelle: https://belalp.roundshot.com/hohbiel und https://glacier3000.roundshot.com
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Kommentare (7)

  1. Lukas, 10.11.2019, 16:45

    Hervorragender Blog-Eintrag mit super Illustrationen - weiter so!

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  2. John, 10.11.2019, 15:45

    Der Absturz auf 0 Grad in Lugano am 8.11., 13 Uhr, dürfte ein Mess- oder Uebertragungsfehler sein.

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    1. MeteoSchweiz, 10.11.2019, 17:13

      Danke für die Meldung, das ist definitiv ein Messfehler. Geben wir gerne an die interne Datenkontrolle weiter.

  3. Oliver, 09.11.2019, 19:20

    genial auch die vielen Bilder - vielen Dank

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  4. Mike (Basel), 09.11.2019, 17:54

    Ein bemerkenswertes Timing, wie der Wolkenaufzug und die Wolkenauflösung in den letzten Tagen zum x-ten Male in der Region Basel registrierbaren Sonnenschein verhindern. Entweder ziehen genau zum Sonnenaufgang Wolken auf - wie am Donnerstag, 07.11.2019 oder die Wolken lösen sich genau wie heute und gestern zum Sonnenuntergang auf. Auch die nächsten Tage bleibt dieses üble Timing erhalten. In knapp 2 Wochen in Summe nur gerade ca. 3 h Sonne.

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  5. stefan, 09.11.2019, 17:48

    Sollte es nicht heissen Hudson Bay und Labrador Danke für die super blogs

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    1. MeteoSchweiz, 09.11.2019, 20:07

      Danke stefan für den Hinweis, wird umgehend korrigiert!