Tessin +3,5 Grad Celsius

7. Februar 2019, 5 Kommentare
Themen: Klima

Auch wenn unser Gedächtnis ziemlich kurz ist und der Winter uns momentan gerade frösteln lässt, so ist es doch erst etwas mehr als einen Monat her, seit wir Historisches zu berichten hatten: das Jahr 2018 war das wärmste je registrierte Jahr in der Schweiz seit 1864, also seit systematisch meteorologische Messungen durchgeführt werden.

Das Jahr 2018 brachte landesweit eine jährliche Durchschnittstemperatur, die etwa 1,5°C über dem langjährigen Durchschnitt der Normperiode 1981-2010 liegt. Regional wurden sogar Abweichungen von bis zu 2,0°C gemessen.

Auf den ersten Blick sind dies unbedeutende Zahlen. Doch Erwärmungen um wenige Dezimalstellen im schweizerischen Jahresmittel können lokal grosse Auswirkungen aufs Wetter- und Klimageschehen haben: so verzeichnete die Schweiz das wärmste je registrierte Sommerhalbjahr seit 1864 und regional entwickelte sich die Regenarmut sogar zu einem Jahrhundertereignis. Besonders betroffen war die Ostschweiz, wo zum Teil die Regenmengen von bis zu drei Monaten ausblieben. Weitere Eigenschaften des Klimas von 2018 waren: die höchsten Januar-Niederschlagssummen seit 1950 an vielen Messstationen im Wallis, der sonnigste Sommer in Genf und Basel seit über 100 Jahren, sowie der wärmste Herbst seit 1864 in einigen Regionen südlich der Alpen.

Was uns heute als Ausnahmejahr erscheint, könnte in Zukunft die Regel sein. Dies ist das Ergebnis der neuen Klimaszenarien CH2018, welche unter Federführung des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz und der ETH Zürich als Themenschwerpunkt des NCCS (National Center for Climate Services) entwickelt wurden. Offiziell lanciert wurden die neuen Klimaszenarien CH2018 im November letzten Jahres in Zürich.
 

Was die zukünftigen Entwicklungen für die Südschweiz konkret bedeuten, was die Folgen sind und ob sich der erwartete Anstieg der Temperaturen noch eindämmen lässt, wird am 12. Februar im Palacinema in Locarno ausführlich diskutiert werden. Die vom Dipartimento del Territorio del Cantone Ticino und MeteoSchweiz gemeinsam organisierte Veranstaltung steht unter dem Titel „Tessin +3,5 Grad Celsius“. Ein solcher Anstieg ist eines der möglichen Szenarien, wie sie Klimamodelle für den Zeitraum um 2060 für das Tessin voraussagen. Erfahren Sie hier mehr zur Veranstaltung vom 12. Februar
 

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Kommentare (5)

  1. Urs Imhof, 07.02.2019, 17:12

    Im Bezirk Zurzach im Aargau werden wir längerfristig infolge Klimaveränderung gar kein Schnee mehr haben.
    Da müssen wir schon froh wenn es überhaupt noch Minusgrade gibt.

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    1. Friedrich Pottenratz, 13.02.2019, 07:11

      Sind Sie doch froh, dann sinken die Heizkosten. Und wenn längerfristig nicht mehr so viel geheizt werden muss, wird sich das Klima auch wieder abkühlen.

    2. Andrej, 13.02.2019, 09:48

      Schmelzendes Eis sorgt für kälteres Wetter, da Eis die Sonnenstrahlen reflektiert.

    3. Thomas S., 17.02.2019, 06:49

      Zweckoptimisten, Hobbyphysiker und Schönredner werden bald einsehen müssen, dass die Klimafachleute halt doch mehr Zusammenhänge verstehen und die unangenehmen Szenarien unausweichlich zutreffen. Vielleicht nicht immer genau so und dort, wie vorausgesagt, dafür oft überraschend heftiger. Nur Veränderungen unseres Verhalten werden helfen.

    4. Nicole, 18.02.2019, 07:20

      Dann werden aber auch die Wasserkosten steigen, da sich der sinkende Niederschlag auf die Wassermengen auswirken wird. Mich besorgt der starke Klimawandel viel mehr und ich Frage mich wie stark das alles mit unserem Umgang mit der Natur zusammen hängt (Wälder roden, schwere Maschinen, die den Boden verdichten, Bodenerosionen, Boden verwüstet zunehmends in Europa und wird künstlich als Erde gehalten)