Wechselhafter März: Auf Stürme folgte Sonne satt

29. März 2019, 4 Kommentare
Themen: Klima

Die Märzwitterung war in der ersten Monatshälfte durch starke Westanströmung vom Atlantik und Tiefdruckgebieten über Nordeuropa geprägt. Die Alpennordseite zeigte sich stürmisch. Die Böenspitzen lagen aber nicht im extremen Bereich. In der zweiten Monatshälfte etablierte sich eine anhaltende Hochdrucklage, die verbreitet zu sehr sonnigem Wetter und milden Temperaturen führte. Insbesondere in höheren Lagen stiegen die Tagesmaxima 6 bis 8 °C über die Norm. Die Monatsmitteltemperatur lag schweizweit mit 1,5 °C über der Norm auf Rang 19. Auf der Alpensüdseite und der Westschweiz war es deutlich milder – dort reichte es für Lugano (+ 1,7 °C, Rang 10) und Genf (+ 2,2 °C, Rang 6) in die Top Ten der wärmsten Märzmonate seit Messbeginn 1864. Mit der Wärme aperte der Alpensüdhang kräftig aus. Regional wurde die massivste Schneearmut seit Messbeginn verzeichnet.

Föhnsturm bei Brunnen am Vierwaldstättersee am 6. März 2019. Foto: Daniel Gerstgrasser
Föhnsturm bei Brunnen am Vierwaldstättersee am 6. März 2019. Foto: Daniel Gerstgrasser

Windiger Start in den Monat

Eine anhaltende Westwindlage über dem Atlantik bescherte Nordeuropa in der ersten Märzhälfte eine ganze Reihe von starken Stürmen. Die Schweiz geriet dadurch unter den Einfluss von Randtiefs und Frontdurchgängen, die vom 1. bis 17. März 2019 zu stürmischer Witterung und einigen markanten Föhnlagen führten. Es wurden regelmässig Windwarnungen ausgesprochen. Das Tessin blieb von starken Winden verschont, abgesehen von den Berglagen und zwei Phasen mit böigem Nordwind am 15. und 18. März und später nochmals am 25. März.

Am 6. März bildete sich auf der Vorderseite eines Tiefs über England eine starke Südströmung aus, die in der Folge auf der Alpennordseite zu einer ausgeprägten Föhnlage führte. In Gipfellagen erreichten die höchsten Windspitzen um 160 km/h, in den Föhntälern der Alpennordseite 100 bis 120 km/h, und in der klassischen Föhnregion des Urnersees blieb man beim Spaziergang nicht immer trocken (Titelbild).

An den übrigen Tagen dieser stürmischen ersten Monatshälfte lagen die Windspitzen im Mittelland verbreitet zwischen 50 und 100 km/h. In den Alpen und auf den Jurahöhen wurden Werte bis 150 km/h gemessen. So verzeichneten beispielsweise am 11. März die Station Chasseral 141 km/h, am 14. März die Station Titlis 151 km/h und Säntis 145 km/h, und am 15. März die Station Gornergrat 165 km/h.

Die höchsten beobachteten Windspitzen waren dabei nicht aussergewöhnlich, sondern etwa alle 2-5 Jahre zu erwarten. Dennoch führte die Dauer der stürmischen Wetterlage von über zwei Wochen an vielen Stationen zu einer überdurchschnittlichen Anzahl von Starkwindtagen.

Vergrösserte Ansicht: Abbildung 2: Anzahl Tage mit Windspitzen von 75km/h und mehr für die Märzmonate von 1981 - 2019. Messstation Zürich-Fluntern.
Abbildung 2: Anzahl Tage mit Windspitzen von 75km/h und mehr für die Märzmonate von 1981 - 2019. Messstation Zürich-Fluntern.

Sonnenverwöhnt in der zweiten Monatshälfte

Ein Zwischenhoch am 16. März kündigte bereits den Wetterumschwung an. Ab dem 18. März wechselte die Grosswetterlage und eine ausgedehnte Hochdruckzone etablierte sich über der Schweiz. Dies führte zu einer Wetterberuhigung mit viel Sonne und Trockenheit und läutete den Frühlingsbeginn standesgemäss ein. Die Maximumtemperaturen stiegen stetig an. Waren es am 19. März noch 8 bis 11 °C, erreichten die Tagestemperaturen bis 23. März in tieferen Lagen 15 bis 20 °C, entlang des Vorderrheins und auf der Alpensüdseite sogar 22 °C. Insbesondere in höheren Lagen stiegen die Temperaturen im Zeitraum vom 21. bis 24. März markant auf 6 bis 8 Grad über der Norm von 1981–2010 an.

Im Mittelland und den nördlichen Alpentälern bildete sich unter dem Hochdruckeinfluss über Nacht zunächst Bodenfrost, Nebel oder tiefer Hochnebel, der sich in der warmen Märzsonne aber jeweils schnell auflöste. Das Temperaturminimum dieser Hochdruckphase wurde am 20. März mit -20,4 °C gemessen, an der Station Buffalora auf 1968 m am Ofenpass.

Im Tessin konnte während der hochdruckbestimmten Phase verbreitet wolkenloses Wetter genossen werden. Bereits in der ersten Monatshälfte war die Alpensüdseite deutlich weniger von den vorbeiziehenden Störungen beeinflusst und brachte es bereits auf zahlreiche Sonnenstunden. Lediglich am 6. und 7. März, wie auch am 17. März trat weitreichende Bewölkung auf. Insgesamt lag die Sonnenscheindauer über der Norm von 1981 - 2010.

Vergrösserte Ansicht: Abbildung 3: Strahlender Sonnenschein über dem Walensee am 24. März 2019. Foto: Cornelia Schwierz.
Abbildung 3: Strahlender Sonnenschein über dem Walensee am 24. März 2019. Foto: Cornelia Schwierz.

Extreme Schneearmut auf der Alpensüdseite

Während in den Ostalpen zum Teil noch überdurchschnittlich viel  Schnee lag, verzeichnete die Alpensüdseite im März regional die massivste Schneearmut seit Messbeginn. Am Messstandort Bosco-Gurin auf 1486 m Höhe erreichte die durchschnittliche Schneehöhe nur gerade 4 cm (Abb. 4). Der bisherige Minimalwert vom März 2007 lag bei 19 cm. Vor Jahresfrist registrierte Bosco-Gurin im März mit 116 cm eine deutlich überdurchschnittliche Märzschneehöhe. Vor fünf Jahren lieferte der März mit 177 cm in Bosco-Gurin gar einen der höchsten Werte seit Messbeginn.

Das sind aber nur Einzelereignisse. Der Klimawandel mit der zunehmend höheren Frühlingstemperatur setzte dem Märzschnee auf der Alpensüdseite arg zu. Von der Normperiode 1961‒1990 zur laufenden Normperiode 1991‒2020 hat sich die durchschnittliche Märzschneehöhe von 108 cm auf 69 cm reduziert.

Diese Entwicklung steht im Einklang mit dem Ansteigen der Nullgradgrenze infolge des anthropogenen Klimawandels. Gemäss den neuen Klimaszenarien CH2018 wird sich diese Tendenz auch in Zukunft fortsetzen. Ohne Klimaschutz könnte die Nullgradgrenze im Winter bis Mitte dieses Jahrhunderts von heute 850 m auf bis zu knapp 1500 m klettern – etwa auf die Höhe von Bosco-Gurin.

Vergrösserte Ansicht: Abbildung 4: Die Märzschneehöhe am Messstandort Bosco-Gurin (1486 m) seit Messbeginn 1961. Die grauen Linien zeigen die Märznormen 1961‒1990 (108 cm) und 1991‒2018 (69 cm). Für den März 1996 und 2005 sind keine Messwerte vorhanden (helle Balken). Sie wurden anhand der Messreihe San Bernardino abgeschätzt.
Abbildung 4: Die Märzschneehöhe am Messstandort Bosco-Gurin (1486 m) seit Messbeginn 1961. Die grauen Linien zeigen die Märznormen 1961‒1990 (108 cm) und 1991‒2018 (69 cm). Für den März 1996 und 2005 sind keine Messwerte vorhanden (helle Balken). Sie wurden anhand der Messreihe San Bernardino abgeschätzt.

Der Frühling ist mit Vorsprung unterwegs

Blühende Haselsträucher wurden bis Mitte März vor allem in Höhenlagen zwischen 650 und 1200 m beobachtet. Die Haselblüte war in diesem Jahr kurz, denn viele Haselsträucher blühten gleichzeitig vom Mittelland bis in höheren Lagen. Oberhalb von 1000 m blühten die Haselsträucher sehr früh, mit einem mittleren Vorsprung von 20 Tage. Insgesamt fand die Haselblüte zu einem normalen Zeitpunkt statt, mit einem mittleren Vorsprung von 8 Tagen auf das Mittel der Periode 1981‒2010. Die frühesten Beobachtungen von blühendem Huflattich wurden schon im Februar gemacht, was sehr früh ist. Die Mehrheit der Meldungen stammt jedoch aus dem März. Der Huflattich konnte von den hohen Temperaturen im Februar und März profitieren und blühte mit einem mittleren Vorsprung von 16 Tagen. 70 % der Beobachtungen lassen sich dabei als „früh“ und „sehr früh“ klassieren. Die bisher höchstgelegene Meldung von blühendem Huflattich stammt aus Chaumont auf 1150 m, wo er am 12. März beobachtet wurde. Buschwindröschen blühten ab dem 3. März im Mittelland unterhalb von rund 650 m mit einem Vorsprung von 8 Tagen auf das Mittel. Selbst erste Obstbäume begannen im März zu blühen: in Locarno wurde die Vollblüte des Birnbaums am 19. März beobachtet (12 Tage früher als im Mittel 1991‒2018) und in Liestal der Blühbeginn des Kirschbaums am 21. März (15 Tage früher als im Mittel 1996‒2018).

Der definitive Bericht zum März 2019 ist ab dem 10. April 2019 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.

Kommentare (4)

  1. max, 05.04.2019, 07:19

    Ich verstehe Normen als jener Bereich in den rund 95 % aller Messungen zu liegen kommen, also mit einem 'Ausreisser' pro 20 konformen Resultaten. Abildung 4, Schneehöhe, graue Linien sind, imho, keine 'Märznormen' eh aussagelose Information à la 45 ist das Durchschnittsalter von 10 und 80 Jährigen. Oder sehe ich was falsch?

    1. MeteoSchweiz, 05.04.2019, 08:38

      In der Meteorologie/Klimatologie wird ein 30-jähriger Durchschnitt als Normwert und die entsprechende Periode als Normperiode bezeichnet. Ausführliche Informationen zum Thema Klima-Normwerte finden Sie auf unserer Web-Seite:
      https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/klima-der-schweiz/klima-normwerte.html

      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz

    2. Andy, 06.04.2019, 13:11

      Bravo, es gibt sie noch die MITDENENKENDEN Menschen.

    3. max, 07.04.2019, 13:56

      Besten Dank für die Antwort, trotzdem Einsprache, Euer Ehren: Beziehe mich auf Schneehöhe nicht Temperaturmessungen. Sehe immer noch keine 'Normhöhe' meistens nur extreme Oszillation z.B. letzte 2 Jahrzehnte von ca 25 cm auf über 1 m, rauf und runter, keine 'Norm'-höhe.