Heuwetter

31. Mai 2019, 6 Kommentare
Themen: Wetter

Ein relativ umfangreiches Hochdruckgebiet namens Pia mit Zentrum über Mitteleuropa bescherte heute der ganzen Schweiz sehr sonniges und warmes (Heu-)Wetter. Ein paar flache Quellwolken sind auch heute wieder entstanden. Wie Sie für Ihre nächste Bergtour abschätzen können, ob der angesteuerte Gipfel in der Wolke liegen könnte oder nicht, erfahren Sie im heutigen Blog.

Dieser Tage sind wohl viele Bauern mit solchen Gerätschaften unterwegs. Bildquelle: www.pixabay.com
Dieser Tage sind wohl viele Bauern mit solchen Gerätschaften unterwegs. Bildquelle: www.pixabay.com

Pia bleibt uns bis und mit Sonntag erhalten. Dabei wird es von Tag zu Tag wärmer. Die Bauern wird’s freuen, so können sie ihr frisch geschnittenes Gras trocknen lassen, ohne Gefahr zu laufen, doch noch einen Regenschauer zu erwischen. Diese bleiben nämlich aus, erst gegen Montagabend steigt das Gewitterrisiko an und bleibt in den Folgetagen erhalten.

Der letzte Maitag dieses Jahres ist für viele Regionen sogleich auch der wärmste des Monats. Im Flachland wurden heute verbreitet um 23 Grad gemessen, in Glarus sogar 25.3 Grad und in Basel 25.4 Grad.

Für viele Flachlandregionen war es aber nicht der wärmste Tag des laufenden Jahres. Beispielsweise fürs untere Aaretal in der Region des Wasserschlosses nimmt der 24. April die Leaderposition des bisher wärmsten Tages im 2019 mit 25.5 bis 26.5 Grad in Anspruch. Wahrscheinlich übernimmt dann aber morgen der erste Junitag die Führung in dieser Rangliste.

Mit Ausnahme des Zentralwallis und des Mittel- und Südtessins (und ab heute auch von Basel) gab es somit im Mai 2019 keinen Sommertag zu verzeichnen. Normalerweise (Norm 1981-2010) werden in den Niederungen der Alpennordseite rund zwei bis fünf, in den Niederungen der Alpensüdseite rund drei bis sechs Sommertage in einem Mai registriert.

Eingangs wurde erwähnt, dass es heute in der ganzen Schweiz sonnig war. Stimmt nicht ganz. Und zwar musste man am Vormittag in der Ostschweiz auf rund 3 bis 4 Stunden Sonne verzichten. Dies aufgrund von dünnen Wolkenfeldern, welche durch die ostwärts abziehende Warmfront (siehe Analyse weiter oben) verursacht wurden.

Weiter oben in einer Bildlegende wurde erwähnt, dass die Quellwolken an einer schwachen Inversion nicht weiter aufsteigen konnten. Die Obergrenze der Quellungen ist in einem solchen Fall also relativ gut markiert. Wie sieht es aber mit der Wolkenunterseite, der Wolkenbasis, aus? Kann man diese auch vorhersagen?

Ja, das kann man. Und zwar gibt es für Quellwolken unter anderem eine Möglichkeit, die Wolkenbasis mit Hilfe einer Faustregel abzuschätzen. Diese funktioniert folgendermassen (sowohl in der Vorhersage als auch mit aktuellen Messwerten):

Man nehme die Maximaltemperatur des Tages, ziehe davon die zu erwartende Taupunkttemperatur ab, und multipliziere diese Temperaturdifferenz (auch Taupunktdifferenz oder in Englisch Spread genannt) mit 120 Metern oder 400 Fuss. Das Resultat ist die Wolkenbasis über Grund in Metern oder in Fuss, je nach gewählter Einheit.

Nehmen wir gleich die Quellwölkchen oben im Bild bei Disentis als Beispiel. Die Zahlen:

  • Maximaltemperatur in Disentis: ca. 19 Grad
  • Taupunkttemperatur: ca. 4 Grad
  • Taupunktdifferenz = 19 – 4 = 15 Grad
  • Wolkenbasis in Fuss über Boden = 15 * 400 = 6000 Fuss
  • Wolkenbasis in Metern über Boden = 15 * 120 = 1800 Metern

Die Quellwolke hatte also demnach eine Basis von geschätzten 2900 m ü.M. (Disentis liegt ca. 1140 m ü.M. + 1800 Meter). Im Bild – aus dieser Perspektive zwar schwierig abzuschätzen – lag die Wolkenbasis in etwa derselben Höhe wie die Berggipfel. Und siehe da: diese sind in etwa 2800 bis 3200 Meter hoch! Zudem steht an unserer Wetterstation in Disentis ein sogenannter Ceilometer. Dieser misst die Wolkenuntergrenze mit Hilfe eines Lasers. Am Nachmittag wurde eine Wolkenbasis von ca. 6400 Fuss über Boden gemessen. Passt!

Aktuelle Temperatur- und Taupunktwerte finden Sie auf unserer Homepage unter Messwerte, die vorhergesagte Temperatur ebenfalls unter der Lokalprognose. Um den vorhergesagten Taupunkt zu eruieren, werden Sie beispielsweise unter www.profiwetter.ch fündig.

Kommentare (6)

  1. Svenei, 01.06.2019, 07:41

    Mir ist bei Quellwolken öfters aufgefallen das sie in bechschwarze Wolken oder wolkschtreifen in sich tragen. Was ist das genau? Ich freue mich auf die Antwort

    1. MeteoSchweiz, 01.06.2019, 07:58

      Leider verstehen wir ihre Frage nicht, könnten Sie diese genauer formulieren? Besten Dank!

    2. Svenei, 01.06.2019, 09:00

      Ich mein wenn Quellwolken in die Höhe schiessen sind diese meist weiss nun habe ich schon öfters beobachtet das sich Pech schwarze Wolken oder Wolken streifen in Der Hellen Wolke befinden. Was ist das genau?

    3. MeteoSchweiz, 01.06.2019, 09:38

      Die Farbe einer Wolke hängt vor allem davon ab wie viel Sonnenlicht sie durchlässt. Erscheint eine Wolke weiss, lässt das meiste Sonnenlicht durch. Nimmt jedoch die Dichte der Wolke zu (mehr und grössere Wolkentropfen) wird auch mehr Sonnenlicht gestreut oder absorbiert und die Wolke erscheint grau/schwarz.

  2. Andrej, 01.06.2019, 01:34

    Gibt es eigentlich irgendwo eine frei zugängliche, hochauflösende/detaillierte Wärme-karte der Schweiz, im Sommer aufgenommen?

    1. MeteoSchweiz, 03.06.2019, 15:49

      Es gibt eine etwas ältere Karte zur Wärmegliederung der Schweiz, basierend auf biosphärischen Analysen:
      Schreiber, K.F., Kuhn, N., Hug, C., Häberli, R., Schreiber, C., 1977: Wärmegliederung der Schweiz. EJPD, Bern, 4 Karten 1:200'000.
      Die Karte ist verfügbar am Institut für Wald, Schnee und Landschaft WSL in Birmensdorf.