Hitze und Schnee

4. Juni 2019, 4 Kommentare
Themen: Wetter

Wettertechnisch lief heute nur wenig. Dafür ermöglichte der heutige Tag sehr vielseitige Outdoor-Aktivitäten. Diejenigen, die frei hatten, konnten sich beispielsweise bei rund 30 Grad in, auf oder an den vielen Gewässern vergnügen, konnten bei nach wie vor, zumindest rein optisch, winterlichen Verhältnissen in den Hochalpen eine Skitour unternehmen oder sich auch in die Luft begeben und das Ganze von oben betrachten.

Wer der Hitze im Flachland entfliehen wollte, konnte in luftige Höhen aufsteigen. Wie hier am Chasseral im Jura. Foto: Sophie Hostettler
Wer der Hitze im Flachland entfliehen wollte, konnte in luftige Höhen aufsteigen. Wie hier am Chasseral im Jura. Foto: Sophie Hostettler

Weiterhin auf der Trogvorderseite

An der Wetterlage hat sich gegenüber gestern grundsätzlich nur wenig geändert. Die Schweiz lag nach wie vor auf der Vorderseite eines umfangreichen Langwellentroges über dem nahen Atlantik in einer schwachen bis mässigen südwestlichen Strömung. Nach der vorübergehenden leichten Abkühlung gestern Abend wurde heute erneut sehr warme, aber weniger feuchte Luft zur Schweiz geführt. Die Atmosphäre war zudem etwas stabiler geschichtet. Weil dynamische Hebungsantriebe fehlten, reichten diese beiden Faktoren aus, dass die Schauer- und Gewitteaktivität bei uns heute weitgehend ausblieb.

Sonnig und nur wenige Quellwolken

Am Morgen gab es stellenweise etwas Wiesennebel und ganz lokal auch etwas grössere Nebelfelder, wie zum Beispiel in Saint-Ursanne im Jura. Zusätzlich bedeckte in den ersten Vormittagsstunden ein etwas grösseres Altocumulus-Feld besonders die zentralen Landesteile. Ansonsten dominierte den ganzen Tag die Sonne und es entstanden auch am Nachmittag insgesamt nur wenige Quellwolken über den Bergen. Trotzdem reichte es am späten Nachmittag für wenige isolierte Schauerzellen.

Durch die Zufuhr von warmer Luft aus Südwesten und das ungehinderte Aufheizen der Luftmasse unter der kräftigen Juni-Sonne stiegen die Temperaturen heute das erste Mal in diesem Jahr auf verbreitet 30 Grad. Auf der Alpennordseite war es in Bad Ragaz, Basel und Würenlingen mit 32 Grad am wärmsten, in Sion im Wallis reichte es sogar für 33 Grad und im Tessin lagen die Tageshöchsttemperaturen bei rund 29 Grad.

Der Wind war im Allgemeinen meist schwach. Im Mittelland wehte am Nachmittag zeitweise eine schwache Bise. Durch den Druckfall auf der Alpennordseite nahm der Südüberdruck im Tagesverlauf zu, wodurch in den Alpen allmählich eine seichte Föhnströmung aufkam.

Winter im Sommer

Während in den Tieflagen der Sommer mit den ersten Hitzetagen Einzug hält, herrscht in den Hochalpen noch tiefer Winter. Auf dem Weissfluhjoch in 2540 m Höhe liegen derzeit rund 2,7 m Schnee, ein neuer Rekord für die Jahreszeit.

Der ungewöhnlich kühle Mai brachte mehrmals Neuschnee in den Bergen, und die anhaltend tiefe Temperatur konservierte die alpine Schneedecke auf hochwinterlichem Niveau. Im Laufe des meteorologischen Frühlings gab es keinen Abbau der winterlichen Schneedecke.

Im letzten ebenfalls sehr schneereichen Winter 2017/18 liessen die extrem milden Monate April und Juni die Schneemassen schnell schwinden. Anfang Juni 2018 lag auf dem Weissfluhjoch noch rund 1 m Schnee. Im letzten Junidrittel war das Weissfluhjoch ausgeapert, einen Monat früher als im langjährigen Durchschnitt 1981‒2010.

Gleiche Situation wie 1970

Vergleichbar extrem wie im diesjährigen Frühsommer waren die Schneeverhältnisse auf dem Weissfluhjoch im Jahr 1970. Anfang Juni betrug die Schneehöhe rund 2,6 m. Auch damals gab es während des meteorologischen Frühlings keinen Abbau der winterlichen Schneedecke. In der ersten Aprilhälfte 1970 fiel auf der Alpennordseite mehrmals Schnee bis in die Niederungen, und der Mai 1970 zeigte sich kühl. Im vorwiegend hochdruckbestimmten Juni 1970 kam dann das grosse Schmelzen. Der Abbau der Schneedecke erfolgte ebenso schnell wie im vergangenen Jahr 2018, allerdings einen Monat später. Im letzten Julidrittel 1970 war das Weissfluhjoch schneefrei, was mehr oder weniger dem langjährigen Durchschnitt 1981‒2010 entspricht.

Die grosse Schneeschmelze im Juni 1970 führte ab Monatsmitte zusammen mit starken Gewitterregen zu Seeüberflutungen. Betroffen waren der Bodensee, der Vierwaldstättersee und der Thunersee (Quelle: Annalen der Schweizerischen Meteorologischen Zentralanstalt 1970).

Arosa endlich schneefrei

In den Hochalpen ist es zwar nach wie vor winterlich, in Arosa hingegen ist nun jedoch endgültig der Sommer angekommen. Das Schneemessfeld in Arosa war heute Morgen zum ersten Mal seit vergangenem Jahr völlig schneefrei. Gegenüber dem Vorjahr ist das Schneemessfeld damit genau einen Monat später ausgeapert.

Kühler Mai mitnichten

Wie vor wenigen Tagen in unserem Klimablog thematisiert, war der Mai in der Schweiz der kühlste seit knapp 30 Jahren. Diese negative Temperaturabweichung vom Mittel der Jahre 1981-2010 war in Europa jedoch ein Phänomen, das sich von Skandinavien über Mitteleuropa bis nach Tunesien erstreckte. Östlich und westlich davon war der Mai wärmer als im Mittel. Über ganz Europa betrachtet war die Temperatur im vergangenen Mai ziemlich genau der Norm entsprechend.

Global betrachtet war der vergangene Mai sogar der drittwärmste seit 1979 mit einer positiven Temperaturabweichung von 0.5 °C gegenüber dem Mittel der Jahre 1981-2010.

Dabei fällt auf, dass auf der Nordhalbkugel die negativen Abweichungen dort zu finden sind, wo im Monat Mai wiederholt Langwellentröge zu liegen kamen beziehungsweise eher tiefdruckbestimmtes Wetter vorherrschte. Dies war beispielsweise in Europa von Skandinavien bis ins zentrale Mittelmeer der Fall oder in Nordamerika in einem Streifen von Kalifornien bis zu den Grossen Seen. Diese stationäre Konstellation war dort, im Mittleren Westen, unter anderem auch für eine äusserst aktive Tornadosaison verantwortlich.

MeteoSchweiz ist offen für einen respektvollen Onlinedialog und freut sich über Ihre Kommentare und Fragen. Kontaktformular

Kommentare (4)

  1. Schneefreund, 06.06.2019, 19:18

    Hut ab vor euren täglichen Blogbeiträgen. Die Informationsfülle ist einzigartig im deutschsprachigen Raum. Danke! Störend finde ich einzig die Kommentare wegen der eingeschneiten Pässe und den ausbleibenden Gewittern im Raum Zurzach. Einmal kann man das ja im Blog kommentieren, aber nicht beinahe täglich...

    Antworten

    Antworten auf Schneefreund

    * Pflichtfelder

    Vielen Dank für Ihren Beitrag. Jeder Beitrag wird von der Redaktion geprüft, bevor er freigeschaltet wird. Das kann eine gewisse Zeit dauern.

    Besten Dank für Ihr Verständnis

    Ihren Beitrag konnte leider nicht übermittelt werden. Probieren Sie es später erneut.

    Besten Dank für Ihr Verständnis

  2. Dieter Stuckenbrock, Karlsruhe, 05.06.2019, 12:59

    Das passt ja zu meinen Erlebnissen 1970 - ein Jahr in Zürich (ETH) - der Böögg wollte und wollte nicht fallen. Wie die Tabelle auf https://de.wikipedia.org/wiki/Sechsel%C3%A4uten zeigt war 1970 mit 40 min eine der längsten Brenndauern. Was immer: schön war's!
    Grüßle

    Antworten

    Antworten auf Dieter Stuckenbrock, Karlsruhe

    * Pflichtfelder

    Vielen Dank für Ihren Beitrag. Jeder Beitrag wird von der Redaktion geprüft, bevor er freigeschaltet wird. Das kann eine gewisse Zeit dauern.

    Besten Dank für Ihr Verständnis

    Ihren Beitrag konnte leider nicht übermittelt werden. Probieren Sie es später erneut.

    Besten Dank für Ihr Verständnis

  3. Urs Imhof, 05.06.2019, 08:02

    Da ja die Front mehr oder weniger den Westen betrifft müsste ja eigentlich gegen Osten hin kräftiger Wind wehen.
    Wäre allenfalls warnwürdig meiner Meinung nach.
    Sonst super Blog.

    Antworten

    Antworten auf Urs Imhof

    * Pflichtfelder

    Vielen Dank für Ihren Beitrag. Jeder Beitrag wird von der Redaktion geprüft, bevor er freigeschaltet wird. Das kann eine gewisse Zeit dauern.

    Besten Dank für Ihr Verständnis

    Ihren Beitrag konnte leider nicht übermittelt werden. Probieren Sie es später erneut.

    Besten Dank für Ihr Verständnis

  4. Peter Sager, 04.06.2019, 22:52

    Nun bald Mitte Juni 2019 und immer noch 11 Pässe geschlossen. Auf dem Hoch-Ybrig noch Schneefelder bis auf 1400 Meter über Meer runter. Die letzten Pässe gehen ev. erst ende Juni 2019 auf. Das ist der neue spät Rekord für Alpenpässe.

    Antworten

    Antworten auf Peter Sager

    * Pflichtfelder

    Vielen Dank für Ihren Beitrag. Jeder Beitrag wird von der Redaktion geprüft, bevor er freigeschaltet wird. Das kann eine gewisse Zeit dauern.

    Besten Dank für Ihr Verständnis

    Ihren Beitrag konnte leider nicht übermittelt werden. Probieren Sie es später erneut.

    Besten Dank für Ihr Verständnis