Juli bringt nochmals grosse Hitze

30. Juli 2019, 10 Kommentare
Themen: Klima

Nach dem zweitheissesten Juni registrierte die Schweiz den sechstwärmsten Juli seit Messbeginn. Im letzten Julidrittel breitete sich die zweite sommerliche Hitzewelle über unser Land aus. An einzelnen Messstandorten gab es neue absolute Hitzerekorde. Die seit Juni anhaltende Wärme führte im landesweiten Mittel zur zweitwärmsten Juni-Juli Periode seit Messbeginn 1864.

Die Julihitze machte den Gletschern zu schaffen. Blick vom Schilthorn in Richtung Süden zum Gspaltenhorn, 24. Juli 2019. Foto: M. Baumann.
Die Julihitze machte den Gletschern zu schaffen. Blick vom Schilthorn in Richtung Süden zum Gspaltenhorn, 24. Juli 2019. Foto: M. Baumann.

Einer der wärmsten Julimonate

Im landesweiten Mittel stieg der Juli 2019 auf über 16 °C. Mehr als 17 °C brachten nur die Julimonate 1983 mit 17,4 °C, 2006 mit 17,7 °C und 2015 mit 17,8 °C. In der Nordschweiz unterhalb von 1000 m erreichte der Juli 2019 ein Monatsmittel von über 20 °C. Der Juli 1983 lieferte hier 21,3 °C. Im Juli 2006 und 2015 war es nochmals wärmer mit  knapp 22 °C.

In den Tieflagen der Alpensüdseite brachte der Juli 2019 ein Monatsmittel zwischen 24 und 25 °C. Deutlich wärmer war auf der Alpensüdseite nur der Juli 2015 mit knapp 26 °C. Etwas mehr Wärme registrierte Lugano auch im Juli 1928 mit 25 °C im Monatsmittel. Ähnlich warm wie aktuell zeigten sich auf der Alpensüdseite die Julimonate 2010 und 2006.

Extrem warme Juni-Juli Periode

Die Temperatur der Juni-Juli Periode stieg mit einem landesweiten Mittel von 15,7 °C auf den zweithöchsten Wert seit Messbeginn 1864. Gleich warm zeigte sich die Juni-Juli Periode im heissen Sommer 2015. Landesweit wärmer war nur die Juni-Juli Periode im legendären Hitzesommer 2003 mit 16,4 °C.

Die extreme Juni-Juli Temperatur 2019 markiert einen weiteren Punkt in der seit 1980 erfolgten rasanten Juni-Juli Erwärmung. Von der Normperiode 1961‒1990 zur Vergleichsperiode 1989‒2018 stieg die Juni-Juli Temperatur um 1,5 °C, seit der vorindustriellen Periode 1871‒1900 um rund 2 °C. Die früher heissesten Juni-Juli Perioden sind heute zum Durchschnitt geworden. Bis 2060 dürfte dieser Durchschnitt um weitere 1,5 bis 3,5 °C ansteigen (CH2018).

Sommerliches Hochdruckwetter

Vom 1. bis zum 5. Juli brachte ein von England nach Deutschland reichendes Hochdruckgebiet meist sonniges und warmes Wetter in der Schweiz. Am 1. Juli lag die Tagesmaximum-Temperatur in den Tieflagen beidseits der Alpen als Folge der ausklingenden Juni-Hitzewelle noch über 30 °C. Anschliessend bewegten sich die Tageshöchstwerte auf der Alpennordseite zwischen 26 und 29 °C. Auf der Alpensüdseite pendelten sie um 30 °C. Sommerliche Gewitter lieferten lokal 20 bis 30 mm Niederschlag. Vom 6. auf den 7. Juli zog aus Westen eine Gewitterfront über die Schweiz, die verbreitet Regen und kräftige Windböen brachte.

Mit Atlantikluft kühler

Vom 8. bis am 10. Juli führte ein Atlantikhoch kühlere Luft zur Schweiz. Mit aufkommender Bise erreichten die Tageshöchstwerte auf der Alpennordseite verbreitet 20 bis 25 °C. Auf der Alpensüdseite lagen die Werte zwischen 28 und 30 °C.

Nach einem Warmfrontdurchzug aus Nordwesten am 11. und 12. Juli mit lokalen Schauern, dehnte sich vom 13. bis am 15. Juli erneut ein Hochdruckgebiet von England nach Mitteleuropa aus. Höhenkaltluft löste vom 14. auf den 15. verbreitet Gewitter und Schauer aus. Auf der Alpennordseite sank die Tagesmaximum-Temperatur meist auf 18 bis 22, auf der Alpensüdseite unter die Sommermarke von 25 °C.

Hochdruck bringt viel Sonnenschein

Das von England nach Mitteleuropa reichende Hoch wurde am 16. Juli nahtlos von einer Hochdruckzone abgelöst, die sich schubweise von Atlantik über Südwesteuropa nach Mitteleuropa vorschob. Das Hochdruckwetter bescherte der Schweiz viel Sonnenschein und eine zunehmende Hitze. Schauer und Gewitter entwickelten sich nur lokal. Vom 20. auf den 21. Juli wurde das Hochdruckwetter von einer Kaltfront aus Nordwesten mit Gewittern und zum Teil kräftigen Schauern unterbrochen.

Zweite sommerliche Hitzewelle

Nur einen Monat nach der Juni-Hitzewelle wurde die Schweiz von einer zweiten Hitzewelle erfasst. In der Westschweiz stiegen die Tageshöchstwerte vom 20. bis am 26. Juli täglich über 30 °C. Das Hitzemaximum wurde landesweit am 24. und 25. Juli erreicht mit Höchstwerten auf der  Alpennordseite zwischen 35 und über 37 °C. Auf der Alpensüdseite erreichten die Höchstwerte 33 bis knapp 36 °C.

Die Juli-Hitzewelle zeigt sich in der Westschweiz heisser als jene im vergangenen Juni. Für die intensivste 7-Tagesperiode vom 20. bis am 26. Juli ergab sich eine mittlere Maximumtemperatur zwischen 33 und 34 °C. Im Juni lag das mittlere Maximum der intensivsten 7-Tagesperiode in der Westschweiz rund ein Grad tiefer.

Der Raum Basel erlebte eine vergleichbare Hitze wie im vergangenen Juni. Während der heissesten 7 Tage lag das mittlere Maximum beide Male zwischen 33 und 34 °C. Die Alpensüdseite registrierte ebenfalls zwei vergleichbare Hitzewellen. Sie erreichten während der intensivsten 7-Tagesperioden eine mittlere Maximumtemperatur zwischen 32 und 33 °C.

In der Zentral- und Ostschweiz hingegen war die Junihitze intensiver. Die mittlere Maximumtemperatur stieg im Juni während der intensivsten 7-Tagesperiode auf 32 bis 33 °C. Im Juli  blieben die Werte während der grössten 7-Tageshitze rund ein Grad tiefer.

 

Abbildung 2 zeigt eindrücklich, dass intensive Hitzeperioden in den letzten Jahrzehnten häufiger geworden sind. In der Westschweiz, die immer wieder davon betroffen war, folgen sie sich heute in immer kürzeren Zeitabständen. Das heutzutage häufigere Auftreten von Hitzewellen ist eines der klaren Signale der laufenden Klimaänderung. Nach einer aktuellen ETH-Analyse ist in der Schweiz das Auftreten einer Hitzeperiode wie im Juli 2019 heute rund zehnmal wahrscheinlicher als ohne Klimaänderung.

Neue Hitzerekorde

Die Julihitze brachte an einzelnen Messstandorten neue absolute Rekorde. Besondere Beachtung verdienen die Messstandorte Koppigen und Scuol. Hier gab es im Juni 2019 bereits neue absolute Rekorde  (Scuol 33,3 °C, Koppigen 36,5 °C). Nur einen Monat später wurden diese Rekorde wieder überboten.

Die folgenden Tabelle zeigt die drei höchsten Jahreswerte der Tagesmaxima für die Messstandorte mit neuen absoluten Temperaturrekorden:

Niederschlag bringt Abkühlung

Mit der Annäherung einer Niederschlagszone aus Westen wurde es am 27. Juli in der ganzen Schweiz zunehmend gewitterhaft. Kräftige Schauer fielen vor allem auf der Alpensüdseite, im Genferseegebiet und in der Ostschweiz.

Die Niederschlagszone brachte am 28. Juli verbeitet Regen. Auf der Alpennordseite gab es regional 40 bis 60 mm. Auf der Alpensüdseite, im Engadin und im Wallis blieben die Mengen meist gering. Die Tagesmaximum-Temperatur erreichte im Norden bei ganztags trüben Verhältnissen noch 17 bis 20 °C.  Auf der Alpensüdseite stiegen die Werte mit etwas Sonnschein auf 26 bis 28 °C.

Phänologie im Sommer

Zum Sommer gehört die Fruchtreife der ersten Bäume und Sträucher. Die reifen Beeren des roten Holunders konnten seit Mitte Juni beobachtet werden. Im Juli wurden die roten Beeren in Höhenlagen zwischen 400 und 850 m beobachtet, genau zu einem mittleren Zeitpunkt der Datenreihe, die seit 1996 existiert.

Verschiedene Bäume und Sträucher setzten im Juli ihre Blüte in höheren Lagen fort, so die Blüte des Schwarzen Holunders, die Anfang Juli aus Höhenlagen zwischen 1250 und 1350 m gemeldet wurde, ebenfalls zu einem normalen Zeitpunkt. Blühende Sommerlinden traten meist oberhalb von 800 m auf, während die Winterlinden im Höhenbereich von 400 – 900 m blühten.

Um im Sommer mehr Informationen über die Phänologie zu erhalten, wurde 1996 mit der Beobachtung des Wald-Weidenröschens begonnen. Das ist eine Pflanze, die in der ganzen Schweiz vom Tiefland bis in die Berge vorkommt und besonders auf lichten Waldstellen, Felsschutt und am Ufer wächst. Seit Ende Juni ist das Wald-Weidenröschen am Blühen und wurde Mitte Juli bereits in Adelboden auf 1350 m beobachtet. Im Vergleich mit der Datenreihe seit 1996 blühte das Wald-Weidenröschen in diesem Jahr bis jetzt 3 Tage später als im Mittel.

Der definitive Bericht zum Juli 2019  ist ab dem 12. August 2019 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.

 

Weiterführende Information

CH2018: Klimaszenarien für die Schweiz.

MeteoSchweiz ist offen für einen respektvollen Onlinedialog und freut sich über Ihre Kommentare und Fragen. Kontaktformular

Kommentare (10)

  1. Doris, 06.08.2019, 19:22

    Sehr erstaunlich dass es Leute gibt die einen 38Grad Juli als kalt empfinden. Unbegreiflich. Wie diese wohl den Winter überstehen........🤔

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    1. Lars, 08.08.2019, 06:50

      Wie Sie vielleicht festgestellt haben, hab es sehr viele Tage mit Temperaturen massiv unter 38° C. Verglichen mit anderen Sommern war es dieses Jahr für mein empfinden deutlich zu kalt.

  2. chrigi, 06.08.2019, 07:39

    Danke für eure Messungen.
    wurden eure Messungen schon in Zeitungen abgedruckt?
    da es zwischendurch geregnet hat, empfand ich die Hitze als Gärtner weniger extrem als letztes Jahr. Mir fällt auf das die meisten 3 höchsten Temperaturen nach 2000 gemessen wurden.
    Jetzt grad toben wieder Niederschlagsreiche Gewitter über dem Mittelland. Die Bauern, die den Boden richtig bewirtschaften und keinen Hagel abbekommen freuen sich.
    und vielleicht Climate Justice bei denen die es mit verursachen...
    Danke auch für den Vergleich mit der Vorindustriellen Periode.
    Die Daten sind eindeutig. Kommt auch zu den nächsten Klimademos;-)

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  3. Lars, 05.08.2019, 15:42

    Mir persönlich kam der Juli nicht extrem warm vor. Verglichen mit anderen Jahren war es meiner Ansicht eher kalt.

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    1. Reto, 15.08.2019, 15:04

      Glücklicherweise ist das Empfinden von Lars absolut bedeutungslos. Halten wir uns doch lieber an die Fakten - und die zeigen sechstheissester Juli seit Messbeginn 1864. Also einer der heissesten Julis in der Schweiz seit mehr als 150 Jahren.

  4. Manuel, 05.08.2019, 06:18

    Insbesondere angesichts der homogenisierten historischen Messreihen, finde ich es wäre mehr als angebracht wenn MeteoSchweiz an dieser Stelle die Toleranzwerte bzw. die Genauigkeit ihrer Thermo- und Hygrometer bekanntgeben würde. Wir wollen hier wohl kaum den wissenschaftlichen Nimbus der Unfehlbarkeit pflegen, oder?

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    1. MeteoSchweiz, 06.08.2019, 13:17

      Guten Tag Manuel

      Bei der Analyse und Interpretation der Daten von langen Messreihen spielt die eigentliche Messgenauigkeit der Instrumente eine untergeordnete Rolle, da sie durch die Mittelung sehr klein werden. Beim Vergleich von alten und neuen Monats- bis Jahresmitteln fallen systematische Veränderungen durch neue Standorte, neue Messgeräte und Veränderungen in der Umgebung weit stärker ins Gewicht. Die Bearbeitung dieser Probleme ist die Aufgabe der Homogenisierung.

      Zur Homogenisierung ist auf der Internetseite der MeteoSchweiz mehr zu erfahren:
      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/schweizer-klima-im-detail/homogene-messreihen-ab-1864/homogenisierung-von-klima-messreihen.html

      Spezieller Blog zum Thema Homogenisierung:
      https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/aktuell/meteoschweiz-blog/meteoschweiz-blog.subpage.html/de/data/blogs/2019/7/Homogenisierung-von-Messreihen%E2%80%93eine-Voraussetzung-fuer-die-Klimabeobachtung.html


      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  5. Ulrich, 02.08.2019, 14:41

    "Nach einer aktuellen ETH Analyse ist in der Schweiz das Auftreten einer Hitzeperiode wie im Juli 2019 heute rund zehnmal wahrscheinlicher als ohne Klimaänderung" Habe nicht gewusst,daß es ein Klima gibt, das sich nicht ständig ändert und daß man das Klima in einem stabilen Zustand bewahren kann.

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    1. Martin Schäfer, 04.08.2019, 22:56

      Sie verwechseln das Klima mit dem Wetter. Letzteres ändert sich rasch, beim Klima ist das allerdings nicht normal.

  6. D. Keller, 01.08.2019, 17:32

    Anders gesagt: bei den anderen 155 Messstellen gabs keine Rekorde.

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