Mittelmeertief, Hochdruckbrücke und Ex-Dorian

11. September 2019, 7 Kommentare
Themen: Wetter

Wie der Titel dieses Blogs andeutet, hatten heute verschiedene Drucksysteme Einfluss auf unser Wetter. Da ist erstens einmal das Tief über dem Mittelmeer, genauer gesagt über den Balearen zu erwähnen. Dies führte gestern aus Süden feuchtere Luft zur Schweiz, wo sie sich bis heute Morgen in Form von Wolkenfeldern halten konnte. Eine Hochdruckbrücke, welche das Hoch im Nahen Atlantik mit einem Hoch über Russland verband, wirkte jedoch vorübergehend abtrocknend, so dass die erwähnte Bewölkung nur noch am Morgen über den östlichen Landesteilen zu sehen war. Sonst dominierte zunächst die Sonne. Ein Frontensystem des Ex-Hurrikan Dorian erreichte jedoch im Tagesverlauf in abgeschwächter Form aus Westen die Schweiz, was die Besonnung am Nachmittag besonders in der Westschweiz massiv einschränkte.

In Glarus war heute die Hochdruckbrücke wetterbestimmend, auch wenn diese Quellwolken an der Wiggis eine gewisse Instabilität anzeigen. Bild: Daniel Gerstgrasser.
In Glarus war heute die Hochdruckbrücke wetterbestimmend, auch wenn diese Quellwolken an der Wiggis eine gewisse Instabilität anzeigen. Bild: Daniel Gerstgrasser.

Mittelmeertief hatte noch bis heute Nachwirkungen auf das Wetter in der Schweiz

Das Tief über dem westlichen Mittelmeer führte gestern aus Süden feuchtere Luft zum Alpenraum. Dies hatte zur Folge, dass gestern besonders über der Alpensüdseite und zum Teil auch in den Alpen recht kompakte Bewölkung im Bereich zwischen etwa 3000 und 4000 Metern auszumachen war. Auf heute versiegte dieser Zustrom von feuchterer Luft, da sich das Tief nach Süden entfernte. Über der Schweiz bildete sich allmählich eine Hochdruckbrücke aus, welche das kräftige Hoch über dem Atlantik mit demjenigen über Russland verband. Die damit verbundene Subsidenz trocknete die Luft allmählich ab, so dass sich die Bewölkung allmählich auflöste und am Morgen nur noch in Graubünden und in Teilen der Alpensüdseite auszumachen war. Im Verlaufe des Vormittags verschwand dann diese Bewölkung vollends.

Hochdruckbrücke sorgt zumindest vorübergehend für meist sonniges Wetter

In den übrigen Landesteilen begann der Tag meist sonnig, in den Niederungen hatte es da und dort Nebel- oder tiefe Hochnebelfelder, so besonders in der Zentralschweiz. Mit viel Sonne stiegen die Temperaturen wieder auf angenehme Werte an. Nördlich der Alpen, im Wallis und in der Gegend von Chur wurden rund 20 bis 22 Grad, in den Niederungen der Alpensüdseite sogar knapp 25 Grad aufgezeichnet. Da die Subsidenz nicht allzu kräftig war, bildeten sich im Tagesverlauf besonders über den Bergen einige Quellwolken.

Ex-Hurrikan Dorian sorgt im Tagesverlauf in den westlichen Landesteilen für eine Bewölkungsverdichtung

Der zu einem normalen Tief umgewandelte Ex-Hurrikan Dorian zog in den vergangenen Stunden nördlich des Atlantikhochs nach Osten. Aktuell liegt es an der Westküste von Skandinavien. Sein Frontensystem verläuft ausgehend von dort über die Nordsee bis nach Frankreich. Im Tagesverlauf erreichte es den Jura und zog anschliessend weiter nach Osten. Die damit verbundene Bewölkung liess die Sonne besonders in der Westschweiz allmählich verschwinden. Mitte Nachmittag erfasste die Bewölkung dann auch die östlichen Landesteile. Gemäss Modellen ist dies aber nur ein kurzes Intermezzo, den bereits in der Nacht setzt sich der Hochdruckeinfluss unter massiver Verstärkung wieder durch und sorgt in den nächsten Tagen für sonniges Herbstwetter.

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Kommentare (7)

  1. Ritter, 12.09.2019, 07:12

    In diesen Tagen steht die Nullgradgrenze deutlich über 4000m. Dass Mitte Sept. Wo kommt diese wärme her... Ist das nicht deutlich über der Norm und mitverantwortlich für den raschen Gletscherrückzug?

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    1. Esther, 12.09.2019, 19:54

      Die Wärme dürfte mit der globalen Klimaerwärmung zu tun haben. Was das Thema Gletscher betrifft, ist nicht nur die Schweiz betroffen. Siehe z. B. hier:
      https://www.dw.com/de/wenn-gletscher-verschwinden/a-50071911

    2. Wolfgang, 12.09.2019, 21:42

      Dafür gab es Schneefall bis Ende Mai in tiefe Lagen.

  2. Peter Voser, 12.09.2019, 06:19

    Am 18. Februar 2019 zeigte ein Selbstversuch wie warm es im Locarnese geworden ist. Drei Stunden lang wanderte ich von Solduno auf einem kaum begangenen Pfad nach Ponte Brolla und wieder zurück. So warm war es mitten im Winter, dass die Sandalen als einzige Bekleidung genügten.
    In den letzten Monaten hat aber auch das Limmattal das Tessinerwetter übernommen. Immer häufiger haben wir ähnliche Verhältnisse. Mal ist es hier etwas wärmer, Mal im Locarnese. Klar gibt es Ausnahmen. Der letzte Kälteeinbruch etwa. Diesem war der Alpenraum und die Nordschweiz ausgeliefert. Doch jetzt, Mitte September ist die Ähnlichkeit frappant. Via Hochdruckbrücke haben wir das Ticino wieder auch im Limmattal. Ob sich das auch auf die Jahresmittel durchschlägt?

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    1. Kelvin, 13.09.2019, 16:20

      Bitte den Ball flach halten. Laut Meteonews ist in den naechsten (warmen) Tagen nicht mit September-Rekorden zu rechnen. Diese stammen an vielen Orten uebrigens aus lange vergangenen Zeiten: Genf 1906!, Lugano 1911!, Basel und Luzern 1949, St. Gallen 1975, Bern 1987 und so weiter.
      Vor ein paar Tagen war es ausserdem noch sehr kuehl (Schnee bis ca. 1400 Meter).
      Und auch das Jahr 2019 wird wahrscheinlich keinen Rekord bringen, dafuer waren der Winter und vor allem der Fruehling zu wenig warm.

  3. Schlaumeier, 11.09.2019, 19:31

    Ich glaube, die Bildunterschrift der ECMWF-Grafik (Geopotential) vom Dienstag ist falsch (300 statt 700 hPa).
    Lieber Gruß

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    1. MeteoSchweiz, 12.09.2019, 17:58

      Besten Danke für Ihren Hinweis! Aus technischen Gründen wurde die falsche Karte publiziert. Wir haben das nun korrigiert.