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Extrem milder und sonniger Januar

30. Januar 2020, 13 Kommentare
Themen: Klima

Die Schweiz registrierte in Höhenlagen über 1000 m den drittwärmsten Januar seit Messbeginn 1864. Lokal wurden die bisherigen Januarrekorde erreicht oder leicht überschritten. Auf der Alpennordseite war es regional der sonnigste Januar seit Messbeginn vor über 100 Jahren. In der ganzen Schweiz zeigte sich der Januar sehr niederschlagsarm.

Schnee liegt nur in den Bergen. Blick vom Rossstock (2460m) ins Urnerland, 13. Januar 2020.  Foto: Bernd Konantz.
Schnee liegt nur in den Bergen. Blick vom Rossstock (2460m) ins Urnerland, 13. Januar 2020. Foto: Bernd Konantz.

Extrem milder Januar in den Bergen

Vor Jahresfrist verzeichneten die Schweizer Berglagen oberhalb 1000 m mit einem regionalen Mittel von -8,2 °C den kältesten Januar seit über 30 Jahren. In diesem Jahr lieferte der Januar mit milden -2,3 °C den dritthöchsten Wert seit Messbeginn. Nur unbedeutend milder zeigten sich in den Berglagen die Januarmonate 1989 und 1898 mit je -1,9 °C.

Vergrösserte Ansicht: Abb. 1: Die Januartemperatur in den Berglagen oberhalb 1000 m seit Messbeginn 1864. Der Januar 2020 erreichte -2,3 °C. Die grüne unterbrochene Linie zeigt die Januar-Norm 1981‒2010 von -5,1 °C. Die roten Linien zeigen die 30-jährigen Mittel 1871‒1900 (vorindustriell) und 1991‒2020. Die Januarerwärmung liegt in Berglagen bei knapp 2 °C.
Abb. 1: Die Januartemperatur in den Berglagen oberhalb 1000 m seit Messbeginn 1864. Der Januar 2020 erreichte -2,3 °C. Die grüne unterbrochene Linie zeigt die Januar-Norm 1981‒2010 von -5,1 °C. Die roten Linien zeigen die 30-jährigen Mittel 1871‒1900 (vorindustriell) und 1991‒2020. Die Januarerwärmung liegt in Berglagen bei knapp 2 °C.

Lokal im Rekordbereich

Am Messstandort Grächen wurde der bisherige Januarrekord erneut erreicht. Auf der Grimsel gab es einen knappen Rekord und an den Standorten Jungfraujoch und Chaumont war es Rang 2 (Tabelle 1). In hohen Lagen stammen die bisherigen Januarrekorde meist aus den Jahren 1989 oder 1898.

Vergrösserte Ansicht: Tabelle 1: Die fünf mildesten Januarmonate an alpinen Messstandorten mit Rekord- oder rekordnahen Temperaturen.
Tabelle 1: Die fünf mildesten Januarmonate an alpinen Messstandorten mit Rekord- oder rekordnahen Temperaturen.

Auf der Alpennordseite unterhalb von 1000 m gehörte der Januar 2020 nicht zu den zehn mildesten seit Messbeginn 1864. Auf der Alpensüdseite war es im regionalen Mittel der fünftmildeste, lokal auch der zweitmildeste Januar. Im schweizweiten Mittel liegt der Januar 2020 mit 2,3 °C über der Norm auf Rang 7 in der Liste der mildesten Januarmonate seit Messbeginn 1864.

Anhaltendes Hochdruckwetter

Vom 1. bis am 25. Januar zogen mehrere Hochdruckgebiete aus Westen und Südwesten über die Schweiz. Sie brachten in den Alpen und auf der Alpensüdseite viel Sonnenschein. In Berglagen und auf den Jurahöhen herrschten tagsüber fast durchwegs sehr milde Verhältnisse. Über dem zentralen und östlichen Mittelland lag oft Nebel oder Hochnebel, der sich an einigen Tagen nicht auflöste. Das westliche Mittelland war weniger vom ganztägigen Nebel betroffen.

Vergrösserte Ansicht: Abb. 2: Prächtiges Hochdruckwetter in den Bergen. Rotondohütte (2570 m) mit Pizzo Lucendro (2962 m) im Gotthardgebiet, 11. Januar 2020.   Foto: Bernd Konantz.
Abb. 2: Prächtiges Hochdruckwetter in den Bergen. Rotondohütte (2570 m) mit Pizzo Lucendro (2962 m) im Gotthardgebiet, 11. Januar 2020. Foto: Bernd Konantz.

Sonnenscheinrekorde

An den Messstandorten Bern, Genf, Zürich und Basel mit über 100-jährigen Aufzeichnungen lieferte der Januar neue Sonnenscheinrekorde oder den Rang 2. Massiv war der Rekord in Bern mit 129 Sonnenstunden. Bern erlebte drei volle Sonnentage mehr als während der bisher sonnigsten Januarmonate.

Vergrösserte Ansicht: Abb. 3: Die Januar-Sonnenscheindauer am Messstandort Bern seit Messbeginn 1887. Der Januar 2020 erreichte 129 Stunden (Stand 28.1.2020). Die rote Linie zeigt das 20-jährige gleitende Mittel.
Abb. 3: Die Januar-Sonnenscheindauer am Messstandort Bern seit Messbeginn 1887. Der Januar 2020 erreichte 129 Stunden (Stand 28.1.2020). Die rote Linie zeigt das 20-jährige gleitende Mittel.

Genf registrierte mit 111 Sonnenstunden rund einen vollen Sonnentag mehr als in den bisher sonnigsten Januarmonaten. In Zürich übertraf der Januar mit 101 Sonnenstunden die bisherigen Höchstwerte nur knapp. In Basel blieb der Januar mit 110 Sonnenstunden bisher knapp unter dem Rekord vom Januar 1990 (Tabelle 2).

Vergrösserte Ansicht: Tabelle 2: Die fünf höchsten Werte der Januar-Sonnenscheindauer an den Messstandorten mit über 100-jährigen homogenen Messreihen (Stand 29.01.2020).
Tabelle 2: Die fünf höchsten Werte der Januar-Sonnenscheindauer an den Messstandorten mit über 100-jährigen homogenen Messreihen (Stand 29.01.2020).

Nur selten nass

Das anhaltende Hochdruckwetter wurde nur an wenigen Tagen von durchziehenden schwachen Störungszonen unterbrochen. Vom 3. auf den 4. brachte eine Westströmung vor allem nachts etwas Niederschlag mit hoch liegender Schneefallgrenze um 1300 m. Tagsüber war es aber recht sonnig. Am 7. und 10. Januar zogen am frühen Morgen schwache Kaltfronten mit wenig Niederschlag über die Schweiz. Der restliche Tag zeigte sich aber wieder verbreitet recht sonnig. Am 17. erfasste ein Frontensystem aus Westen die Schweiz mit Schneefall bis auf 600 m hinunter. Recht sonnig blieb es nur in den Ostalpen. Bereits am 18. machten die nach Osten abziehenden Wolken wieder der Sonne Platz.

Vergrösserte Ansicht: Abb. 4: Niederschlagssummen Januar 2020 in Prozent zur Norm 1981−2010 (Stand 28.01.2020).
Abb. 4: Niederschlagssummen Januar 2020 in Prozent zur Norm 1981−2010 (Stand 28.01.2020).

Stürmischer Wetterwechsel

Ab dem 26. Januar wurde das Wetter in der Schweiz tiefdruckbestimmt. Zunächst fiel vor allem auf der Alpennordseite etwas Niederschlag. In der Nacht vom 27. auf den 28. Januar stellte sich eine stürmische Westströmung ein. Am Vormittag und am Abend des 28. Januar fielen verbreitet kräftige Schauer, zum Teil als Graupel und Schnee, begleitet von Blitz und Donner und stürmischem Wind. Die Schneefallgrenze sank regional auf 400 m hinunter.

Die Windspitzen erreichten im Flachland der Alpennordseite 55 bis 90 km/h, regional bis 120 km/h. In Zürich-Affoltern wurde mit 123 km/h die zweithöchste Windspitze, in Zürich-Kloten mit 110 km/h und in St. Gallen mit 120 km/h die dritthöchste Windspitze seit Messbeginn 1981 registriert. In Zürich-Affoltern und St. Gallen brachte bisher nur der legendäre Wintersturm Lothar vom Dezember 1999 etwas höhere Windspitzen.

In Gipfellagen erreichten die Windspitzen 110 bis 150 km/h. Die Werte fielen nicht unter die zehn höchsten der Messreihen. Eine Windspitzenkarte der Schweiz liefert der Wetterblog vom 28. Januar 2020.

Warten auf den ersten Schnee

Im laufenden Winter 2019/2020 lässt der erste Schnee in einigen Regionen nördlich der Alpen noch immer auf sich warten. Einer der betroffenen Messstandorte ist Neuchâtel. Der bisher späteste erste Neuschnee wurde hier am 28. Januar 1990 registriert. Beim Datum des spätesten ersten Schnees ist in Neuchâtel also ein neuer Rekord fällig.

In Basel und in Genf, im laufenden Winter ebenfalls noch schneelos, muss man sich für einen allfälligen Rekord noch eine Weile gedulden. In Basel fiel der bisher späteste erste Schnee am 23. März 2008, in Genf am 20. März 2008. All drei erwähnten Schnee-Messreihen reichen zurück bis in den Winter 1931/1932.

Mehr zum Thema erster Schnee ist in der Rubrik Klima-Spezialitäten zu finden.

Sehr frühe Haselblüte

Schon an Weihnachten wurde an unserer Beobachtungsstation Therwil (BL) der Blühbeginn des Haselstrauchs beobachtet. Ab dem 2. Januar meldeten weitere Beobachter den Blühbeginn der Hasel aus dem ganzen Mittelland und dem Tessin. Am 23. Januar fand der Blühbeginn in Leysin (VD) auf 1250 m statt. Der Blühbeginn der Hasel wird seit 1996 beobachtet. An drei der bisher 29 Stationen fand der Blühbeginn noch nie so früh statt wie im aktuellen Jahr, an 6 Stationen war es der zweitfrüheste und an 11 Stationen der drittfrüheste Blühbeginn. Noch früher fand der Blühbeginn an vielen Stationen im Jahr 2016 statt.

Bei der allgemeinen Blüte der Hasel liegen bis jetzt Meldungen von 20 Stationen vor. An 10 dieser Stationen war es die früheste allgemeine Blüte der 30-jährigen Vergleichsperiode 1981–2010. An 6 Stationen war es die früheste seit Messbeginn, d.h. von Datenreihen, die je nach Station 25–68 Jahre betragen, so zum Beispiel in Rafz, wo die allgemeine Blüte der Hasel seit 1952 noch nie so früh beobachtet wurde. An diesen 20 Stationen fand die allgemeine Blüte 35 Tage früher statt als im Mittel der Periode 1981–2010.

Pflanze mit Heizung

Eine weitere einheimische Pflanze, die sehr früh im Jahr blüht, ist die Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus), die in Wäldern auf Kalk vorkommt. Normalerweise blüht sie im späten Winter. In warmen Wintern kann sie jedoch schon um den Jahreswechsel blühen. Ihre Blüten werden von Hummeln bestäubt, die bereits bei tieferen Temperaturen ausfliegen als die Bienen. Spannend ist, dass Hefepilze im Blütennektar Wärme freisetzen und so die Blüten erwärmen können. Die Hummeln besuchen die Blüten auch wegen dieser Wärme.

Vergrösserte Ansicht: Abb. 5: 
Früh blühende stinkende Nieswurz.
Foto: Regula Gehrig
Abb. 5: Früh blühende stinkende Nieswurz. Foto: Regula Gehrig

Der definitive Bericht zum Januar 2020 ist ab dem 11. Februar 2020 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.

 

Kommentare (13)

  1. Patrick Hächler, 15.02.2020, 14:40

    Und ausserdem bisher sehr wenige Eistage. Vielleicht könnt Ihr dies noch klimatologisch einordnen, danke.

    1. MeteoSchweiz, 17.02.2020, 12:00

      Lieber Patrick

      Der Januar 2020 brachte in Zürich vier, in Bern drei, in Basel und in Genf gar keine Eistage. Wenige Eistage im Januar sind in den letzten Jahren gar nicht so selten. Im Januar 2018 und 2014 lag die Zahl an den genannten Standorten zwischen null und eins, 2015 zwischen null und zwei, 2012 zwischen null und drei. Gar keine Eistage gab es auch im Januar 1989. Die grundsätzliche Abnahme der Eistage im Winter zeigt die folgende Internetseite von MeteoSchweiz:

      https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/schweizer-klima-im-detail/klima-indikatoren.html

      Herzliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  2. A. Lombardi, 08.02.2020, 12:29

    Guten Tag - Gibt es Berechnungen von den Mittelwert-Lufttemperaturen bei den verschiedenene Höhen? Zum Beispiel 0 M.ü.M., kurz "m" (wobei in diesem Fall sollte kein Problem sein, auch wenn wegen der Eisüberdeckung der Wert der Messergebnisse überlegungs Wert sind), 500m, 1000m, usw.? Falls nein, wäre nicht Interessant dies anzuschauen? Denn die meisten Beobachtungspunkte befinden "am Boden" und die "3-Dimensionalität" der Luftsäule wird unterbewertet. Die Sondierungen, auch wenn wenige, könnte auch einen Beitrag in dieser Richtung leisten. Ich würde sogar sagen, dass sie die einzige gute Werte sind, denn nicht so empfindliche z.B. am Bodenalbedo (Schneebedekung), usw. sind. Ihre wertvolle Meinung würde mich sehr interessieren. Beste Grüsse, A.Lombardi

    1. MeteoSchweiz, 02.03.2020, 10:31

      Guten Tag Herr Lombardi

      Es gibt solche Berechnungen auf der Basis der täglichen Ballonsondierungen. Die Daten stammen also aus der freien Atmosphäre. Sie werden eine Zusammenstellung dazu im Klimareport 2019 finden, der von MeteoSchweiz gegen Mitte 2020 publiziert wird.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  3. Fischer, 06.02.2020, 19:37

    Es war sehr heiss.

    Bei uns in Bellwald war der Schneemann meist geschmolzen und es Regnet.

  4. holzhackerheini, 05.02.2020, 21:35

    Faszinierend zu sehen wie die Planzenwelt auf das Wetter reagiert. Etwas mehr Sonnenschein im Winter und die Planzenwelt spritzt aus den Boden. Sogar ein strenger Februar und Marz mit viel Schnee kann die Natur nichts anhaben.
    Feuer, Durre, Hitze, Nasse und Kalte, die Natur findet immer ein neues Gleichgewicht. Nichts ist fur immer.

  5. Rolf Hefti, 03.02.2020, 23:16

    The maximale Klimaerwärmung ist jetzt.

  6. Teila Terta, 03.02.2020, 18:53

    Kalt und kein Schnee ❄️ schade aber das Wetter macht was es will schöne Ferien

    1. maurolongo, 09.02.2020, 16:06

      Das ist genau das was mich gurkt. Stimmt die Temperatur, so haben wir keine feuchtigkeit. Regnet es 2-3 Tage, ist es zu Mild..die Regenperiode vorbei, kommt der Kälteeinbruch. Vor allem im Flachland ist es so.

  7. Michael Kleih, 03.02.2020, 09:56

    Noch früher, ab Januar (und oft auch ab Dezember) blüht die enge Verwandte der Nieswurz, die Christrose (Helleborus niger). In der Schweiz ist sie nur im äussersten Südtessin (Luganese) heimisch, im angrenzenden Italien ist sie hingegen weit verbreiten (z.B. Provinz Como und Varese). Ansonsten wird diese Pflanze in der Schweiz auch in den Gärten kultiviert.

  8. s.b, 01.02.2020, 09:40

    Schöner Bericht. Vielleicht bringt ja die überdurchschnittliche Sonnenscheindauer in Bern dem Bundeshaus die nötige Erleuchtung in Sache Klima. ;-)

  9. M. Gerber, 30.01.2020, 13:06

    Ein spannender Beitrag.

    Der Vorfrühling scheint tatsächlich auf Rekordkurs zu sein. Wo wärendie phänologischen Beobachtungen von meteoschweiz abrufbar?

    Bislang muss ich mich auf jene aus Baden-Württemberg verlassen, die vom DWD zwar hervorragend aufbereitet und dargestellt werden, aber halt nicht die Schweiz beinhalten.

    1. MeteoSchweiz, 30.01.2020, 14:34

      Guten Tag

      Herzlichen Dank.
      Die phänologischen Beobachtungen können auf der Internetseite http://www.phaenonet.ch unter "Resultate anschauen" abgerufen werden. Auf der Plattform werden nicht nur die Beobachtungen von MeteoSchweiz gezeigt, sondern auch jene von vielen freiwilligen Beobachtern, z.B. von Schulen und interessierten Laien.

      Freundliche Grüsse,
      MeteoSchweiz