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Aus Westen nichts Neues

26. November 2020, 10 Kommentare
Themen: Wetter

In den Bergen sonnig und mild, im Mittelland und teils auch in den Voralpentälern feucht und eher kalt. Das ist die Kürzestversion vom heutigen Blog, ein paar wenige zusätzliche Details gibt es aber schon noch...

Im feuchten Kaltluftsee waren die Temperaturen am Morgen am Hasenberg auf knapp 800 Metern leicht im negativen Bereich. Die unterkühlten Nebeltröpfchen sind dementsprechend an festen "Gegenständen" in Form von Raueis angefroren. Foto: L. Keusch
Im feuchten Kaltluftsee waren die Temperaturen am Morgen am Hasenberg auf knapp 800 Metern leicht im negativen Bereich. Die unterkühlten Nebeltröpfchen sind dementsprechend an festen "Gegenständen" in Form von Raueis angefroren. Foto: L. Keusch

Wetterlage

Vergrösserte Ansicht: Bodenanalyse mit Fronten von heute Morgen um 6 UTC.
Bodenanalyse mit Fronten von heute Morgen um 6 UTC.
Quelle: Deutscher Wetterdienst, DWD

Auch heute hat sich an der Wetterfront nur wenig verändert, in diesem Fall sprechen wir Meteorologen von einer persistenten Wetterlage: Das Hoch lag mit seinem Zentrum über Ost- und Südosteuropa, im Alpenraum herrschte eine relativ flache Druckverteilung. Die Höhenwinde waren ausgesprochen schwach und wehten aus Südwest.

Zäher Nebel und Hochnebel

Vergrösserte Ansicht: Vertikalprofil der Temperatur (grün) und des Taupunkts (rot) anhand der Messwerte der Stationen in den verschiedenen Höhenlagen um den Flughafen Zürich. Die Inversion hatte am Vormittag um 10 Uhr eine Stärke von 4 bis 6 Grad auf 250 Höhenmetern.
Vertikalprofil der Temperatur (grün) und des Taupunkts (rot) anhand der Messwerte der Stationen in den verschiedenen Höhenlagen um den Flughafen Zürich. Die Inversion hatte am Vormittag um 10 Uhr eine Stärke von 4 bis 6 Grad auf 250 Höhenmetern.

Die Obergrenze des Nebelgraus befand sich heute auf rund 800 Metern (im Bild links zwischen dem Zürichberg, 732 m und der Lägern, 869 m) und war damit eine Spur tiefer als noch gestern. Wie schon am Vortag war das gesamte Mittelland und einige Voralpentälern vom Nebel und Hochnebel betroffen.

Meist blieb das Nebelgrau kompakt, ein paar Auflockerungen zeigten sich im Tagesveraluf am Genfersee und teils an den Nebelrändern.

Vergrösserte Ansicht: Oben: Verlauf der Temperatur (rot), des Taupunkts (blau) und der relativen Luftfeuchtigkeit (grün, rechte Skala) an der Station Lägern. Unten: Verlauf der Globalstrahlung (strichliert) und der Sonnenscheindauer (gelb) an der Station Lägern für gestern und heute. Gestern wurde die Station wiederholt von der feuchten Kaltluft geflutet, entsprechend wurden grosse Temperatur- und Feuchtesprünge aufgezeichnet. Heute lag die Station knapp über dem feuchten Kaltluftsee.
Oben: Verlauf der Temperatur (rot), des Taupunkts (blau) und der relativen Luftfeuchtigkeit (grün, rechte Skala) an der Station Lägern. Unten: Verlauf der Globalstrahlung (strichliert) und der Sonnenscheindauer (gelb) an der Station Lägern für gestern und heute. Gestern wurde die Station wiederholt von der feuchten Kaltluft geflutet, entsprechend wurden grosse Temperatur- und Feuchtesprünge aufgezeichnet. Heute lag die Station knapp über dem feuchten Kaltluftsee.

Im Zeitraum von Ende November bis in den Dezember hinein haben wir klimatologisch gesehen die schlechtesten Chancen für eine Nebelauflösung. Im langjährigen Durchschnitt lösen sich Nebelmeere mit einer Obergrenze von 800 bis 900 Metern nur noch in rund 3 von 10 Fällen auf. Steigt die Obergrenze an, so nimmt die Auflösungswahrscheinlichkeit noch einmal deutlich ab.

Windschwach mit zwei (kleinen) Ausnahmen

Wie eingangs beschrieben, war der Wind heute kein grosses Thema. In zwei Regionen wehte er aber doch spürbar. Einerseits wehte im Gebiet vom Fricktal bis nach Basel der Möhlin-Jet. Hier handelt es sich um abfliessende Kaltluft aus dem Mittelland. Diese sorgte dank der turbulenten Durchmischung dafür, dass es in Basel weitgehend nebelfrei blieb.

Vergrösserte Ansicht: Satellitenbild (HRV-Kanal) und Windmessungen an den Bodenstationen von heute 12 UTC. Dargestellt sind die Windfiedern mit dem Mittelwind in Knoten und die Böenspitzen in Knoten (Zahlenwert). An der Station Möhlin lagen die Böenspitzen bei 24 Knoten, was rund 45 km/h entspricht.
Satellitenbild (HRV-Kanal) und Windmessungen an den Bodenstationen von heute 12 UTC. Dargestellt sind die Windfiedern mit dem Mittelwind in Knoten und die Böenspitzen in Knoten (Zahlenwert). An der Station Möhlin lagen die Böenspitzen bei 24 Knoten, was rund 45 km/h entspricht.

Andererseits befand sich auf der Alpensüdseite in den mittleren Schichten nach wie vor etwas kältere Luft, diese strömte über die tiefsten Passeinschnitte am Alpenhauptkamm nordwärts – allerdings deutlich schwächer als noch gestern.

Ober- und ausserhalb vom Kaltluftsee sonnig mild

Vergrösserte Ansicht: Im vorderen Glarnerland zeigte sich am Vormittag kurz die Sonne, in der Folge ist der Hochnebel aus Norden ins Tal reingeschlichen. Blick von der Bergstation der Äugstenbahn oberhalb Ennenda zum Vorderglärnisch und Glärnisch.
Im vorderen Glarnerland zeigte sich am Vormittag kurz die Sonne, in der Folge ist der Hochnebel aus Norden ins Tal reingeschlichen. Blick von der Bergstation der Äugstenbahn oberhalb Ennenda zum Vorderglärnisch und Glärnisch.

Im feuchten Kaltluftsee kamen die Tageshöchsttemperaturen nicht über 1 bis 4 Grad hinaus, einzig am Genfersee reichte es für gut 5 Grad. Die höchsten Temperaturen wurden heute knapp oberhalb und ausserhalb der Inversion gemessen, Spitzenreiter war die Station Fahy der Ajoie, wo 12.7 Grad erreicht wurden. Oberhalb des Nebels schien die Sonne ohne Einschränkungen, Wolken waren keine am Himmel zu sehen.

Interessant sind auch die Tagesgänge der Temperatur: Im Mittelland wurde gebietsweise nur gerade 2 bis 3 Grad gemessen, in La Brévine und Samedan betrugen diese 17 Grad.

Vergrösserte Ansicht: Auch von den Ballungsräumen war man heute recht schnell an der Sonne - wie hier auf der Pfannenstiel-Hochwacht.
Auch von den Ballungsräumen war man heute recht schnell an der Sonne - wie hier auf der Pfannenstiel-Hochwacht.
Foto: P. Meyer

Die markante Inversion sorgt im Übrigen dafür, dass die Tagemitteltemperatur im Mittelland gestern rund ein Grad unter dem langjährigen Mittelwert lag, während an den Bergstationen deutlich überdurchschnittliche Werte registriert wurden. Auf dem Säntis und dem Pilatus lag die positive Abweichung zu den Normwerten der Jahre 1981-2010 bei jeweils 6.4 Grad.

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Kommentare (10)

  1. Marco, 27.11.2020, 01:21

    Die Temperaturprognose war heute etwas optimistisch. Trotz Nebelauflösung in der Region Möhlin wurde 'dank' Möhlinjet (mit konstant ca 30km/h, Böen bis knapp 50km/h) bei Temperaturen um 1-2 Grad gebibbert. Es war somit fast ähnlich kalt wie im Nebel. Die Prognose lag wenn ich mich recht erinnere bei 5-10 Grad für Gebiete ausserhalb des Nebels.

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    1. Marcus M, 27.11.2020, 23:28

      Ja, manchmal bekommt man halt nicht das was man sich wünscht, oder was vorher gesagt wird!
      Jetzt ist es ja vorbei.

  2. Wolfgang, 26.11.2020, 23:38

    Danke für den Blog und die schönen Bilder dazu.
    Dieses sonnige Wetter könnte von mir aus bis März so weitergehen. Schnee brauche ich nicht.

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  3. Markus Oppliger, 26.11.2020, 21:45

    Wie erklärt sich das, dass sich der Nebel über dem Thunersee erst beim eindunkeln auflöst, die Nacht klar ist und am morgen/vormittag sich wieder bildet? Sonst zieht er jeweils eher am Abend auf.

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    1. M. Bucher, 27.11.2020, 01:58

      Ev. weil sich am Abend durch Abstrahlung kalte Luft höher in den Bergen bildet und dann ins Tal fliesst.

    2. MeteoSchweiz, 27.11.2020, 07:44

      Guten Tag Markus,
      Die Situation in Thun war speziell: Nördlich von Thun gab es etwa zwischen Belp und Kiesen eine Zone, wo sich der Hochnebel schon relativ früh aufgelöst hat. Im Laufe des Nachmittags hat sich diese trockenere Zone mit den schwachen Talwinden allmählich Richtung Thun verschoben. So konnte sich der Nebel/Hochnebel am Abend auflösen. In der Nacht hat sich der Nebel dann wieder neu gebildet.

      Mit freundlichen Grüssen, MeteoSchweiz

  4. Wenzinger Bruno, 26.11.2020, 21:09

    Auf einer Wanderung über den Siblinger Randen, konnten wir schöne
    Haareisformationen beobachten, die sich an Totholz bei Nebel und Minusthempetaturen bilden. Später lauter Sonnenschein. 🌞

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  5. Christine, 26.11.2020, 20:57

    ...über dem NEBEL scheint immer die Sonne....oder der Mond....

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  6. Bene Detto, 26.11.2020, 17:49

    Ist der Nebelfreie Fleck in Bayern sie Stadt München auf dem hochaufgelösten Satelittenbild? Kommt das öfters vor, dass die Stadt nebelfrei und das Umland vernebelt ist??

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    1. MeteoSchweiz, 26.11.2020, 22:04

      Grüezi Herr/Frau Bene Detto: Genau, das Loch im Nebel markiert die Stadt München.
      Eine gute Frage, die Sie da stellen und welche wir nicht abschliessend beantworten können. Wir mutmassen folgendermassen: Eine Grossstadt ist etwas wärmer als das Umland und durch die Versiegelung steht auch etwas weniger Feuchtigkeit zur Verfügung. Diese Punkte können eine vorzeitige Nebelauflösung begünstigen. Die Nebel-/Hochnebeldecke war heute nicht sehr mächtig und München bereits Nebelrandgebiet. In diesem Falle können die oben genannten Punkte ausreichen, um den Nebel im Vergleich zum Umland frühzeitig aufzulösen.

      Freundliche Grüsse,
      MeteoSchweiz