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Von oben herab

21. November 2020, 12 Kommentare
Themen: Wetter

Das Azorenhoch weitete sich heute nach Mitteleuropa aus. Es trocknete die Luft heute auch am Alpennordhang ab - man kann sagen von oben herab. So war es heute in der ganzen Schweiz meist sonnig. Dies mit wenigen Ausnahmen. Eine Ausnahme war das Delsberger Becken, wo sich der Nebel ganztags halten konnte. Die zweite Ausnahme waren natürlich jene Gebiete, wo man wegen starker Horizonteingrenzung die Sonne erst wieder im Frühlung zu Gesicht bekommt, wie zum Beispiel in Bristen im Urnerland.

Auch auf dem Wageten im Schwändital im Kanton Glarus konnte man bei diesem sonnigen Wetter von oben herab blicken. Bild: Jöel Fisler.
Auch auf dem Wageten im Schwändital im Kanton Glarus konnte man bei diesem sonnigen Wetter von oben herab blicken. Bild: Jöel Fisler.

Das Hoch trocknete in der Nacht den zu Ende gehenden Nordstau ab - ein nicht ganz ernst gemeintes Gespräch zwischen den Wetterelementen

Gestern drücke der Nordstau in die Täler des Alpennordhangs hinein. Das Hoch fand an dieser Verteilung gar keine Freude. Es sagte zum Nordwind: «Was du kannst, kann ich auch, aber in die andere Richtung. Ich löse nämlich diesen dämlichen Stau auf - und zwar ganz von oben herab, ziemlich frech, was glaubst du eigentlich. Mit meiner Subsidenz haben deine grauen Nebel und Wolken keine lange Bleibe mehr. Übrigens: Wenn ich nicht zeitweise auch im hohen Norden verweilen würde, würdest Du deine kalten Luftmassen aber keine 100 Kilometer weit südwärts bewegen können. Ich mit meinem hohen Druck gebe Dir erstmal die nötigen Startbedingungen». Und siehe da, heute am Morgen war es meist heiter, einzig den Voralpen entlang hatte es noch wenige Nebelfelder.

Heute meist sonnig - zäher Nebel im Delsberger Becken

Abgesehen von hohen Wolkenfeldern war es heute schweizweit meist sonnig. Die Temperaturen stiegen nach kaltem Morgen auf 5 bis 8 Grad, auf der Alpensüdseite konnten sogar 10 Grad gemessen werden. Einzig in Delémont wurden maximal genau 0 Grad gemessen werden. Grund dafür war der Nebel, welcher sich im Delsberger Becken den ganzen Tag halten konnte. Offenbar war die geringe Einstrahlungs der jetzigen Jahreszeit nicht mehr in der Lage, den Kaltluftkörper im Delsberger Becken zu beseitigen. Besonders dürften die am Südrand des Delsberger Beckens steil aufsteigenden Berge genügend lange Zeit Schatten auf die Nebeldecke geworfen haben, dass sich die Nebeldecke halten konnte. Dies ist allerdings eine Vermutung, genaue Angaben müssten detaillierte Energiebilanzen ergeben.

Bereits Dauerschatten in einigen West-Ost gerichteten Alpentälern

In Alpentälern, welche im Süden von hohen Bergen umgeben sind, scheint die Sonne bereits zum Teil seit Ende Oktober nicht mehr. Ein Beispiel dafür ist das Dorf Bristen im Maderanertal im Kanton Uri. Dort scheint die Sonne etwa vom 20. Oktober bis anfangs März überhaupt nicht. Im Sommer hingegen scheint dort die Sonne für ein enges Alpental mit über 12 Stunden sehr lange, weil sie bereits im Nordosten aufgeht und den ganzen Tag scheinen kann, wehe sie am westlichen Horizont untergeht. Aber keine Angst, die Bewohner von Bristen müssen natürlich nicht auf die Sonne verzichten. Denn am gegenüberliegenden Frentschenberg, nur etwa 300 Meter vom Dorf Bristen entfernt, beleuchtet die Sonne auch im Hochwinter den dortigen Südhang mit ihrem milden Licht. Und selbst der Nebel ist ein recht seltener Gast.

Und sehr kalt wird es in Bristen fast nie, jedenfalls nicht so kalt wie auf der Alp Hintergräppelen im Toggenburg. Dort wurde vergangene Nacht -23.8 Grad gemessen, und auch tagsüber war das Thermometer nicht dazu zu bewegen, mehr als -12.3 Grad anzuzeigen.

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Kommentare (12)

  1. Christian, 22.11.2020, 08:09

    Guten Morgen! Ich bin neu in der Schweiz und absolut begeistert von diesem Blog, besonders die Erklärungen für lokale Wetterphänomene finde ich sehr interessant. Haben Sie eine buchempfehlung zum Thema Wetter phänomene in der schweiz? Beste Grüße aus dem Calancatal!

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    1. MeteoSchweiz, 22.11.2020, 10:36

      Danke für das Kompliment. Wir können ihnen folgende Lektüre aus unserem Haus empfehlen:
      https://www.meteoswiss.admin.ch/content/dam/meteoswiss/de/service-und-publikationen/Publikationen/doc/Web_Wetterlagen_DE_low.pdf

  2. Jürg Gredig, 21.11.2020, 21:56

    Kaum zu glauben, dass in Hintergräppelen heute Morgen sehr kalte -23.4°C gemessen wurden! Auf dem nahen Säntis war es -11.6°C kalt, und in Ebnat-Kappel im Toggenburg noch -5.2°C. In der Messtechnik gilt doch das Theorem: "Wer misst, misst Mist".

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    1. MeteoSchweiz, 21.11.2020, 22:11

      Guten Abend und vielen Dank für ihre Frage.
      Wer kennt ihn nicht, diesen Spruch und manchmal hat er sogar einen wahren Kern. Doch in diesem Fall möchten wir Ihnen die sehr gute Seite eines Mitarbeiters empfehlen, welche Sie in die faszinierende Welt der Kaltluftseen entführen wird:
      http://www.kaltluftseen.ch
      Danach werden Sie verstehen, was es mit den Kaltluftseen auf sich hat und wieso diese manchmal "saukalt" sind.
      Mit freundlichen Grüssen MeteoSchweiz

  3. Daniel Hagmann, 21.11.2020, 20:25

    Auch noch erwähnenswert ist die sehr tiefe relative Luftfeuchtigkeit, welche beispielsweise auf dem Säntis zeitweise nur 3% betrug.

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  4. Margrit Brunner, 21.11.2020, 19:49

    Am 12. November wanderten wir in der Region Gräppelensee und staunten über die Kälte im Schatten an diesem sonnigen Tag siehe auch Website zu Kaltluftseen in der Schweiz. Grüsse Margrit Brunner

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  5. Florian, 21.11.2020, 19:15

    Ist es richtig, dass Meteoswiss seit ein paar Tagen die Temperaturen in den Stationen die Messwerte nun alle 5 Min neu aktualisiert und nicht mehr alle 10 Min, oder funktioniert meine App nicht richtig?

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    1. MeteoSchweiz, 21.11.2020, 21:51

      Guten Abend und vielen Dank für Ihre Frage.
      Das automatische Messnetz von MeteoSchweiz liefert alle zehn Minuten Daten rund um's Wetter. Diese Information wird auch im App eingeblendet, wenn Sie bei den Messwerten das Informations Symbol aktivieren.
      Mit freundlichen Grüssen MeteoSchweiz

    2. MeteoSchweiz, 22.11.2020, 10:51

      @Gabriele: Das Problem tritt bei uns nicht auf. Versuchen sie die App oder besser das Handy/Tablet neuzustarten. Danke für ihr Verständnis.

    3. Gabriele, 23.11.2020, 18:59

      Grüezi
      Danke für den Hinweis. IPhone mit IOS 14.2 neu gestartet und: 18.45 Lägern 4.1 Max 6.4 um 18.40. Das war aber wohl gestern!

  6. Pom83, 21.11.2020, 18:57

    Tolle Bilder! Das Tal heisst übrigens SchWändital und ist wunderschön!

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    1. MeteoSchweiz, 21.11.2020, 19:17

      Guten Abend und vielen Dank für Ihre Nachricht. Wir haben den Namen korrigiert.
      Mit freundlichen Grüssen MeteoSchweiz