März unter Hochdruck

30. März 2020, 6 Kommentare
Themen: Klima

Die Märzwitterung war überwiegend hochdruckbestimmt. Durch die unterschiedliche Lage der Hochdruckgebiete floss zunächst über längere Zeit milde Meeresluft, dann aber frostig kalte Festlandluft zur Schweiz. Die Märztemperatur stieg im landesweiten Mittel 0,8 °C über die Norm 1981−2020. Die Niederschlagsmengen blieben verbreitet unter der Norm. Die Sonnenscheindauer lag vielerorts über der Norm, auf der Alpensüdseite regional etwas darunter.

Tiefblauer Himmel in der kalt-trockenen Bisenluft. Oberes Toggenburg, 24. März 2020.  Foto: Markus Kägi.
Tiefblauer Himmel in der kalt-trockenen Bisenluft. Oberes Toggenburg, 24. März 2020. Foto: Markus Kägi.

Häufiger Wetterwechsel

In den ersten zehn Märztagen wechselten Tiefdrucklagen und Hochdrucklagen im zwei Tages Rhythmus. Vom 2. auf den 3. März fiel entlang des Alpensüdhangs Schnee bis in tiefe Lagen. Der Neuschnee erreichte auf den Talböden unter 500 m zwischen 5 und 10 cm. In Höhenlagen zwischen 500 und 900 m gab es 10 bis 20 cm Neuschnee. Oberhalb von 900 m waren es 20 bis 40 cm, in den Bündner Südtälern auch 50 cm. Im Tessin beendete das Niederschlagsereignis eine Trockenperiode von 70 Tagen, in der Lugano und Locarno Monti weniger als 10 mm erhielten.

Am Alpennordhang fielen vom 2. auf den 3. März 10 bis 35 cm Neuschnee. Die Schneefallgrenze blieb oberhalb von 1000 m.

Milde Atlantikluft

Vom 11. bis am 20. März waren vom Atlantik nach Europa reichende Hochdruckgebiete das bestimmende Wetterelement. West- und Südwestströmungen führten milde Luftmassen zur Schweiz.

Im ersten massiven Wärmeschub vom 11. und 12. März stieg die Tagesmitteltemperatur 5 bis 7 °C, lokal auch 8 bis 10 °C über die Norm 1981−2010. Während des zweiten Wärmeschubs vom 16. bis am 20. März mit überall viel Sonnenschein stieg die Tagesmitteltemperatur verbreitet 4 bis 7 °C und lokal bis 8 °C über die Norm.

Kalte Bise

Auf den 21. März installierte sich über Skandinavien ein kräftiges Hochdruckgebiet. Es bewegst sich in den folgenden Tagen langsam Richtung Südosten. Entlang seiner Südflanke floss kalte Festlandluft zur Schweiz. Die Tagesmitteltemperatur sank beidseits der Alpen 3 bis 5 °C, lokal auch 5 bis 7 °C unter die Norm 1981−2010.

Kräftigste Abkühlung im Winterhalbjahr

In der Schweiz fiel die Tagesmitteltemperatur während des ganzen Winterhalbjahrs 2019/2020 nie derart weit unter die Norm. Besonders markant kommt die Abkühlung auf der Alpensüdseite zum Ausdruck (Abb. 1). In den Tieflagen beidseits der Alpen gab es mehrere Frostnächte. Die Minimumwerte in 2 m Messhöhe bewegten sich gebietsweise 3 bis 6 °C unter dem Gefrierpunkt. Direkt über dem Boden sanken die Werte vielerorts 7 bis 10 °C unter Null.

Grösste Winterkälte im Süden

Auf der Cimetta oberhalb Locarno und auf dem Monte Generoso wurde die tiefste Tagesmitteltemperatur des ganzen Winterhalbjahrs registriert. Am 25. März meldete die Cimetta -7,2 °C und der Generoso -6,7 °C. In den übrigen Monaten des Winterhalbjahrs 2019/2020 sank hier die Tagesmitteltemperatur nicht unter -5,0 °C. 

Vergrösserte Ansicht: Abb. 2: Temperatur des Winterhalbjahrs im landesweiten Mittel seit Messbeginn 1864. Die grüne unterbrochene Linie zeigt die Norm 1981‒2010 von 0,3 °C. Die roten Linien zeigen die 30-jährigen Mittel 1871‒1900 (vorindustriell) und 1991‒2020. Die Erwärmung liegt bei knapp 2 °C.
Abb. 2: Temperatur des Winterhalbjahrs im landesweiten Mittel seit Messbeginn 1864. Die grüne unterbrochene Linie zeigt die Norm 1981‒2010 von 0,3 °C. Die roten Linien zeigen die 30-jährigen Mittel 1871‒1900 (vorindustriell) und 1991‒2020. Die Erwärmung liegt bei knapp 2 °C.

Extrem mildes Winterhalbjahr

Mit dem März endet das Winterhalbjahr. Es verlief extrem mild. Mit einem landesweiten Mittel von 2,3 °C war das Winterhalbjahr 2019/2020 das zweitmildeste seit Messbeginn 1864. Geringfügig mehr Wärme brachte nur das Winterhalbjahr 2006/2007 mit 2,6 °C. Alle übrigen Winterhalbjahre blieben im landesweiten Mittel unter 2,0 °C, vor 1989 sogar unter 1,0 °C.

Vergrösserte Ansicht: Tabelle 1: Messstandorte mit rekordverdächtigen Winterhalbjahren (Stand 28.03.2020).
Tabelle 1: Messstandorte mit rekordverdächtigen Winterhalbjahren (Stand 28.03.2020).

Regional auf Rekordkurs

Am zentralen Alpennordrand von Altdorf über Luzern bis Meiringen, sowie in Château-d’Oex und Genève-Cointrin, bewegt sich die Temperatur des Winterhalbjahrs 2019/2020 auf Rekordkurs. Recht deutlich überschiesst es den bisherigen Rekordwert in Château-d’Oex mit einem Plus von 0,5 °C und in Meiringen mit einem Plus von 0,4 °C. Die folgende Tabelle zeigt die erwähnten rekordverdächtigen Messstandorte mit den fünf mildesten Winterhalbjahren.

Vergrösserte Ansicht: Tabelle 2: Temperatur Winterhalbjahr in Lugano und Locarno-Monti (Stand 28.03.2020).
Tabelle 2: Temperatur Winterhalbjahr in Lugano und Locarno-Monti (Stand 28.03.2020).

Sehr mild auch auf der Alpensüdseite

Auf der Alpensüdseite gehört das Winterhalbjahr 2019/2020 mit rund 8,5 °C zu den fünf mildesten seit Messbeginn 1864 (Tabelle 2). Nur die fünf mildesten Winterhalbjahre lieferten eine Temperatur von über 8 °C. Sie sind alle nach dem Jahr 2000 zu finden.

Vergrösserte Ansicht: Abb. 3: Blühender Schwarzdorn mit Bienenbesuch.

Foto: Regula Gehrig
Abb. 3: Blühender Schwarzdorn mit Bienenbesuch. Foto: Regula Gehrig

Sehr frühe Frühlingsvegetation

Die Blüte der Hasel war im März fast zu Ende. Nur noch in Höhenlagen, oberhalb von 1200m, konnten blühende Haselsträucher beobachtet werden. Insgesamt blühte die Hasel 31 Tage früher als im Mittel der Periode 1981-2010. Der Huflattich begann schon ab Anfang Februar zu blühen. Im März blühte er vom Tiefland bis in Höhen von 1500m. Im Durchschnitt blühte der Huflattich 18 Tage früher als im Mittel. Auch das Buschwindröschen blühte mit einem Vorsprung von 20 Tagen auf das Mittel. Die ersten Buschwindröschen wurden ab dem 20. Februar entdeckt. Im März blühten sie in der ganzen Schweiz. Die höchstgelegene Meldung kam aus Leysin (1250 m), wo das Buschwindröschen am 17. März 37 Tage früher aufblühte als im Mittel der Beobachtungsreihe der Station.

Einzelne Stationen meldeten bereits die Blüte von Löwenzahn und Wiesenschaumkraut und die Blattentfaltung des Haselstrauchs. Alle diese Beobachtungen sind für die Alpennordseite sehr früh, mit fast drei Wochen Vorsprung, für das Tessin sind sie ebenfalls früh bis sehr früh, aber mit etwas geringerem Vorsprung auf das Mittel.

Im Tessin und der Nordwestschweiz blühten ab dem 19. März die ersten Kirschbäume. Aus dem Tessin liegen schon Meldungen zur Blüte der Birnbäume, zum Nadelaustrieb der Lärchen und Blattentfaltung der Vogelbeere vor. Die sehr frühe Entwicklung der Obstbäume macht sie anfällig auf Nachtfröste, wie sie vom 23. bis 27. März auftraten. Je weiter die Knospen entwickelt sind, umso geringer ist ihre Frosthärte. Wenn die Knospen angeschwollen sind, grün werden aber noch geschlossen sind, halten sie bis -4 °C aus, sind die Blüten geöffnet, dann höchstens noch -2°C für kurze Zeit.

Durch den Kälteeinbruch in der letzten Märzdekade wurde die Weiterentwicklung der Vegetation etwas gebremst.

Der definitive Bericht zum März 2020 ist ab dem 9. April 2020 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.

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Kommentare (6)

  1. Roland Meister, 02.04.2020, 19:22

    Zum Vorlauf: Ist der Normwert eigentlich 40 Jahre (1981-2020) oder 30 Jahre 1981-2010 oder 1991-2020 oder 1961-1990 oder was?

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    1. MeteoSchweiz, 03.04.2020, 16:53

      Guten Tag Herr Meister

      Für Aussagen und Produkte mit Bezug auf das aktuell erlebte Klima (z.B. ist ein Monat zu nass, zu trocken, zu warm oder zu kühl), wird die aktuell gültige Normperiode 1981-2010 verwendet. Diese wird demnächst abgelöst durch die neue Normperiode 1991-2020. Die Periode 1961-1990 wird gemäss Empfehlung der WMO (Welt-Meteorologie-Organisation) als Referenzperiode für die Beobachtung der langjährigen Klimaentwicklung verwendet. Auch auf unserer spezifischen Internetseite zu den langjährigen Trends wird dementsprechend die Normperiode 1961-1990 als Basis verwendet.
      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/klimawandel-schweiz/temperatur-und-niederschlagsentwicklung.html

      Zur Verwendung von Normperioden äussert sich MeteoSchweiz sehr ausführlich auf der folgenden Internetseite:
      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/klima-der-schweiz/klima-normwerte.html

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  2. MeteoSchweiz, 01.04.2020, 16:57

    Guten Tag Herr Werder

    MeteoSchweiz hat Methoden entwickelt, um den Monat, basierend auf den vorliegenden Prognosen, bis zum Monatsende zu beurteilen. Die Angaben im provisorischen Blogbeitrag weichen in der Regel nur wenig vom Inhalt des definitiven Bulletins ab, welches nach dem Monatsende veröffentlicht wird. Für den Monat März 2020 liegt dieser Unterschied bei 0,1 °C. Im Blog wird die landesweite Märztemperatur mit 0,8 °C über der Norm angegeben. Nach Vorliegen aller Daten liegt der Wert bei 0,9 °C über der Norm.

    Mit der Herausgabe einer Monatszusammenfassung (Blogbeitrag) kurz vor Monatsende reagierte MeteoSchweiz auf ein Kundenbedürfnis. Vor allem die Medienwelt ist sehr interessiert daran, insbesondere dann, wenn der Monat einen nicht ganz alltäglichen Verlauf nahm. Mit der Veröffentlichung einer provisorischen Monatsbeurteilung kurz vor Monatsende entlastet sich MeteoSchweiz. Seither ist die Zahl der Anfragen merklich zurückgegangen.

    Freundliche Grüsse
    MeteoSchweiz

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    1. David Werder, 01.04.2020, 22:05

      Alles klar, Danke für ihre Antwort!
      Freundliche Grüsse
      David Werder

  3. David Werder, 31.03.2020, 23:31

    Guten Tag
    Wie kommt es das Meteo Schweiz die Durchschnittstemperatur für den März 2020 bereits 2 Tage vor Monatsende weiss? Sollten die beiden letzten Tage, 30. und 31 März nicht auch dazugerechnet werden?
    Freundliche Grüsse
    David Werder

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  4. Daniel Erdin, 31.03.2020, 17:02

    Ihre Blogs sind immer sehr informativ und spannend zu lesen. Vielen Dank für diese tollen Beiträge. Was mir im Monats-Blog ab und zu fehlt, sind etwas ausführlichere Angaben zu den Niederschlägen.
    Freundliche Grüsse
    Daniel Erdin

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