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2020: Rekordwärme weltweit und in Europa

14. Januar 2021, 3 Kommentare
Themen: Klima

Das Jahr 2020 war ebenso warm wie das bisherige Rekordjahr 2016, wie der Copernicus Climate Change Service (C3S) mitteilt. Dies, obwohl sich im Laufe des Jahres 2020 im Pazifik eine kühle La Niña Phase entwickelte. Damit war 2020 das sechste in einer Reihe von aussergewöhnlich warmen Jahren, die 2015 begann. Zudem endet mit dem Jahr 2020 das im weltweiten Mittel wärmste bisher aufgezeichnete Jahrzehnt. Im europäischen Mittel war 2020 das wärmste Jahr im Copernicus-Datensatz ab 1979. Es war 0,4 °C wärmer als das bisherige europäische Rekordjahr 2019.

Weltkarte mit der räumlichen Verteilung der weltweiten Jahrestemperatur 2020 als Abweichung zum Norm 1981‒2010.  Quelle: Copernicus.
Räumliche Verteilung der weltweiten Jahrestemperatur 2020 als Abweichung zum Norm 1981‒2010. Quelle: Copernicus.

Ausserordentlich mildes Jahr in Sibirien

Das Jahr 2020 war im globalen Mittel 0,6 °C wärmer als die Norm 1981−2010 und 1,25 °C wärmer im Vergleich zur vorindustriellen Periode 1850−1900. Es sei daran erinnert, dass das Pariser Klimaabkommen darauf abzielt, die durchschnittliche globale Erwärmung deutlich unter 2 °C im Vergleich zur vorindustriellen Periode zu halten, mit dem Ziel, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 °C zu begrenzen.

Teile der Arktis und Nordsibiriens wiesen im Jahr 2020 einige der grössten jährlichen Temperaturabweichungen im Vergleich zur Norm 1981−2010 auf, wobei eine grosse Region Abweichungen von bis zu 3 °C und an einigen Orten sogar über 6 °C für das gesamte Jahr verzeichnete.

Das arktische Meereis lag in der zweiten Jahreshälfte 2020 deutlich unter dem Durchschnitt für diese Jahreszeit, wobei im Juli und Oktober die geringste Meereisausdehnung in den jeweiligen Monaten verzeichnet wurde.

Sehr warmes Jahr trotz kühlender La Niña

Im Allgemeinen erlebte die Nordhemisphäre eine überdurchschnittliche Jahrestemperatur, abgesehen von einer Region über dem zentralen Nordatlantik.

Im Gegensatz dazu verzeichneten Teile der Südhemisphäre eine unterdurchschnittliche Jahrestemperatur, vor allem über dem östlichen äquatorialen Pazifik. Das hängt mit der abkühlenden La Niña zusammen, die sich in der zweiten Jahreshälfte entwickelte.

Es ist bemerkenswert, dass die Jahrestemperatur 2020 trotz der abkühlenden La Niña mit dem Rekordjahr 2016 übereinstimmt. Damals war El Niño aktiv. El-Niño-Episoden bringen eine zusätzliche globale Erwärmung von 0,1 bis 0,2 °C.

Vergrösserte Ansicht: Abb. 1: Abweichung der globalen Jahresmitteltemperatur von der vorindustriellen Zeit (linke Achse) und von der Norm 1981−2010 (rechte Achse), berechnet nach verschiedenen Datensätzen: ERA5 (ECMWF Copernicus Climate Change Service, C3S), GISTEMP (NASA), HadCRUT5 (Met Office Hadley Centre), NOAAGlobalTemp (NOAA), JRA-55 (JMA) und Berkeley Earth. Die leicht unterschiedlichen Werte ergeben sich aus den unterschiedlich Berechnungsmethoden. Quelle: Copernicus Climate Change Service / ECMWF
Abb. 1: Abweichung der globalen Jahresmitteltemperatur von der vorindustriellen Zeit (linke Achse) und von der Norm 1981−2010 (rechte Achse), berechnet nach verschiedenen Datensätzen: ERA5 (ECMWF Copernicus Climate Change Service, C3S), GISTEMP (NASA), HadCRUT5 (Met Office Hadley Centre), NOAAGlobalTemp (NOAA), JRA-55 (JMA) und Berkeley Earth. Die leicht unterschiedlichen Werte ergeben sich aus den unterschiedlich Berechnungsmethoden. Quelle: Copernicus Climate Change Service / ECMWF

Rekordwärme 2020 in Europa

Im kontinentalen Mittel verzeichnete Europa mit 1,6 °C über der Norm 1981−2010 das wärmste Jahr im Copernicus-Datensatz ab 1979. Das Jahr 2020 lag 0,4 °C über dem bisherigen Rekordjahr 2019. Auch saisonal waren der Winter 2019/20 und der Herbst 2020 die wärmsten. Der Winter 2020, also Dezember 2019 bis Februar 2020, übertraf den bisherigen Winterrekord von 2016 um fast 1,4°C, während der Herbst (September bis November 2020) den alten Rekord aus dem Jahr 2006 um 0,4°C übertraf. Darüber hinaus erlebte Westeuropa Ende Juli und Anfang August eine erhebliche Hitzewelle. Die fünf wärmsten Jahre in Europa wurde innerhalb der letzten zehn Jahre gemessen.

Die Copernicus Mitteilung zum Jahr 2020 ist in englischer Sprache verfügbar.

Rekordwärme auch in der Schweiz

Die Jahrestemperatur 2020 stieg in den meisten Gebieten der Schweiz 1,4 bis 1,7 °C über die Norm 1981–2010. Auf der Alpensüdseite und im Engadin lagen die Werte 1,0 bis 1,4 °C, in den Alpen regional bis 1,8 °C über der Norm. Im landesweiten Mittel ergibt sich eine Jahrestemperatur von 1,5 °C über der Norm 1981–2010 und damit der höchste Wert seit Messbeginn 1864, zusammen mit dem Jahr 2018.

Den umfassenden Überblick zum Jahr 2020 in der Schweiz liefert das Jahresbulletin von MeteoSchweiz.

Weltweit milder Dezember

Im globalen Mittel lag der Dezember 0,43 °C über der Norm 1981–2010. Es war der sechstwärmste Dezember im Copernicus-Datensatz ab 1979. Die sechs wämsten Dezember wurde alle in den letzten sechs Jahren registriert.

In weiten Teilen Kanadas, Grönlands, Skandinaviens sowie in der Barents-, Kara- und Tschuktschensee, die im Dezember noch weitgehend eisfrei waren, lagen die Temperaturen über der Norm 1981–2010. Im Gegensatz dazu blieb die Temperatur in einem grossen Gebiet von den zentralasiatischen Republiken über Südrussland bis nach China unterdurchschnittlich.

Vergrösserte Ansicht: Abb. 4: Räumliche Verteilung der weltweiten und europäischen Dezembertemperatur 2020 als Abweichung zur Norm 1981‒2010. Quelle: Copernicus
Abb. 4: Räumliche Verteilung der weltweiten und europäischen Dezembertemperatur 2020 als Abweichung zur Norm 1981‒2010. Quelle: Copernicus

Milder Dezember auch in Europa

Im kontinentalen Mittel verzeichnete Europa mit 2.3 °C über der Norm 1981−2010 den fünftmildesten Dezember im Copernicus-Datensatz ab 1979. Der Monat war in weiten Teilen Europas milder als die Norm 1981−2010.

In Norwegen, Schweden, Finnland und in der Balkan-Region stieg die Monatstemperatur deutlich über die Norm 1981−2010. In Irland und auf der Iberischen Halbinsel lagen die Werte nahe der Norm oder oder leicht darunter. Im Südwesten Russlands bewegte sich die Dezembertemperatur sogar deutlich unter der Norm 1981−2010.

Das Copernicus Dezemberbulletin ist in englischer Sprache verfügbar.

Der Dezember 2020 in der Schweiz

In der Schweiz lag die Dezembertemperatur nördlich der Alpen verbreitet zwischen 0,7 und 1,5 °C, in der Nordwestschweiz bis knapp 2 °C über der Norm 1981‒2010. In den Alpen und auf den Jurahöhen bewegten sich die Werte meist zwischen 0,7 °C unter und 1 °C über der Norm. Auf der Alpensüdseite blieb die Dezembertemperatur in Berglagen bis 1 °C unter der Norm, in Tieflagen stieg sie bis 1,2 °C über die Norm 1981‒2010. Für das landesweite Mittel ergibt sich eine Dezember­temperatur von 0,5 °C über der Norm 1981‒2010.

Den umfassenden Überblick zum Dezember 2020 in der Schweiz liefert das Bulletin Dezember 2020 von MeteoSchweiz. 

MeteoSchweiz ist offen für einen respektvollen Onlinedialog und freut sich über Ihre Kommentare und Fragen. Kontaktformular

Kommentare (3)

  1. Schait Tobias, 15.01.2021, 16:00

    Ich habe ein grosse Haus mit grosser Fläche am Zürichsee, Gemüse, einem kleinen Wald. Ich arbeite sehr stark mit der Natur zusammen. Bei unseren Aufzeichnungen gab es drei wirklich heisse Sommer, 1976, 2003 und 2018. Nur in diesen Sommern hatten wir z.B. Hitzeschäden an Bäumen und anderer Vegetation, Der Sommer 2020 war ausgesprochen mild und feucht. Sehr viel Niederschläge und angenehme, keine heissen Temperaturen.

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  2. Andreas Achermann, 14.01.2021, 16:43

    Es würde mich sehr interessieren, wie man dazu kommt, vom "milden Dezember mit Temperaturen über der Norm" zu sprechen. Zumindest für die Monate Dezember 2017 - 2020 stellte ich eine kontinuierliche Zunahme der Heizenergie bei gleichbleibenden Anforderungen fest (+ 7,8 %). Standort Luzern.

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    1. Oliver Laube, 15.01.2021, 12:13

      Lokales Wetter, bzw. lokales Klima kann von Region zu Region stark unterscheiden. Lokale Messwerte dürfen nicht mit globalen Messwerten verwechselt werden.