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Gegenstromlage

12. April 2021, 7 Kommentare
Themen: Wetter

Nach einer dreitägigen, frühlingshaften Föhnphase gab der Winter heute bereits wieder ein «Comeback». Nachdem gestern Abend und in der Nacht eine Kaltfront schleifend die Schweiz überquerte, stellte sich heute vorübergehend eine Gegenstromlage ein. In der Folge reichte es nochmals für etwas Neuschnee bis in tiefe Lagen, besonders gegen Osten hin.

Verschneite Obstbäume auf der Buchenegg auf 780 m ü.M. Foto: D. Gerstgrasser
Verschneite Obstbäume auf der Buchenegg auf 780 m ü.M. Foto: D. Gerstgrasser

Kaltfront

Nachdem uns gestern der Südwestwind (beziehungsweise in den Alpentälern der Föhn) noch mit milden und frühlingshaften Höchstwerten bis gegen 20 Grad beglückte, sorgte eine Kaltfront in der Nacht auf heute im Norden für einen markanten Luftmassenwechsel und erneut winterliche Verhältnisse.

Gegenstromlage

Hinter der Kaltfront drehte die Strömung in den unteren Luftschichten rasch von Südwest auf nördliche Richtungen (siehe letzte Zeitschritte in der obigen Animation). Diese Nord- bis Nordostströmung hinter der Front ist zwei Bodendruckzentren zu verdanken: Einerseits dehnte hinter der Front ein Hochdruckgebiet von der Bretagne allmählich nach Osten aus. Andererseits bildete sich im Zusammenhang mit dem durchschwenkenden Trog über dem Golf von Genua ein Tief (sogenannte Leezyklogenese). Beide Druckzentren sind unten rechts gekennzeichnet:

Vergrösserte Ansicht: Druckverteilung und Wind auf 500 hPa (ca. 5'500 m ü.M., links), und Druckverteilung und 3-stündiger Niederschlag auf 850 hPa (ca. 1500 m ü.M., rechts). Die vorherrschende Strömung im Alpenraum ist mit Pfeilen schematisch angedeutet.
Druckverteilung und Wind auf 500 hPa (ca. 5'500 m ü.M., links), und Druckverteilung und 3-stündiger Niederschlag auf 850 hPa (ca. 1500 m ü.M., rechts). Die vorherrschende Strömung im Alpenraum ist mit Pfeilen schematisch angedeutet.

Gleichzeitig blieb der Alpenraum aber weiterhin auf der Vorderseite des Troges. Dies ist auf der linken Abbildung erkennbar. Entsprechend kamen die Winde in der Höhe weiterhin aus südwestlicher und somit entgegengesetzter Richtung im Vergleich zu den Winden in Bodennähe. Eine solche Strömungssituation wird im Meteorologenjargon als Gegenstromlage bezeichnet. Eine schöne Animation der aktuellen Strömungsverhältnisse über dem Alpenraum inklusive Erklärungen finden Sie unter folgendem Link von M. Sänger auf Twitter.

Der Vorstoss der Kaltluft in den unteren Schichten ist auch gut in den Modellsondierungen (vertikaler «Nadelstich» durch die Atmosphäre) zu sehen. Wie man in der Animation unten erkennen kann, wurde die einfliessende Kaltluft im Tagesverlauf zunehmend mächtiger. Dadurch konnte sich allmählich auch der Nordwind durchsetzen, mehr dazu am Ende des Blogs.

 

Zwischenbilanz der Niederschläge

Im Zusammenhang mit der Kaltfront und der anschliessenden Gegenstromlage fielen in den vergangenen 24 Stunden (Redaktionsschluss um 16 Uhr) entlang der westlichen Voralpen, sowie stellenweise im Jura und im Tessin rund 20 bis 30 mm Niederschlag. In den restlichen Landesteilen kamen meist zwischen 8 und 20 mm zusammen, inneralpin sowie am westlichen Jurasüdfuss, geschützt durch die Orographie, waren es teils nur wenige mm. Die Schneefallgrenze sank dabei besonders gegen Nordosten hin relativ rasch in tiefe Lagen zwischen 400 und 600 Meter. So wurde beispielsweise in Zürich am Morgen immerhin 1 cm Neuschnee gemessen. In Graubünden und auch im Wallis blieb die Schneefallgrenze bis am Mittag auf über 1000 m ü.M., da sich hier die Kaltluft erst später durchsetzen konnte. Gerade in den östlichen Landesteilen liegen die Schneefälle also eher unter den erwarteten Mengen. Zwar fällt bis morgen Dienstag in den östlichen Alpen noch etwas Niederschlag, die Intensität bleibt jedoch voraussichtlich eher gering. Die Stufe 3 Schneewarnung in den zentralen und östlichen Alpen wird entsprechend bereits heute um 18 Uhr entwarnt.

Vergrösserte Ansicht: 24-stündige Niederschlagssumme an ausgewählten Stationen.
24-stündige Niederschlagssumme an ausgewählten Stationen.

Erst am Nachmittag einige Aufhellungen

Vergrösserte Ansicht: Gegen Westen hin reichte es ab Mittag für kurze sonnige Abschnitte, wie beispielsweise am Genfersee. Blick vom La Dôle Richtung Südosten. Qelle: roundshot.com
Gegen Westen hin reichte es ab Mittag für kurze sonnige Abschnitte, wie beispielsweise am Genfersee. Blick vom La Dôle Richtung Südosten. Qelle: roundshot.com

Mit der feuchten Luftmasse und der durch die Gegenstromlage verursachten Hebung blieb es heute in den meisten Regionen stark bewölkt. Erst am frühen Nachmittag riss die Wolkendecke besonders im Nordwesten, im Jura und in der Genferseeregion zeitweise auf.

Auf der Alpensüdseite einsetzender Nordwind

Vergrösserte Ansicht: Mittelwind (Fiedern) und Böenspitzen (Zahlen) am frühen Nachmittag. Dazu die aus den Messwerten abgeleitete Druckverteilung.
Mittelwind (Fiedern) und Böenspitzen (Zahlen) am frühen Nachmittag. Dazu die aus den Messwerten abgeleitete Druckverteilung.

Mit der dichteren Kaltluft nördlich der Alpen baute sich im Tagesverlauf ein deutlicher Nordüberdruck mit gut 10 hPa Druckdifferenz (zwischen Kloten und Lugano) auf. Zusätzlich reichte das «Kaltluftpolster» allmählich bis über den Alpenhauptkamm. Entsprechend setzte Nordwind ein, welcher im Laufe des Nachmittags bis ins Mittel- und Südtessin vorstossen konnte und so die Luftmasse allmählich abtrocknete.

Frostiger Frühling

Mit der eingeflossenen, kalten Polarluft und den teils klaren Nächten muss ab Morgen wieder mit Tiefstwerten unter dem Gefrierpunkt gerechnet werden.

Vergrösserte Ansicht: Wahrscheinlichkeiten für Tiefstwerte im positiven Bereich für Dienstag und Mittwoch. Ausser in Seenähe und im Südtessin prognostiziert das COSMO-2E Modell schweizweit Temperaturminima unter dem Gefrierpunkt.
Wahrscheinlichkeiten für Tiefstwerte im positiven Bereich für Dienstag und Mittwoch. Ausser in Seenähe und im Südtessin prognostiziert das COSMO-2E Modell schweizweit Temperaturminima unter dem Gefrierpunkt.

Kommentare (7)

  1. Mad Max, 13.04.2021, 10:28

    Lieber Winter,ich würde dich zur Beobachtung gerne über Nacht hier behalten! Mit liebem Gruß Dr.Frühling 🏜

  2. Doris, 13.04.2021, 04:36

    Herrlich,dieser Frühling. Von Allem ein bisschen. Sehr abwechslungsreich und für Jeden etwas dabei. Und wie gesagt Emma,die Hitzewellen kommen dann noch früh genug.......und dauern bis spät genug......

  3. Baur, 12.04.2021, 21:39

    Schön zu sehen dass es trotz Klimaerwärmung wieder einmal ein Jahr gibt in welchem nicht schon Mitte April die Vollblüte des Löwenzahns bei uns im Flachland eingetreten ist. Die Vegetationsentwicklung scheint sich dieses Jahr endlich wieder einmal an den Normwerten zu orientieren. Vielleicht weiss MeteoSchweiz ob ein kühler April statistisch auf einen eher kühlen Sommer hinweist. Zu wünschen wäre es der Natur und den Menschen ja wieder einmal!

    1. Emma, 13.04.2021, 00:59

      Ich finde es gut, wenn sich die Wärme, noch etwas zurück hält. Nicht dass man vom Winter, direkt zum Sommer übergeht. Wir haben schliesslich vier Jahreszeiten. Die Hitze kommt noch früh genug. Vielen Dank, Emma

  4. Peter Andreas Sager, Aeugst am Albis, 12.04.2021, 19:57

    Dieser Frühling hat es in sich.

    Hier ein Antwort von einem offenem Skigebiet in NRW Deutschland.


    Guten Tag Hatten Sie schon mal so lange offen im Frühling bis mitte April? Freundlicher Gruss Peter Sager

    Skiliftkarussell Winterberg <presse@skiliftkarussell.de>
    19:32 (vor 22 Minuten) 12.04.2021
    an mich

    Seit Bestehen der Wintersport-Arena Sauerland nicht. Wohl in den 70er oder 80er Jahren. Dann aber war das keine durchgehende Saison

    Dies ist ein kleines Skigebiet welche ab dem 3. März öffnen dürfte und nun sicher bis Sonntag den 17.4. offen haben wird. Die Lifte gehen von gut 650 Meter über Meer auf 800 Meter über Meer.

    Somit meine Frage, wie kann dies mit dem Klimawandel erklärt werden?

  5. Timo Stammwitz, 12.04.2021, 19:39

    Niederschlagsmenge und insbesondere Neuschneezuwachs enttäuschend. Der Nordwind hat sich viel zu schnell durchgesetzt. Und die Front zu wenig nach Süden ausgeholt. Dem Süden bleibt wieder nur die Trockenheit.

  6. Wolfgang, 12.04.2021, 18:24

    Diesen „Frühling“ kann man abschreiben und die Eisheiligen sind im Mai ja auch schon ein Lauerstellung...