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Vor dem Wintereinbruch nochmals mild

11. April 2021, 10 Kommentare
Themen: Wetter

Am Sonntag sorgte eine Föhnlage zumindest nördlich des Alpenkamms nochmals für recht sonniges und mildes Frühlingswetter. Auf Montag erfolgt aber ein markanter Wetterumschwung. Hinter einer Kaltfront fliesst wieder deutlich kältere Luft zur Schweiz.

Blick von Zürich-Höngg auf die Föhnmauer über den Alpen. Foto: J. Fisler
Blick von Zürich-Höngg auf die Föhnmauer über den Alpen. Foto: J. Fisler

Mit Föhn am Sonntag mild

Vergrösserte Ansicht: Bodenwetterkarte vom Sonntag, 11. April 2021 um 5 Uhr. Hier gezeigt ist die zur Einarbeitung von Hand erstellte Analyse des Frühdienstmeteorologen.
Bodenwetterkarte vom Sonntag, 11. April 2021 um 5 Uhr. Hier gezeigt ist die zur Einarbeitung von Hand erstellte Analyse des Frühdienstmeteorologen.

Der Blick auf die Wetterkarte zeigt ein Tief, dessen Kern sich von Frankreich bis nach Norddeutschland erstreckt. Der Alpenraum lag am Sonntag auf dessen Vorderseite, was bedeutete, dass mit Südwestströmung milde Luft vom westlichen Mittelmeerraum zur Schweiz gelangte. Die mitgeführte Feuchtigkeit wurde am Alpensüdhang gestaut, im Norden sorgte der Föhn für eine Abtrocknung und zusätzliche Erwärmung der Luft.

In der Nacht und auch am Morgen hatte es zum Teil noch ausgedehnte Bewölkung, sodass die Abstrahlung und damit auch eine starke Auskühlung verhindert wurde. So lagen die Tiefsttemperaturen verbreitet zwischen 5 und 8 Grad, in den Föhngebieten zum Teil über 10 Grad.

Am Nachmittag stieg die Temperatur im Flachland auf milde 16 bis 19 Grad an, stellenweise gab es auch über 20 Grad. Dies vor allem im Osten und auch in den Alpentälern mit dem Föhn. Dieser war zwar auch am Sonntag - wie gestern an dieser Stelle beschrieben - ein unsteter Gast. Mal zog er sich in die oberen Täler zurück, dann stiess er wieder weiter talabwärts vor.

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Im Mittelland und den Voralpen entlang war es recht sonnig, über dem Jura bildeten sich bereits früh ausgedehntere Quellwolken, sodass hier nur wenig Sonne registriert wurde. Am Alpenkamm und insbesondere auf der Alpensüdseite war es mit der Staubewölkung ganztags bedeckt, zeitweise gab es auch wenig Niederschlag.

Vergrösserte Ansicht: Leichter Schneefall im Südstau am Lagh da Val Viola (Val da Camp). Foto: M. Haerri
Leichter Schneefall im Südstau am Lagh da Val Viola (Val da Camp). Foto: M. Haerri

Es folgt eine Kaltfront

Am Nachmittag gab es aus Westen bereits die ersten Regenschauer.  Diese waren die Vorboten einer Kaltfront, welche den Alpenraum in der Nacht zum Montag erfasst und in der Folge für eine markante Abkühlung sorgt. Da damit auch die Schneefallgrenze markant sinken wird, ist vor allem in den Alpen ein erneuter Wintereinbruch zu erwarten.

Die Niederschläge halten am Montag in den Alpen weiter an, vor allem gegen Osten hin. Der Grund ist eine sich vorübergehend einstellende Gegenstromlage. Das heisst: In den oberen Luftschichten (oberhalb der höchsten Alpengipfel) herrscht eine südliche Strömung, die weiterhin feuchte und eher milde Luft vom Mittelmeerraum zu uns führt. In den unteren Schichten hingegen wird mit nördlichen Winden kalte Luft herangeführt. Diesen Aufgleitprozess kann man sich als horizontal gelagerte Frontfläche vorstellen, an der anhaltend Niederschlag ausgelöst wird. Am Dienstag dreht die Strömung dann auch in der Höhe auf Nord, sodass der Niederschlag abklingt.

Vergrösserte Ansicht: Gegenstromlage am Montag, 12. April 2021 um 12 UTC: Links dargestellt Geopotential und Temperatur auf 500 hPa (rund 5500 m ü.M.), rechts die Situation in 850 hPa (rund 1500 m ü.M.) des Modells IFS. Zur Veranschaulichung ist die Strömungsrichtung über den Alpen jeweils schematisch mit einem Pfeil verdeutlicht.
Gegenstromlage am Montag, 12. April 2021 um 12 UTC: Links dargestellt Geopotential und Temperatur auf 500 hPa (rund 5500 m ü.M.), rechts die Situation in 850 hPa (rund 1500 m ü.M.) des Modells IFS. Zur Veranschaulichung ist die Strömungsrichtung über den Alpen jeweils schematisch mit einem Pfeil verdeutlicht.

In den zentralen und östlichen Alpen liegt die Schneefallgrenze bei Niederschlagseinsatz im Bereich von 1300 bis 1800 Metern und sinkt zuerst am Alpennordhang, später auch inneralpin auf 400 bis 700 Meter. In der Nacht zum Dienstag lassen die Niederschläge aus Westen nach. Bezüglich der Niederschlagsmengen besteht noch eine gewisse Unsicherheit. Stand der Prognosemodelle am Sonntagmittag: Bis am Dienstagmorgen ist in den zentralen und östlichen Voralpen und Alpen oberhalb von rund 600 Metern mit 5 bis 20 cm Neuschnee zu rechnen, oberhalb von 1000 Metern muss mit 25 bis 50 cm Neuschnee gerechnet werden. 

Am Alpensüdhang liegt die Schneefallgrenze bei Niederschlagsbeginn zunächst um 1200 Meter, am Montagmittag sinkt sie gegen 800 Meter, gleichzeitig lassen aber auch die Niederschläge nach. In den gewarnten Gebieten am Alpensüdhang ist bis am Montagabend oberhalb 1200 Metern mit 5 bis 10, oberhalb von 1800 Metern mit 20 bis 30, in Südbünden stellenweise bis 40 cm Neuschnee zu rechnen.

MeteoSchweiz hat für den Schneefall in den Bergen Warnungen der Stufen 2 und 3 herausgegeben. Die stets aktualisierten Warnungen finden Sie wie gewohnt hier.

Kommentare (10)

  1. Max Hansen, 12.04.2021, 12:21

    Guten Tag, könnten Sie in Erwägung ziehen bei der Prognose die Temperaturen zu erwähnen anstatt (oder zusätzlich) dem Terminus „der langjährigen Norm entsprechend“ oder „leicht über dem langjährigen Durchschnitt“? Wir haben nicht immer die Möglichkeit kurz eine Tabelle zu konsultieren mit der durchschnittlichen Temperaturen des jeweiligen Monats. Vielen Dank.

    1. MeteoSchweiz, 12.04.2021, 14:39

      Guten Tag Max Hansen
      In der "möglichen Entwicklung" fassen wir die Tendenz des erwarteten Wetters zusammen. Es sind die Verläufe der verschiedenen Modellberechnungen auf längere Zeit, die beurteilt werden. Die berechneten Temperaturen weisen meist eine zu grosse Spanne auf, um konkrete Werte zu nennen.
      Informationen zu diesen Trends sowie zu den Normwerten finden Sie unter:

      https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/wetter/prognosen/monatsausblick.html

      https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/klima-der-schweiz/klima-normwerte.html

      Freundliche Grüsse

  2. Urs Imhof, 11.04.2021, 22:54

    Wir haben und hatten in Bad Zurzach keine Kaltfront. und wenn dann nur in Form vom staubtrockenen Wind.
    Die Kälte kommt erst mit der Gegenstromlage.
    Wir wussten bereits ab den Mittagsstunden das es nichts wird da der Flugverkehr über unser Gebiet zunahm.

    1. MeteoSchweiz, 11.04.2021, 23:04

      Guten Abend Herr Imhof. Die eigentliche Kaltfront liegt noch knapp westlich von Ihnen. Nur noch etwas Geduld, dann kommen auch Sie in den Genuss der Kaltfront mit weiteren Niederschlägen und sinkenden Temperaturen. Viele Grüsse MeteoSchweiz

  3. Barbara, 11.04.2021, 22:25

    Guten Abend das Bild von der Roundshotkamera auf dem Bözingenberg stammt doch vom 10.April und nicht von heute? Mit freundlichen Grüssen

    1. MeteoSchweiz, 11.04.2021, 22:41

      Guten Abend Barbara. Besten Dank für Ihren Hinweis. Da ist unserem Blogautor ein Missgeschick unterlaufen. Aber die waagrecht im Wind stehende Windfahne hätte auch gut zum heutigen Nachmittag gepasst. Wir haben das Bild aus dem Blogartikel entfernt. Besten Dank und viele Grüsse MeteoSchweiz

  4. Fitze, 11.04.2021, 20:24

    Frage: wie kommt in der von Hand erstellten Analyse das nach Westen gerichtete Warmfrontsymbol in die nach Osten voranbrausende Kaltfront?
    Vilen Dank für eine Erklärung.

    1. MeteoSchweiz, 11.04.2021, 20:35

      Guten Abend Fitze. Die langgestreckte Kaltfront kam heute über Frankreich nur langsam südostwärts Richtung Alpenraum voran, zeitweise verharrte die Front sogar nahezu ortsfest. Dies wird in der Handanalyse durch den Wechsel von Kalt- zu Warmfront und wieder zurück zur Kaltfront symbolisiert. Viele Grüsse MeteoSchweiz

  5. Hans, 11.04.2021, 19:27

    Und es gibt sie doch noch die Klassischen Föhnlagen. Im Süden bedeckt und eher kühl, und im Norden sonnig und mild. Dies kann man ja von denn letzten Föhnfasen nicht behaupten. Wo ist der Unterschied? Die letzten waren ja nicht so sonnig wie die heutige. Danke für die Antwort, und eine gute nächte Wetterwoche trotz eher Winterwetter.

    1. MeteoSchweiz, 11.04.2021, 20:31

      Guten Abend Hans. Heute hatten wir u.a. das Glück des perfekten Timings: Der in der vergangenen Nacht durchziehende Kurzwellentrog war bereits heute früh weitgehend über uns hinweg nach Osten gewandert. Nachfolgend trocknete die Luft im Norden mit dem Föhn sehr gut ab. Viele Grüsse MeteoSchweiz