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Die Schweizer Temperaturentwicklung im globalen Vergleich

12. Mai 2021, 39 Kommentare
Themen: Klima

Zur Illustration des fortschreitenden Klimawandels wird die Temperaturentwicklung in der Schweiz oft mit derjenigen der globalen Mitteltemperatur verglichen. Wir stellen den Verlauf beider Messreihen über die vergangenen rund 150 Jahre im Detail vor und erklären Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Bodennahe Erwärmung der Luft zwischen 1864 und 2020 in der Schweiz (braun) und global (orange). Dargestellt sind 10-jährige, gleitende Jahresmittelwerte der Abweichungen vom Mittel der Periode 1871-1900. Grafik aus den Erläuterungen des Bundesrates zur Eidgenössischen Volksabstimmung vom 13. Juni 2021. Daten global: CRUTEM v4.6.0.0 (University of East Anglia and Met Office); Daten Schweiz: Schweizer Temperaturmittel v1.1 (MeteoSchweiz).
Bodennahe Erwärmung der Luft zwischen 1864 und 2020 in der Schweiz (braun) und global (orange). Dargestellt sind 10-jährige, gleitende Jahresmittelwerte der Abweichungen vom Mittel der Periode 1871-1900. Grafik aus den Erläuterungen des Bundesrates zur Eidgenössischen Volksabstimmung vom 13. Juni 2021. Daten global: CRUTEM v4.6.0.0 (University of East Anglia and Met Office); Daten Schweiz: Schweizer Temperaturmittel v1.1 (MeteoSchweiz).

Die bodennahe Lufttemperatur ist ein zentrales Element der Beobachtung des Klimawandels. So ist die globale Mitteltemperatur in den letzten 150 Jahren um rund 1 °C, die Schweizer Temperatur sogar um rund 2 °C angestiegen. Was führt zu diesem Unterschied und ist die Schweiz ein Ausnahmefall? Wir wollen hier einen Blick auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede werfen, um die Schweizer Kurve besser verstehen und einordnen zu können.

Erwärmungstrends weltweit

Die globale Temperaturkurve setzt sich aus der Entwicklung der Temperatur aller Regionen der Erde zusammen, und diese Entwicklung war längst nicht überall die gleiche. Dies zeigt die Weltkarte der Erwärmungstrends (Abb. 1) sehr deutlich, wobei sich zwei grössere Muster erkennen lassen:

Die Erwärmung ist einerseits über den Ozeanen geringer als über Land. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass Meere riesige Wärmespeicher sind. Die zusätzliche Energie wird teilweise vom Wasser absorbiert und führt zur Erwärmung der tieferen Meeresschichten. Landmassen hingegen können Wärme schlechter speichern, so dass mehr Energie für die Erwärmung der darüber liegenden Luft zur Verfügung steht. Ein zweiter Grund für das unterschiedliche Erwärmungsmuster liegt darin, dass die zusätzliche Energie auch zur Verdunstung von Wasser eingesetzt wird, welches über dem Meer unbeschränkt zur Verfügung steht. Über Land ist das Wasserangebot und damit die Verdunstung beschränkt, weshalb die zusätzliche Energie vermehrt in die Erwärmung der Luft geht. Die geringere Erwärmung über den Ozeanen dehnt sich auch etwas ins Landesinnere aus, so z.B. sichtbar in Nordamerika oder in Westeuropa.

Das zweite auffällige Muster auf der Weltkarte zur Erwärmung ist die stärkere Zunahme der Temperatur in den höheren Breiten im Vergleich mit den Äquatorregionen (in der Wissenschaft auch als polar amplification bezeichnet). Die Prozesse dahinter sind kompliziert und die Ursachen divers. Ein wichtiger Effekt ist die zusätzliche Erwärmung, welche durch den Rückgang der Schnee- und Eisbedeckung entsteht. Die freigelegten Flächen sind dunkler, absorbieren mehr Sonnenstrahlung und erwärmen sich somit stärker. Zusätzlich wird diskutiert, dass die globale Erwärmung auch zu einem verstärkten Wärmetransport von niederen Breiten zu den Polen führt. Aufgrund der Lage der Schweiz als Teil der Landmasse der mittleren nördlichen Breiten wird also deutlich, wie sich die stärkere Erwärmung von rund 2 °C im Vergleich mit der globalen Entwicklung grundsätzlich erklären lässt.

Vergrösserte Ansicht: Abb. 1: Gemessene Erwärmung der Erde gemäss GISTEMP v4 Datensatz der NASA. Gezeigt wird die Differenz zwischen den 30-jährigen Mittelwerten 1881-1910 und 1991-2020 [in °C]. Der NASA-Datensatz ist kürzer als die in den anderen Abbildungen verwendeten CRUTEM4-Daten, aber eine zusätzliche, unabhängige Datenquelle. Die Erwärmung von +2.1 °C über der Schweiz im dargestellten Zeitraum vergleicht sich gut mit dem Resultat aus dem Schweizer Temperaturmittel (+2.0 °C).
Abb. 1: Gemessene Erwärmung der Erde gemäss GISTEMP v4 Datensatz der NASA. Gezeigt wird die Differenz zwischen den 30-jährigen Mittelwerten 1881-1910 und 1991-2020 [in °C]. Der NASA-Datensatz ist kürzer als die in den anderen Abbildungen verwendeten CRUTEM4-Daten, aber eine zusätzliche, unabhängige Datenquelle. Die Erwärmung von +2.1 °C über der Schweiz im dargestellten Zeitraum vergleicht sich gut mit dem Resultat aus dem Schweizer Temperaturmittel (+2.0 °C).

Verlauf der Temperatur

Zusätzlich zur stärkeren Erwärmung fallen beim Vergleich der Schweizer Temperaturkurve mit der globalen Entwicklung auch die deutlich grösseren Schwankungen auf, z.B. die Kältephase um 1890, die warmen, späten 1940er Jahre und der abrupte Temperaturanstieg Ende der 1980er Jahre. Auch diese Unterschiede sind durch die Mittelung über verschieden grosse Gebiete erklärbar. Je kleiner eine Region gewählt wird, umso stärker zeigt sich die natürliche Variabilität des Klimas, insbesondere in den mittleren Breiten. Das Zusammenspiel von speziellen Anströmungsmustern mit dem langjährigen Erwärmungstrend kann neben kurzzeitigen Ausschlägen auch zu abrupten Veränderungen wie Ende der 1980er oder zu Beginn der 2010er Jahre führen.

Um die Unterschiede zwischen grösseren und kleineren Regionen sowie zunehmender nördlicher Breite noch etwas zu verdeutlichen, schauen wir uns den Verlauf der über alle Längengrade gemittelten Landtemperaturen auf der geografischen Breite der Schweiz (45-50°N) an (vgl. Abb. 2). Wir sehen, dass diese Kurve die starken regionalen Abweichungen der Schweizer Kurve zwar nicht mitmacht, aber insgesamt eine ähnlich starke Erwärmung im Bereich von etwa +2 °C zeigt. Der auffällige Schweizer Temperatursprung Ende der 1980er Jahre ist 15 Jahre später wieder eingeholt. Die weiter nördlich liegenden Landmassen (60-80°N) haben diese Entwicklung ebenfalls mitgemacht. Deren Erwärmung liegt seit der Jahrtausendwende noch deutlich höher und erreicht bald 3 °C.

Vergrösserte Ansicht: Abb. 2: Entwicklung der bodennahen Temperatur für das Schweizer Mittel (braun), global (dunkelblau) sowie 45-50°N Land (blau) und 60-80°N Land (hellblau). Dargestellt sind 10-jährige, gleitende Jahresmittelwerte der Abweichungen vom Mittel der Periode 1871-1900. Daten (Global/Breitenmittel): CRUTEM v4.6.0.0 (University of East Anglia and Met Office).
Abb. 2: Entwicklung der bodennahen Temperatur für das Schweizer Mittel (braun), global (dunkelblau) sowie 45-50°N Land (blau) und 60-80°N Land (hellblau). Dargestellt sind 10-jährige, gleitende Jahresmittelwerte der Abweichungen vom Mittel der Periode 1871-1900. Daten (Global/Breitenmittel): CRUTEM v4.6.0.0 (University of East Anglia and Met Office).

Fazit

Die Schweiz ist stark vom Klimawandel betroffen. Im Vergleich mit der globalen Entwicklung ist die Temperatur hierzulande über die vergangenen 150 Jahre rund doppelt so stark angestiegen. Die Unterschiede zwischen der Schweizer und globalen Temperaturentwicklung können gut erklärt werden. Die stärkere Zunahme zeigt sich in fast allen Regionen der nördlichen Breiten und sie vergrössert sich mit der Nähe zur Arktis.

Kommentare (39)

  1. Urs Neu, 09.06.2021, 12:36

    Seit über 100 Jahren ist die Erwärmung in der Schweiz etwa doppelt so hoch wie global. Dieser Trend lässt sich kaum durch natürliche Schwankungen, beispielsweise der Zirkulationsmuster, erklären. Über 1-2 Jahrzehnte ist das durchaus möglich, wie der starke Anstieg Ende der 80er Jahre zeigt. Diese Schwankungen sind wie beschrieben jedoch zeitlich beschränkt.
    Wenn man nun aber die Temperaturprojektionen aus CH2018 anschaut, ist der Unterschied zwischen den globalen Projektionen und den CH2018-Projektionen für die Schweiz lediglich ein Faktor 1.25 und nicht ein Faktor 2 wie in den Beobachtungen.
    Der beobachtete Unterschied zwischen der globalen Erwärmung und der Erwärmung der Landoberflächen liegt bei einem Faktor von etwa 1.6. In den globalen Projektionen liegt er bei etwa 1.35.
    Gibt es dafür eine Erklärung? Unterschätzen die Klimamodelle, insbesondere Regionalmodelle, die Erwärmung der Landoberflächen? Die CH2018-Projektionen sind tiefer als die der globalen Landoberflächen.

    1. MeteoSchweiz, 10.06.2021, 09:27

      Guten Tag Herr Neu,

      Diese Frage ist Gegenstand aktueller Forschung und leider noch nicht im Detail geklärt. Für einen vertieften Dialog bitten wir Sie, sich an klimainformation@meteoschweiz.ch zu wenden.

      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz

  2. Susanne, 03.06.2021, 06:04

    Guten Tag, vielen Dank für die interessante Information zu den Temperaturentwicklungen über viele Jahrzehnte hinweg. In Abb. 1 werden die Perioden 1881-1910 und 1991-2020 verglichen. Warum wurden diese beiden ausgewählt? Und wie sähe die Karte aus, wenn z.B. 1891-1920 und 1991-2020 oder andere Perioden verglichen würden? Vielen Dank!

    1. MeteoSchweiz, 03.06.2021, 11:09

      Guten Tag Susanne,

      In der Klimatologie werden die Mittel aus 30-jährigen Perioden zur Beschreibung des Klimas einer bestimmten Zeit verwendet. Um die Veränderung und deren globale Verteilung zu illustrieren, wurde deshalb in Abb. 1 die Differenz der ersten und letzten 30-jährigen Periode im GISSTEMP v4 Datensatz verglichen, der bis 1880 zurück reicht. Die Unterschiede von heute (1991-2020) zu anderen frühen Perioden sind klein (maximal einige Zehntelgrad) und die Karte, insbesondere das globale Verteilungsmuster, sähe nicht wesentlich anders aus.

      Freundliche Grüsse,
      MeteoSchweiz

  3. Anina Hilfiker, 28.05.2021, 10:46

    Kann es sein, dass die Erwärmung der Erdoberfläche zum Teil auch durch die vielen zubetonierten Flächen verstärkt wird? Im Vgl. zu früher werden ja immer mehr Strassen , Steingärten und auch "Aufenthaltsplätze" (vor allem in den Städten) gebaut, was die Verdunstungsfähigkeit und Wasseraufnahme des Bodens meines Ermessens nach schon recht stark beeinträchtigt..

    1. MeteoSchweiz, 28.05.2021, 11:18

      Guten Tag Frau Hilfiker,

      vielen Dank für Ihre Frage. Die Beschaffenheit der Bodenoberfläche kann lokal einen grossen Einfluss auf die Strahlungsflüsse und damit auch auf die Verdunstung haben. Deshalb haben dicht bebaute Städte oft ein anderes Klima als deren Umland. Gemittelt über die Fläche der Schweiz oder gar global dürften Stadt-Land-Unterschiede nicht sehr ins Gewicht fallen. Da spielen grossräumige Veränderungen (z.B. durch Rodung grosser Waldflächen, Verringerung der eis- und schneebedeckten Fläche in Gebirgen und über den Ozeanen) eine wichtige Rolle.

      Freundliche Grüsse,
      MeteoSchweiz

  4. Tom, Embrach, 24.05.2021, 14:57

    Schade, dass es immer noch viele gibt, welche es nicht erkennen was abgeht. Tatsachen kann man nicht verleugnen, aber man kann sie natürlich ignorieren (oder auch darüber diskutieren, wer daran schuld ist oder auch nicht, das ist aber dann ein gaaanz anderes Thema). Naja, Vogel Strauss ist auch eine Variante, Kopf in Sand und abwarten.
    Das eine ist, wie man die Situation bewertet, ob man es akzeptiert dass was passiert. Das andere ist der Umgang damit. Ich befürchte dass der Mensch global zu bequem ist substantiell was zu ändern. Es abzuwenden, fürchte ich leider, wird nicht mehr gelingen. Also werden wir uns immer mehr damit befassen müssen, was das bedeutet. Wie wir uns damit arrangieren können. Landwirtschaft z.B. umstellen auf Getreide die solch wechselhafte Extreme vertragen, Bauzonen entsprechend anpassen, oder "Wasserfest" bzw. "Lawinenfest" bauen. Häuser mit Schnorchel, oder generell schwimmend (gibt es schon!). Und think positive: Es wird neue Arbeitsplätze geben...

  5. Urs Lienert, 23.05.2021, 17:14

    Guten Tag. Besten Dank für die Erklärungen. Man sieht, dass die Kommentare natürlich unsere Region betreffe, in der wir leben. Mich interessiert jedoch der grosse Unterschied zwischen der südlichen und nördlichen Memishhere. Was ist da so unterschiedlich? Sind es etwa die viel kleineren Landmassen? Hat der Golfstrom einen Einfluss, der dort tief unten durch geht. Ider die dich kãlteren Strömungen? Können Sie mich da aufklären? Besten Dank

    1. MeteoSchweiz, 26.05.2021, 08:51

      Guten Tag Herr Lienert,
      Ein wesentlicher Teil des Unterschieds ist auf die unterschiedlich grossen Landmassen von Nord- und Südhemisphäre zurückzuführen. Die Ozeane der Südhemisphäre haben sich nicht massiv schwächer erwärmt als die Ozeane der Nordhemisphäre. Hinzu kommt aber, dass die Datengrundlage in der Südhemisphäre sehr viel unsicherer ist als für die Nordhemisphäre, was ebenfalls zu Unterschieden führen kann.

      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz

  6. Thomas Rolle, 20.05.2021, 10:21

    Ich habe einmal in den Bericht geschaut. http://www.naturwissenschaften.ch/organisations/proclim/activities/brennpunkt/downloads/81637-brennpunkt-klima-schweiz
    habe aber nahezu nichts über bereits eingetretene, bedrohliche Auswirkungen finden können. Alles nur Prognosen und Szenarien, wie sie seit 40 Jahren verbreitet werden. Selbst das IPCC hat in einem der letzten Berichte festgestellt, dass es keine Anzeichen (evidence) für die Zunahme von katastrophalen Wetterereignissen gibt. Das Gebiet der Schweiz hat in den letzten 15 000 Jahren schon etliche Gletscherschmelzen überstanden, das wird sie auch wieder ohne wirkungslose CO2 Einsparungen. Oder gibt es Berechnungen was die eingesparten CO2 Mengen der Schweiz an hundertstel oder tausendstel Grad bewirken? Der Bericht zeigt auch, dass die Erwärmung nicht nur auf CO2 zurückzuführen ist, sondern dass es zahlreiche andere Faktoren gibt, deren Beeinflussung vor Ort greifbarere Ergebnisse zeigen würden.

    1. MeteoSchweiz, 27.05.2021, 14:29

      Guten Tag Herr Rolle

      Die ganz grossen Versicherungen wie Schweizer Rück oder Münchner Rück haben bereits vor längerer Zeit eine Zunahme der Kosten durch Unwetterschäden festgestellt. Für diesen wichtigen Wirtschaftszweig ist der Blick in die Zukunft von grossem Interesse für die langfristige Planung. Versicherungen sind wichtige Nutzer von Klimaszenarien und den daraus abgeleiteten Folgen. Viele andere Wirtschaftszweige, Institutionen und Organisationen nutzen Klimaszenarien ebenso. Denn Planung heisst vorausschauen und frühzeitig handeln, und nicht warten, bis die Probleme nicht mehr zu bewältigen sind.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  7. Kreber, 19.05.2021, 14:33

    Danke für den informativen Artikel!
    Mich erschrecken vor allem die vielen Kommentare, die mit dem kalten April/Mai 2021 gegen die Klimakrise argumentieren. Unglaublich traurig.

    1. Patrick, 22.05.2021, 08:35

      Es gibt leider viele, welche den Unterschied zwischen Wetter und Klima nicht begreifen.

    2. Tom, Embrach, 24.05.2021, 14:51

      Es ist eben leider so, globale Zusammenhänge erschliessen sich nicht jedem, die einen messen das Weltklima einfach an ihren kalten Fingerspitzen...

    3. Winter Stephan, 07.06.2021, 09:16

      Ich erinnere Sie, wenn wegen drei warmen Tagen von der Klimaerwärmung geschrieben wird.

  8. Timo Stammwitz, 18.05.2021, 21:36

    Freut Euch doch mal über den angenehm kühlen feuchten Mai. Die nächste übermässige Hitze wird sowieso kommen, solange der Mensch keine Rücksicht gegenüber der Erde kennt. Unsere Gletscher erhalten so eine Verschnaufpause - wenn‘s bis in den August so bleibt. Genau, ja wenn.

  9. MeteoSchweiz, 18.05.2021, 12:14

    Aufgrund eines technischen Problems wurden die Kommentare noch nicht freigeschaltet. Wir werden dies im Laufe des Tages beheben. Besten Dank für Ihr Verständnis.

  10. Bühler, 17.05.2021, 19:14

    Danke für den Blog. Aber was war mit dem (Sch....) Wind? Ist das für Mai normal? Ich komme mit vor wie in einer Küstenregion in Schleswig-Holstein.

  11. Geiger, 17.05.2021, 17:41

    Guten Tag

    Gehe ich richtig in der Annahme, dass das Jahr 2021 alleine schon aufgrund der Entwicklung bis zum Mai 2021 diesen Trend nach unten ziehen kann/wird? Die meisten Monate fallen ja kälter aus als in den Vorjahren.Entsprechend müssten wir das auf der Grafik dann auch erkennen? Eine Kältephase ist also nicht auszuschliessen?

    1. MeteoSchweiz, 18.05.2021, 16:23

      Guten Tag Geiger

      Die Kurven zeigen ein gewichtetes 10-Jahresmittel (Gauss Tiefpass-Filterung). Wird das Jahr 2021 nach Abschluss in die Kurven einbezogen, liegt dessen Gewichtung bei 1,4 %. Das Hauptgewicht mit je 20 % und mehr haben momentan die Jahre 2015 bis 2018. Das Jahr 2021 spielt also zunächst keine grosse Rolle beim Verlauf der Kurven. Um die Kurven markant nach unten zu drücken, müssten zudem mehrere Jahre deutlich unter den Vorjahren liegen.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

    2. Wolfgang, 22.05.2021, 07:03

      Ich frage mich ernsthaft warum so viele Kommentatoren nicht verstehen was Klima bedeutet?
      Und beziehen sich auf 1 Jahr oder Teile eines Jahres. Interessant wird's wenn man in Jahrzehnten denkt...

  12. Thomas Rolle, 17.05.2021, 11:21

    zu "Die Schweizer Temperaturentwicklung im globalen Vergleich"
    Frage: Welche konkreten schädlichen Auswirkungen, wie z. B. Ernteausfälle, hatte die Erhöhung um zwei Grad in der Schweiz? Haben sich die Ernteerträge nicht deutlich verbessert? Wird nicht weniger Heizenergie benötigt? Gletscherschmelze ist keine negative Auswirkung. Das Gebiet der heutigen Schweiz hat seit der letzten Eiszeit schon mehrfach Zeiten mit geschmolzenen Gletschern überstanden.

    1. MeteoSchweiz, 18.05.2021, 17:48

      Guten Tag Herr Rolle

      Die Analysen zu den (oft negativen) Auswirkungen der Klimaänderung auf unsere Wirtschaft und Gesellschaft füllen viele Bücher. Eine umfangreiche Zusammenfassung finden Sie im folgenden Bericht: Brennpunkt Klima Schweiz - Grundlagen, Folgen und Perspektiven (2016). http://www.naturwissenschaften.ch/organisations/proclim/activities/brennpunkt/downloads/81637-brennpunkt-klima-schweiz

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  13. Matthias Lugauer, 16.05.2021, 17:50

    Sehr geschätzte Meteo-Schweiz Mitarbeiter,

    Bei der Argumentation, weshalb der Trend in der Schweiz so viel stärker als global ist, stellt sich mir folgende Fragen:

    1. Ist es erwiesen, dass die Temperatur deshalb so viel stärker steigt, weil sozusagen kein Wasser mehr zum Verdunsten da ist. Ich kann mir auch vorstellen, dass die Verdunstung bei weniger Schnee/Eis-Bedeckung der Alpen seit 1990 deutlich zugenommen hat, da die schneebedeckten Böden ihre Feuchte besser bewahren können.
    2. Wissen Sie, wie stark sich die Absorption des Bodens der Schweiz im Verlauf des betrachteten Zeitraums aufgrund von Veränderungen der Schneebedeckung und der Landnutzung verändert hat? Und wenn ja, passt das dann zu den gezeigten Abbildungen.
    Vielen Dank für Ihre schönen Berichte,
    mit freundlichen Grüßen aus Bayrisch-Schwaben,
    einst Doktorand am PSI
    Matthias Lugauer

    1. MeteoSchweiz, 19.05.2021, 17:31

      Guten Abend Herr Lugauer

      Vielen Dank für die interessanten Fragen.
      Die Bestimmung der Verdunstung ist grundsätzlich schwierig. Neuere Resultate zeigen, dass die Verdunstung in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen und noch wenig wasserlimitiert ist. Belastbare Aussagen zum grossflächigen Einfluss der veränderten Landoberflächenbeschaffenheit sind uns nicht bekannt.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  14. Patrick Werner, 16.05.2021, 15:26

    Hallo Team.
    Was ist der Grund dieses Blogs? Welche politische Beweggründe?
    Liebe Grüsse Patrick Werner, Heimiswil

    1. MeteoSchweiz, 18.05.2021, 18:06

      Guten Tag Herr Werner

      Der Vergleich von Schweizer und globaler Temperaturentwicklung wird in unterschiedlichem Kontext verwendet. Die offensichtlichen Unterschiede der Temperaturverläufe werfen immer wieder Fragen auf, welche wir mit dem vorliegenden Blog aufgreifen und erklären. Wir behandeln im Blog Themen, welche unsere Leserinnen und Leser interessieren. Zudem erleichtert es unsere Kommunikation, da wir dazu nun auf eine Referenz verweisen können, wie wir dies auch für andere Themen tun.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  15. Wolfgang, 16.05.2021, 11:20

    Erschreckend, was anderes kann man kaum sagen.
    Vorallem wenn man sich die riesige russische Landmasse des Permafrostbodens ansieht, die sich selbst verstärkend immer mehr taut und taut...

  16. D. Keller, 16.05.2021, 07:22

    Ein informativer Artikel.
    Zeigt allerdings auch etwas die Schizophrenie der Klimawissenschaft auf. Einerseits ist der Megatrend der höheren Erwärmung der Nordhalbkugel (Antarktis fehlen sowieso Messdaten) "kompliziert und divers" (man weiss es nicht wirklich), andererseits erstellt die Klimawissenschaft Prognosen auf 100 Jahre hinaus aufs Zehntelgrad genau.

  17. Hans Joseph, 16.05.2021, 01:57

    Ich lese immer nur Erwärmung, Erwärmung, Erwärmung. WO ist denn diese Erwärmung??? Wir haben den kältesten April seit 20 Jahren hinter uns. Und der Mai ist bis jetzt auch nur ein einziges Trauerspiel: Kalt, nass, ungemütlich. Also wo soll hier bitteschön eine Erwärmung sein???

    1. MeteoSchweiz, 18.05.2021, 16:28

      Grüezi Hans Joseph

      Das Problem ist, dass Sie versuchen, die Klimaänderung mit einem Ereignis (zwei kühle Monate) zu interpretieren. Die Klimaänderung muss jedoch viel gesamtheitlicher betrachtet werden. Seit 1971 war jede Dekade wärmer als diejenige davor. Die soeben zu Ende gegangene Dekade 2011-2020 war klar die wärmste Dekade seit Messbeginn 1864. Das sind die eindeutigen langfristigen Signale der Klimaänderung, die nicht einfach mit zwei kühlen Monaten hinweggewischt werden.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

    2. Thomas Carli, 19.05.2021, 14:39

      Ergänzend zur Antwort von Meteoschweiz: die Erwärmung muss man nicht nur über lange Zeiträume anschauen (also nicht nur 2 Monate), sondern auch weltweit. Wegen der Energieerhaltung ist es möglich, dass ein Teil der Erde sich abkühlt und ein anderer Teil sich erwärmt, ohne dass die globale Temperatur sich ändert. Dies ist beispielsweise der Fall wenn sich der Golfstrom wie in den letzten Jahrzehnten langsam abschwächt.
      Sie müssen sowohl zeitlich wie räumlich grösser denken!

  18. Lars, 14.05.2021, 22:22

    Nur merke ich nichts von der Klimaerwärmung. Wenn so schlimm sein soll, warum haben wir jetzt noch um die Jahreszeit temperaturmässig fast Winter?
    Dafür hat sicher niemand eine Erklärung...

    1. Dani, 18.05.2021, 16:51

      Ach ja? Ende Feb. + 20 grad und die statistiken der letzten 100 jahren sprechen bände.

    2. Andy, 20.05.2021, 08:32

      Da wir bei den Anekdoten sind, habe ich auch noch eine: Ich bin seit mittlerweile mehr als 30 Jahren etwa zur gleichen Jahreszeit anfangs Februar in den Skiferien in Brigels/GR. Bislang hat es *zweimal* im Skigebiet bis 2000 Meter geregnet (so lang und stark dass das Skierlebnis massiv abgewertet wurde). Das eine mal war im Jahr 2020 und das andere im Jahr 2021. Und dieses Jahr war ja extrem Schneereich.
      Wenn dieses Wetter nun zum Klima wird, gehört der Regenschutz in den Winterferienkoffer wie früher die Moonboots.

    3. Wolfgang, 22.05.2021, 06:57

      Ist doch ganz einfach, das nennt sich statistische Schwankung, es kann trotz jährlich steigener Temperaturen mal saukalt sein auch für Monate, das hat aber mit dem Klima nix zu tun.

  19. Tom, Embrach, 13.05.2021, 13:38

    Toller Bericht, der es eigentlich auf den Punkt bringt, ohne zu werten.
    Jedem sollte klar sein, worauf wir zusteuern. Ich bin auch selbst bereit mich entsprechend einzuschränken, und mache das schon täglich. Dennoch sehe ich leider eher schwarz, denn was wir tun ist global gesehen der berühmte Tropfen auf den heissen Stein. Solange Länder wie China, Russland, USA etc. immer noch steigende CO2 Ausstosse verzeichnen, und dabei 75% vom gesamten Kuchen ausmachen, klappt es leider nicht. Und wir sind nahe am "Point of no return", und diese Länder zeigen leider weder Motivation noch Interesse, da noch rechtzeitig irgendwas (substantielles!) zu ändern.
    Wir werden wohl oder übel Modelle entwickeln müssen, wie wir mit dem veränderten Klima auf Dauer leben wollen und können. Ich denke da z.B. an die Bauern, den Tourismus, oder Regionen die so intelligent waren und ganze Städte unterhalb dem Meeresspiegel gebaut haben... da kommt einiges auf uns zu, und zwar schneller als alle denken...

    1. Thomas Carli, 19.05.2021, 14:41

      Dass die USA unter Trump nichts getan haben ist richtig, aber unter Biden wird das ziemlich sicher anders.

  20. Larissa, 13.05.2021, 08:05

    Sehr informativer Artikel, vielen Dank!