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Ein neues Hitzewarnkonzept für die Schweiz

31. Mai 2021, 31 Kommentare
Themen: Service

Die sommerlichen Temperaturen locken zu vielen Freizeitaktivitäten nach draussen. Steigen die Temperaturen jedoch weiter an, wird es schnell unangenehm und zu heiss. MeteoSchweiz warnt die Bevölkerung vor bevorstehenden Hitzeperioden, denn die Hitze ist eine nicht zu unterschätzende Naturgefahr. Ab dem 1. Juni 2021 führt MeteoSchweiz ein neues Hitzewarnkonzept ein, das wir heute mit diesem Blog vorstellen möchten.

Thermometer das eine hohe Temperatur anzeigt. Quelle:  pixabay.com
Quelle: pixabay.com

Hohe, aber nicht zu hohe Temperaturen

Die seit den Wintermonaten erwarteten langen Tage sind endlich gekommen. Der Sommer ist im Anmarsch und damit sind auch die typischen Sommeraktivitäten wieder in Sicht: ein gemütlicher Abend in einem Grotto, ein erfrischender Nachmittag am See, eine schöne Velotour oder eine Grillparty mit Freunden. Warme Sommertage und laue Sommernächte ermöglichen diese und viele weitere Aktivitäten im Freien.  Zu hohe Temperaturen können uns jedoch einen Strich durch die Rechnung machen. Wenn das Thermometer zu hoch steigt, beginnt man nicht nur zu schwitzen: Auch der Schlaf während der Nacht kann schnell zu einem Albtraum werden, man hat keine Lust mehr sich im Freien zu bewegen und bleibt am liebsten in der Nähe einer Klimaanlage. Sommertage machen Spass, aber nur, wenn sie nicht allzu heiss sind.

Vergrösserte Ansicht: 3 Wandererinnen im Sommer in den Bergen. Ort: Nendaz Schweiz. Quelle: Yente Van Eynde, unsplash.com
Abbildung 1: Die sommerlichen Temperaturen locken zu vielen Freizeitaktivitäten nach draussen. Quelle: Yente Van Eynde, unsplash.com

Die Hitze, eine nicht zu unterschätzende Naturgefahr

Hitze ist eine ernstzunehmende Gefahr für die Bevölkerung, Natur und Infrastruktur. Nicht nur extreme Hitzewellen wie im Sommer 2003 wirken sich negativ auf die Gesundheit aus. Auch bereits kurze, aber intensive Hitzeperioden können eine starke Belastung für den menschlichen Organismus und das Gesundheitssystem bedeuten. Sommer- und Hitzetage wie auch Hitzeperioden treten hierzulande in den letzten 30 Jahren aufgrund der allgemeinen Klimaerwärmung weitaus häufiger und intensiver auf als früher.

Seit 2005 warnt MeteoSchweiz die Bevölkerung und die Behörden vor Hitzeperioden. Die Hitzewarnung orientiert sich dabei an den Bedürfnissen der Bevölkerung und der Behörden und dient dazu, die betroffenen Personen über eine bevorstehende Hitzeperiode zu informieren. Untersuchungen vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut in Basel haben klar gezeigt, dass die kantonalen Hitzepläne und die dazugehörigen Massnahmen eine positive Wirkung haben und dazu beitragen, die menschliche Gesundheit zu schützen und Leben zu retten. Die Hitzewarnungen helfen, genügend frühzeitig informiert und rechtzeitig vorbereitet zu sein.

Vergrösserte Ansicht: Abbildung 2: Vor der Hitze kann man sich schützen. Quelle: Engin Akyurt, pexels.com
Abbildung 2: Vor der Hitze kann man sich schützen. Quelle: Engin Akyurt, pexels.com

Das neue Hitzewarnkonzept

Ab dem 1. Juni 2021 passt MeteoSchweiz ihr Hitzewarnkonzept an, um die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahre zu berücksichtigen. Neu werden die Hitzewarnungen auf Basis der mittleren Tagestemperatur (Tmean) herausgegeben und nicht mehr auf der Basis des amerikanischen Heat Index (HI), wie dies bis Sommer 2020 der Fall war.

Die mittlere Tagestemperatur als Hitzeindikator ist eine robuste meteorologische Grösse, die nicht von einzelnen Temperaturspitzen abhängt, sondern die die Temperatur während der ganzen 24 Stunden eines Tages berücksichtigt, d.h. auch während der Nacht. Die nächtlichen Temperaturen sind besonders relevant für die menschliche Gesundheit. Falls die Nächte nicht ausreichend kühl sind, kann sich der Körper kaum erholen und die Hitzebelastung schlechter verkraften.

Vergrösserte Ansicht: Abbildung 3: Die Hitzewarnungen für Behörden und Bevölkerung basieren neu ab dem 1. Juni 2021 auf der mittleren Tagestemperatur (Tmean) für die Stufe 2 (gelb), Stufe 3 (orange) und Stufe 4 (rot) Warnungen; (grün: keine Warnung). Die Dauer ist jeweils als Mindestdauer zu verstehen. Lesebeispiel: Drei aufeinanderfolgende Tage mit Tmean über 27 °C entsprechen einer Stufe 4 Warnung.
Abbildung 3: Die Hitzewarnungen für Behörden und Bevölkerung basieren neu ab dem 1. Juni 2021 auf der mittleren Tagestemperatur (Tmean) für die Stufe 2 (gelb), Stufe 3 (orange) und Stufe 4 (rot) Warnungen; (grün: keine Warnung). Die Dauer ist jeweils als Mindestdauer zu verstehen. Lesebeispiel: Drei aufeinanderfolgende Tage mit Tmean über 27 °C entsprechen einer Stufe 4 Warnung.

Das neue Hitzewarnkonzept beinhaltet drei anstatt wie bisher zwei Gefahrenstufen. Neu wird ab dem 1. Juni 2021 die Hitzewarnung der Stufe 2 eingeführt. Weil auch kurze, intensive Hitzeperioden negative gesundheitliche Folgen haben können, warnt MeteoSchweiz die Bevölkerung mit der Warnstufe 2 bei ein- bis zweitägigen Hitzeereignissen. Die Warnstufen 3 und 4 werden wie bis anhin ab einer Dauer von mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen (= Hitzewelle) herausgegeben. Die Warnkriterien sind schweizweit einheitlich, d.h. es werden keine differenzierten regionalen Schwellen verwendet. Die Warnungen werden auf der Basis von Warnregionen herausgegeben, die von den Naturgefahrenstellen des Bundes verwendet werden. Dabei werden in der Regel Höhenlagen bis 800 m ü.M. berücksichtigt.

Wie für alle anderen Warnungen ist es möglich auch die Hitzewarnungen als Push-Meldung via MeteoSwiss App kostenlos zu erhalten. Mehr Informationen dazu finden Sie im folgenden Video:

Vor der Hitze kann man sich schützen. Die Verhaltensempfehlungen finden Sie auf unserer Webseite und auf dem Naturgefahrenportal.

Kommentare (31)

  1. Marcel Büchi, 05.07.2021, 12:47

    Gemäss folgendem Artikel spielt die Luftfeuchtigkeit eine wichtige Rolle für die Gesundheit und Sterblichkeit. Bitte kontaktieren Sie Catherine Sage, Forscherin aus Genf und Hauptautorin des ILO-Berichts "Working in a warmer planet".

    Klimawandel: Arbeiten in extremer Hitze senkt die Produktivität
    https://www.dw.com/de/klimawandel-arbeiten-in-extremer-hitze-senkt-die-produktivität/a-58046093

    Working on a warmer planet: The effect of heat stress on productivity and decent work
    https://www.ilo.org/global/publications/books/WCMS_711919/lang--en/index.htm

    1. MeteoSchweiz, 06.07.2021, 12:07

      Guten Tag Herr Büchi

      Es ist bekannt, dass Hitzestress einen negativen Einfluss auf die Produktivität der arbeitenden Bevölkerung hat (siehe auch das EU-Projekt HEAT-SHIELD an dem MeteoSchweiz mitarbeitet). Hohe Temperaturen in Verbindung mit einer hohen Luftfeuchtigkeit können einen negativen Einfluss auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Sterblichkeit haben, das ist ebenfalls korrekt. Es muss jedoch klar regional unterschieden werden. Für die Schweiz und viele andere Länder zeigen Studien, dass die Luftfeuchtigkeit für die Sterblichkeit eine untergeordnete Rolle spielt und die Tages- und Nachttemperatur die wichtigen Faktoren sind (Ragettli et al. 2017, doi: 10.1016/j.envres.2017.07.021; Armstrong et al. 2019, doi: 10.1289/EHP5430). Die Luftfeuchtigkeit kann jedoch in Kombination mit hohen Temperaturen auch hierzulande das Wohlbefinden und, bei weiter fortschreitendem Klimawandel, die Produktivität in der Schweiz beeinträchtigen (Casanueva et al. 2020, doi: 10.1007/s10113-020-01625-6). Unsere nationale Hitzewarnung ist klar auf die Sterblichkeit ausgerichtet. Das Erstellen von zusätzlichen Hitzestressprognosen für die arbeitende Bevölkerung ist denkbar.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

    2. Marcel Büchi, 15.07.2021, 09:02

      Liebes Meteo Schweiz Team

      Besten Dank für die ausführliche Antwort.

      Vielleicht lässt sich die Luftfeuchtigkeit in Zukunft über die Kühlgrenztemperatur berücksichtigen. Siehe Studie Global risk of deadly heat aus dem Jahr 2017.


      Freundliche Grüsse
      Marcel Büchi

  2. Justus Bernold, 18.06.2021, 13:50

    Liebes Meteo Schweiz Team

    Wie wird Tmean gemessen?

    freundliche Grüsse
    Justus Bernold

    1. MeteoSchweiz, 18.06.2021, 18:02

      Guten Abend Herr Bernold. An unseren SwissMetNet-Stationen wird alle 10 Minuten die Temperatur gemessen. Aus all diesen Werten wird dann Tmean, die Tagesmitteltemperatur gebildet. Viele Grüsse MeteoSchweiz

  3. Horst Naujoks, 07.06.2021, 23:45

    Bei allem Verständnis für die Hitze, 'erklärt' doch mal einfach mal die Menge an Feucht, im Moment.

  4. Wiipuur63, 07.06.2021, 19:47

    Danke für die ausführliche Antwort! Allerdings ist auf meine Hauptkritik nicht wirklich eingegangen worden. Gibt es eine jahreszeitliche Begrenzung für die Stufe 1? Es macht ja keinen Sinn im Januar (Kriterium <25 Grad erfüllt) eine Hirzewarnung 1 herauszugeben. Zudem wird die neue Stufe 2 zu viel mehr Hitzewarnungen führen, womit eben eine gewisse Abstumpfung für die höheren, wichtigen Stufen passieren wird. Zudem werden sich noch mehr Leute schon bei 26 Grad schlecht fühlen, weil ja schliesslich eine „staatliche“ Stelle eine Warnung herausgegeben hat. Ob das bei sensiblen Leuten nicht auch bereits gesundheitlich schädlich sein kann auf Dauer?

    1. MeteoSchweiz, 09.06.2021, 11:24

      Guten Tag Wiipuur63

      Die Warnstufe 1 „keine oder nur eine geringe Gefahr“ wird nie ausgegeben. Eine Hitzewarnung wird erst ab Stufe 2 ausgegeben, wenn die über den ganzen Tag (24h) gemittelte Temperatur 25 Grad oder höher liegt. Somit gibt es nur im Sommer Hitzewarnungen. Die Anzahl an Hitze Stufe 3 und 4 Warnungen bleibt gegenüber dem alten Hitzewarnkonzept sehr ähnlich.
      In unserer App kann eingestellt werden ab welcher Stufe man eine Push-Meldung erhalten möchte. Eine Warnung von MeteoSchweiz sollte nicht dazu führen, dass sich die Menschen schlechter fühlen. Das Ziel einer Warnung ist der Schutz der Bevölkerung, insbesondere der besonders gefährdeten Personen.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  5. Christian Bleuer, 07.06.2021, 17:58

    Überall wird vor allem Möglichen gewarnt. Wenn im Winter für einen Wintersportort 10cm Neuschnee prognostiziert wird gibt es eine Unwetterwarnung.....

    Für die Natur, die Menschen und den Wintersport ist es ein Segen,m nicht ein Unwetter!

    LG Christian

  6. Arwed Schmidt, 07.06.2021, 09:14

    Wie kann man sich in einem Jahr ohne Sommer vor "Hitzewellen" fürchten?

    1. Findler, 08.06.2021, 00:34

      Abwarten…

  7. Andy Keller, 04.06.2021, 11:49

    Möglicherweise habe ich was überlesen, aber liegt die Gefahr nicht in der Kombination von Temperatur und Luftfeuchtigkeit? In meiner Montagetätigkeit hatte ich mehr Mühe in Malaysia mit 30°C

    1. rudolf, 07.06.2021, 18:28

      Die Luftfeuchtigkeit spielt wie erfahren hast eine wesentliche Rolle. Schwitzen (=abkühlen der Haut) ist sehr relevant. Ebenfalls Bekleidung, Hitzeabstrahlung (z.B. Arbeiten auf einem Dach) und natürlich wie streng die Arbeit ist.
      Ich empfehle das Papier vom SECO:
      "Arbeit bei Hitze im Freien … Vorsicht!
      Ein Beurteilungshilfsmittel".
      Ein Hitzeschlag ist ein Unfall und meldepflichtig. Manchmal hilft das dem Chef die richtigen Entscheidungen zu treffen.

    2. MeteoSchweiz, 08.06.2021, 09:51

      Guten Tag Andy Keller

      Die Analyse der Korrelation zwischen den Sterblichkeitsdaten und den meteorologischen Daten hat gezeigt, dass in der Schweiz die Feuchtigkeit eine untergeordnete Rolle spielt. Die Temperatur ist de facto massgebend für die Auswirkungen auf die Sterblichkeit. Die Feuchtigkeit wird trotzdem indirekt berücksichtigt, da sie die nächtlichen Temperaturen beeinflusst: je feuchter es ist, desto weniger tief sinken die Temperaturen während der Nacht. Damit bleibt auch die mittlere Tagestemperatur höher. Die Feuchtigkeit kann einen Einfluss auf das Wohlbefinden der Menschen in der Schweiz haben, aber nicht auf die Sterblichkeit.
      Aufgrund der geographischen Lage der Schweiz ist die relative Luftfeuchtigkeit während Hitzeperioden deutlich tiefer (Tagesmittel 40 bis 70 auf der Alpennordseite; 30 bis 60 % auf der Alpensüdseite) als im tropischen Klima von Malaysia (Tagesmittel ca. 80%).

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  8. max p., 02.06.2021, 13:49

    Persönlich sagt mir das Klima im Mittelmeerraum, speziell Toscana, mehr zu, als das was ich in der Schweiz erlebe. Was mich mehr interessieren würde, ist eine Kältewarnung. Gemäss Lancet sterben bis 20 x mehr Menschen an Kälte als Hitze. https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(15)60897-2/fulltext
    Besonders Januar 2019 ist mir als gefährlich im Sinn wenn Heizung abstellt und keine schnelle Reparatur, Ersatz möglich. Kann mich nicht an Warnungen erinnern.

    1. MeteoSchweiz, 04.06.2021, 13:38

      Grüezi Max

      Im Moment gibt MeteoSchweiz nur Warnungen vor Bodenfrost aus. Das Thema der Warnungen über Kältewellen ist allerdings bei uns auf dem Radar. In den nächsten Jahren erneuert MeteoSchweiz das Warnsystem. Im Rahmen dieser Erneuerung ist derzeit die Absicht, auch das Thema der Kältewellen zu behandeln.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  9. Wiipuur63, 02.06.2021, 08:35

    Das neue Warnsystem dürfte sich leider als untauglich erweisen, wenn es so angewandt wird, wie hier gezeigt. Es sollte eine Stufe 0 geben, Stufe 1 suggeriert ja schon eine Gefahr und das bei unter 25 Grad, also auch im Winter...! Zudem sind die Grenzen der Warnstufen so tief angesetzt, dass praktisch den ganzen Sommer eine Hitzewarnung draussen sein wird. Das führt letztlich dazu, dass niemand mehr diese Warnungen ernst nehmen wird. Dasselbe gilt auch für die Wind-/ und Unwetterwarnungen, die sehr niederschwellig bewarnt werden. Völlig sinnlos sind die Erdbebenwarnungen, die zwangsläufig erst nach dem Beben aufgeschaltet werden.
    Schade, dass auch Meteo Schweiz sich der in den Medien grassierenden allgemeinen Alarmitis anschliesst.

    1. MeteoSchweiz, 03.06.2021, 12:01

      Guten Tag Wiipuur63

      Die Gefahrenstufen des Bundes wurden gemeinsam durch die Naturgefahrenfachstellen des Bundes festgelegt. Dabei bedeutet Warnstufe 1 "keine oder geringe Gefahr". Sie besteht deshalb, weil das Wetter oft eine potentielle Gefahr beinhaltet.
      Die neuen Warnschwellen bei Hitze basieren auf der Tagesmitteltemperatur von 25 bzw. 27 °C. Das heisst also, dass die über den ganzen Tag (von Mitternacht bis Mitternacht) gemittelte Temperatur 25 bzw. 27 °C ergeben muss. Das bedeutet nicht, dass es eine Warnung gibt bei einer Maximaltemperatur von 25 °C oder mehr. Analysen haben gezeigt, dass es mit dem neuen Hitzewarnkonzept eine ähnliche Anzahl an Hitzewarnungen der Stufen 3 und 4 geben wird wie in der Vergangenheit. Neu kommen Hitzewarnungen der Stufe 2 hinzu. Hier haben wissenschaftliche Analysen ebenfalls gezeigt, dass Hitze bereits ab dem ersten Tag zu einem Anstieg der Sterblichkeitsrate führt.
      In den nächsten Jahren überarbeitet MeteoSchweiz ihr Warnsystem. Dabei werden auch die Schwellwerte der verschiedenen Prozesse (Regen, Wind, etc.) analysiert.
      Erdbebenmeldungen werden auf der MeteoSchweiz App dargestellt, stammen aber vom Schweizerischen Erdbebendienst (SED). Rückmeldung diesbezüglich müssen Sie an den SED richten.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  10. Raphael Scharf, 01.06.2021, 00:37

    Hallo zusammen
    Suuper Arbeit die ihr tagtäglich leistet. Merci villmoll dafür.
    Eine kurze Frage habe ich noch. Wie handelt ihr dass, wenn bsp. 3 Tage > 25 Grad herscht (Stufe 3) und dann 3 Tage > 27 Grad. Wird dann die Stufe erst auf 4 erhöht nach den zweiten 3 Tagen oder ergibt sich dann eine Kumulation mit den ersten 3 Tagen?

    1. MeteoSchweiz, 01.06.2021, 15:52

      Guten Tag Herr Scharf

      Besten Dank für Ihre Frage.
      Wenn sich die von Ihnen geschilderte Situation bereits bei Ausgabe der Warnung abzeichnen würde, dann würde in der Regel bereits zu Beginn, also für alle Tage, eine Stufe 4 Warnung ausgegeben. Wäre die Vorhersage der Temperatur für die von Ihnen geschilderte Situation (Tag 4 bis 6) sehr unsicher, könnte es sein, dass zunächst eine Stufe 3 Warnung ausgegeben würde. Würde sich dann abzeichnen, dass eine Stufe 4 Warnung nötig wäre, würde dementsprechend hochgestuft werden. Es ist also jeweils stark von der (Prognose-)Situation abhängig.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  11. Raphael Rüegger, 31.05.2021, 20:33

    Immer wieder lese ich von Gefahren für den Menschen aufgrund von Hitzewellen. Ich frage mich dann wieso dies so ist. Sind doch Sommer auf der Arabischen H.i., Nordafrika oder in Australien noch sehr viel Heisser als bei uns. Und gerade in einer sehr heissen Region war vermutlich die Gebrutsstätte des Menschen. So müsste dies für unser Organismus doch locker zu bewältigen sein!
    Bitte versteht mich nicht falsch, für die Natur hier sind solch heisse Sommer natürlich katastrophal und persönlich mag ich Temperaturen über 25 °C ganz und gar nicht.
    Aber dass es für den Mensch ein Problem sei verwunder mich. Sind wir es uns nicht mehr gewohnt oder verhalten wir uns einfach total falsch???

    1. MeteoSchweiz, 01.06.2021, 15:45

      Guten Tag Herr Rüegger

      Studien zeigen, dass für jedes Land andere Schwellenwerte für eine starke Hitzebelastung und ihre gesundheitlichen Auswirkungen gelten. Wir verhalten uns häufig nicht so, wie hohe Temperatur es verlangen würden. Die besonders stark durch Hitze betroffenen Risikogruppen, ältere Menschen, Schwangere und Kleinkinder, können sich schlechter an die Hitze anpassen und reagieren deshalb empfindlicher auf hohe Temperaturen.
      Mehr Informationen finden Sie hier: https://www.nccs.admin.ch/nccs/de/home/das-nccs/themenschwerpunkte/klimawandel-und-gesundheit.html

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

    2. RolandSch., 01.06.2021, 21:39

      In Nordafrika schlafen die Menschen auf den Dächern unter freiem Himmel. 1. keine Moskitos hoch oben 2. frische Luft, man schläft wie ein Stein. 3. man ist immer unter Menschen, auch Nachts. Romantik pur. Gruss

  12. Daniel Hernández, 31.05.2021, 19:25

    Wertes MeteoSchweiz-Team

    Verstehe ich richtig, dass die relative Luftfeuchtigkeit und damit die Schwülebelastung bei hohen Taupunkten ab 01.06.2021 für die Ermittlung der Warnstufen bei Hitzewellen nicht mehr berücksichtigt wird?
    Dabei ist neben der Temperatur vor allem gerade die Luftfeuchtigkeit eine eine zentrale meteorologische Grösse in Bezug auf den Grad der physischen Belastung (Kreislaufbelastung) bei Tier und Mensch.

    Freundliche Grüsse
    Daniel Hernández
    Meteorologe

    1. MeteoSchweiz, 01.06.2021, 13:39

      Guten Tag Herr Hernández

      Vielen Dank für Ihre Frage.
      Die Analyse der Korrelation zwischen den Sterblichkeitsdaten und den meteorologischen Daten hat gezeigt, dass in der Schweiz die Feuchtigkeit eine untergeordnete Rolle spielt. Die Temperatur ist de facto massgebend für die Auswirkungen auf die Sterblichkeit. Die Feuchtigkeit wird trotzdem indirekt berücksichtigt, da sie die nächtlichen Temperaturen beeinflusst: je feuchter es ist, desto weniger tief sinken die Temperaturen während der Nacht. Damit bleibt auch die mittlere Tagestemperatur höher. Die Feuchtigkeit kann einen Einfluss auf das Wohlbefinden der Menschen in der Schweiz haben, aber nicht auf die Sterblichkeit.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  13. Marcel B., 31.05.2021, 17:58

    1. Auf welcher Basis wurden die Schwellwerte der mittleren Tagestemperatur (Tmean) festgelegt?

    2. Warum wird die Luftfeuchtigkeit nicht mit berücksichtigt, welche die gesundheitliche Belastung doch massgeblich beeinflusst (trockene versus nassfeuchte Hitze)?

    3. Für welche Gebiete, Orte und Höhe werden die Hitzewarnungen herausgegeben? Was ist mit «in der Regel Höhenlagen bis 800 m ü.M. berücksichtigt» gemeint?

    4. Warum gibt es keine Stufe 5, wenn die Dauer z.B. 7 Tage übersteigt und ein schlafloses bzw. weniger erholsames Wochenende dazukommt? Die Menschen werden immer aggressiver und müder, was bspw. zu mehr Verkehrstoten führt.

    1. MeteoSchweiz, 01.06.2021, 15:47

      Guten Tag Marcel B.

      1. Das neue Hitzewarnkonzept wurde auf Basis der wissenschaftlichen Analysen von Swiss TPH Basel aufgebaut, die die Korrelation zwischen der Sterblichkeit und den meteorologischen Bedingungen in der Schweiz analysiert haben. Die Festlegung der Warnschwellenwerte ist das Resultat eines komplexen Entscheidungsprozesses, in dem verschiedene Elemente berücksichtigt wurden: die Überlegungen zu den Auswirkungen von Hitze auf Gesundheit und Mortalität, die Handhabung in den Warnprozessen, die klimatologische Frequenz, usw.

      2. siehe obenstehende Antwort zur Frage von Daniel Hernández

      3. Das bedeutet, dass die Hitzewarnungen in der ganzen Schweiz für Höhenlagen unterhalb von 800 m ü.M. ausgegeben werden. Das heisst, fürs ganze Flachland der Alpennordseite, fürs Zentralwallis sowie für die Niederungen der Alpensüdseite. Zudem werden demnach auch die Alpentäler berücksichtigt, die einen wesentlichen Flächenanteil unterhalb 800 m ü.M. aufweisen.

      4. MeteoSchweiz hat vorläufig darauf verzichtet. In den nächsten Jahren werden wir unser Warnsystem genau analysieren und überarbeiten.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  14. Marcel B., 31.05.2021, 17:38

    Wie berechnet man die mittlere Tagestemperatur (Tmean)?
    Die Durchschnittstemperatur eines Tages wird weltweit seit dem 1. April 2001 folgendermassen ermittelt: Man erfasst zur vollen Stunde den Lufttemperaturwert zwischen 0 bis 24 Uhr. Die so gemessenen (24) Temperaturwerte werden addiert und durch 24 geteilt.

    1. Rolf S., 05.06.2021, 18:55

      Sie haben Ihre Frage ja praktisch selber beantwortet. Die Berechnung von Tmean wird wohl ähnlich aussehen, mit dem Unterschied, dass dafür nicht Messwerte sondern Prognosen verwendet werden.

    2. MeteoSchweiz, 07.06.2021, 18:10

      Guten Tag Marcel und Rolf

      Genau, für die Hitzewarnungen berechnen wir die prognostizierte mittlere Tagestemperatur. Dazu wird der Mittelwert über die prognostizierten 24 Stundenwerte eines Tages berechnet.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  15. Ana G., 31.05.2021, 12:59

    Merci beaucoup pour cette importante mise à jour!