Inhaltsbereich

Der IPCC – was steckt dahinter?

21. Juli 2021, 3 Kommentare
Themen: Klima

Am 9. August 2021 erscheint der Sechste Bericht (engl.: Sixth Assessment Report, AR6) des Weltklimarates IPCC zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels. In diesem Beitrag erklären wir, was der IPCC genau ist, wie ein solcher Bericht entsteht und aufgebaut ist und was die Rolle des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz ist.

IPCC Logo. Darstellung: MeteoSchweiz
IPCC Logo. Darstellung: MeteoSchweiz

Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), häufig übersetzt als Weltklimarat, ist ein zwischenstaatliches und wissenschaftliches Gremium zugleich, das im Abstand von jeweils rund sechs Jahren den aktuellen Kenntnisstand zum Klimawandel zusammenfasst und ihn aus wissenschaftlicher Sicht bewertet. Dabei betreibt der IPCC selbst keine eigene Forschung, sondern beruft sich auf anerkannte und begutachtete Publikationen. Als Weltklimarat bietet er Grundlagen für wissenschaftsbasierte Entscheidungen der Politik, gibt jedoch keine konkreten Handlungsempfehlungen. Der IPCC als Institution der Vereinten Nationen (UN) erarbeitet und aktualisiert ausserdem Methoden und Richtlinien zur Unterstützung der UN Klimarahmenkonvention (engl.: United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) bei der Erstellung der nationalen Treibhausgasinventare. So fliessen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse des IPCCs direkt in die Klimaverhandlungen im Rahmen der UNFCCC ein.

Der IPCC besteht seit 1988 und wurde vom Umweltprogramm der UN (UN Environment) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gegründet. Derzeit umfasst der IPCC mit Sitz in Genf 195 Mitgliedsstaaten. Der erste IPCC-Bericht erschien im Jahr 1990. Im Jahr 2007 erhielt der IPCC gemeinsam mit dem damaligen Vizepräsidenten der USA den Friedensnobelpreis. Der IPCC-Prozess ist absolut einzigartig – in keinem anderen Wissenschaftsgebiet wird die regelmässige Erstellung eines umfassenden Berichts und die internationale Abstimmung und Aufarbeitung für Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger betrieben. Hunderte von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler engagieren sich dafür mit ihrer Expertise und Zeit – unentgeltlich.

Dieses Video ist nur in englischer Sprache verfügbar.

Erklär-Video des IPCC vom 10.6.2021 mit dem Titel "What is IPCC’s Sixth Assessment Report?", abgerufen am 20.7.2021.

Wie ist der IPCC-Bericht aufgebaut?

Insgesamt besteht dieser, wie auch die Berichte zuvor, aus drei Teilen, die im Abstand von einigen Monaten veröffentlicht werden. Jeder Teilband ist einer Arbeitsgruppe (engl.: working group, WG) zugeordnet.

  • Die erste Arbeitsgruppe (WG1) befasst sich mit den naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels und schätzt die zukünftige Entwicklung des Klimas ab, gestützt auf Klimaszenarien mittels globaler Klimamodelle.
  • In der zweiten Arbeitsgruppe (WG2) werden die Auswirkungen des Klimawandels für die Natur und den Menschen behandelt und Möglichkeiten der Anpassung aufgezeigt.
  • In der dritten Arbeitsgruppe (WG3) geht es um politische und technologische Klimaschutzmassnahmen.

Zu jedem Teilband wird zusätzlich eine Zusammenfassung für Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger der Regierungen (engl.: Summary for Policymakers, SPM) erstellt und von den IPCC-Mitgliedstaaten in einer mehrtägigen Plenarsitzung verabschiedet. Auf diese Zusammenfassung können Regierungen Einfluss nehmen und Änderungsvorschläge machen. Die wissenschaftlichen Aussagen des Berichts bleiben jedoch unverändert.

Was ist die Rolle von MeteoSchweiz?

Gerade beim Bericht zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels (WG1) sind die Resultate sehr eng mit den Aktivitäten an den nationalen Wetterdiensten und Hochschulen verknüpft. Unter anderem wird in diesem Bericht der aktuelle Wissensstand zum vergangenen, aktuellen und zukünftigen Klima auf globaler und regionaler Ebene präsentiert.

Vom 26. Juli – 6. August 2021 findet die 54. Plenarsitzung statt und der Sechste IPCC-Bericht zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels sowie die dazugehörige Zusammenfassung für Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger werden von den Regierungen im Konsens genehmigt. Den Medien wird der Bericht am Montag, 9. August 2021 vorgestellt. Als IPCC-Mitgliedsstaat ist auch die Schweiz an der Plenarsitzung vertreten. Die Schweizer Delegation wird vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) geleitet. Die Rolle von MeteoSchweiz ist die wissenschaftliche Begleitung der Schweizer Delegation. Dementsprechend war MeteoSchweiz bei der Begutachtung der Zusammenfassung für Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger involviert. Daneben erfüllen wir durch unsere Forschung und das Verfassen wissenschaftlicher Beiträge für den Bericht eine wichtige Rolle. «Mit der bevorstehenden Plenarsitzung geht die intensive Phase der Zusammenstellung der naturwissenschaftlichen Fakten zum Klimawandel zu Ende. Die neuen Erkenntnisse werden den Regierungen und nationalen Behörden als wichtige Grundlage zur Anpassung und zur Minderung des Klimawandels dienen», erklärt Mischa Croci-Maspoli, Leiter Klima MeteoSchweiz.

Wie werden die IPCC-Berichte erstellt?

Wenn der Sechste Bericht der ersten Arbeitsgruppe am 9. August 2021 veröffentlicht wird, ist dies das Ergebnis eines mehr als sechs Jahre dauernden, komplexen Verfahrens. Insgesamt 721 unabhängige Expertinnen und Experten aus 90 Ländern sind an der Erstellung der IPCC-Berichte beteiligt, davon 234 Autorinnen und Autoren im Rahmen der ersten Arbeitsgruppe des AR6, inklusive fünf Autoren aus der Schweiz. Daneben sind über 100 Institutionen der UN sowie internationale Organisationen als sogenannte Beobachter involviert.

Das Verfahren der Berichtserstellung und -verabschiedung läuft für alle drei Teilbände des IPCC gleich ab (Abb. 1). In einem ersten Schritt legen Wissenschaft, politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sowie weitere Personen konkrete Themen und die Struktur für den Bericht fest. Für jedes Kapitel wird ein Autorenteam zusammengestellt. Bei der Auswahl wird vor allem auf die wissenschaftliche Expertise geachtet und darauf, dass unterschiedliche Fachdisziplinen vertreten sind. Zudem ist Diversität ein wichtiges Kriterium. Im eigentlichen Schreibprozess nutzen die Autorenteams bereits veröffentlichte Erkenntnisse, möglichst aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften, tragen diese zusammen und bewerten sie. Die erstellten Entwürfe durchlaufen anschliessend ein mehrstufiges Begutachtungsverfahren, das in einer ersten Runde von wissenschaftlichen Fachleuten und in einer zweiten Runde von Regierungsvertretern der Mitgliedstaaten durchgeführt wird. Pro Bericht müssen die jeweiligen Autorinnen und Autoren zehntausende Kommentare aus aller Welt angemessen beachten und Änderungen schriftlich begründen. Als letzten Schritt der Begutachtung werden die Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger (engl.: Summary for Policymakers, SPM) auf einer mehrtägigen Plenarsitzung von den Regierungen der Mitgliedstaaten Satz für Satz verabschiedet. Ziel der Zusammenfassung ist es, die komplizierten Zusammenhänge klar und verständlich auszudrücken. Formulierungen dürfen von den Regierungen jedoch nur dann geändert werden, wenn die Aussage durch den Bericht gedeckt ist. Mit der formellen Zustimmung des Plenums zum Bericht und zur Zusammenfassung für Entscheidungsträger erkennen die Mitgliedsstaaten die wissenschaftlichen Aussagen des IPCC offiziell an.

Vergrösserte Ansicht: Abb. 1: Entstehungsprozess der IPCC-Berichte. Darstellung: MeteoSchweiz, Agentur mehrwert
Abb. 1: Entstehungsprozess der IPCC-Berichte. Darstellung: MeteoSchweiz, Agentur mehrwert

Am Montag, 9. August, wenn der Bericht den Medien vorgestellt wird, publiziert auch MeteoSchweiz einen Blogbeitrag dazu. Darin werden die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse aus dem Bericht mit dem Klimawandel in der Schweiz in Kontext gestellt.

MeteoSchweiz ist offen für einen respektvollen Onlinedialog und freut sich über Ihre Kommentare und Fragen. Kontaktformular

Kommentare (3)

  1. Sonny, 21.07.2021, 15:01

    Ich werde nicht schlau draus

    Antworten

    Antworten auf Sonny

    * Pflichtfelder

    Vielen Dank für Ihren Beitrag. Jeder Beitrag wird von der Redaktion geprüft, bevor er freigeschaltet wird. Das kann eine gewisse Zeit dauern.

    Besten Dank für Ihr Verständnis

    Ihren Beitrag konnte leider nicht übermittelt werden. Probieren Sie es später erneut.

    Besten Dank für Ihr Verständnis

  2. Hans Mühletaler, 21.07.2021, 14:24

    Liebes Team,

    sehr spannender Bericht, super gemacht!

    Antworten

    Antworten auf Hans Mühletaler

    * Pflichtfelder

    Vielen Dank für Ihren Beitrag. Jeder Beitrag wird von der Redaktion geprüft, bevor er freigeschaltet wird. Das kann eine gewisse Zeit dauern.

    Besten Dank für Ihr Verständnis

    Ihren Beitrag konnte leider nicht übermittelt werden. Probieren Sie es später erneut.

    Besten Dank für Ihr Verständnis

    1. MeteoSchweiz, 21.07.2021, 17:40

      Guten Tag Herr Mühletaler,
      vielen Dank für Ihren freundlichen Kommentar. Beste Grüsse,
      MeteoSchweiz