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Sonne und Nebel

21. Juli 2021, 7 Kommentare
Themen: Wetter

Das wetterbestimmende Hochdruckgebiet sorgte heute Mittwoch wiederum für einen meist sonnigen und sommerlich warmen Tag. Weil das Wetter bei uns relativ ruhig verlief, werfen wir einen Blick über die Schweiz hinaus nach Portugal. Warum? Dies erfahren Sie im Blog.

Im Wallis liess sich heute, wie auch in der übrigen Schweiz, ein sonniger Sommertag geniessen. Im Bild die Aussicht vom Roc Vieux ins Val de Ferpècle mit Dent Blanche, Grand Cornier, Pointe de Bricola und Pointes du Mourti (von rechts nach links). Foto: Daniel Leuenberger
Im Wallis liess sich heute, wie auch in der übrigen Schweiz, ein sonniger Sommertag geniessen. Im Bild die Aussicht vom Roc Vieux ins Val de Ferpècle mit Dent Blanche, Grand Cornier, Pointe de Bricola und Pointes du Mourti (von rechts nach links). Foto: Daniel Leuenberger

Wetterlage

Das wetterbestimmende Hochdruckgebiet erstreckte sich heute Mittwoch weiterhin vom Nordatlantik über die Britischen Inseln und Mitteleuropa bis in den Mittelmeerraum. Mit schwachen west- bis nordwestlichen Höhenwinden wurde warme und trockene Luft zur Schweiz geführt. Auf der Alpensüdseite fand hingegen eine leichte Anfeuchtung statt.

Vergrösserte Ansicht: Bodenwetterkarte von heute Mittwoch, 21. Juli 2021 um 6 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst, DWD
Bodenwetterkarte von heute Mittwoch, 21. Juli 2021 um 6 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst, DWD

Meist sonnig

Nach einer weitgehend klaren Nacht lagen die Tiefsttemperaturen am frühen Morgen im Norden bei 11 bis 15 Grad, im Süden und auch am östlichen Genferseeufer bei 16 bis 20 Grad. In der Folge blieb es bis am Nachmittag meist wolkenlos. Vor allem in der Westschweiz und im Wallis zierten zeitweise ein paar Schleierwolken den Himmel. Am Nachmittag bildeten sich über den Bergen einige Quellwolken. Bis Redaktionsschluss des Blogs blieb es trocken. Das Schauer- und Gewitterrisiko dürfte in den Abendstunden jedoch besonders am Alpensüdhang zunehmen.

Vergrösserte Ansicht: Erste Quellwolken am späteren Vormittag oberhalb der Churfirsten. Foto: L. Rüedlinger
Erste Quellwolken am späteren Vormittag oberhalb der Churfirsten. Foto: L. Rüedlinger

Die Winde blieben vielerorts schwach. Im Mittelland wehte eine schwache Bise und in den Alpen teils mässiger Talwind. Die Temperatur erreichte am späten Nachmittag Höchstwerte von 26 bis 28 Grad im Norden und rund 30 Grad im Süden.

Trockene Tage mit Seltenheitswert

Normalerweise wäre dieser Hinweis keine Meldung wert. Allerdings hatten wir gestern Dienstag seit dem 2. Juli erstmals wieder einen Tag, der in der ganzen Schweiz trocken blieb. Der vorletzte schweizweit trockene Tag datiert sogar vom 15. Juni.

Vergrösserte Ansicht: Campen ohne nasse Füsse zu bekommen, ist momentan in Rueras bei Sedrun möglich. Foto: Marc Grundlehner
Campen ohne nasse Füsse zu bekommen, ist momentan in Rueras bei Sedrun möglich. Foto: Marc Grundlehner

Küstennebel in Portugal

Seit Sonntag hält sich entlang der Atlantikküste in Portugal, vor allem nördlich von Lissabon, eine hartnäckige Nebel- beziehungsweise tiefe Hochnebeldecke. Nebel ist entlang der Nordküste von Portugal auch im Sommer nichts Ungewöhnliches. Die Nebelausdehnung mit einer Verfrachtung weit ins Landesinnere und einer auch tagsüber nur teilweisen Auflösung ist für Juli dennoch nicht alltäglich.

Vergrösserte Ansicht: Satellitenbilder der Iberischen Halbinsel von Mittwoch, 21. Juli 2021, 9 UTC. Quelle: MeteoSchweiz, Eumetsat
Satellitenbilder der Iberischen Halbinsel von Mittwoch, 21. Juli 2021, 9 UTC. Quelle: MeteoSchweiz, Eumetsat

Dieser Nebel wird als Advektionsnebel bezeichnet und entsteht aufgrund des relativ kühlen Oberflächenwassers entlang der Küste Portugals. West- bis nordwestliche Winde führen dabei relativ warme und feuchte Luft vom Atlantik zur Küste Portugals. Entscheidend ist, dass die Oberflächentemperatur des Atlantiks weiter von der Küste entfernt höher ist, als direkt in Küstennähe.

Vergrösserte Ansicht: Oberflächentemperatur des Atlantiks an der Küste Portugals am 20. Juli 2021 um 00 UTC basierend auf Satellitenmessungen. Quelle: Copernicus, Grafik ergänzt mit °C durch MeteoSchweiz
Oberflächentemperatur des Atlantiks an der Küste Portugals am 20. Juli 2021 um 00 UTC basierend auf Satellitenmessungen. Quelle: Copernicus, Grafik ergänzt mit °C durch MeteoSchweiz

Durch Upwelling («Auftrieb») steigt dort kaltes Tiefenwasser auf, weshalb in Portugal auch im Sommer eher frische Badetemperaturen vorzufinden sind. Durch die Abkühlung der Luft über dem kalten Oberflächenwasser sinkt die Temperatur bis der Taupunkt erreicht wird, womit die Luft gesättigt ist und sich Nebel bildet. Üblicherweise löst sich solcher Nebel tagsüber jeweils rasch auf, sobald er die deutlich wärmere Landoberfläche erreicht. Von Sonntag bis Dienstag blieb es jedoch in der Nordhälfte Portugals entlang der Küste vielerorts ganztags neblig.

Im aktuellen Fall trug nämlich auch das Wetter zur Hartnäckigkeit des Nebels bei. In den Schichten unterhalb von 900 m ü.M. wurde aus Nordwesten relativ kalte Luft zur Iberischen Halbinsel geführt, weshalb sich dort eine starke Inversion ausbildete. Diese Inversion konnte auch tagsüber nicht abgebaut werden.

Vergrösserte Ansicht: Temperatur und Wind auf der Druckfläche von 950 hPa am Dienstag, 20. Juli 2021, 12 UTC des Wettermodells IFS HRES von ECMWF. Aus nördlicher Richtung wird relativ kalte Luft zur Atlantikküste Portugals geführt. Quelle: MeteoSchweiz, ECMWF
Temperatur und Wind auf der Druckfläche von 950 hPa am Dienstag, 20. Juli 2021, 12 UTC des Wettermodells IFS HRES von ECMWF. Aus nördlicher Richtung wird relativ kalte Luft zur Atlantikküste Portugals geführt. Quelle: MeteoSchweiz, ECMWF
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Kommentare (7)

  1. Julian, 22.07.2021, 16:26

    Guten Tag,
    ich lese Ihre informativen Blogs gerne. Bei dem Bild mit der Oberflächentemperatur des Atlantiks verwenden Sie allerdings eine „Regenbogen“-Farbpalette, welche Artefakte in der Datenvisualisierung erzeugt/erzeugen kann, die nicht wirklich vorhanden sind. Beispiele, wie eine solche Farbpalette irreführen kann gibt es z.B. auch in dem Artikel unter [1]. Alternative Farbpaletten, die solche Probleme nicht haben und deren Motivation gibt es z.B. unter [2]. Wäre es möglich in Zukunft geeignetere Farbpaletten als „Regenbogen“ für derartige Visualisierung zu verwenden?

    Freundliche Grüße.

    [1] https://doi.org/10.1109/6.736450
    [2] https://doi.org/10.1038/s41467-020-19160-7

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    1. MeteoSchweiz, 22.07.2021, 16:48

      Guten Tag Julian
      Danke für Ihre Anmerkung. Die Grafik ist nicht von uns und somit können wir die Farbskala nicht beeinflussen. Freundliche Grüsse MeteoSchweiz

  2. Walter Janach, 22.07.2021, 06:14

    Das hab ich im August mal in Kalifornien erlebt, vom Central Valley nach San Francisco fahrend, mit Klimaanlage, tauchte am Horizont plötzlich Nebel auf, musste mir die Augen reiben.
    Vielen Dank für die gute Erklärung.

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  3. Iron Maiden, 21.07.2021, 17:49

    Bei uns im Appenzeller Land (930m.ü. M) hatte es in denn letzten Tagen jeden Tag,morgens und Abends dicker Nebel🌫!Da ich noch nicht lange hier lebe,kann mir MeteoSwiss erklären,ob daß im Juli hier normal ist!Oder was sind die Gründe für dieses spät "Herbst" Wetter schon jetzt?Mit herzlichem Dank !

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    1. MeteoSchweiz, 21.07.2021, 18:14

      Guten Abend Iron Maiden, dicker Nebel oder Nebel allgemein ist in der Schweiz auch im Juli möglich, wenn auch deutlich seltener als im Herbst oder über die Wintermonate. Der häufige Nebel oder die oft hartnäckigen tiefen Wolken in den letzten Tagen waren der nassen Vorgeschichte durch das quasi ortsfeste Höhentief nördlich oder östlich von uns geschuldet. Es brachte ausserordentlich feuchte Luft und viel Regen. Dementsprechend feucht, gesättigt und wolkenreich war die Luftmasse. Im Appenzellerland stauten sich durch die nördliche Anströmung noch zusätzlich die tiefen Wolken. Freundliche Grüsse MeteoSchweiz

  4. Adrian, 21.07.2021, 17:12

    Guten Tag, ihr habt neu beim möglichen Niederschlag ein schwach hellgrau hinterlegtes Balkendiagramm. Was hat es damit auf sich? Besten Dank

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    1. MeteoSchweiz, 21.07.2021, 17:59

      Guten Abend Adrian, mit dem hellgrauen, transparenten Bereich wird bei den Balken neu die Unsicherheit der Niederschlagsprognose dargestellt. Je grösser dieser transparente Bereich ist, desto grösser ist die Unsicherheit in der Prognose. Die Obergrenze des farbigen Balkenteils zeigt die beste Einschätzung der erwarteten Niederschlagsmenge. Mehr Infos zu diesen probabilistischen Wettervorhersagen finden Sie direkt in der App unterhalb des Prognosediagramms oder unter folgendem Link: https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/wetter/wetterbegriffe/wahrscheinlichkeit.html Freundliche Grüsse MeteoSchweiz