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70 Jahre Schweizer Phänologie-Beobachtungsnetz

6. September 2021

Eine hohe Anzahl an Stationen verteilt über die ganze Schweiz. Viele langjährige Datenreihen. Ein Datenschatz für die Wissenschaft zur Untersuchung des Klimawandels. Dies und mehr macht das Schweizer Phänologie-Beobachtungsnetz aus. Dieses Jahr feiern wir das 70-jährige Jubiläum.

Abbildung 1: Beginnende Fruchtreife des Schwarzen Holunders. Notiert wird das Datum, wenn 50% der Früchte des beobachteten Strauchs reif sind. Foto: Barbara Pietragalla
Abbildung 1: Beginnende Fruchtreife des Schwarzen Holunders. Notiert wird das Datum, wenn 50% der Früchte des beobachteten Strauchs reif sind. Foto: Barbara Pietragalla

Die Phänologie beschäftigt sich mit den jahreszeitlichen Veränderungen in der Natur. Es wird das Datum notiert, zu welchem Zeitpunkt im Jahr bestimmte phänologische Phasen, wie zum Beispiel der Blattaustrieb der Bäume, die Blüte, die Fruchtreife sowie die Blattverfärbung und der Blattfall auftreten.

Die phänologischen Daten, die von unseren Beobachterinnen und Beobachtern erhoben werden, sind wichtige Indikatoren, welche die Auswirkungen des Klimawandels zeigen. Je länger die Datenreihen sind, desto aussagekräftiger und wertvoller sind sie für die Wissenschaft. So kann festgestellt werden ob die beobachteten Pflanzen früher, später oder zur gleichen Zeit wie in vorherigen Jahren blühen, Blätter austreiben, Früchte bilden etc.. Beispielsweise trat in diesem Jahr die Blattentfaltung der Buche 4 Tage später auf als im Mittel der Jahre 1981-2010, da die Monate April und Mai kühl waren. Gemittelt über alle Stationen war es seit 1991 das späteste Datum der Blattentfaltung der Buchen (Klimabulletin Mai 2021).

Phänologisches Beobachtungsnetz von MeteoSchweiz: Kurzer Rückblick

Gegründet wurde das Phänologische Beobachtungsnetz 1951 von Bernard Primault an der Schweizerischen Meteorologischen Anstalt (SMA), wie MeteoSchweiz zu der Zeit hiess. Im Vergleich zu heute waren damals viele landwirtschaftlich relevante Pflanzen im Beobachtungsprogramm enthalten und sogar Daten zum Vogelzug wurden erhoben. Ab 1985 hat Claudio Defila die Verantwortung für das Beobachtungsnetz übernommen und es ebenfalls über einen langen Zeitraum hinweg, bis 2008, geprägt. Er hat 1996 das Beobachtungsprogramm etwas abgewandelt und an neue Erfordernisse angepasst: Neue Züchtungen von Pflanzensorten sowie neue Bewirtschaftungsmethoden in der Landwirtschaft erschwerten die Vergleichbarkeit, weshalb der Fokus nun vor allem auf wildwachsenden Pflanzen liegt. Es wurden weit verbreitete Pflanzen gewählt, die leicht zu erkennen sind und in möglichst vielen Höhenstufen vorkommen.

Entwicklung Anzahl Stationen seit 1951

Die Anzahl der Stationen des phänologischen Beobachtungsnetzes nahm seit 1951 stetig zu und blieb während der letzten 30 Jahre konstant auf einem hohen Niveau. Auch in Bezug auf die Länge der Datenreihen, kann man dem Netz ein gutes Zeugnis ausstellen. Von den derzeit besetzten 150 Stationen, weisen heute 82 Stationen mindestens 50 Beobachtungsjahre auf. (Abbildung 2), mit mindestens 60 Beobachtungsjahren sind es 40 Stationen und 9 Stationen mit mindestens 70 Beobachtungsjahren.

Vergrösserte Ansicht: Abbildung 2: Entwicklung der Anzahl Stationen von 1951-2021. In jedem Jahr wird die Anzahl Stationen gezählt, die Daten in dem entsprechenden Jahr geliefert haben. Die Einteilung der Stationen in die drei farbig dargestellten Gruppen ist vom heutigen Zeitpunkt aus zu betrachten.
Mehr als die Hälfte der Stationen besitzt lange Datenreihen von mindestens 50 Beobachtungsjahren. Quelle: MeteoSchweiz
Abbildung 2: Entwicklung der Anzahl Stationen von 1951-2021. In jedem Jahr wird die Anzahl Stationen gezählt, die Daten in dem entsprechenden Jahr geliefert haben. Die Einteilung der Stationen in die drei farbig dargestellten Gruppen ist vom heutigen Zeitpunkt aus zu betrachten. Mehr als die Hälfte der Stationen besitzt lange Datenreihen von mindestens 50 Beobachtungsjahren. Quelle: MeteoSchweiz

Neuerungen in den letzten Jahren

Ein grosser Teil der Daten steht MeteoSchweiz schnell zur Verfügung, da bereits 75% der Daten online übermittelt werden. Auch in Bezug auf die Datenqualität wurde in den letzten Jahren viel unternommen. Bereits bei der Dateneingabe muss man den Wert extra bestätigen, falls er sich ausserhalb des gewöhnlichen Zeitraums befindet. So können Eingabefehler vermieden werden. Bei MeteoSchweiz durchlaufen alle Daten zunächst eine automatische Qualitätskontrolle, welche ungewöhnliche Daten anzeigt. Diese werden anschliessend manuell gesichtet und überprüft.

Im Internetportal opendata.swiss stehen die Phänologie-Daten von MeteoSchweiz frei zur Verfügung.

Jubiläumsfeier im Botanischen Garten Zürich

Das 70-jährige Jubiläum wurde am 3. September im Botanischen Garten Zürich gefeiert. Die Teilnehmenden konnten bei einer Führung die Schönheit des Botanischen Garten Zürich geniessen. Vorträge zur Phänologie und zum Klimawandel standen prominent auf dem Programm. Zudem hatten die Beobachterinnen und Beobachter die Gelegenheit sich kennenzulernen (beziehungsweise sich wieder zu treffen) und sich mit weiteren Akteurinnen und Akteuren aus dem Bereich der Phänologie auszutauschen.

Wir danken unseren Beobachterinnen und Beobachtern ganz herzlich für ihren unermüdlichen und gewissenhaften Einsatz. Viele von ihnen notieren schon seit Jahrzehnten die phänologischen Phasen der immer gleichen Bäume an ihrer Station. Diese Kontinuität trägt entscheidend zur Qualität der Daten bei. Vier unserer derzeitigen Beobachter sind sogar schon mehr als 50 Jahre dabei!

Beobachterinnen und Beobachter gesucht

MeteoSchweiz sucht derzeit (ehrenamtliche) Beobachterinnen und Beobachter für folgende phänologische Stationen: Cartigny, Einsiedeln, Fanas, Grossdietwil, Gundetswil, Lanterswil, Möhlin, Oeschberg, Orvin, Osterfingen, Raperswilen, Romanshorn, San Bernardino, Seewil, Sent, Sihlbrugg, St. Gallen-Winkeln, Therwil, Zofingen.

Beobachten Sie gerne die Natur und kennen Sie sich näher aus in der Pflanzenwelt? Leben oder arbeiten Sie an einem der genannten Standorte und hätten Sie Freude und Interesse an regelmässigen Beobachtungen? Dann sind Sie die Person, die wir suchen!

Interessiert? Dann nehmen Sie mit Monique Moersen Kontakt auf: Telefon: 058 460 99 90, E-Mail: pheno@meteoswiss.ch

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