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Warmfrontaufzug und neues Rechenzentrum

14. September 2021, 11 Kommentare
Themen: Wetter

Heute streifte uns eine Warmfront. Die Auswirkungen davon zeigten sich im Laufe des Tages in Form von hohen und mittelhohen Wolken, mehr oder weniger dicht, über der ganzen Schweiz. Im zweiten Teil des Blogs machen wir noch einen kurzen Abstecher nach Bologna: Hier wurde heute ein neues Rechenzentrum eröffnet.

Wolken über dem Flughafen Zürich (Foto: S.Burri)
Wolken über dem Flughafen Zürich (Foto: S.Burri)

Nebelbänke am Morgen

Die Nacht auf heute war noch vielerorts klar, abgesehen von zeitweise hohen Wolkenfeldern. So konnten sich besonders in Gewässernähe lokale Nebelbänke bilden.

Vergrösserte Ansicht: Lokale Nebel- resp. tiefe Hochnebelbänke über dem Bodensee.
Lokale Nebel- resp. tiefe Hochnebelbänke über dem Bodensee.
Foto: W. Nater

Warmfront

Die hohen Wolkenfelder, welche bereits in der Nacht über die Schweiz zogen, kündigten damit einen Wechsel in der Grosswetterlage an.

Das flache Hochdruckgebiet, welches uns die warmen Spätsommertage bescherte, hat sich auf heute nach Osten verlagert und wir kamen in eine südwestliche Strömung, die zwar noch warme, aber auch zunehmend feuchtere Luft zur Schweiz führte. Eingelagert in diese Südwestströmung streifte uns eine Warmfront.

Vor dieser Warmfront gestaltete sich der Vormittag an den meisten Orten in der Schweiz sonnig. Bis zum Mittag deckten die mittelhohen und hohen Wolken im Westen allmählich die Sonne ab. Wohingegen sich im Süden die Feuchtigkeit am Alpensüdhang staute. Im Laufe des Nachmittags wurden dann auch im Osten die Wolken allmählich dichter.

Vergrösserte Ansicht: Cirrocumulus Wolken am frühen Nachmittag über dem Flughafen Zürich.
Cirrocumulus Wolken am frühen Nachmittag über dem Flughafen Zürich.
Bild: S.Burri

In den östlichen Voralpen und Alpen war es leicht föhnig. Mit Tagesmaxima im Churer Rheintal um 27 Grad lagen hier die Temperaturen rund 2 bis 3 Grad höher als sonst in den zentralen und östlichen Teilen der Alpennordseite. Ansonsten hingen die Temperaturmaxima von der Sonnenscheindauer ab. Im Osten wurden rund 24 bis 26 Grad erreicht, im Westen lagen die Tagesmaxima bei rund 20 bis 22 Grad.

Bis Redaktionsschluss blieb es meist trocken. Der Niederschlag, welcher im Laufe des Nachmittags besonders über dem Jura für einzelne Radarechos sorgte, verdunstete grösstenteils bevor er den Boden erreichte.

Neues Rechenzentrum in Bologna

Aus aktuellem Anlass möchte ich noch ein paar Worte zu den Wettermodellen schreiben. Die Basis für unsere Wetterberichte und Prognosen sind neben den Lokalmodellen COSMO-1E und COSMO-2E auch das globale Wettermodell IFS, welches vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMWF) unterhalten und betrieben wird. Bis anhin wurde dieses Modell am Hauptsitz vom EZMWF in Reading (UK) gerechnet. Nun aber hat das EZMWF ein neues Rechenzentrum in Bologna (I) eröffnet. Hier wird das Wettermodell ab Mitte 2022 auf dem neuen Atos BullSequana Supercomputer gerechnet. Mit diesem neuen, etwa fünfmal leistungsfähigeren Supercomputer werden diverse Verbesserungen und Neuerungen möglich, wie zum Beispiel die höhere zeitliche und räumliche Auflösung der Mittelfrist-Prognose. Weitere interessante Informationen zum neuen Supercomputer sowie zum neuen Standort Bologna finden Sie hier.

Vergrösserte Ansicht: Rechenzentrum in Bologna
Rechenzentrum in Bologna
Quelle: https://www.ecmwf.int/sites/default/files/medialibrary/2021-09/ecmwf-bologna-press-kit-14-sept-2021.pdf

Neben dem Rechenzentrum in Bologna kam mit Bonn (D) ein dritter Standort dazu. Hier liegt der Fokus der Arbeiten auf der internationalen Zusammenarbeit v.a. auch mit der EU und den europäischen Forschungsprogrammen.

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Kommentare (11)

  1. Mike Wieland, 15.09.2021, 11:36

    Angesichts dessen Christoph Kolumbus im Jahr 1492 mitten in der Hurrikan-Saison nach Westen gesegelt ist und einfach nur Glück hatte nicht erwischt zu werden, sind unsere Wetterprognosen sicher ein Fortschritt. Allerdings verführen die vielen Daten auch dazu, Risiken bereitwilliger einzugehen, bzw. geringere Reserven einzuplanen.

    Ich stehe manchmal mit dem Gleitschirm am Startplatz, und anstatt die Verhältnisse anhand der Umgebung selber einzuschätzen, beobachte ich Piloten die auf ihr Handy gucken, und dann nicht wissen was mit den Daten anzufangen. Eine solch perfide Messstation ist die am Sendeturm vom Chasseral, die über dem Gelände (im Düsenbereich) anders misst als dann vor dem Hotel (am Startplatz, und dann im verrissenen Thermikschlauch davor) anzutreffen ist. Die wundern sich dann über den kuriosen Flug, der so gar nicht den Erwartungen entsprechen will.

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    1. A. Lombardi, 15.09.2021, 21:13

      Werter Herr Wieland - ich stimme zu. Ich möchte gern aber ein verfälschtes Bild von den Atmosphärenphysiker:innen versuchen zu korrigieren. Auch 1984 hatte man vieeeeeele Daten zu Verfügung und auch ein Haufen Simulationen (wenn ich richtig im Kopf habe, waren vom Deutsche WD und aus England (ohne Gewahr)). Trotzdem, sehe ich noch vor meinen Augen, nach fast 200 Jahren, Herr Giovanni Kappenberger (Meteorologe in Locarno-Monti), der die "Bodenwetterkarte" noch per Hand gezeichnet hat und mir (kleiner Student) währendessen mitgeteilt hatte, was er "spührte". Und ich sage Ihnen, er war verdammt gut! Er hat das Wetter im Blut gehabt. Ich möchte nur damit sagen, dass obwohl Meteorolog:innen Physiker:innen sind, vernachlässigen nicht die Komponente "Gefühl/Spühren" nicht. Ich bitte aber die Meteorologen mich hemmungslos zu korrigieren, falls ich eine falsche Aussage machen sollte. Beste Grüsse, A.

  2. Peter Schuhmacher, 14.09.2021, 21:16

    Als lebenslanger Bergsteiger kann ich bestätigen, dass sich die Prognosefähigkeit über die Jahre gewaltig verbessert hat. Waren früher im Engadin - immer in der Wechselzone zwischen Nord- und Südwetter - die Prognosen schlichthin nicht brauchbar, so treffen heute die Wetterereignisse auf 30 Minuten genau gegenüber der Prognose ein. Das ist schon ein Fortschritt, der mit der Rechenleistung zusammenhängt

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    1. A. Lombardi, 15.09.2021, 00:22

      Guten Abend - Damit es klar ist, diese ist eine allgemeine Bemerkung und nicht spezifisch auf Ihre "30 Minuten genau" Aussage bezogen. Also: Ich bemengle bei de facto alle Qualitätsaussagen bezüglich Wetterprognosen "von heute und damals", dass man Tomaten und Kartoffel mischt. Konkret: Als ich bei Locarno Monti im 1984 ein Stage als Schüler absolvierte, waren die Prognose 3 Mal pro Tag. Wenn ich richtig liege, waren um 7:30, 11:30 und 16:45 Uhr (telefonische Konferenz mit Kloten und Cointrin) und DAS war's. Heute egal um welche Zeit ich die Prognosen anschaue, wurden sie vor kurzer Zeit aktualisiert (Bsp. jetzt ist 00:19 Uhr und steht auf der Homepage "Prognose zuletzt aktualisiert: 15.09.2021, 00:00". Logisch, dass die Prognosen stimmen besser! Ich überspitze: Meine 5 Jährige Tochter ist in der Lage eine perfekte Prognose vom Wetter in ihrem Wohnort nicht nur 30 Min. vor dem Wetterereignis, sondern sogar 60 Min. vor dem Ereignis, obwohl sie nicht am LAPETH studiert hat. MfG, A.L.

    2. H, 15.09.2021, 13:02

      Es wäre natürlich immer zu wegdifferrenzieren vom Einfluss der anderen Faktoren: Wettermodelle, Klimamodelle, Messwerte, Skalierung der Bechnungen. Deshalb gefällt mir die alleinige Erwähnung der Rechenleistung nicht. Eine Erhöhung um Faktor 10 dürfte m.E. nicht viel bringen.

    3. A. Lombardi, 15.09.2021, 20:58

      Da ich der Sprache Goethe nicht mächtig bin, möchte ich noch meine "Botschaft" in meinem Beitrag von gestern besser/genauer ausformulieren. Ein Vergleich der Wetterprognosequalität zwischen "heute und damals" sollte m.E. in etwa so ablaufen: Man macht (heute) eine Prognose (egal ob mit Superrechner oder mit einer Glaskugel plus Hellseher:in) um 7:30, 11:30 und 16:45 Uhr (wie damals, wenn ich richtig liege), dann wird die "Zutreffsquote" um 11:29, 16:44 und 7:29 Uhr berechnet. Man vergleich diese "drei Werte" mit den "Werten" von damals (d.h. vergleich von der Prognose z.B. am 8.6.1991 mit dem "IST-Wetter"). Das natürlich für ein paar Mio. Male... Auf dieser Weise mischt man Tomaten mit Tomaten. Damal waren Freilufttomaten und diese von heute sind Treibhaustomaten; wie besser die Tomaten "von heute" sind, lasst sich nur mit einem korrekten Vergleich eruieren. Beste Grüsse, A.

  3. Helen Itschner, 14.09.2021, 21:11

    Kompliment zu den 2 Kommentaren oben. Petrus macht nämlich, was er will. Auch mit den Farben spielt er anders. Weil die neuen Zentren nur schönes Wetter bieten, ist der Himmel viel zu blau. Lasst Petrus selbst schalten und walten, auch wenn es nicht immer wunschgerecht ist.

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  4. P. Bernet, 14.09.2021, 20:24

    Einverstanden, und dann kommt ein unerwarteter Kaltlufttropfen
    daher, und alle Prognosen fallen ins Wasser!

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    1. Mad Max, 15.09.2021, 07:39

      Exakt!Bester Kommentar!👌

  5. Werner Hertzog, 14.09.2021, 19:04

    Erwartet nicht zuviel von Rechnungsleistung und Modellen. Das Wetter stellt grundsätzlich ein chaotisches System dar, welches mit Modellen nur bedingt prognostizierbar ist oder könnt ihr das Wetter für die nächsten vier Wochen zuverlässig vorhersagen?

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    1. Alex, 15.09.2021, 11:36

      Absolut einverstanden. Selbst der Weltklimarat IPCC erläutert in seinem Sachstandbericht, dass Wetter bzw. Klima, nichtlineare, chaotische Systeme sind, welche langfristige Prognosen verunmöglichen.