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Aus dem Tiefschlaf gerissen

21. Mai 2022, 5 Kommentare
Themen: Wetter

Die eine oder andere Tiefschlafphase wurde vergangene Nacht durch einen Rumpler beendet. Schuld daran war eine Kaltfront, welche die Alpennordseite überquerte. Ausserdem werfen wir im heutigen Blog noch einen kurzen Blick auf Schnee und Tornados.

Hinter den präfrontalen Gewitter ist vor der Front: Cirrenschirm der Gewitterlinie über dem Toggenburg am Freitagabend.
Hinter den präfrontalen Gewitter ist vor der Front: Cirrenschirm der Gewitterlinie über dem Toggenburg am Freitagabend.

Allmählich Hochdruck

Die Schweiz lag heute zunehmend im Einflussbereich eines Hochdruckgebiets mit Zentrum über Frankreich. Damit wurde die Luft abgetrocknet und es floss weniger heisse Luft zur Alpennordseite. Die meteorologische Musik spielte vor allem vergangene Nacht und gestern Abend, als uns die Kaltfront peu à peu erreicht und überquerte.

Vergrösserte Ansicht: Ein Hochdruckgebiet liegt über Westeuropa. In der Nacht hat eine Kaltfront die Schweiz aus Nordwesten erreicht. Die wärmere Luft wird aber erst Anfang nächster Woche nachhaltig verdrängt.
Ein Hochdruckgebiet liegt über Westeuropa. In der Nacht hat eine Kaltfront die Schweiz aus Nordwesten erreicht. Die wärmere Luft wird aber erst Anfang nächster Woche nachhaltig verdrängt.
Deutscher Wetterdienst

Kaltfrontdurchgang

Die Kaltfront löste in der Nacht einige Schauer und Gewitter aus, die Intensität hielt sich im Gegensatz zu den Gewittern über Deutschland glücklicherweise in Grenzen.

Gewitter am Freitagabend

Bereits gestern Abend entstanden präfrontal über den zentralen und östlichen Alpen Gewitter. Diese entwickelten sich explosiv in kurzer Zeit und auf breiter Linie. Verantwortlich dafür war eine präfrontale Instabilitätszone, welche aus Westen die Alpennordseite überquerte und an den zentralen und östlichen Voralpen stark aktiviert wurde.  

Vergrösserte Ansicht: Eine rasante Verdunkelung der Wolkenbasis deuteten gestern auf die Gewitterentwicklung hin. Blick auf die Churfirsten kurz vor den ersten Blitzen und Regenbogen auf der Rückseite des Gewitters.
Eine rasante Verdunkelung der Wolkenbasis deuteten gestern auf die Gewitterentwicklung hin. Blick auf die Churfirsten kurz vor den ersten Blitzen und Regenbogen auf der Rückseite des Gewitters.
M. Kägi

Gewitter Ostschweiz Freitagabend

Die etwas weniger heisse Luft hinter der Kaltfront floss relativ seicht ein (in den untersten rund 4 bis 5 km), in der Höhe ging die Temperatur nur unwesentlich zurück. Auf der Alpensüdseite war der Temperaturrückgang kein Thema und auch in den westlichsten Regionen sank die Temperatur nur wenig. Morgen Sonntag steigt die Temperatur nochmals an, nachhaltiger wird nach aktuellen Unterlagen dann der Luftmassenaustausch am kommenden Montag bzw. Dienstag.

Vergrösserte Ansicht: Vergleich Ballonsondierung Payerne gestern 14 Uhr (schwarz) und heute 14 Uhr (grün). Vor allem in den untersten rund 4 km nahm die Temperatur im Vergleich zu gestern ab (blau=Differenz).
Vergleich Ballonsondierung Payerne gestern 14 Uhr (schwarz) und heute 14 Uhr (grün). Vor allem in den untersten rund 4 km nahm die Temperatur im Vergleich zu gestern ab (blau=Differenz).

Milde Nacht – stellenweise "tropisch"

Durch die meist starke Bewölkung wurde eine milde Nacht, in Pully am Genfersee gar eine Tropennacht registriert (Minimumtemperatur ≥ 20 Grad).

Vergrösserte Ansicht: In der oft bewölkten Nacht sank die Temperatur in den Niederungen der Alpennordseite nur auf Tiefstwerte von 15 bis 17 Grad, in Pully wurden nicht einmal 20.9°C unterschritten.
In der oft bewölkten Nacht sank die Temperatur in den Niederungen der Alpennordseite nur auf Tiefstwerte von 15 bis 17 Grad, in Pully wurden nicht einmal 20.9°C unterschritten.

Übergang zu recht sonnigem Wetter

Vergrösserte Ansicht: Blick vom Haglere oberhalb Sörenberg.
Blick vom Haglere oberhalb Sörenberg.
J. Fisler

Am längsten hielt sich die Bewölkung im Nordosten sowie am Alpennordhang mit einer leichten Staukomponente. Ansonsten schien bei leicht bewölktem Wetter häufig die Sonne. Die Temperatur erreichte auf der Alpennordseite am Bodensee knapp 22 Grad, am Genfersee und im Rhonetal rund 31 Grad, auf der Alpensüdseite wurden rund 29 Grad erreicht.

Temperaturrekorde am 20. Mai 2022

An folgenden Stationen wurde gestern ein neuer Monatsrekord für die Tageshöchsttemperatur erreicht:

Station / Tmax 20.5.2022 / Bisheriger Mairekord (Jahr)

  • Bad Ragaz 33.7°C / 32.6°C (1953) 
  • Visp 33.3°C / 33.3°C (2009)
  • Vaduz 33.2°C / 32.5°C (2009)
  • Delémont 32.1°C / 31.5°C (2009)
  • Fahy 29.9°C / 28.9°C (2017)
  • Château d’Oex 29.8°C / 29.3°C (2009) 
  • Elm 29.4°C / 29.1°C (2009) 
  • Hörnli 26.6°C / 26.5°C (2009) 
  • Blatten 24.9°C / 24.3°C (2001) 
  • Napf 24.5°C / 24.3°C (2009) 
  • Evolène 22.9°C / 22.7°C (2009) 
  • Grosser St. Bernhard 16.1°C / 14.8°C (1868) 

Absturz der Schneehöhe

Wie bei solch rekordhohen Temperaturen nicht anders zu erwarten, ist die Schneebedeckung in den Alpen rapide gesunken. Als Beispiel ist untenstehend die Grafik des Schneehöhenverlaufs am Weissfluhjoch oberhalb Davos dargestellt. Nach einem oft durchschnittlichen Jahr in Sachen Schneehöhe ist die rote Linie der aktuellen Schneehöhe auf Talfahrt und hat bereits einen rekordtiefen Bereich erreicht.

Vergrösserte Ansicht: Verlauf Schneehöhe Weissfluhjoch Winter 21/22 (rote Linie), Median (graue Linie), Quantile (gräuliche Bereiche) und Maximum (gestrichelte Linie).
Verlauf Schneehöhe Weissfluhjoch Winter 21/22 (rote Linie), Median (graue Linie), Quantile (gräuliche Bereiche) und Maximum (gestrichelte Linie).

Einen wahrlich radikalen Wetterwechsel erlebte diese Tage Denver im US-Bundesstaat Colorado. Wurden am Donnerstag mit über 30 Grad noch ein Hitzetag registriert, fiel am Samstagvormittag (Mitteleuropäischer Sommerzeit) Schnee bei 0 Grad. 

 

Vergrösserte Ansicht: Temperaturverlauf Denver zwischen Donnerstag und Samstagvormittag.
Temperaturverlauf Denver zwischen Donnerstag und Samstagvormittag.

Und wieder zurück nach Europa – Tornados in Deutschland

Vergrösserte Ansicht: Hagel-, Starkregen- und Tornadomeldungen in Deutschland vom 20./21.5.2022.
Hagel-, Starkregen- und Tornadomeldungen in Deutschland vom 20./21.5.2022.
DWD, ESWD.

Im Vorfeld der Kaltfront traten besonders in Deutschland heftige Gewitter auf. Diese brachten Starkregen, Hagel mit Korngrösen von 2 bis 5 cm und 3 bestätigte Tornadofälle. Details dazu finden Sie im Thema des Tages unserer Kollegen vom Deutschen Wetterdienst.

Video eines der (mindestens) drei Tornados, Quelle und Link auf Twitter.

 

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Kommentare (5)

  1. Silvan, 22.05.2022, 17:36

    Liebes MeteoSchweiz-Team. Welcher Art war diese Instabilitätszone bezüglich der präfrontalen Gewitter? War das ein Kurzwellentrog? Oder ist damit die zur Hebung gezwungene feuchtere Luft gemeint, wie Sie im Blog vom Freitag, 20. Mai, in einem Kommentar erklärten? Vielen Dank und beste Grüsse, Silvan.

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  2. maya, 22.05.2022, 17:04

    gibt es eigentlich irgendwo eine sammlung aller tornados/wind-

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  3. Reto, 21.05.2022, 23:08

    Wie hoch ist der absolute Temperaturrekord für den Monat Mai in der Schweiz?

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    1. MeteoSchweiz, 21.05.2022, 23:18

      Guten Abend Reto,
      Den absoluten Temperaturrekord vom Monat Mai hält die Messstation Sion mit 35.1°C, gemessen am 25. Mai 2009.
      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz

  4. Ulrich, 21.05.2022, 21:21

    Uns ist in der vergangenen Nacht beim Durchgang der Kaltfront das Gegenteil von Kälte aufgefallen. Mit den ersten Böen, die uns geweckt haben, ist ein richtig warmer Luftschwall "hereingekommen". Dies hat uns erstaunt und wir haben versucht herauszufinden, ob wir uns getäuscht haben. Um Mitternacht haben wir in der Grössenordnung immer noch 22--23 Grad gemessen. Wegen dem Wolkendeckel hat es nicht richtig abgekühlt. Die Kaltfront war in der Folge am Niederschlag und der kühleren Temperatur gut zu spüren, allerdings hat gegen 5 Uhr (Morgen früh) das Thermometer immer noch 17 Grad angezeigt...

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