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Alles rund um Hitze

16. Juni 2022, 12 Kommentare
Themen: Über uns

In diesen Tagen steigt das Thermometer in der gesamten Schweiz auf sommerliche Temperaturen an. In einigen Landesteilen erwartet uns zum Wochenende eine Hitzewelle. Aber was macht eine Hitzewelle eigentlich aus und was tun, wenn sie da ist? Pünktlich zum Temperaturanstieg informieren wir über das Hitzewarnsystem der Schweiz.

Sonne über Bergpanorama
Sommerliches Wetter in der gesamten Schweiz. Bild: MeteoSchweiz/Daniel Gerstgrasser.

Erste Hitzewelle des Sommers

Von Donnerstag bis Dienstag wird in den Niederungen der Alpensüdseite und im Zentralwallis eine Hitzewelle mit Temperaturmaxima zwischen 32 bis 36 Grad erwartet. 

Die für den Süden der Alpen geltende Warnstufe 3 wurde daher verlängert. Auch für das Zentralwallis, wo die Hitzewelle allerdings erst morgen beginnt, wurde eine Warnung ausgesprochen.

Ab Samstag wird die Hitzewelle auch die tieferen Lagen der Nordalpen betreffen, für die derzeit eine Vorwarnung gilt.

Wann spricht man von einer Hitzewelle?

Wann ist es einfach nur sommerlich warm und wann warnt der Bund vor einer Hitzewelle? Diese Frage beantwortet in der Schweiz das Hitzewarnkonzept. Hitzewellen treten durch den Klimawandel nicht nur häufiger auf, sie dauern auch länger an und werden zunehmend intensiver. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Natur. Auch der Mensch leidet unter anhaltenden Hitzeperioden. Auf Basis der neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten 10 Jahre passte MeteoSchweiz 2021 das Schweizer Hitzewarnkonzept an. Seither werden Hitzewarnungen des Bundes auf Basis der mittleren Tagestemperatur, also dem Durchschnittswert der Temperatur über 24 Stunden, herausgegeben. Dadurch werden nun auch die Temperaturen in der Nacht berücksichtigt. Diese sind besonders relevant für die menschliche Gesundheit, da sich der Körper bei hohen Nachttemperaturen kaum von der Hitzebelastung des Tages erholen kann.

Ein Beispiel: Tmean = Mittelwert der stündlich gemessenen Temperatur. Das heisst Tmean von 25° C kann z.B. bedeuten, dass während einer 24 Stunden-Periode die Temperatur zwischen einer Nachttemperatur von 18 Grad und einem Tagesmaximum von 32 Grad variiert. 

Zusätzlich hat MeteoSchweiz die Hitzewarnstufe 2 eingeführt, die bei intensiven Hitzeperioden von ein bis zwei Tagen Dauer ausgesprochen wird. So wird eine Hitzewarnung bereits ab einer mittleren Tagestemperatur (über 24 h) von 25 Grad an mindestens einem Tag herausgegeben. Neuste Forschungsergebnisse zeigen: Bereits ein Tag mit hohen Temperaturen kann gefährlich für den menschlichen Körper sein. Die Kombination der Temperatur mit der Dauer bestimmt also die Gefahrenstufen wie folgt:

Die Gefahrenstufen

MeteoSchweiz gibt Hitzewarnungen für drei Gefahrenstufen (Stufe 2 bis 4) aus. Liegen die sommerlichen Temperaturen in einem Bereich, der keine grundlegenden Auswirkungen auf die Gesundheit hat, befinden wir uns in Stufe 1 (keine/geringe Gefahr). Steigt die mittlere Tagestemperatur an mindestens einem Tag auf oder über 25 Grad an, können bereits Kreislaufbeschwerden und Unwohlsein auftreten (Gefahrenstufe 2, mässige Gefahr). Halten diese hohen Temperaturen ab 25 Grad mindestens drei Tage an, steigt die Gefahr für die Gesundheit weiter an und wir befinden uns in Gefahrenstufe 3 (erhebliche Gefahr). Ab einer mittleren Tagestemperatur von mindestens 27 Grad an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen ist Gefahrenstufe 4 erreicht – es besteht grosse Gefahr für die körperliche Gesundheit.

Wenn es tatsächlich heiss wird

Anhaltende Hitze beeinträchtigt unsere Gesundheit. Wie gefährlich die Hitze für uns werden kann, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Im bislang heissesten Sommer der Schweiz im Jahr 2003 wurden 975 hitzebedingte Todesfälle und eine Übersterblichkeit von 6.9 % verzeichnet. Prävention und Handlungsempfehlungen sind daher wichtig, um einem Anstieg der Todesfälle und gesundheitlichen Risiken vorzubeugen. Das Bundesamt für Gesundheit gibt mit drei «goldenen Regeln» wichtige Tipps für die Hitzesaison:

  1. Körperliche Anstregung vermeiden
  2. Hitze fernhalten - Körper kühlen
  3. Viel trinken - leicht essen

Während langanhaltender hoher Temperaturen sollte man stets über potenzielle Hitzewarnungen informiert bleiben. Mit einem gelegentlichen Blick in die MeteoSwiss App und der Aktivierung von Push-Meldungen halten wir Sie auch in diesem Sommer über die Temperaturentwicklungen in der Schweiz auf dem neusten Stand. Denken Sie auch an Personen in Ihrem Umfeld, die auf Unterstützung angewiesen sind.

Die Hitze-Expert/-innen der Schweiz

Als Bundesamt arbeiten wir eng mit anderen zuständigen Institutionen der Schweiz zusammen, um die Auswirkungen von Hitzewellen auf die Bevölkerung zu minimieren. Dabei ist Aufgabenteilung und Koordination besonders wichtig:

  • Bundesamt für Gesundheit BAG: Stellt der Bevölkerung, Fachpersonen und Behörden wissensbasierte Informationen und Materialien über wirksame Präventionsmassnahmen zur Verfügung. Mehr dazu hier
  • Bundesamt für Umwelt BAFU: Informiert über den Stand und Zustand der Gewässer inklusive Grundwasser und Wassertemperatur, die Waldbrandgefahr und die Auswirkungen der Hitze auf die Natur.
  • Swiss TPH: Das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) erforscht die Auswirkung von Klimawandel und Hitze auf die Gesundheit der Menschen in der Schweiz und weltweit. Mehr dazu hier.
  • MeteoSchweiz: Als Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie überwacht MeteoSchweiz die Wettersituation, erstellt Hitzewarnungen und optimiert das Warnsystem.
MeteoSchweiz ist offen für einen respektvollen Onlinedialog und freut sich über Ihre Kommentare und Fragen. Bitte beachten Sie dabei unsere Netiquette. Haben Sie bitte auch Verständnis dafür, dass kein Recht auf die Publikation eines Kommentares besteht und dass wir über die Freischaltpraxis keine Korrespondenz führen. Kontaktformular

Kommentare (12)

  1. Stefan Müller, 19.06.2022, 22:14

    Weshalb wurden heute 19.6.22 in Beznau, Leibstadt, Wynau und Gösgen schweizweite Höchsttemperaturen gemessen? Gibt es tatsächlich einen Zusammenhang mit der dortigen Energiegewinnung? Oder ist dies eine Symptomerscheinung?
    Danke für Eure Superwebsite! LG St.M.

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    1. MeteoSchweiz, 21.06.2022, 09:15

      Guten Tag Herr Müller
      Die Messstandorte entlang der unteren Aare zeigen in Warmperioden häufig hohe Werte. Der Grund dafür ist die tiefe Lage, welche in solchen Situationen hohe Werte fördert. Auch Zürich-Kloten, Genf und Sion registrierten am 19.6.2022 Höchstwerte über 35 °C.
      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  2. maya, 17.06.2022, 05:40

    abgesehen von den 3 regeln gibt es noch den trick, am körper den richtigen ort zu kühlen ;o) unterarme/handgelenke, hals(schlagader), kopf und füsse. wenn man an einem diesen orten kühlt, wird durch den blutfluss der ganze körper relativ schnell und angenehm gekühlt ;o) entweder einfach unter fliessend wasser halten, oder eine kalte flasche eines getränks daran halten. oder zum wasser sparen, mit sprühflasche wasser drauf sprühen, das verdunstende wasser kühlt dann. oder man nimt einen dünnen stoff und macht in feucht/nass und legt ihn auf den unterarm, oder auf die schultern/rücken, oder auf die brust, [wenn man sich hinlegt nur nicht einschlafen, da es dann zukühl werden kann ;o) ]. durch die verdunstung vom wasser bleibt der stoff und die körperstelle darunter schön kühl. bei bedarf das tuch mal schüteln, oder luft drauf fächern, damit die verdunstung beschleunigt wird und somit alles kühler wird. mein tip: bandanas (stoff-taschentücher) dafür nehmen, die haben einen super stoff dafür und praktische abmessungen. der stoff nimmt gut wasser auf, sodass er relativ lange feucht und somit kühl bleibt. andere stoffe, wie z.b waschlappen nehmen mehr wasser auf, haben aber leider einen zu dicken stoff, darunter wird es nur warm. wenns ganz schlimm wird, kann man sogar ein eiswürfel/eispack ins tuch wickeln, aber dass kann auch schnell zu kalt werden, deshalb achtung, wenn ihr eis verwendet. geniest das wetter und behaltet einen kühlen kopf ;o)

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    1. Calina, 24.06.2022, 23:37

      herzlichen Dank für die Tipps! :-) muss ich mir merken!

    2. Tigerfell, 02.07.2022, 00:38

      Herzlichen Dank für die super Tipps💐!

  3. Lars, 16.06.2022, 16:58

    Aber wenns mal mehrere Tage massiv unter 0 Grad ist macht man auch nicht so ein Drama. Die Kälte ist aber viel unangenehmer als die Hitze.

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    1. Roman Bolli, 17.06.2022, 08:51

      Es gilt zu unterscheiden, zwischen "unangenehm" und "gesundheitsgefärdend". Es ist einfacher, sich vor Kälte zu schützen, als der Hitze auszuweichen. Zudem ist ein Schlaf bei kühlen Temperaturen dem Körper zuträglicher, als bei Wärme.

    2. MeteoSchweiz, 17.06.2022, 09:17

      Guten Tag Lars
      Hitze kann Auswirkungen auf die Gesundheit haben und die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Für ältere oder (chronisch) kranke Menschen, schwangere Frauen oder für Kleinkinder kann sie sogar lebensbedrohlich sein. Daher informieren wir in Zusammenarbeit mit dem BAG, BAFU und SwissTPH über Hitzewellen und Verhaltensempfehlungen. Mit diesen wollen wir Risikopersonen, Angehörige, Pflegepersonal, Ärztinnen und Ärzte sowie die breite Bevölkerung darauf sensibilisieren, sich vor der Hitze zu schützen.
      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

    3. Ludwig, 17.06.2022, 19:09

      Für viele Herzkranke (insbesondere bei einer Herzinsuffizienz) kann Hitze sehr schnell lebensbedrohlich werden.

    4. Thomas Mall, 17.06.2022, 19:49

      Das letzte Mal, als es MEHRERE Tage MASSIV unter Null war, war m.E. im Februar 2012. Es ist also kein Wunder, wenn man seltener Kältewarnungen vernimmt. Abgesehen davon dürfte massive Kälte nur sehr wenige Leute wirklich gefährden, da in der Schweiz Innenräume im Winter in der Regel geheizt, sie indes im Sommer regelmässig nicht klimatisiert sind.

    5. Lars, 19.06.2022, 11:04

      @Roman Bolli
      Irgendwann kann man sich nicht mehr dick genug anziehen, um die Kälte nicht mehr zu spüren. Ausserdem ist auch Kälte gesunheitsgefährdend.

    6. Doris, 20.06.2022, 20:42

      Hallo Lars,wahrscheinlich sind Sie jung,gesund und einfach nur ein Gfrörli. Könnten Sie mal nachdenken,was Hitze mit Älteren,Angeschlagenen oder schwangeren Menschen macht? Das kann bis Zum Tod führen.. Trotzdem geniessen Sie die Hitze. Aber kalt ist viel gesünder….