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Der Mai und der Frühling 2022 auf globaler Ebene

10. Juni 2022, 2 Kommentare
Themen: Klima

Im globalen Mittel wurde der fünftwärmste Mai im Copernicus-Datensatz ab 1979 verzeichnet. In Südwesteuropa lag die Maitemperatur weit über dem Durchschnitt 1991–2020, verbunden mit einer Hitzewelle. In den mittleren und östlichen Teilen Europas blieb die Maitemperatur unter dem Durchschnitt. Auch die Frühlingstemperatur stieg in Teilen Westeuropas weit über den Durchschnitt, während sie in Mittel- und Osteuropa unter dem Durchschnitt lag.

Karte zur globalen Temperatur im Mai 2022.
Abb. 1: Räumliche Verteilung der weltweiten Maitemperatur 2022 als Abweichung zum Durchschnitt 1991‒2020 in °C. Quelle: Copernicus.

Fünftwärmster Mai

Im globalen Mittel stieg die Maitemperatur 0,26 °C über den Durchschnitt 1991–2020. Er war damit der fünftwärmste Maimonat im Copernicus-Datensatz ab 1979.  Ebenso warm zeigten sich die Maimonate 2018 und 2021.

Überdurchschnittlich hohe Maiwerte gab es in Südwesteuropa, in einem breiten Band von Westsibirien über Zentralasien bis nach Nordindien und Pakistan, am Horn von Afrika, im Süden der Vereinigten Staaten und in Mexiko sowie in der Antarktis. Unterdurchschnittlich blieb die Maitemperatur in Osteuropa, in weiten Teilen Südamerikas sowie in Teilen der Arktis und Westkanadas.

In Teilen aller grossen Meeresgebiete lag die Lufttemperatur deutlich über dem Durchschnitt, insbesondere im Nord- und Südostpazifik, um Japan, zwischen Australien und Neuseeland und entlang der Küste der Antarktis.

Über dem tropischen und subtropischen Ostpazifik blieb die Lufttemperatur unterdurchschnittlich, was auf anhaltende La-Niña-Bedingungen hindeutet. Besonders kühl zeigte sich die Maiwitterung an den Küsten Ecuadors und Perus.

Europa in zwei Hälften geteilt

Im europäischen Mittel brachte der Mai 0,29 °C über dem Durchschnitt 1991–2020. Es gab aber erhebliche regionale Unterschiede.

Im südwestlichen Teil des Kontinents wurden unter dem Einfluss heisser Winde aus der Sahara Rekordwerte gemessen. Frankreich registrierte den wärmsten Mai seit 1900, wobei zahlreiche lokale Rekorde gebrochen wurden. In Spanien verzeichnete die Stadt Jaén sowohl den heissesten Maitag seit Messbeginn als auch das höchste Tagesminimum, das jemals im Mai auf dem spanischen Festland gemessen wurde. In Portugal herrschte in der ersten Monatshälfte eine Hitzewelle. In der zweiten Monatshälfte gab es eine aussergewöhnlich warme Nacht. Im Vereinigten Königreich war die monatliche Durchschnittstemperatur mit Rang 5 seit Messbeginn weniger extrem, aber es wurde die höchste durchschnittliche tägliche Minimumtemperatur für den Monat Mai gemessen.

In einem grossen Teil Osteuropas und in Teilen Westasiens brachten für die Jahreszeit untypische nordwestliche Winde unterdurchschnittliche Maiwerte.

Der boreale Frühling 2022

Auf der nördlichen Hemisphäre lagen die Frühlingstemperatur 2022 (März bis Mai) verbreitet über dem Durchschnitt 1991–2020. Besonders hoch waren sie in einer Region, die den östlichen Iran, Pakistan, das nordwestliche Indien, Afghanistan, Teile Chinas sowie Teile der Antarktis umfasste. Auch in Nordwest- und Ostsibirien, dem südlichen Nordamerika, Ostafrika und Nordaustralien lag die Frühjahrstemperatur weit über dem Durchschnitt.

In den meisten zentral- und osteuropäischen Ländern war der Frühling kälter als im Durchschnitt 1991–2020. Die durchschnittliche europäische Frühlingstemperatur lag 0,14°C unter dem Durchschnitt 1991–2020. Frankreich erlebte jedoch den drittwärmsten Frühling seit 1900. Das Vereinigte Königreich registrierte den fünftwärmsten Frühling. Auch in Nordskandinavien war es relativ warm.

Wenig Niederschlag in Mitteleuropa im Frühjahr

In weiten Teilen Mitteleuropas fiel im Frühjahr wenig Niederschlag. Die überdurchschnittlichen Werte auf der Iberischen Halbinsel sind auf die Niederschläge im März und April zurückzuführen, während sie im Mai unterdurchschnittlich waren. Die Niederschlagsarmut wurde auch durch die Hitzewelle begünstigt, die im Mai in diesen Regionen herrschte.

Im Norden des Vereinigten Königreichs und Irlands, in Nordskandinavien, in kleinen Teilen der Alpen, auf Sizilien und im äussersten Nordosten Europas lagen die Niederschläge im Frühjahr dagegen über dem Durchschnitt 1991–2020.

Die Copernicus Mitteilung zum Mai und zum Frühling 2022 ist in englischer Sprache verfügbar.

Der Mai und der Frühling 2022 in der Schweiz

Die Schweiz registrierte den zweitwärmsten Mai seit Messbeginn 1864. Lokal gab es eine rekordhohe Zahl von Sommertagen und neue Mai-Rekorde bei der Tagesmaximum-Temperatur. Die Niederschlagssummen blieben regional weit unterdurchschnittlich.

Der Frühling als viertmildester seit Messbeginn 1864 war landesweit niederschlagsarm und gebietsweise einer der sonnigsten seit Beginn der Aufzeichnungen vor über 120 Jahren. Ausgesprochen wenig Niederschlag und viel Sonnenschein brachten die Monate März und Mai.

Den umfassenden Überblick zum Mai und zum Frühling 2022 in der Schweiz findet der Leser im Maibulletin und im Frühlingsbulletin von MeteoSchweiz.

Kommentare (2)

  1. Severin, 14.06.2022, 11:32

    Liebe Meteoschweiz

    Mit grossem Interesse lese ich häufig eure Blogs. Bei der Einordnung der Klimatrends für Monate oder Jahrezeiten irritiert mich aber nach wie vor, dass ihr die Temperatur-Annomalien nur mit der aktuellen Refernzperiode vergleicht. Ich verstehe zwar, dass für das alltäglich Leben die Referenzzperiode spannend ist, gerade bei der Einordnung des global Klimas wäre es aber trotzdem auch sehr spannend, den Verlgleich zu präindustriellen Temperaturen zu haben. Warum also nicht beides? Vielen Dank und freundliche Grüsse
    Severin

    1. MeteoSchweiz, 16.06.2022, 08:51

      Grüezi Severin

      Bei unseren Monats- und Saisonberichten steht der Vergleich zum aktuellen erlebten Klima im Vordergrund. Die Berichte sollen zudem leicht lesbar sein. Die Verwendung von zwei verschiedenen Referenzperioden macht die Berichtserstellung deutlich aufwändiger und das Lesen wird schwerfälliger. Die Monats- und Saisonberichte von MeteoSchweiz enthalten immer eine Temperaturkurve seit Messbeginn, welche die Klimaänderung sehr deutlich zeigt. Insofern ist das Thema immer präsent. Die globalen Berichte werden nicht von MeteoSchweiz erstellt, sondern von Copernicus übernommen.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz