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Bevorstehender Luftmassenwechsel - von vielen heiss begehrt

25. Juli 2022, 15 Kommentare
Themen: Wetter

Der Montag stand ganz im Zeichen einer Änderung der Grosswetterlage von bisher «heiss» bis «sehr heiss» auf «sommerlich warm» in den kommenden Tagen. Dies infolge des bevorstehenden Luftmassenwechsels durch eine Kaltfront am Abend und in der Nacht sowie eine vorlaufende Konvergenzlinie.

MeteoSchweiz Kamera auf dem Gütsch ob Andermatt am Abend mit Blick auf Schauer- und Gewitterzellen
MeteoSchweiz Kamera auf dem Gütsch ob Andermatt am Abend mit Blick auf Schauer- und Gewitterzellen

Im Vorfeld einer Kaltfront

Das am Wochenende wetterbestimmende Hochdruckgebiet verlagerte heute sein Zentrum von Tschechien ostwärts und beeinflusste unser Wetter nur noch zu Tagesbeginn. Dahinter gelangte die Schweiz allmählich auf die Vorderseite eines Tiefdruckgebietes mit Zentrum zwischen Schottland und der Norwegischen Küste. Die dazugehörige Kaltfront war gestern vom Ostatlantik her in Richtung Frankreich gezogen und lag am frühen Morgen im Bereich Bretagne-Ärmelkanal.

Ausgehend von diesem Tief erstreckte sich ein Bodentrog südwärts, in welchen eine Konvergenzzone eingebettet war (ein Bereich, in welchem die Luft horizontal zusammenströmt). Diese Konvergenz erreichte kurz nach dem Mittag von Westen her den Jura und zog am Nachmittag langsam ostwärts. Am Abend und in der Nacht folgt dann die Kaltfront nach und sorgt für weitere, teils kräftige Gewitter. 

Ruhiger Vormittag

Der Tag bzw. die neue Woche begann in der Schweiz wettermässig nahezu ereignislos. Während sich in den meisten Gebieten der Schweiz der Nachthimmel wolkenlos zeigte, gab es auf der Alpensüdseite und insbesondere am Alpensüdhang einige, teils ausgedehnte Wolkenfelder. Es blieb aber überwiegend trocken, nur ganz lokal wurden am frühen Morgen ein paar Regentropfen registriert, im wahrsten Sinne «der Tropfen auf den heissen Stein». Die Wolkenfelder sorgten aber dafür, dass die Abstrahlung reduziert war und deshalb die Temperaturen in der Nacht im Süden kaum sinken konnten.

Hohe «Tiefstwerte»

In den Niederungen der Alpensüdseite und zum Teil auch in den Tälern gingen die Temperaturen in der Nacht nicht unter 20 Grad zurück. In Lugano sowie in Locarno-Monti blieb das Thermometer sogar bei 23.8 bzw. 23.7 Grad stehen. Diese Werte stellen zwar keine Rekorde dar, gehören aber doch zu den zehntwärmsten seit Messbeginn. Zudem war es mit den hohen Taupunkten um die 20 Grad sehr schwül.

Auf der Alpennordseite hingegen sanken die Temperaturen in Muldenlagen meist auf 15 bis 19 Grad. Einzig in erhöhten Lagen sowie in den Alpentälern - mit etwas Bergwindunterstützung - blieben die Minima mit rund 20 Grad erhöht.  

Zunehmende «Aktivität» am Nachmittag

Gegen die Mittagszeit bildeten sich vor allem über den Alpen und auf der Alpensüdseite vermehrt Quellwolken, am frühen Nachmittag zogen dann am Jura Wolkenfelder der Konvergenzzone auf und die Quellbewölkung nahm ebenfalls zu. Erste Schauer entwickelten sich Mitte Nachmittag am Jura sowie den östlichen Alpen entlang, später auch im Unterwallis, im Berner Oberland sowie im nördlichen Tessin.

Gefahr von heftigen Gewittern

Die Kaltfront wird uns zwar erst am Abend und in der Nacht auf Dienstag überqueren, im Vorfeld der Front dürften sich aber bereits einige präfrontale Schauer und Gewitter entwickeln, die vor allem in den Alpen und im Süden mit der feuchteren und energiereicheren Luftmasse zum Teil kräftig ausfallen können. Im Vorfeld der Kaltfront wurde heute nämlich mit südwestlichen Winden heisse, labil geschichtete und zunehmend feuchte Luft zum Alpenraum geführt, sodass die Voraussetzungen für stärkere Gewitteraktivität mit gebietsweise Starkregen und Sturmböen bis in die Nacht hinein günstig sind. Entsprechend wurde für heute ein Gewitteroutlook ausgegeben.

Exkurs präfrontale Gewitter

Präfrontale Gewitter, also Gewitter vor der eigentlichen Front, können beispielsweise durch Konvergenzlinien, aber auch orographisch an den Bergen ausgelöst werden. Durch das horizontale Zusammenströmen an einer Konvergenz wird die Luft zum Aufsteigen gezwungen, und diese Hebung kann bereits zu Schauern oder Gewittern führen. Aber auch die Berge können als Auslöser für Hebung dienen. Beide Vorgänge trafen heute ein.

Allerdings sind Gewittervorhersagen wie immer mit Vorsicht anzugehen. Auch wenn das Potential für mancherorts heftige Gewitter vorhanden ist, gibt es doch gewisse Unsicherheiten bezüglich deren Aktivität in der Realität. Beispielsweise kann durch das Einsickern von etwas weniger warmer Luft aus Nordwesten die Gewittertätigkeit eingeschränkt sein, wie das die Modellberechnungen vor allem für das Flachland für heute Abend zeigen.  

Temperaturen und sehr hohe Nullgradgrenze

Weil sich die Sonne heute für längere Zeit entfalten konnte, stieg die Temperatur im Flachland beidseits der Alpen verbreitet auf 31 bis 36 Grad. Solche Höchstwerte werden nördlich der Alpen in den kommenden Tagen aufgrund des Luftmassenwechsels nicht mehr erreicht; sie bleiben mit rund 25 bis 29 Grad unter der Hitzemarke. Im Süden erfolgt der Wechsel erst auf Mittwoch, er fällt allerdings weniger markant aus.

Auch in grosser Höhe war es heute sehr warm und die Nullgradgrenze erreichte in der Nacht einen neuen Rekordwert. Der Radiosondenaufstieg mit einem Wetterballon von Payerne aus registrierte die Nullgradgrenze auf rekordhohen 5184 müM., also über den höchsten Alpengipfeln. Der bisherige Rekord datiert vom 20. Juli 1995 mit 5117 müM.  Mehr zum Thema Nullgradgrenze können Sie übrigens im Blog von gestern nachlesen.

Vergrösserte Ansicht: Wie die Grafik zeigt, kommt es nur selten vor, dass die Nullgradgrenze auf über 5000 Meter steigt. Der heutige und der alte Rekord von 1995 sind die einzigen je gemessenen Werte oberhalb von 5000 Metern. Die übrigen vordersten zehn Ränge liegen alle darunter.
Wie die Grafik zeigt, kommt es nur selten vor, dass die Nullgradgrenze auf über 5000 Meter steigt. Der heutige und der alte Rekord von 1995 sind die einzigen je gemessenen Werte oberhalb von 5000 Metern. Die übrigen vordersten zehn Ränge liegen alle darunter.
Quelle: MeteoSchweiz
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Kommentare (15)

  1. Urs Imhof, 25.07.2022, 23:48

    Habe ich das geliebt in den neunziger Jahren.
    Gewitter danach 1-2 Stunden noch etwas Regen und man konnte den Luftmassenwechsel spüren.
    Heute muss man froh sein wenn man noch etwas merkt von einem Luftmassenwechsel.
    Weil nur kühlere Temperaturen aufgrund anhaltendem mässig starken Wind ohne Niederschlag spürt man den Luftmassenwechsel nicht.

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    1. Alex Schmid, 26.07.2022, 16:59

      Lieber Herr Imhof

      Sehe ich genau gleich. Hier in der Nähe von Baden war dieser Luftmassenwechsel leider nur eine ziemlich laue Sache.

  2. Rolf, 25.07.2022, 23:05

    Von dieser "Front" ist hier (NW-CH) gar nichts zu bemerken, um 23 Uhr noch 26.5 C und trocken wie eh und je...

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  3. Josh, 25.07.2022, 23:02

    Guten Abend,
    der neue Rekord der Nullgradgrenze bezieht sich auf heute und für die Schweiz. Weil das Hoch ja weiterzieht gibt es in den nächsten Tagen keine neuen Rekorde mehr. Frage a: es wäre noch interessant zu wissen, welche weiteren Rekorde dieses Hoch in den nächsten Tagen noch an anderen Orten schafft. Und Frage b: Sind für Sie als Meteorologen die "Zutaten" erkennbar, wie dieses Hoch so mächtig/heiss werden konnte? Besten Dank!

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  4. Silvan, 25.07.2022, 22:36

    Liebes MeteoSchweiz-Team
    Ich beobachte bei besonders heftigen Starkniederschlägen, dass manchmal die Zehminutensummen kurz nach der Veröffentlichung etwas nach unten korrigiert werden. So auch heute in Soglio. Beim Durchzug des Gewitters wurde ein Messwert von 36 mm in 10 Minuten veröffentlicht. Etwas später ist in der entsprechenden Stundensumme ein Messwert von 31,2 mm aufgeführt.
    Bereits am 28.06.2022 wurde die Zehminutensumme in Bellinzona von 10:10 bis 10:20 von 34,8 mm deutlich reduziert. Wie stark weiss ich nicht mehr.
    Woher kommt diese Korrektur, von wem wird sie vorgenommen und wie ist klar, wie stark korrigiert werden soll?
    Vielen Dank für Ihre Erklärung. Liebe Grüsse Silvan

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    1. MeteoSchweiz, 26.07.2022, 00:15

      Guten Abend Silvan, Grund für die unterschiedlichen Werte ist das Messgerät selber. Es liefert zunächst unkorrigierte Rohdaten in Echtzeit, die wenige Minuten später durch die Software des Geräts vollautomatisch korrigiert werden. MeteoSchweiz verwendet für Messreihen und Rekorde aus Qualitätsgründen ausschliesslich die korrigierten Werte. Derzeit wird geprüft, ob und unter welchen Umständen noch unkorrigierte Rohdaten ausgeliefert werden dürfen.
      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz

  5. Urs Imhof, 25.07.2022, 22:25

    Das keine Gewitter ausgelöst werden bei Nordwestwind gibt es nur noch in der Schweiz.
    Kühlere Temperaturen nur mit Wind und ohne Niederschlag ist keine Front.

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  6. Adrian, 25.07.2022, 21:26

    Schön zu lesen, doch bis dieser Luftmassenwechsel auch spürbar wird, dauert’s wohl noch weitere 24h. Denn falls es heute Nacht im Mittelland und Jura nur Wolken, aber kaum nennenswerter Niederschlag gibt, wird das Thermometer wohl erst morgen Abend wieder unter die 20 Grad fallen…

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    1. Oliver Sipos, 25.07.2022, 22:12

      Luftmassenwechsel
      Nicht nur draußen dauert es noch ne Weile
      Auch in meinem Zimmer dauert es sicher noch Tage bis angenehm wird

      Freundliche Grüße Oliver

    2. Adrian, 26.07.2022, 00:38

      Ich muss mich korrigieren. Diese Nacht wird‘s gar kaum unter 25 Grad. Ein wahrlich heftiger Luftmassenwechsel zu gestern Nacht mit knapp 15 Grad…

  7. Monica, 25.07.2022, 21:16

    Woher kam dieser starke, sehr warme Wind (Region Thal)? Hat das auch mit dieser Konvergenzlinie zu tun?
    Leider blieb bei uns der Regen bis jetzt ( 21.15 Uhr) aus und das Thermometer steht immer noch bei 25 Grad! 🙄
    Danke für die immer sehr interessanten Blogs!

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    1. MeteoSchweiz, 25.07.2022, 21:39

      Guten Tag Monica,
      Genau, das war die Konvergenzlinie vor der eigentlichen Kaltfront. Dabei ist bereits etwas wenige heisse Luft eingeflossen. Diese war aber sehr trocken. Dementsprechend wurden keine Gewitter ausgelöst.
      Mit freundlichen Grüssen, MeteoSchweiz.

  8. Dr. Sommer, 25.07.2022, 21:15

    Guten Abend MeteoSchweiz

    Führen Sie eine Zeitreihe der Nullgradgrenze, wie sie mit der Sondierung gemessen wird? Kann man die irgendwo anschauen?

    MfG
    Dr. Sommer

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    1. MeteoSchweiz, 25.07.2022, 21:35

      Guten Tag Herr Sommer, ja diese führen wir. Klimatologische Auswertungen dazu werden in den jährlichen Klimareports publiziert. Für das Jahr 2020 finden Sie die Infos zum Verlauf der Nullgradgrenze auf S. 22: https://www.meteoschweiz.admin.ch/content/dam/meteoswiss/de/service-und-publikationen/Publikationen/doc/klimareport_2020_de.pdf
      Mit freundlichen Grüssen, MeteoSchweiz

    2. Dr. Sommer, 26.07.2022, 21:21

      Danke für den Service.