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Heisse Tage auf der Alpensüdseite

6. Juli 2022, 9 Kommentare
Themen: Wetter

Da heute auf der Alpensüdseite wiederum ein heisser Tag aufgezeichnet wurde, wird für einmal ein Blick auf das Vorkommen von Hitzetagen in den Niederungen der Alpensüd- und Alpennordseite geworfen. Da die Alpensüdseite generell deutlich wärmer ist als die Alpennordseite, könnte man meinen, dies sei auch bei den Anzahl Hitzetagen und bei den absoluten Höchstwerten so. Wir zeigen in diesem Blog, dass dies nicht unbedingt stimmt.

Im Mendrisiotto reichte es heute mit viel Sonnenschein erneut zu einem Hitzetag. Bildquelle: MeteoSchweiz.
Im Mendrisiotto reichte es heute mit viel Sonnenschein erneut zu einem Hitzetag. Bildquelle: MeteoSchweiz.

Hitze im Mendrisiotto - ein Vergleich mit Basel

Die Alpensüdseite im Allgemeinen und deren Niederungen im Besonderen sind bekannt als warme Regionen. Wenn man die Durchschnittstemperaturen anschaut, sind sie zweifelsohne die wärmsten Gebiete der Schweiz. Sie übertreffen dabei ähnlich hohe Lagen auf der Alpennordseite um fast 2 Grad.

Wenn man absolute Maxima anschaut, so ist die Sache nicht ganz so einfach. Wir betrachten dazu einmal die ähnlich hoch gelegenen Stationen Basel und Stabio.

In den vergangenen 40 Jahren, also zwischen 1982 und 2021, betrug das durchschnittliche Jahresmaximum in Stabio 33.0 Grad, in Basel wurden 34.4 Grad verzeichnet. Damit ist die absolute Jahreshöchsttemperatur in Basel über 1 Grad höher als am Südzipfel der Schweiz. Das absolute Maximum liegt in Basel mit 38.6 Grad, gemessen am 13.08.2003, sogar über 2 Grad höher als der absolute Höchstwert in Stabio, welcher seinerseits am 29.07.1983 aufgestellt wurde. Nun könnte man argumentieren, dass der hohe Wert von Basel im Jahre 2003 bereits von der Klimaerwärmung beeinflusst sein könnte. Dem ist aber entgegenzuhalten, dass in Basel bereits am 31.7.1983 38.4 Grad gemessen wurden, so dass der doch bedeutende Unterschied von 2 Grad bestehen bleibt.

Offensichtlich höhere Spitzenwerte in Basel - eine mögliche Erklärung

Offensichtlich sind also die absoluten Spitzen in Basel eher höher. Dies hat besonders einen Grund: Die absoluten Höchstwerte werden oftmals bei antizyklonalen Südwestlagen erzielt. Bei diesen Wetterlagen herrscht nördlich der Alpen oft eine trockene Hitze vor. Auf der Alpensüdseite hingegen ist es - bedingt durch die zuströmende Mittelmeerluft - eher drückend schwül mit etwas weniger hohen Nachmittagstemperaturen.

Vergrösserte Ansicht: Wetterlage gemäss dem Reanalysistool der NOAA (6-hourly NCEP/NCAR Reanalysis Data Composites) um 12 UTC an den Tagen des absoluten Jahresmaximums der Temperatur in Stabio  in den Jahren 1982-2021. Da sich mit dem Reanalysetool nur 20 Fälle berechnen liessen, wurden die 20 höchsten absoluten Jahresmaxima der Temperatur in Betracht gezogen. Anders als in Basel herrschen in Stabio auf 250 hPa (ca. 10000 M. ü. M.) westliche Winde vor, auf 850 hPa (ca. 1600 ca. M. ü. M.) sind es westliche bis nordwestliche Winde. Die Temperatur auf 850 hPa beträgt 18 Grad, die Abweichung von der jahreszeitüblichen Norm nur knapp 5 Grad. Damit kann bestätigt werden, das die Luftmasse in Stabio an den Tagen mit den absoluten Jahresmaxima der Temperatur eher etwas weniger heiss ist als die Luftmasse in Basel in den denjenigen Fällen, bei welchen Basel die absoluten Jahresmaxima der Temperatur aufweist. Schwieriger wird die Interpretation mit den Winden, weil im Blogtext ja gesagt wurde, dass feuchtere Luft aus Südwesten die Temperatur in Stabio dämpfen würde, aber bei den obigen Graphiken westliche Winde vorherrschen. Der Widerspruch kann beseitigt werden, wenn man in Betracht zieht, dass zum einen Fälle mit Nordföhn die höchsten Jahresmaxima in Stabio auslösen (zum Beispiel 1983), welche bei den obigen Karten nordwestliche Winde anzeigen würden. Andererseits bringen aber manchmal auch tatsächlich südwestliche Winde die Jahresmaxima in Stabio, so zum Beispiel 2015. Und in diesen Fällen ist die Luft in Stabio in der Tat weniger heiss, aber feuchter als auf der Alpennordseite.
Wetterlage gemäss dem Reanalysistool der NOAA (6-hourly NCEP/NCAR Reanalysis Data Composites) um 12 UTC an den Tagen des absoluten Jahresmaximums der Temperatur in Stabio in den Jahren 1982-2021. Da sich mit dem Reanalysetool nur 20 Fälle berechnen liessen, wurden die 20 höchsten absoluten Jahresmaxima der Temperatur in Betracht gezogen. Anders als in Basel herrschen in Stabio auf 250 hPa (ca. 10000 M. ü. M.) westliche Winde vor, auf 850 hPa (ca. 1600 ca. M. ü. M.) sind es westliche bis nordwestliche Winde. Die Temperatur auf 850 hPa beträgt 18 Grad, die Abweichung von der jahreszeitüblichen Norm nur knapp 5 Grad. Damit kann bestätigt werden, das die Luftmasse in Stabio an den Tagen mit den absoluten Jahresmaxima der Temperatur eher etwas weniger heiss ist als die Luftmasse in Basel in den denjenigen Fällen, bei welchen Basel die absoluten Jahresmaxima der Temperatur aufweist. Schwieriger wird die Interpretation mit den Winden, weil im Blogtext ja gesagt wurde, dass feuchtere Luft aus Südwesten die Temperatur in Stabio dämpfen würde, aber bei den obigen Graphiken westliche Winde vorherrschen. Der Widerspruch kann beseitigt werden, wenn man in Betracht zieht, dass zum einen Fälle mit Nordföhn die höchsten Jahresmaxima in Stabio auslösen (zum Beispiel 1983), welche bei den obigen Karten nordwestliche Winde anzeigen würden. Andererseits bringen aber manchmal auch tatsächlich südwestliche Winde die Jahresmaxima in Stabio, so zum Beispiel 2015. Und in diesen Fällen ist die Luft in Stabio in der Tat weniger heiss, aber feuchter als auf der Alpennordseite.

Auch bei Hitzetagen ist Basel nicht unbedingt im «Nachteil»

Wenn man die Jahressumme der Hitzetage betrachtet, so kommt in den vergangenen 40 Jahren Stabio auf 16 Tage, Basel auf 13 Tage. Dies ergibt einen Unterschied von nur 3 Tagen. In den Jahren 1982 bis 2000, als Hitzetage noch eher selten waren, wurden in Stabio durchschnittlich 10 und in Basel 9 Tage mit einem Tagesmaximum von 30 Grad und mehr aufgezeichnet. Also kaum ein Unterschied. Somit kann gesagt werden, dass heisse Tage in den Niederungen der Alpensüdseite nicht unbedingt viel häufiger sind - oder zumindest waren - als auf der Alpennordseite.

Hingegen sind Sommertage auf der Alpensüdseite deutlich häufiger

Tagesmaxima von 25 Grad - sogenannte Sommertage - und mehr sind hingegen in den Niederungen der Alpensüdseite deutlich häufiger als in Basel. In den vergangenen 40 Jahren wurden in Stabio durchschnittlich 80 Sommertage registriert, in Basel hingegen nur deren 56. Dass die Sommer in Stabio deutlich wärmer sind als in Basel, erkennt man auch an durchschnittlichen täglichen Höchsttemperaturen der Monate Juni, Juli und August. Im Monat Juni erreichte in den letzten 40 Jahren die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur in Stabio 25.3 Grad, in Basel hingegen nur 23.4 Grad. Im Juli lauten die entsprechenden Zahlen 27.9 Grad und 25.7 Grad und für den August 27.0 Grad und 25.0 Grad. Somit kann gesagt werden, dass es im Sommer am Nachmittag auf der Alpensüdseite auf ähnlicher Höhenlage etwa 2 Grad wärmer ist als im Norden, was als beträchtlich eingestuft werden kann. Die Sommer sind auf der Alpensüdseite durchschnittlich also erwartungsgemäss deutlich wärmer als im Norden, allerdings nicht unbedingt bei den Spitzenwerten.

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Kommentare (9)

  1. Urs Imhof, 06.07.2022, 22:24

    Meldung aus Bad Zurzach kommt.
    Ich habe nichts zu meckern.
    Nur eine Feststellung das an einem Ort wo ich arbeite sich Palmen, Kiwi und Bananenstauden wohlfühlen.
    Dieser Ort ist auf der Alpennordseite.
    Im Aargau wächst auch Reis.

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    1. Wolfgang, 07.07.2022, 14:59

      Hm, schwieriges Rätsel…
      Könnte der Ort am Ende Bad Zurzach sein?

    2. Mikro Klima, 07.07.2022, 17:37

      Ich glaube der Ort liegt am Fusse der Rigi am Vierwaldstättersee

    3. Urs Imhof, 07.07.2022, 22:23

      Unteres Aaretal als Auflösung

  2. Mathias Kielholz, 06.07.2022, 20:33

    Die höhere Mittel- und Minimaltemperatur, sowie die trocken-sonnigen Winter sind wohl auch der Grund für all die Agaven, Oleander und Kamelien im Tessin. Die sucht man in Basel vergebens.

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  3. Mikki, 06.07.2022, 18:51

    Vielen Dank für die Erklärung zu den Temperaturmaxima!
    Heute war’s leider wieder recht bewölkt in Basel, die Nordwindtendenz sorgt hingegen im Tessin wieder für Sonne satt! Auf in den Zug der Sonne hinterher, nur Wolken ohne Niederschlag sind traurigerweise häufig in Basel, wenn es wenigstens dann regnen würde :)
    So aber ist’s sinnlos, diese Bewölkung.
    Cheerio, Mikki

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    1. Peter Fritz, 06.07.2022, 20:53

      Die tägliche Klage der Basler hier in den Kommentaren haben wir, fehlt noch die Meldung aus Bad Zurzach!

    2. Peter Schulz, 06.07.2022, 22:27

      War heute in Basel. Wunderschönes Wetter mit weissen Wölkchen.

    3. Kurt, 07.07.2022, 03:05

      Diese weissen Wölkchen stören eben. So ist das nicht "Sonne satt"