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Hitze im Faktencheck

19. Juli 2022, 15 Kommentare
Themen: Über uns

Heiss, heisser, Hitzewelle – schon zum zweiten Mal in diesem Sommer hat eine Hitzewelle die Schweiz fest im Griff. Gemeinsam klären MeteoSchweiz und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) über gängige Glaubenssätze und Mythen im Zusammenhang mit den sommerlichen Temperaturen auf. Die Hitzewelle im Faktencheck:

Hitzewellen werden häufiger und stellen ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko dar – umso wichtiger ist es, richtig informiert zu sein.
Hitzewellen werden häufiger und stellen ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko dar – umso wichtiger ist es, richtig informiert zu sein. Bild: Unsplash.

«Mittagshitze ist am gefährlichsten und sollte gemieden werden.«

MeteoSchweiz: Der Mythos «Mittagshitze» hält sich beständig – den Höhepunkt erreicht die Hitze an einem warmen Tag im Sommer jedoch meist erst zwischen 16 bis 17 Uhr. Der Sonnenhöchststand wird zwar zur Mittagszeit erreicht, die Lufttemperatur heizt sich jedoch auch nach Sonnenhöchststand weiter auf. Dennoch gilt: Bei hohen Temperaturen sollte direkte Sonneneinstrahlung möglichst gemieden werden. Halten Sie sich lieber im kühlen Schatten auf – egal ob Mittags oder Nachmittags.

«Hitzewarnungen sind unnötig. Im Sommer ist es eben heiss.»

MeteoSchweiz: Aufgrund der vielfältigen Einflüsse auf Gesundheit, Landwirtschaft und Umwelt warnt der Bund die Bevölkerung vor besonders intensiven Hitzeperioden. So wird Sensibilität für die Gefahren der Hitze geschaffen, die als eine der tödlichsten Naturgefahren direkte Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat. Im Sommer 2021 hat MeteoSchweiz das Warnkonzept überarbeitet und an neuste wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst. So werden neu auch hohe nächtliche Temperaturen und kurze intensive Hitzeperioden im Warnkonzept berücksichtigt, die zu einer grossen Belastung des menschlichen Körpers führen können.

Hitzewarnungen

MeteoSchweiz gibt Hitzewarnungen für drei Gefahrenstufen (Stufe 2 bis 4) aus. Liegen die sommerlichen Temperaturen in einem Bereich, der keine grundlegenden Auswirkungen auf die Gesundheit hat, befinden wir uns in Stufe 1 (keine/geringe Gefahr). Steigt die mittlere Tagestemperatur an mindestens einem Tag auf oder über 25 Grad an, können bereits Kreislaufbeschwerden und Unwohlsein auftreten (Gefahrenstufe 2, mässige Gefahr). Halten diese hohen mittleren Temperaturen ab 25 Grad mindestens drei Tage an, steigt die Gefahr für die Gesundheit weiter an und wir befinden uns in Gefahrenstufe 3 (erhebliche Gefahr). Ab einer mittleren Tagestemperatur von mindestens 27 Grad an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen ist Gefahrenstufe 4 erreicht – es besteht grosse Gefahr für die körperliche Gesundheit.

BAG: Hitzewellen können dem menschlichen Körper erheblich zusetzen und nicht alle leiden gleich unter den heissen Temperaturen. Insbesondere für chronisch kranke Menschen, ältere Personen, Schwangere und Kleinkinder kann eine Hitzewelle gesundheitliche Folgen haben. Zu ihrem Schutz sind Hitzewarnungen besonders wichtig. Aber auch die breite Bevölkerung muss sich auf die Auswirkungen der Hitzewelle vorbereiten können. Hitze kann sich vielschichtig auf die Gesundheit auswirken und auch zum Tod führen – das wird auch mit Blick auf die sogenannte «Übersterblichkeit» der vier bisher heissesten Sommer in der Schweiz deutlich.

«Müdigkeit und Schwäche sind noch keine Alarmzeichen. Bei heissem Wetter ist klar, dass man weniger Energie hat»

BAG: Stimmt nicht. Müdigkeit und Schwäche können mitunter Anzeichen für Hitzestress sein. Weitere Symptome sind:

  • Hohe Körpertemperatur
  • Erhöhter Puls
  • Kopfschmerzen
  • Muskelkrämpfe
  • Trockener Mund
  • Verwirrtheit, Schwindel, Bewusstseinsstörungen
  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall

Treten diese Symptome auf, muss sofort gehandelt werden: Die betroffene Person hinlegen und Körper mit feuchten Tüchern kühlen. Falls die Person bei Bewusstsein ist, frisches Wasser zu trinken geben. Wenn die Massnahmen nicht erfolgreich sind, unverzüglich einen Arzt oder eine Ärztin rufen.

«Hitzeperioden und ihre Folgen werden zunehmen.»

MeteoSchweiz: Stimmt. Durch den Klimawandel werden insbesondere Extremwetterereignisse erheblich zunehmen – hierzu zählen auch Hitzewellen. Seit Messbeginn sind die Sommertemperaturen in der Schweiz bereits um gut 2 °C angestiegen. Dieser Trend zeigt sich auch für die Zukunft: Hitzeperioden sowie heisse Tage und Nächte werden häufiger und extremer. Während in der Zeit zwischen 1981 und 2010 in Zürich etwa 5 Tage mit Temperaturen über 30 °C pro Jahr verzeichnet wurden, steigt diese Zahl bis 2060 ohne weiteren Klimaschutz auf 14 bis 21 Tage. Mehr Informationen liefern die Klimaszenarien CH2018.

«Je länger die Hitze anhält, desto gefährlicher. »

BAG: Tatsächlich wirkt sich die Intensität einer Hitzeperiode stärker auf die hitzebedingte Sterblichkeit aus, als die Dauer. Im neuen Hitzewarnkonzept werden daher auch kurze und intensive Hitzeperioden berücksichtigt. Darüber hinaus sind die ersten heissen Tage im Jahr meist die belastendsten und erhöhen die hitzebedingte Übersterblichkeit. Tropennächte (Temperatur sinkt nachts nicht unter 20°C) sind ein zusätzliches Gesundheitsrisiko, da die nächtliche Erholung durch die fehlende Abkühlung beeinträchtigt wird.

MeteoSchweiz: Für viele Lebensbereiche sind lange, intensive Hitzeperioden belastend und gefährlich. Zum einen verstärken sie den sogenannten «Wärmeinseleffekt», der dazu führt, dass die Hitzebelastung in den Städten im Vergleich zum Umland deutlich erhöht ist. Zum anderen leidet auch die Umwelt, Forst- und Landwirtschaft erheblich unter anhaltender Trockenheit, die mit einer langen Hitzeperiode einhergeht.

«Meine Ernährung hat während Hitzetagen keinen besonderen Einfluss auf mein Wohlbefinden.»

BAG: Stimmt nicht. Besonders auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr muss während heissen Tagen geachtet werden. Es wird empfohlen pro Tag mindestens 1.5 Liter zu trinken – dabei den Konsum von gesüssten, koffeinhaltigen oder alkoholischen Getränken einschränken. Wasserreiche Früchte und Gemüse erhöhen zudem die Flüssigkeitszufuhr. Kalte, leicht gesalzene Mahlzeiten sind leichter verdaulich und helfen, den Salzverlust durch das Schwitzen auszugleichen.

Weitere Informationen

MeteoSchweiz ist offen für einen respektvollen Onlinedialog und freut sich über Ihre Kommentare und Fragen. Bitte beachten Sie dabei unsere Netiquette. Haben Sie bitte auch Verständnis dafür, dass kein Recht auf die Publikation eines Kommentares besteht und dass wir über die Freischaltpraxis keine Korrespondenz führen. Kontaktformular

Kommentare (15)

  1. Ursula, 07.08.2022, 21:16

    Kürzlich habe ich einen neuen Trick 77 entdeckt:
    Die Abkühlung der Wohnung beim nächtlichen Durchlüften funktioniert noch besser, wenn ich dabei auch noch alle Schranktüren und Schubladen öffne.

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  2. Bäuerin BL, 23.07.2022, 14:29

    Wir reden immer nur über die Hitzegefahr für Menschen. Sehr stark betroffen von der Klimaveränderung sind sämtliche Tiere. Eines unserer Pferde machte wegen Hitzestress Fieber. Ein fiebriges Pferd verweigert oft die Flüssigkeitsaufnahme. Eine Teufelskreislauf. Erst nachdem wir ihm 4 Liter Wasser in Kleinstmengen eingeflösst hatten, begann es wieder zu saufen und die Fieber verschwanden.
    Auch Kühe, Schafe, Katzen und Hunde leiden. Und niemand denkt an dürstende Vögel, insekten und Igel. Wir stellen rund ums Haus Wasserschalen für das Kleingetier auf und das wird geschätzt.
    Nach dem nassen Sommer 2021 hatten wir in diesem Frühjahr erfreulich viele Schmetterlinge und andere Insekten.

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    1. Tropic, 27.07.2022, 13:52

      Passen Sie einfach auf, dass Sie in Ihren Wasserschalen keine Tigermücken züchten!

    2. Alex, 28.07.2022, 15:28

      Wasserschalen helfen den kleinen Tieren sehr. Natürlich muss dass Wasser mind. alle 2 Tage gewechselt werden. Dann gibt es auch keine Tigermücken.

    3. Elisabeth kramer, 05.08.2022, 20:52

      Wie recht sie haben.ich mache das auch aber leider giebt es nur sehr wenige menschen, die weiter als an sich denken können.schön das es doch noch wenige sind die an die tiere denken 😍

  3. Franziska, 21.07.2022, 06:22

    Es wird im Blog geraten, kalte Mahlzeiten zu sich zu nehmen an Hitzetagen. Bis jetzt war ich der Meinung, dass eher warme Mahlzeiten und Getränke empfohlen werden.
    Eine Begründung würde mich freuen.

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    1. MeteoSchweiz, 22.07.2022, 13:52

      Guten Tag Franziska, Tatsächlich sind eiskalte Getränke und Speisen kontraproduktiv für die Hitzeregulation, da sie die körpereigene Wärmeproduktion zusätzlich anheizen.
      Die Empfehlung des BAG bezieht sich in erster Linie darauf, leicht zu essen. Früchte, Gemüse und Milchprodukte sind dafür sehr gut geeignet, weil sie den Organismus wenig belasten und viel Wasser enthalten, was die Flüssigkeitszufuhr zusätzlich verbessert. Wer mag, kann auch warm essen. Freundliche Grüsse Bundesamt für Gesundheit BAG

  4. Wolfgang, 19.07.2022, 19:59

    Fakt ist aber auch, dass heutzutage vor Dingen und Ereignissen gewarnt werden muss, die früher jedermann mit etwas gesundem Menschenverstand klar waren. Aber die gut gemeinten Warnungen werden ja dennoch ignoriert was man jeden Winter bei den Lawinenunfällen sehen muss.

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    1. Thomas Huber, 31.07.2022, 19:43

      Und die Bilder an den Stränden sprechen auch eine eindeutige Sprache.

  5. Heater, 19.07.2022, 17:48

    Hallo MeteoSchweiz

    Inwiefern werden bei der Berechnung der Klimaszenarien Rückkopplungseffekte berücksichtigt? Beispielsweise war der vergangene Winter und Frühling sehr mild und in gewissen Gebieten niederschlagsarm und dazu kam immer wieder mal Saharastaub, welcher wohl die Gletscherschmelze in Kombination mit den warmen Temperaturen zusätzlich beschleunigt hat. Dies wiederum führt dazu, dass mehr Wärme absorbiert wird, nicht? Werden solche Effekte berücksichtigt in den Modellen?

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    1. MeteoSchweiz, 21.07.2022, 14:17

      Guten Tag Heater

      Danke für diese interessante Frage. In der Tat werden sehr viele Rückkopplungseffekte in den Klimamodellen berücksichtigt. Eine gute Zusammenfassung über das Funktionieren und die Weiterentwicklung der Klimamodelle findet man zB in der Box 9.1 hier https://www.ipcc.ch/site/assets/uploads/2018/02/WG1AR5_Chapter09_FINAL.pdf
      Zu ihren spezifischen Beispielen: Die Effekte anhaltender Niederschlagsarmut werden zB in den Bodenmodulen der Klimamodelle berücksichtigt. Saharastaub zählt als Mineralstaub zu den Aerosolen, welche ebenfalls in den Klimamodellen berücksichtigt werden, jedoch v.a. in ihrer Rückkopplung auf die Wolkenbildung. Zur verstärkten Schnee- oder auch Gletscherschmelze aufgrund von Staubablagerung gibt es wohl einige Forschungsresultate, aber diese Rückkopplung wird noch nicht systematisch in den Modellen abgebildet, gemäss Kapitel 2.2.2. des IPCC Berichts über die Ozeane und die Kryosphäre https://www.ipcc.ch/srocc/chapter/chapter-2/ . Generell ist der quantitative Einfluss der Aerosole auf das Klimasystem ist einer der noch grösseren bestehenden Unsicherheitsquellen und daher eine wichtige aktuelle Forschungsrichtung.

      Mit freundlichen Grüssen,
      MeteoSchweiz

    2. Heater, 21.07.2022, 18:37

      Super, vielen Dank für Ihre Antwort und die Links.
      MfG

  6. Maria Zeller, 19.07.2022, 12:49

    Wichtig und richtig wäre auch bei Hitze Meldungen....die Tiere und nicht nur den Menschen zu erwähnen! Danke!

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  7. B.Hahn, 19.07.2022, 12:22

    warum integrieren Sie den Taupunkt nicht in das Hitzewarnsystem?

    Stichwort: trockene Hitze ist verträglicher als bei gleicher Temperatur eine hohe Luftfeuchtigkeit.

    Ich denke die Amerikaner berücksichtigen für Warnungen den Taupunkt.

    Eine Antwort würde mich freuen

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    1. MeteoSchweiz, 19.07.2022, 14:59

      Guten Tag, besten Dank für die Frage. Die mittlere Tagestemperatur bringt mehrere Vorteile: sie ist eine robuste meteorologische Messgrösse, die nicht auf einzelnen Temperaturspitzen basiert, sondern den Durchschnittswert der Temperatur über 24 Stunden darstellt. Dadurch wird die nächtliche Temperatur miteinbezogen. Tmean wird in Grad Celsius angegeben und berücksichtigt weiterhin die Feuchtigkeit, wenn auch indirekt. Ist die Luftfeuchtigkeit hoch, kühlt die Luft nachts weniger stark ab. Eine höhere Nachttemperatur bewirkt folglich eine höhere mittlere Tagestemperatur. Des Weiteren kann die mittlere Tagestemperatur in langen klimatologischen Analysen verwendet werden, da Temperaturmessdaten für viele Stationen schon seit 1864 erfasst werden und aktuelle Werte mit früheren heissen Perioden vergleichbar sind. Mehr Infos: https://bit.ly/3uYbOZ2 Freundliche Grüsse MeteoSchweiz