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Pollensaison 2022 – der Rückblick

9. August 2022, 2 Kommentare

Bald geht eine frühe und intensive Pollensaison zu Ende. Für Personen mit einer Pollenallergie gab es in diesem Frühling nur wenige pollenarme Tage. Wir blicken zurück auf den Verlauf der Pollenkonzentrationen im ersten Halbjahr 2022.

Pollen von Nadelbäumen
Pollen von Nadelbäumen führten im April und Mai immer wieder zu gelbem Staubniederschlag. Foto: Regula Gehrig.

Erste Haselpollen schon im Dezember

Die Pollensaison der Hasel begann im Tessin schon Ende Dezember und auf der Alpennordseite während den milden Tagen zu Jahresbeginn. Das ist rund 20-30 Tage früher als im Mittel der 30-jährigen Periode 1991-2020. Das Tessin erlebte einen sehr trockenen und milden Winter. Bei diesen Wetterbedingungen wurde der Haselpollenflug kaum unterbrochen und war von Ende Dezember bis Mitte Februar an sehr vielen Tagen stark. Auf der Alpennordseite waren die Temperaturen im Januar etwas zu tief, so dass die Haselsträucher meist nicht vollständig aufblühten. Der erste Tag mit starkem Pollenflug wurde zwischen dem 30. Januar und dem 5. Februar mit steigenden Temperaturen gemessen, 11 Tage früher als im Mittel. Auf der Alpennordseite wurden 6-16 Tage mit starkem Haselpollenflug registriert. An den meisten Stationen liegen diese Werte über dem Mittel – in Luzern, Münsterlingen und Buchs gehörte die Haselpollensaison sogar zu den stärksten der Vergleichsperiode. Auch die gleichzeitig blühenden Erlen gaben viele Pollen ab. Bei der Erle war vor allem das jährliche Pollenintegral (die Summe der täglichen Pollenkonzentration) hoch und war auf der Alpennordseite je nach Messstation das stärkste bis fünftstärkste der Vergleichsperiode. Der Grund dafür ist, dass an zwei Tagen im Februar besonders hohe Pollenkonzentrationen gemessen wurden.

Starke Pollensaison bei Birke und Eiche

Im Frühling war die Pollenbelastung an vielen Tagen stark, da die Bäume in diesem Jahr wieder mehr Blüten und damit Pollen produzierten. Bei der Birke wurden im Mittelland 16 – 29 Tage mit starkem Pollenflug (Tage mit über 70 Pollen/m3) gemessen und im Tessin sogar 35 – 36 Tage. Im Mittelland sind das bis zu 13 Tagen mehr als im Durchschnitt und im Tessin bis zu 16 Tage mehr. In Buchs, Luzern und im Tessin gehört diese Zahl zu den höchsten der Vergleichsperiode 1991-2020. Der Pollenflug war vor allem während der langen, trockenen Periode Mitte April sehr stark. Auch in Davos war die Birkenpollensaison im Vergleich zum Mittel sehr stark: es wurden 7 Tage mit starkem Pollenflug gemessen und das jährliche Pollenintegral war so hoch wie noch nie. Aufgrund des sehr frühen Beginns der Birkenpollensaison ab dem 23. März dauerte die Zeit vom ersten bis zum letzten Tag mit starker Pollenbelastung 28 – 35 Tage, und war damit fast eine Woche länger als im Mittel.

Auch die Eichen blühten in diesem Jahr stark. Der Pollenflug gehörte an den meisten Stationen zu den fünf stärksten der Vergleichsperiode. Eichenpollen traten im Tessin ab Anfang April und auf der Alpennordseite ab etwa Mitte April auf, rund eine Woche früher als normal.

Nicht ganz so stark war der Pollenflug der Eschen. Auf der Alpennordseite wurden 5 – 12 Tage mit starkem Eschenpollenflug gemessen, was im Bereich des Mittels liegt. Die Eschenpollensaison begann im Tessin Ende Februar bzw. Anfang März, 12 – 14 Tage früher als im Durchschnitt der Periode 1991-2020. In Locarno war es der drittfrüheste Beginn der Eschenpollensaison. Auf der Alpennordseite waren Eschenpollen ab etwa Mitte März in der Luft, etwas mehr als eine Woche früher als im Durchschnitt.

Bei der Hagebuche und der Buche wurden nur schwache bis mässigen Pollenkonzentrationen gemessen. Es ist wahrscheinlich, dass sie im nächsten Jahr wieder stärker blühen werden.

Gelber Staubniederschlag überall

Ab Mitte April waren die Nadelholzpollen in sehr grosser Zahl in der Luft. Der gelbe Staubniederschlag machte sich über lange Zeit auf Gartentischen, Fenstersimsen, Autos oder auf Seen bemerkbar. Von Mitte bis Ende April blühten die Fichten sehr stark. Auf der Alpennordseite gehörte die Blüte zu den drei bis vier intensivsten Jahren seit 1990. Ab Anfang Mai bis etwa zum 20. Mai waren die Pollen der Föhre in der Luft. Auch diese in etwas grösserer Zahl als in den Vorjahren. Nadelbaumpollen lösen in der Regel keine Allergien aus. Die Pollenkörner sind gross und deshalb gut sichtbar. Sie können jedoch wie anderer Staub ein kratzendes Gefühl in Augen und im Rachen auslösen und die Schleimhäute reizen.

Gräserpollen mit frühem Maximum im Mai

Wie häufig in den letzten Jahren, waren auch in diesem Jahr schon ab Mitte April regelmässig Gräserpollen in der Luft, wenn auch nur in schwachen Konzentrationen auf der Alpennordseite und in mässigen Konzentrationen im Tessin. In Locarno wurden schon im März regelmässig schwache Gräserpollenkonzentrationen gemessen, ungefähr ein Monat früher als im Mittel.  Der Anstieg auf starken Pollenflug wurde ab Ende April im Tessin und ab dem 8. Mai auf der Alpennordseite registriert, eine halbe bis eine Woche früher als im Mittel. Der Mai und der Juni waren je die zweitwärmsten seit Messbeginn 1864 und insgesamt sehr sonnig.  Der Mai war zudem in allen Regionen sehr trocken. Die Gräser konnten bei solchen Bedingungen schnell aufblühen. Die Pollenkonzentration stieg um den 8. bis 11. Mai auf sehr starke Konzentrationen an, eine knappe Woche früher als im Mittel. Vor allem im Mai war der Pollenflug intensiv und es wurden auf der Alpennordseite je nach Messstation zwischen 6 und 21 Tagen mit sehr starkem Pollenflug gemessen, etwas mehr als im Mittel. Dabei waren die Pollenkonzentrationen in der Deutschschweiz meist höher als an den Westschweizer Messstationen und im Wallis. Im Tessin war der Gräserpollenflug von Ende April bis Ende Mai stark. An 14-16 Tagen wurden hohe Gräserpollenkonzentrationen gemessen.  Dabei gab es im Tessin nur 1 bis 2 Tage mit sehr starkem Gräserpollenflug. An vielen Messstationen ging der Gräserpollenflug schon ab den letzten Junitagen auf mässige Konzentrationen zurück. Im Juli wurden nur noch ganz vereinzelt Tage mit starkem Gräserpollenflug gemessen mit Ausnahme der Messstationen Buchs SG und Luzern.

Rundgang durch die Vielfalt der Gräser

Es gibt in der Schweiz über 200 verschiedene Gräserarten. Ihre Pollenkörner unterscheiden sich nur in der Grösse und alle enthalten ähnliche Allergene, die Heuschnupfen und Asthma auslösen können. Die verschiedenen Gräserarten produzieren aber unterschiedliche Pollenmengen. Wenn sich die Blüten öffnen, werden die Staubbeutel mit den Pollen an langen Fäden aus den Blüten gestreckt, so dass sie mit dem kleinsten Windhauch vibrieren und Pollen an die Luft abgeben können. Bei geöffneten Blüten sieht man auch die weissen, fedrigen Narben, auf denen die Pollenkörner für die Befruchtung landen.

Ende in Sicht

Im August ist in der ganzen Schweiz die Zeit mit starkem Gräserpollenflug vorbei und es treten höchstens noch schwache bis mässige Gräserpollenkonzentrationen auf.

Von Ende Juli bis Anfang September ist im Wallis der Beifusspollenflug stark. In den übrigen Gebieten der Schweiz spielen Beifusspollen eine geringe Rolle. Ab August kann es vor allem im Tessin und im Genferseegebiet Ambrosiapollen in der Luft haben, wobei ein grosser Teil dieser Pollen mit dem Wind aus Frankreich oder Italien hertransportiert wird.

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Kommentare (2)

  1. Aurelia, 10.08.2022, 20:07

    Wunderschöne Aufnahmen der verschiedenen Gräser! Bei der Schönheit nimmt man ein bisschen Kribbeln in der Nase doch gleich ein wenig lieber in Kauf.

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    1. Anton, 15.08.2022, 21:16

      Was für Sie wie ein bisschen Kribbeln ist, ist für andere ein stark unangenehmes Gefühl, welches körperliches Unwohlsein hervorruft. Da hilft auch Chemie nicht viel weiter.