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Wind und Wetter

19. September 2022, 5 Kommentare
Themen: Wetter

Heute wehte der Wind in verschiedenen Landesteilen aus unterschiedlichen Richtungen und unterschiedlich stark. Wo, wann und woher erfahren sie im heutigen Blog.

Im Vordergrund 3 Esel, im Hintergrund 2 Schafe auf einer Wise am Hang, dahinter der fast ganz blau Himmel.
Ob die Esel und Schafe im Val Medel gerne Wind haben? Foto: C.Hayoz

Nordwestströmung

Die Wetterlage war heute eine ähnliche wie gestern: Von Skandinavien bis zum nördlichen Balkan erstreckt sich ein Tiefdruckkomplex, über dem nahen Atlantik befindest sich ein Hoch. Dazwischen weht weiterhin eine Nordwestströmung, welche in der Höhe kräftig ist. 

Vergrösserte Ansicht: Zwei Höhenwetterkarten. Über Skandinavien bis zum nördlichen Balkan eine Tiefdruckzone, über dem Atlantik Hochdruck. Der Jetstream erstreckt sich von der Nordsee über die Ostalpen, weiter zum Nordrand des Schwarten Meeres wieder nach Norden.
Situation heute Morgen um 6 UTC (= 8 Uhr MESZ). Links auf 300 hPa (rund 9300 m) ist die Höhe der 300 hPa-Fläche (schwarze Linien) und die Windgeschwindigkeiten ab 60 kt (Farben) zu sehen. Rechts die Höhe des 500hPa-Niveaus (schwarze Linien) und Windfiedern (grau).

Die östlichen Landesteile waren heute immer noch beeinflusst von dem nahen Tief. In der Nacht auf heute schwenkte in der Höhe ein Ausläufer dieses Tiefs, ein Teiltrog, über die östlichen Landesteile und brachte auch etwas Feuchtigkeit mit. Dadurch startete der Tag am zentralen und östlichen Alpennordhang, im Bündnerland, in der Ostschweiz sowie teilweise von der Region Zürich bis zur Ajoie mit Wolken.

Vergrösserte Ansicht: Ein Tal mit grünen Wiesen, ein paar Häuser und im Hintergrund Berge mit etwas Schnee. Der Himmel ist wolkenverhangen.
Wolkenverhangener Himmel heute um 7:30 in Elm. Quelle: Meteomeldungen/App

Der Teiltrog brachte auch etwas Hebung und so gab es etwas Niederschlag, vor allem im Alpstein. Dabei lag die Schneefallgrenze bei rund 1600 Meter.

Vergrösserte Ansicht: Zwei Fotos: Um / Uhr grüne Bergwiesen, ein Haus und bewölkt. Um 9 Uhr selbe Szene aber mit etwas Schnee.
Am Morgen war die Ebenalp noch grün, zwei Stunden später lagen ein paar Zentimeter Schnee. Quelle: ebenalp.roundshot.com

(Nord)westwind

Die Hebung durch den Teiltrog sorgte dafür, dass die Luft labiler geschichtet war, und somit der kräftige Wind aus der Höhe bis zum Boden durchgemischt werden konnte. So wurde in der Nordostschweiz heute in den Morgenstunden mässige West bis Nordwestwinde verzeichnet, während es weiter westlich windschwach war.

Vergrösserte Ansicht: Karte mit Windmessungen, von der Region Aargau bis zur Ostgrenze der Schweiz.
Windfiedern und Windböen in Knoten um 03:30 UTC (= 5:30 MESZ) in Knoten.

Laseyer

Doch nicht überall in der Nordostschweiz wehte heute früh ein Wind aus Sektor West. In Wasserauen, etwas südlich von Appenzell gab es zeitweise ein Ostwind. Dieser Wind trägt den Namen «Laseyer» und ist bekannt, weil er starke Windböen haben kann und auch schon mal einen Zug aus den Schienen geworfen hat.

Heute in der zweiten Nachthälfte wehte auf dem Säntis ein West- bis Westsüdwestwind mit Böen zunächst um 70 km/h, ab ca. 5:30 Uhr nahmen die Windböen ab. In Wasserauen wehte ein schwacher bis mässiger Wind mit wechselnder Windrichtung, bis sich um ca. 3 Uhr ein Ostwind einstellte. Die Geschwindigkeit der Windböen nahmen zu und erreichten ihr Maximum um ca. 5:30 Uhr, just als der Wind auf dem Säntis abnahm. Die Windspitze lag bei knapp 80 km/h, und somit höher als der Wind auf dem Säntis zum selben Zeitpunkt. So ein Verlauf ist recht typisch für den Laseyer. Noch nicht endgültig geklärt ist, wie der Laseyer-Wind entsteht. Es gibt viele Hypothesen, aber keine abschliessende Antwort konnte bisher gefunden werden. Mehr dazu können sie in diesem wissenschaftlichen Artikel lesen (English).

Vergrösserte Ansicht: Beschreibung der Windmessungen ist im Text oben.
Windböen in km/h und Windrichtung auf dem Säntis und in Wasserauen. Zeit ist in UTC.

Bise

Auch in den unteren Schichten ist die nordwestliche Strömung vorhanden, allerdings sind da die Alpen im Weg. Somit teilte sich die Strömung nach West und Ost auf, ein sogenannter Flowsplit. Der Ast in Richtung Genfersee war dann als Bise zu spüren. Im westlichen Mittelland wurden Windböen von 33 bis 37  km/h registriert. Der Ast nach Osten war weniger ausgeprägt und es blieb, abgesehen vom frühen Morgen, bei schwachen Windverhältnissen in den Niederungen und der Tag gestaltete sich zunehmend sonnig.

Vergrösserte Ansicht: Neuenburgersee von Yverdon aus gesehen. Einige flache Quellwolken am Himmel.
Sonniger Nachmittag in Yverdon.
MeteoSchweiz

Nordwind

Ein Teil der Nordwestströmung kommt aber auch über die Alpen und konnte heute auf der Alpensüdseite als Nordwind beobachtet werden. In höher gelegenen Tälern, blies der Nordwind die ganze Nacht hindurch, zum Beispiel in Simplon-Dorf oder in Poschiavo/Robbia. Mit der Sonne wird die untere Atmosphäre labilisiert und somit konnte der Nordwind nach Sonnenaufgang bis in die Niederungen durchgreifen. Im Laufe des Tages liess der Nordwind langsam nach, da der Jet in der Höhe nach Osten wanderte.

Vergrösserte Ansicht: Windmessungen an 4 Sationen von 5 UTC bis 12 UTC. In Simplon-Dorf und Poschiavo/Robbia Windböen um 60 bis 70 km/h, leicht sinkend. In Magadino/Cadenazzo und Lugano zunächst Böen um 10 km/h, ab ca. 7 UTC um 50 km/h, dann leicht sinkend.
Windböen an einigen Orten auf der Alpensüdseite in km/h. Die Zeit ist in UTC.
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Kommentare (5)

  1. Alex, 20.09.2022, 09:17

    Auch der Sommer 1978 war besch.....eiden. Mag mich noch bestens daran erinnern, weil ich damals das erste Motorrad kaufte. Damals kursierte der Spruch "Kennen Sie den kürzesten Witz?" - "Sommer 78!"

    Ausreisser gibt es halt immer wieder. Mal nach unten oder auch nach oben (2003, 2022).

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    1. Ricardo, 20.09.2022, 09:42

      Naja im Vergleich zu damals war der Sommer 2021 fast super! Zum Glück haben die Jugendlichen diese Zeit nicht erlebt. ;-) 1978 und 1980 sind mir in Erinnerung geblieben. Ende der 70er gab es sogar einen kleinen Gletschervorstoss.

  2. Jürg, 20.09.2022, 08:35

    Sehr schön gezeigt die regional unterschiedlichen Ausprägungen der NW-Lage :-)

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  3. Ernst Kern, 19.09.2022, 20:50

    Sehr frühe Traubenlese 2022 wie im Jahr 2018
    Ich erinnere mich an die Jahre 1977, 1978 und 1980.
    Damals fand die Traubenlese im Flachland auf der Alpennordseite
    etwa sechs Wochen später statt,ende Oktober anfangs November wegen späten Frühling und kühlen Sommern Das Frühjahr ist in den letzten Jahren viel Wärmer und die Sommer heisser geworden

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    1. Ludwig, 19.09.2022, 23:36

      Der Sommer 1980 war absolut schrecklich: ständig nass und extrem kühl (um die 15 Grad den ganzen Juli - kann mich gut daran erinnern!).