Saharastaub in der Schweiz

30. August 2017

Die Sphinx-Forschungsstation auf dem Jungfraujoch misst seit dem 26.08.2017 Saharastaub in der Schweiz. MeteoSchweiz veröffentlicht die Messungen auf der Website. Sahara-Staub wird in der Schweiz bis zu 40 Mal jährlich festgestellt.

In der Wüste Sahara (Afrika), insbesondere im Bereich alter ausgetrockneter Seen, werden durch starke Winde Staub aufgewirbelt und schnell auf Höhen zwischen zwei bis sechs Kilometer getragen. Der Staub wird dann durch Luftströmungen weitertransportiert und kann je nach Windrichtung nach Europa gelangen. Dann werden in der Schweiz auf dem Jungfraujoch grosse Mengen mineralischen Staubs gemessen.

Sogenannte Saharastaub-Ereignisse sind häufig im Süden Europas zu beobachten. In der Schweiz kommen sie selten, aber regelmässig vor. Der Staub benötigt in der Regel zwischen zwei bis vier Tage für die Reise aus der Sahara-Wüste in Afrika bis zu uns – kann aber auch über 10 Tage dauern.

Wie wird der Staub entdeckt?

Die Aerosol-Messinstrumente der Sphinx-Forschungsstation auf dem Jungfraujoch (3’580 m) sind in der Lage, Saharastaub zu erkennen. Dieser mineralische Staub besteht aus grösseren Teilchen als den kleinen Partikeln, die normalerweise in der Luft gemessen werden. Ausserdem weist er eine andere chemische Zusammensetzung auf und enthält unter anderem Eisenoxide. Da die Teilchen aufgrund dieser beiden Eigenschaften anders mit Licht interagieren, können sie mit entsprechenden Messverfahren erkannt werden (Collaud Coen et al., 2004, http://www.atmos-chem-phys.net/4/2465/2004/acp-4-2465-2004.pdf). Wird auf dem Jungfraujoch während eines längeren Zeitraums als vier Stunden Saharastaub erkannt, wird das Ereignis automatisch auf der Website von MeteoSchweiz publiziert:

Saharastaub-Ereignisse

Aerosolbeobachtungen

Messwerte an Stationen

Bei ausreichend intensiven Saharastaub-Ereignissen steigen die durch das NABEL-Netzwerk gemessenen Aerosolmengen. Auch LiDAR-Systeme, die zur Fernmessung der vertikalen Aerosolprofile vom Boden bis in 12 km Höhe eingesetzt werden, erkennen die Wolken.

Lidar und Ceilometer

Kommt es zu Niederschlägen, lagert sich der aus der Sahara kommende Staub auf dem Boden ab, wo er insbesondere auf Autos, auf Tischen oder in frisch gefallenem Schnee deutlich sichtbar ist.

Klimatologie

In der Schweiz kommt es zwischen 10 und 40 Mal jährlich zu Saharastaub-Ereignissen, die zwischen einigen Stunden und einigen Tagen andauern können. Diese Ereignisse erhöhen so jedes Jahr während einiger hundert Stunden die Feinstaubbelastung. Da dieser Mineralstaub jedoch relativ grobkörnig (100 nm bis zu einigen Mikrometern),chemisch inert ist und in unseren Breiten nur in geringer Konzentration auftritt, stellt er in der Schweiz keinerlei Gefahr für die Gesundheit dar.

Als chemisch inert (lateinisch für „untätig, unbeteiligt, träge“) bezeichnet man Substanzen, die unter den jeweilig gegebenen Bedingungen mit potentiellen Reaktionspartnern (etwa Luft, Wasser, Edukte und Produkte einer Reaktion) nicht oder nur in verschwindend geringem Maße reagieren.

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