Wechselhaft und kühler

1. September 2017
Themen: Wetter

Die aktive Kaltfront, welche die Schweiz gestern erfasst hatte, ist heute Vormittag ostwärts abgezogen. Insbesondere auf der Alpensüdseite, kamen bis am Morgen teils aussergewöhnliche Niederschlagsmengen zustande, aber auch im äussersten Osten regnete es teils anhaltend und intensiv. Tagsüber trat vor allem im Westen und im Wallis eine Beruhigung ein. Auch auf der Alpensüdseite war die Beruhigung nur vorübergehend.

Ein paar cm Neuschnee auf 2653 m.ü.M.: Blick ins hinterste Val Bever. Im Bild der Vorgipfel des Piz Calderas (links), in der Bildmitte in den Wolken der Piz d’Err (kaum sichtbar). Foto: Jeannine Maillard.

Starke Niederschläge in der Nacht

Gestern Abend und in der Nacht auf Freitag sind auf der Alpensüdseite ergiebige Niederschläge gefallen. In einem etwa 15 km breiten Streifen von Brissago bis Biasca entwickelten sich im Bereich der Kaltfront immer wieder Gewitterzellen, welche zu hohen Niederschlagsraten führten. Dort wurden innerhalb von 24 Stunden bis am Freitagvormittag zwischen 150 und 220 mm registriert. Das meiste viel im Zeitraum zwischen Donnerstag 18 Uhr und Mitternacht.

Aber auch sonst wurden im Tessin verbreitet 50 bis 80 mm gemessen. Verantwortlich für die hohen Niederschlagsmengen war die Kombination einer aktiven Kaltfront, mit zusätzlicher Hebung im Bereich der Trogvorderseite und den dadurch ausgelösten Gewittern in einer warmen Luftmasse mit hohem Wassergehalt.

Auch nördlich der Alpen waren die Regenmengen beachtlich. Vom Churer Rheintal bis zum östlichen Bodensee kamen Niederschlagssummen von 70 bis 100 mm zustande und auch in der übrigen Ostschweiz wurden die Böden mit 30 bis 60 mm sicher mehr als genügend gesättigt.

Nicht im Extrembereich?

Vom 31. August auf den 1. September 2017 fielen im Tessin lokal grosse Regenmengen. Locarno-Monti registrierte eine Tagessumme von 216.5 mm. Es war die sechsthöchste Tagessumme seit Messbeginn im Jahr 1900. Über einen langen Zeitraum betrachtet wird am Messstandort Locarno-Monti eine solche Menge etwa alle 10 bis 30  Jahre erreicht oder überschritten. In Biasca war es mit 212.3 mm die fünfthöchste Tagessumme seit Messbeginn im Jahr 1900. Hier ist eine solche oder höhere Tagessumme etwa alle 15 bis 50 Jahre zu erwarten.

Die kräftigen Niederschläge hielten über mehrere Stunden an. Auf der Cimetta oberhalb von Locarno gab es innerhalb von vier Stunden einen neuen Rekordwert von 119 mm. Diese Regenmenge wird hier  nur alle 30 bis 135  Jahre erreicht oder überschritten. Die Mehrstundensummen in Locarno-Monti lagen im Wiederkehrbereich von unter 10 Jahren. Für den Messstandort Biasca, der erst seit wenigen Jahren kontinuierlich misst, ist keine Extremwertstatistik  für Stundenwerte verfügbar.

Die Niederschläge von gestern im Tessin lieferten zwar grosse Mengen, lagen aber deutlich unterhalb der extremsten gemessenen Werte.  In Camedo im Centovalli fiel im August 1935 innerhalb eines Tages die landesweit höchste Tagessumme von 455 mm, mehr als doppelt soviel wie gestern. Die schweizweit höchste Vierstundensumme stammt ebenfalls aus dem Tessin: Im August 1988 registrierte Locarno-Monti den Vierstunden-Höchstwert von 177.9 mm.

Wechselhaft im Trogbereich

Nachdem es im Bereich der Front verbreitet geregnet hatte, stellte sich heute im Tagesverlauf wechselhaftes Wetter ein. Mit dem allmählichen Einfliessen von instabiler und mässig feuchter Polarluft wurden vermehrt Regenschauer ausgelöst. Weil sich die Trogachse noch über Frankreich befand, lag die Schweiz in der Position der Trogvorderseite im Bereich des Jetstreams und damit im Einfluss von grossräumiger Hebung. Dies erklärt auch, warum im Osten die Schaueraktivität verbreiteter auftrat als im Westen.

 

Dank dem Schutz der Alpen blieb die Luftmasse in den unteren Schichten südlich der Alpen deutlich wärmer. Die darüber einströmende kältere Luft erhöhte aber auch die Instabilität, was sich bald einmal in der Entwicklung von Schauer- und Gewitterzellen äusserte. Der allmählich aufkommende Nordwind hielt etwas dagegen, so dass sich die Zellen am Nachmittag mehr und mehr im Südtessin bildeten und Richtung Bergell zogen.

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Höchsttemperaturen am 01.09.2017
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Entsprechend unterschiedlich war auch die Temperaturverteilung. Während im Norden nur mit etwas Sonne im Westen und im Wallis Werte um 20 Grad erreicht wurden, blieb es im Osten bei kühlen 14 bis 17 Grad. In der wärmeren Luftmasse im Süden registrierte man noch Werte von knapp 24 Grad.

Wasserhose am Bodensee?

Nachdem die Seen bis zum 30.08. nochmals gut erwärmt wurden, stieg mit der aktuellen Wetterlage auch die Chance für Wasserhosen. Und siehe da am Morgen um 09.45 wurden sogenannte Funnelclouds (Trichterwolke) über dem Bodensee gesichtet. Sie sind ein Zeichen für kleinräumige Rotationsbewegungen, welche sich von der Wolke aus nach unten ausbilden. Treffen diese auf die Wasseroberfläche können sich Wasserhosen bilden. Naja...gereicht hat es diesmal noch nicht, jedefalls liegt uns noch keine Meldung für eine ausgewachsene Wasserhose vor. Die Chance für die Bildung von Wasserhosen bleiben aber auch am Samstag noch intakt.

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