Dem Hochnebel ging’s vorübergehend an den Kragen

17. November 2017, 9 Kommentare
Themen: Wetter

Dem Hochnebel ging es heute an den Kragen, allerdings nur vorübergehend. Die definitive Auflösung des grauen Gesellen wird ein schwieriges Unterfangen! Er bekommt heute Nacht sogar noch Schützenhilfe.

Blick oberhalb Rietbad/SG Richtung Westen; A. Kägi
Blick oberhalb Rietbad/SG Richtung Westen; A. Kägi

Allgemeine Lage

Der Alpenraum lag heute am südöstlichen Rand eines Hochdruckgebiets mit Zentrum über den Britischen Inseln. Ein Tiefdruckgebiet mit Zentrum zwischen Island und Norwegen steuert heute Nacht eine sich abschwächende Kaltfront zur Schweiz. Zuvor überquerte uns hohe und mittelhohe Bewölkung.

Absinken der Hochnebelobergrenze und Auflockerung

Heute Morgen lag die Hochnebelobergrenze im Vergleich zu gestern etwas tiefer. Sie sank um 100 bis 200 Meter auf rund 1000 m ü. M. ab. Ein Webcambildvergleich aufgenommen auf dem Pilatus zeigt die abgesunkene Obergrenze. Heute Morgen ragte der Bürgenstock (1128 m ü. M.) aus der Hochnebeldecke.

Grund dafür dürfte der sich abschwächende Bisengradient am Boden gewesen sein. Betrug die Druckdifferenz zwischen Payerne und Strasbourg am Donnerstag noch über 1 hPa, lag sie heute nur noch bei rund 0.3 hPa. Mit der tageszeitlichen Erwärmung stieg die Obergrenze allerdings wieder leicht an. Auf jeden Fall kann man das Absinken des Hochnebeltops bereits als Teilerfolg verbuchen. Auch der Vergleich der Ballonsondierung von Payerne um jeweils 1 Uhr nachts zeigt das Absinken der Hochnebelobergrenze.

Aber die Hochnebeldecke sank nicht nur leicht ab, sondern lockerte sich vorübergehend auch etwas auf. Die Bewölkung einer nicht mehr aktiven Warmfront überquerte uns in der Nacht und am Vormittag. Diese Bewölkung und der zunehmende Wind störten den Hochnebel und sorgten für eine vorübergehende Auflockerung. Solche gab es vor allem im Mittelland, währenddessen sich der Hochnebel an den Voralpen auf Grund des Bisenstaus kaum auflockerte.

Der Hochnebel hält uns auch einen Spiegel vor, was die Luftverschmutzung betrifft. Durch die fehlende Durchmischung unter der Wolkendecke nahm die Luftqualität in den vergangenen Tagen kontinuierlich ab. Ein Blick auf die Feinstaubbelastung (PM10) zeigt ein Ansteigen der Konzentration in den letzten Tagen.

Kaltfront - Wolf im Schafspelz

Am Abend und in der Nacht wird uns von Norden her die Kaltfront erreichen.  Beim Durchgang einer Kaltfront würde man erwarten, dass die Grundschicht ausgeräumt wird und sich der Hochnebel auflöst. Aber nichts da! Die Kaltfront ist so wenig hochreichend und schwach aktiv, dass die Grundschicht nicht gross durchmischt wird. Es findet einfach eine weitere Anfeuchtung statt, und durch die Kaltluftadvektion wird die Inversionsuntergrenze ansteigen. Somit muss man morgen in den Nebelgebieten in Höhen von 1600 (Westen) bis 1900 Meter (Osten) steigen, um wärmende Sonnenstrahlen auf dem Gesicht zu spüren. Im Tagesverlauf wird die Obergrenze etwas absinken. Die Kaltfront fördert also eher die feuchte Grundschicht, als dass sie diese ausräumt.

Ausserhalb des Hochnebels meist sonnig

In den nebelfreien Gebieten, also in den Alpen, auf der Alpensüdseite und zum Teil gegen Westen hin gestaltete sich das Wetter trotz Wolkenfeldern meist sonnig. Die Temperaturen lagen am Nachmittag im Mittelland bei 4 bis 7 Grad, am Genfersee stieg die Temperatur bis 9 Grad, auf der Alpensüdseite bis knapp 14 Grad.

Weitere Impressionen vom Nachmittag

Kommentare (9)

  1. Thierry Eichenberger, 18.11.2017, 16:33

    Guten Tag. Mich würde interessieren, was heute Samstag betreffend Hochnebel geschah? im Gegensatz zu den Prognosen stieg die Hochnebeldecke in Interlaken leicht an und wurde dicker. Je nah Vorhersage hätte sie sich auflösen sollen.

    1. MeteoSchweiz, 20.11.2017, 09:10

      Es sind 3 Faktoren, deren Zusammenspiel gestern die Hochnebelentwicklung in der Region Interlaken (und anderswo) prägten:

      In den Morgenstunden stellte die Bise ab, was zu einer gewissen Entlastung und dem Absinken der Obergrenze führt. Dieser Effekt wurde aber durch den zweiten Faktor, nämlich die tageszeitliche Erwärmung "kompensiert". Mit dem Tagesgang der Temperatur steigt im Normalfall auch - etwas verzögert im Vergleich zur Erwärmung - die Hochnebelschicht an.
      Als Drittes kam dazu, dass der Wind in allen Luftschichten von Nordost auf Nordwest drehte und damit die Bewölkung an die Alpen gedrückt wurde.

      Zusammenfassend können wir sagen, dass wir den Faktor "Bise stellt ab" überschätzt haben gegenüber den beiden Faktoren "Tageszeitliche Erwärmung" und den Staueffekt des NW-Windes.

  2. Johannes, 18.11.2017, 10:20

    Wow! Entdecke gerade diesen Blog. Das macht ja richtig Spass hier zu schmökern. Ich lerne viel dazu. Ihr leistet da eine tolle Arbeit. Ich werde von nun an öfter hier vorbeischauen. Vielen Dank und weiter so!

    1. MeteoSchweiz, 19.11.2017, 10:06

      Danke für das Kompliment und Interesse. Wir freuen uns auf weitere Besuche, Kommentare und Fragen.

  3. Wolfgang, 17.11.2017, 21:55

    Die von Ihnen erwähnte Luftverschmutzung sehe ich auch im Zusammenhang mit dem Hochnebel. Bis Ende der 90er Jahre habe ich nie so lang andauernde und zähe Hochnebellagen beobachtet wie in den letzten Jahren. Außerdem reichten die Hochnebelfelder selten einmal über 700 m.

  4. Kaiserin der Galaxie, 17.11.2017, 21:11

    Homomutatus am Freitag im Berner Oberland zu sehen.

  5. Nicole Dick, 17.11.2017, 19:08

    Danke für den interessanten Artikel und die schönen Bilder!
    Mein Lieblingsbild: @ A. Kägi, Kompliment & Danke fürs Teilen.

    Ich bin das erste Mal hier und ganz begeistert, wie ausführlich und schön das Ganze hier gestaltet ist. Man merkt, da steckt viel Herzblut drin! Diese Homepage besuche ich bestimmt wieder ...

    Herzliche Grüsse
    ~ Nicole

    1. MeteoSchweiz, 18.11.2017, 08:47

      Danke für das Kompliment. Wir freuen uns auf weitere Besuche und Kommentare :-).

    2. Sven, 18.11.2017, 10:52

      Toller Bericht und sehr ausführlich erklärt fahren sie so weiter ein sonniger Gruß aus Oberhünigen