Massgeschneiderte Prognosen für Bauern in Peru

12. Dezember 2017, 7 Kommentare

Wetter- und klimabedingte Ernteausfälle sind in Peru nicht aussergewöhnlich. So war Ende 2016 rund die Hälfte des südamerikanischen Landes von einer schweren Dürre betroffen, welche die Lebensgrundlage von tausenden Kleinbauern bedrohte. Aber auch starke, langanhaltende Niederschläge, Frost oder Hagel können zu grossen Verlusten in der Landwirtschaft führen.

Abbildung 1: Bauern in Peru bei der Arbeit © Enrique Castro-Mendívil / PromPerú

Diesen Bauern helfen die richtigen Wetter- und Klimaprognosen zur richtigen Zeit. Auf diese Weise können sie rechtzeitig Massnahmen treffen und damit landwirtschaftliche Erträge sichern. Dafür setzen sich die Wetterdienste SENAMHI Peru und MeteoSchweiz sowie weitere Partner im Projekt Climandes ein. Für dieses Engagement durfte MeteoSchweiz am 11. Dezember 2017 den diesjährigen Forschungspreis des Schweizerischen Forums für internationale Agrarforschung (SFIAR) entgegennehmen.

Doch welches sind die richtigen Wetter- und Klimaprognosen? Um diese wichtige Frage zu beantworten, wurde im Rahmen von Climandes eine zweiwöchige Feldstudie in Puno, einem Gebiet in den südlichen Anden von Peru, durchgeführt.

Extremereignisse treffen die Ärmsten am Stärksten

Eine grosse Mehrheit der rund 700 befragten Kleinbauern gab an, dass sie Massnahmen zum Schutz der Ernte ergreifen könnten, wenn sie rechtzeitig über ein drohendes Extremereignis informiert würden. Gemäss der Studie verursachen im Andenhochland Frost, Trockenperioden und Hagel die grössten Ertragsausfälle. Nicht alle Bauern sind jedoch gleich stark von den Auswirkungen solcher Ereignisse betroffen. Es hängt von den Möglichkeiten ab, die die Betroffenen haben, sich auf solche einzustellen und diese zu bewältigen. Gerade die ärmsten Haushalte haben nur beschränkten Zugang zu Frühwarnsystemen, Präventionsmassnahmen oder Versicherungen und sind darum leichter verwundbar. Zudem nutzen diese Kleinbauern die landwirtschaftlichen Erträge grösstenteils zur Selbstversorgung. Ein Ernteausfall gefährdet darum direkt ihre Ernährungsgrundlage. Als Folge sind sie gezwungen einen Teil ihres Hab und Guts zu verkaufen oder einer externen Arbeitstätigkeit nachzugehen. Einzelne Extremereignisse können darum Jahre des wirtschaftlichen Fortschritts zunichtemachen.

Den Dialog mit Kleinbauern fördern

Über bestehende Kanäle wie das Radio haben Bauern bereits heute Zugang zu Wetter- und Klimaprognosen. Es hat sich gezeigt, dass vor allem ältere Personen diese wissenschaftsbasierten Informationen noch nicht nutzen und sich auf traditionelle, auf Naturbeobachtung basierende Vorhersagemethoden stützen. Zudem führen die komplexe Topographie der Anden und die geringe Zahl an Messstationen dazu, dass lokale Prognosen punktuell ungenau sein können. Trifft das zu, dann leidet die Glaubwürdigkeit der Prognosen und schlussendlich des Wetterdienstes bei der Bevölkerung. Gruppen mit tiefem Bildungsstand, also vorwiegend ärmere Kleinbauern, haben mehr Probleme Wetter- und Klimaprognosen richtig zu interpretieren. Gerade diese Gruppe ist aber besonders verletzlich und darum auf die Informationen angewiesen.

Im Dialog mit den Kleinbauern können diese Hindernisse erkannt und überwunden werden. Aus diesem Grund führt Climandes eine Reihe von Schulungen durch in denen lokale Bauern lernen Wetter- und Klimaprognosen zu interpretieren und anzuwenden. Das hilft regionale Prognosen auf die lokale Ebene übertragen zu können und so das Vertrauen in diese wissenschaftsbasierten Informationen zu gewinnen.

Dieser enge Kontakt mit den Bauern unterstützt SENAMHI in seiner Aufgabe nützliche Wetter- und Klimadienstleistungen zu erbringen und somit ebenfalls die ländliche Bevölkerung sich besser gegen die Folgen von Extremereignissen zu wappnen.

Projekt Climandes

Climandes, ein Zusammenarbeitsprojekt zwischen dem Peruanischen Wetterdienst SENAMHI und dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz, stellt massgeschneiderte Klimaprognosen mit der notwendigen Schulung für den Landwirtschaftssektor in der Andenregion bereit und entwickelt somit eigentliche Klimadienstleistungen. Ermöglicht wird diese Zusammenarbeit seit 2012 dank der finanziellen Unterstützung der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und der Koordination durch die Weltorganisation für Meteorologie (WMO).

Kommentare (7)

  1. Knuser Heinz, 15.12.2017, 15:00

    Diese Projekte sind super, aber es muss mehr für die Infos der
    Landbevölkerung gemacht werden. Weiter so.

  2. Patrick, 15.12.2017, 08:13

    Finde ich 1A was da gemacht wird, das wärmt einem das Herz!

  3. jogeli, 14.12.2017, 11:51

    bravo super Projekt. Davon bruchts meh.
    Importiere werde mer i zukunf ou weniger. Betrifft den ganzen Planet. Wetter macht an Grenzen keinen Halt.

  4. Tschopp, 13.12.2017, 07:12

    Endlich merkt jemand dass das Wetter so wichtig ist für die Bauern aber hier in der Schweiz zeigt man ja nur noch das wanderwetter bikerwetter aber niemals
    Heuwetter diese Prognosen wären hier sehr wichtig aber es interessiert niemanden der Meteorologen !
    Aber man braucht die Bauern hier ja nicht mehr
    (Günstiger ist es alles zu importieren)
    Grüsse aus Kaltbach

    1. MeteoSchweiz, 13.12.2017, 16:19

      Detailliere Informationen und Entscheidungshilfen für den Landwirtschaftssektor in der Schweiz werden über http://www.agrometeo.ch angeboten. Sie basiert auf dem MeteoSchweiz-Messnetz mit über 150 Wetterstationen, welche mikroklimatische Wetterdaten für verschiedene Modelle zur Vorhersage von Krankheits- und Schädlingsrisiken liefern.

      http://www.drought.ch bietet eine Informationsplattform zur Früherkennung von Trockenheit in der Schweiz. Oder auf der Website MeteoSchweiz:
      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/gegenwart/trockenheitsindizes.html?param=rainanomaly

      Die MeteoSchweiz App liefert zudem kurzfristigere Entscheidungshilfen (z.B. Niederschlags-Radar).

    2. Bucher Oskar, 14.12.2017, 06:07

      Sepp ...jetzt hesches gseid

    3. Tschanz, 16.12.2017, 16:05

      Sich informieren wäre allemal besser als polemisieren...