Markante Warmfront und starker Jetstream

30. Dezember 2017, 2 Kommentare
Themen: Wetter

Ein massiver Warmluftvorstoss vom Atlantik zu den Alpen brachte nicht nur ergiebige Schneefälle, sondern auch einen starken Anstieg der Schneefallgrenze im Laufe des Tages. Im Zusammenhang mit der Warmfront stand in der Höhe ein starker Jetstream, der in der Nacht die Schweiz überquerte und für Turbulenzen sorgte.

Schneefräsen in Oberwald VS. Bild: D. Gerstgrasser
Schneefräsen in Oberwald VS. Bild: D. Gerstgrasser

Ein umfangreiches Tiefdrucksystem über dem östlichen Nordatlantik führte heute Samstag anhaltend feucht-milde Meeresluft zum Alpenraum. Nach einer okkludierten Front am Vortag, die am Freitagabend bereits Schnee bis ins Flachland brachte, erreichte am Samstagmorgen eine markante Warmfront die Schweiz. Sie führte zu anhaltenden Niederschlägen auf der ganzen Alpennordseite und in den Alpen. Mit der starken nordwestlichen Höhenströmung wurde nicht nur anhaltend feuchtwarme Luft herangeführt, sondern mit der Stauwirkung an den Alpen waren die Schneefälle, resp. mit der ansteigenden Schneefallgrenze der Regen, am Alpennordhang auch am ergiebigsten.

Starke Schneefälle

Mit dem Durchgang der Okklusion gestern Freitagabend stieg die Schneefallgrenze vorerst nur leicht an auf rund 600 Meter, in den Alpen selbst blieb sie ganz unten. Entsprechend konnte heute Morgen zum Beobachtungstermin um 07 Uhr noch bis in tiefe Lagen hinunter Neuschnee gemessen werden. Am Alpennordhang fielen 10 bis 30 cm Neuschnee, lokal auch mehr. Gross war der Schneezuwachs im Wallis, wo beispielsweise in Zermatt 40 cm fielen oder in Visp 33 cm. Mit den starken nordwestlichen Höhenwinden fiel sogar bis ins Mitteltessin noch Schnee. Während in Airolo 27 cm gemessen wurden, war es in Locarno-Monti noch 1 cm.

Mit der ansteigenden Schneefallgrenze ging bereits im Laufe des Vormittags unterhalb 1700 bis 2000 Metern der Schnee in Regen über. Und so wuchs die Schneedecke nicht mehr weiter an. Im Gegenteil, mit dem Regen und der Erwärmung schrumpfte der Schnee wieder zusammen, wie das Beispiel von Adelboden weiter unten in diesem Beitrag illustriert.

Anstieg der Schneefallgrenze

Mit der anhaltenden Zufuhr von Warmluft stieg die Schneefallgrenze stark an. Während sie am Morgen noch auf 500 bis 700 Metern lag, stieg sie bis am Mittag auf 1500 bis 2000 Meter an. Nur in den inneralpinen Tälern, wie beispielsweise im Oberwallis oder in Teilen Graubündens (z.B. Surselva) schneite es noch länger bis zum Talgrund hinunter.

Markanter Jetstream überquert die Schweiz

Im Zusammenhang mit der markanten Warmfront stand auch eine sehr starke nordwestliche Höhenströmung. Dieser sogenannte Jetstream überquerte in der Nacht auf Samstag die Schweiz ostwärts. Er entstand aufgrund des massiven Warmluftvorstoss, welcher auch in den höheren Luftschichten an der Frontalzone zu einer Verschärfung des Temperaturgefälles sorgte, und damit wiederum zu diesen hohen Windgeschwindigkeiten führte. Der Jetstream verlief von Irland über England und die Alpen bis nach Nordafrika. Im Kern des Jetstreams auf 10 km Höhe wurden mit Wetterballonen beachtliche Windgeschwindigkeiten von 250 bis 300 km/h gemessen. In Payerne, der einzigen aerologischen Station in der Schweiz, wurden mit dem Ballonaufstieg um Mitternacht sogar 330 km/h gemessen! Auf den Bergstationen in den Alpen und auf dem Jura wurden Böenspitzen von immerhin 100 bis 140 km/h registriert.

Besonders in den Randbereichen eines Jetstreams, dort wo die Windgeschwindigkeit oder –richtung auf kurze Distanz stark ändert, können Verwirbelungen oder eben Turbulenz entstehen. Diese spüren natürlich besonders die Flugzeuge, die durch eine solche Zone fliegen. Daher geben die Flugwetterdienste für die starken Turbulenzgebiete spezielle Warnungen, sogenannte SIGMET, heraus, so dass die Piloten ihre Route oder Flughöhe wenn nötig anpassen können.

So wurden in der vergangenen Nacht von den zuständigen Flugwetterdiensten (u.a. von MeteoSchweiz) entsprechende SIGMET Warnungen für starke Turbulenz ausgegeben, wie die untenstehende Karte der Warnungen zeigt.

Kommentare (2)

  1. Viktor Steinhauser, 31.12.2017, 10:31

    Sehr informatives und interessantes Bulletin!
    Wetter ist und bleibt spannend.

  2. Robin, 30.12.2017, 21:45

    Mein Flug von London nach Zürich gestern um 1700 Uhr war sehr Turbulent...verwundert mich nicht mehr bei diesen Windprognosen!