Hagelgewitter über Thun

31. Mai 2017, 6 Kommentare
Themen: Wetter

Wie schon am Vortag entluden sich auch heute wieder kräftige Gewitter über der Schweiz. Bis Redaktionsschluss waren der westliche Jurabogen und die Stadt Thun am stärksten davon betroffen.

Blick über Thun hinweg auf das kräftige Gewitter, das gerade seine Wasserfracht über der Stadt entlädt. Quelle: www.idynamics.ch
Blick über Thun hinweg auf das kräftige Gewitter, das gerade seine Wasserfracht über der Stadt entlädt. Quelle: www.idynamics.ch

Bereits am Vorabend wurden Teile des Kantons Bern von kräftigen Gewittern heimgesucht: Aus Burgdorf wurde von Nutzern via MeteoSchweiz-App Hagel gemeldet, und die Niederschlagsmesstation Huttwil am Rand der Zelle 60 mm Niederschlag. Die intensivsten Niederschläge in der Nachbargemeinde Rohrbach nieder.

Vergrösserte Ansicht: Blick von der Quaibrücke über die Stadt Genf hinweg nordwärts: Es brodelt bereits vor Mittag über dem Jura. Foto: Gabriela Kaufmann
Blick von der Quaibrücke über die Stadt Genf hinweg nordwärts: Es brodelt bereits vor Mittag über dem Jura. Foto: Gabriela Kaufmann

Nachdem sich in der Nacht das Wetter vorübergehend beruhigt und alle Restwolken sich im Verlauf des Morgen aufgelöst haben konnte die Sonne die schwülwarme Luft im Tagesverlauf rasch wieder aufkochen. Bereits um die Mittagszeit bildete sich eine erste Gewitterzelle über dem westlichen Jura, welche mit hoher Blitzintensität auffiel.

Der Radiosondenaufstieg in Payerne bestätigte am Mittag dann den subjektiven Eindruck: Der Wassergehalt der Luft war sehr hoch.  Auf Grund der am Boden akkumulierten Wärme baute sich auch eine grosse Labilität auf, so dass die nächsten Gewitterentwicklungen lediglich eine Frage der Zeit waren.

Am späten Nachmittag „explodierte“ eine in über 15 km Höhe schiessende Gewitterzelle über Thun förmlich und liess es über der Stadt kräftig regnen und hageln. Sturmböen  mit bis zu 70 km rauschten über den Thunersee hinweg bis nach Interlaken. Die Temperatur ging dabei innert Kürze von 25 auf 15 Grad zurück. Das Gewitter zog in der Folge langsam über das Eriz hinweg ins obere Emmental, wo es sich letztendlich abschwächte.

Die Kombination aus intensivem Platzregen und gleichzeitig Hagel deutet darauf hin, dass die Wettersituation nun nicht mehr bloss stationäre „flash flood“ Gewitter zulässt, sondern auch Gewitter mit einer ausgeprägteren Eigendynamik. Weitere Details zu den verschiedenen Gewittertypen finden sie im Teil II unserer Blogserie über die Gewitter.

In den übrigen Gebieten der Schweiz war der heutige Mittwoch bei weitem nicht so garstig: Die Temperatur stieg auf rund 26 Grad und die Sonne schien verbreitet 7 bis 10 Stunden lang. Für den Abend und die Nacht werden insbesondere im Westen und Nordwesten der Schweiz nochmals Gewitterregen vorausgesagt, im Osten hingegen dürfte der Tag weitgehend ruhig enden.

Kommentare (6)

  1. Timo Kleger, 01.06.2017, 20:08

    Auch ich finde Ihre Beiträge super!
    Auf dem Niederschlagsradar habe ich heute morgen die weitere Entwicklung der gestrigen Gewitter verfolgt, dabei habe ich festgestellt, dass sich die Gewitterzellen zu einem Multizellengewitter entwickelt haben und etwas später auch zu drehen begonnen haben. Jedoch ist das Gewitter schon ziemlich kurze Zeit später gestorben. In Ihrer Serie zu den Gewittern haben Sie geschrieben, dass solche Komplexe über längere Zeit bestehen (können).
    Hatte dieser Komplex zu wenig feuchte und instabile Luft, die er hätte ansaugen können oder war er noch zu klein, um lang zu überleben?
    Zudem ist mir aufgefallen, dass der Regen zuerst aus Südöstlicher Richtung nachliess. Hängt das auch zusammen, dass es Südöstlich schon Gewitter gegeben hat und deshalb nicht mehr genügend Energie vorhanden war?
    Danke für Ihre Antwort.

    1. MeteoSchweiz, 04.06.2017, 10:33

      Das Thuner Gewitter ist unter vorübergehender Abschwächung übers Eriz und obere Emmental hinweg ostwärts gezogen. Im Entlebuch hat es sich noch einmal kurzzeitig verstärkt, bevor es sich in der Vierwaldstätterseeregion endgültig abgeschwächt hat. Die zweite Gewitterzone, die sie korrekt als Multizellengewitter identifiziert haben, ist tatsächlich zu einem kleinen mesoskaligen System herangewachsen, als es vom Genfersee zur Nordwestschweiz zog. In der letzten Schlussphase, über dem Oberrhein/Schwarzwald, konnte man tatsächlich eine zyklonale Rotation in den Niederschlagsbändern erkennen - typisch MCS. Und immerhin: Das ganze System hat von 18 UTC bis 06 UTC am Folgetag existiert, das ist für Gewitter schon eine recht lange Zeit! Es scheint also, dass generell östlich einer Achse Gotthard-Reuss-Basel-Oberrhein schlechte Bedingungen für Gewitter herrschten.

      Zur Bemerkung über die Gewitterhöhe des Thuner Gewitters: Es ist bspw. aus Satellitenbilden schon lange bekannt, das Gewitter auch hierzulande in diese Höhen von 15 bis im Extremfall sogar 18 km vorstossen können. Hingegen können wir erst seit der Modernisierung unseres Radarmessnetzes in den letzten 5 Jahren auch den Niederschlag in diesen Höhenbereichen erfassen.

  2. Peter Bernet, 01.06.2017, 07:28

    Danke für Ihren ausführlichen und interessanten Beitrag über die
    Gewitterentwicklung im Gebiet von Thun.
    Neu für mich ist die Tatsache, dass die aufschiessenden Wolken
    dabei eine Höhe von 15 km erreichten. (ein echter Hotspot!)

  3. Stefan Bögli, 31.05.2017, 21:27

    Sehr spannende Wetterlage! Ich verfolge und studiere das Wetter schon seit Jahren. Doch bei der aktuellen Gewittersituation würde mich interessieren, weshalb bisher das östliche Mittelland ) von heftigen Gewittern bislang verschont blieb. Wir haben südwestliche Höhenwinde, aber in den unteren Luftschichten auch trockene Bisenluft. Ich nehme an, dass diese die Entstehung der Gewitter verhindert. Können Sie mir Auskunft geben? Danke

  4. AS, 31.05.2017, 20:53

    Vor lauter Sturm scheint die Autorenschaft links und rechts zu verwechseln. Die Blüemlisalp pflügt am linken Bildrand.

    1. MeteoSchweiz, 01.06.2017, 08:16

      Das ist absolut richtig. Sie ist am linken Bildrand zu erkennen. Danke für den Hinweis.