Gewitternacht - ein Résumé

16. Juni 2017
Themen: Wetter

Wir blicken nochmals zurück auf die Gewitter von gestern und schauen uns an, wie heute aus Norden die trockene Luft eingeflossen ist. Zudem wagen wir einen Ausblick, ob der Juni als rekordwarmer Monat in die Statistik eingehen könnte.

Nächtliches Gewitter südlich von Winterthur. Foto: Andreas Hostettler
Nächtliches Gewitter südlich von Winterthur. Foto: Andreas Hostettler

Zunächst ein kurzer Rückblick zu den Gewittern, die gestern nach Redaktionsschluss entstanden sind. In verschiedenen Wellen sind am Abend und in der Nacht teils heftige Gewitter durchgezogen. Hauptsächlich betroffen waren weite Teile der Deutschschweiz mit Ausnahme der Regionen Bern und die Gebiete westlich davon, Basel sowie Schaffhausen.

Hohe Blitzaktivität und grosse Regenmengen

Vergrösserte Ansicht: Blitzverteilung zwischen gestern 6 UTC und heute 6 UTC - im gesamten Bildausschnitt wurden 39251 Blitze registriert.
Blitzverteilung zwischen gestern 6 UTC und heute 6 UTC - im gesamten Bildausschnitt wurden 39251 Blitze registriert.

Die blitzintensiven Gewitter waren begleitet von intensivem Regen, stellenweise kleinem Hagel (1-2 cm) und böig auffrischendem Wind. Einige Gebiete wurden mehrfach von den Gewittern erfasst, sodass grosse Regenmengen totalisiert wurden.

Ein Niederschlagsmaximum mit verbreitet 50 bis gut 80 mm erstreckte sich von Oberiberg (SZ), über das Muotatal bis ins hintere Glarnerland. In Braunwald wurden innert 24 Stunden 83 mm Regen gemessen.

Vergrösserte Ansicht: Links: Niederschlagssumme über 24 Stunden (gestern 8 UTC bis heute 8 UTC) aus der Kombination von Radardaten mit den Messungen am Boden. Rechts: Hagelwahrscheinlichkeit, in grün eingefärbten Regionen ist Hagel möglich, in rot eingefärbten wahrscheinlich.
Links: Niederschlagssumme über 24 Stunden (gestern 8 UTC bis heute 8 UTC) aus der Kombination von Radardaten mit den Messungen am Boden. Rechts: Hagelwahrscheinlichkeit, in grün eingefärbten Regionen ist Hagel möglich, in rot eingefärbten wahrscheinlich.

Die maximale Stundensumme wurde mit 31 mm in Oberiberg (SZ) aufgezeichnet, die höchste 10-Minuten-Summe wurde mit 18 mm aus Lupfig im Kanton Aargau gemeldet.

Im Umfeld der Gewitter frischte der Wind böig auf, in Wädenswil am Zürichsee wurde dabei eine Böenspitze von 89 km/h aufgezeichnet. Lokal können durchaus auch höhere Spitzen aufgetreten sein - die von den Gewittern böig ausfliessende Kaltluft bringt oft sehr kleinräumig hohe Windspitzen.

Azorenhoch sorgt für Wetterberuhigung

Vergrösserte Ansicht: Bodenanalyse mit Fronten von heute um 12 UTC.
Bodenanalyse mit Fronten von heute um 12 UTC.
Deutscher Wetterdienst, DWD

Heute am Morgen erfolgte eine rasche Wetterberuhigung, der von Westen heranrückende Ausläufer des Azorenhochs zeigte allmählich seine Wirkung. Anfangs war die Luftfeuchtigkeit allerdings noch recht hoch, erst gegen Mittag ist in Bodennähe aus Norden die trockenere Luft eingeflossen.

Vergrösserte Ansicht: Um die Mittagszeit waren über dem Zürichsee bei Thalwil nur noch wenige flache Quellwolken am Himmel zu sehen.
Um die Mittagszeit waren über dem Zürichsee bei Thalwil nur noch wenige flache Quellwolken am Himmel zu sehen.
Foto: Daniel Gerstgrasser

Schön zu sehen war dies im Feuchteverlauf der Station Basel: der Taupunkt lag am Morgen noch bei schwülen 17 Grad, bis Mittag ist er auf rund 10 Grad gesunken, am Nachmittag erreichte er vorübergehend 2 Grad. Bei einer Lufttemperatur von 25 Grad entspricht dies einer relativen Luftfeuchtigkeit von nur noch 22 Prozent - sicherlich eine Wohltat nach der vorausgegangenen Tropennacht.

Restwolken an den Bergen - Leewelle im Süden

Das erwähnte Hoch war aber am Alpennordhang und in Graubünden noch nicht voll wirksam. Hier blieb unterhalb von rund 3500 Metern ausgedehnte Restbewölkung zurück. Auch im Süden wurde am Vormittag die Besonnung eingeschränkt, hier bildete sich in grosser Höhe vorübergehend Leewellenbewölkung.

Erneut einen Hitzetag gab es im Tessin, in Stabio wurden fast 32 Grad gemessen. In den Alpentälern war die Hitze gut zu ertragen, hier brachte der Nordwind trockene Luft. Im Mendrisiotto hingegen lag der Taupunkt nachwievor bei schweisstreibenden 16 bis 19 Grad.

Juni 2017 - ein Rekordmonat?

Wie bereits gestern erwähnt, erwarten wir im Norden in der Nacht auf Samstag und auch auf Sonntag angenehm kühle Temperaturen. Zu Wochenbeginn steigen die Werte aber rasch wieder an, am Dienstag erwarten wir Höchsttemperaturen von deutlich über 30 Grad. Aus heutiger Sicht gehen sie am Mittwoch und Donnerstag vorübergehend zurück, ehe sie erneut ansteigen.

Damit wird der Juni als sehr warmer Monat in die Annalen eingehen. Anhand der aktuellen Prognoseunterlagen erwarten wir den zweit- oder drittwärmsten Junimonat seit Messbeginn. Die positive Abweichung im Vergleich zum Mittel der Jahre 1981 bis 2010 dürfte rund 3 Grad betragen (Mittel über die ganze Schweiz). Unerreichbar bleibt der Juni 2003, hier lag die Abweichung vom Mittel 1981-2010 bei nahezu 6 Grad.

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