Luftmassenwechsel

29. Juni 2017, 4 Kommentare
Themen: Wetter

In der vergangenen Nacht überquerte eine Kaltfront die Schweiz. Dahinter floss etwas weniger warme Atlantikluft ein. Zu Schauern und Gewittern kam es zwar trotzdem noch, jedoch nicht mehr so intensiv wie in den Tagen zuvor. In der Regenbilanz für den Juni zeigt sich eine klare Zweiteilung der Schweiz.

Bild: D. Gerstgrasser
Bild: D. Gerstgrasser

Die Schweiz liegt weiterhin im Einflussbereich eines nahezu stationären Tiefs über der Nordsee. In der vergangenen Nacht überquerte seine Kaltfront die Schweiz ostwärts und verdrängte so die bisher wetterbestimmende feuchtlabile Warmluft. Damit liessen auch die teils kräftigen und gewittrigen Niederschläge rasch nach. Hinter der Kaltfront ging die Luftmassentemperatur zwar nur um rund 2 Grad zurück, trotzdem weist die frisch eingeflossene Atlantikluft insgesamt einen geringeren Feuchtegehalt als die bisherige auf. Dazu kann man beispielsweise das niederschlagbare Wasser betrachten. Diese Grösse gibt an, wieviel Wasser eine Luftsäule enthält, würde der gesamte Wasserdampf der Luftsäule zur Kondensation gebracht und zum Boden fallen. Das niederschlagbare Wasser kann aufgrund der Messungen einer Radiosondierung (Wetterballon) berechnet werden. War in den Tagen zuvor noch 36 mm niederschlagbares Wasser in der Luftsäule, so ging es bis heute auf 24 mm zurück. Gleichzeitig erreichte auch in den höheren Schichten kältere Luft die Schweiz, so dass in der neuen Luftmasse immer noch eine genügende Labilität vorhanden war. So entwickelten sich in der zweiten Tageshälfte wieder einige Schauer und auch ein paar Gewitter. Die damit verbundenen Niederschläge waren aber nicht mehr ganz von gleicher Intensität und Ergiebigkeit wie in den Tagen zuvor.

Spürbar war der Luftmassenwechsel auch bei den Temperaturen. Während gestern noch vielerorts Sommerwerte um 25 Grad erreicht wurden, stieg das Quecksilber heute nur noch auf gemässigte Werte um 20 Grad.

Regenbilanz

Nach den intensiven, rund 30 Stunden dauernden Niederschlägen, die mit dem Kaltfrontdurchgang letzte Nacht zu Ende gingen, ist es nun Zeit, eine Bilanz von den gefallenen Regenmengen zu ziehen. Erwartungsgemäss fielen mit der südwestlichen Anströmung der Alpen die grössten Niederschlagsmengen auf der Alpensüdseite. Dort wurden 50-80 mm Niederschlag gemessen. Besonders viel Regen gab es in der Region des oberen Lago Maggiore und in der Region Lugano, wo 100-150 mm Niederschlag fielen, lokal auch etwas mehr.

Mit den südwestlichen Höhenwinden griffen die Niederschläge auch nordwärts über den Alpenhauptkamm hinüber, was in den angrenzenden Regionen 20 bis 45 mm Niederschlag brachte. Aber auch nördlich der Alpen regnete es grössere Mengen. Verbreitet fielen 20 bis 30 mm Niederschlag. Lokal, meist durch eingelagerte Gewitter verstärkt, wurde aber auch deutlich mehr Regen gemessen. So beispielsweise in den Region Hallwilersee, wo über 50 mm Regen fiel.

Die Schneefallgrenze lag übrigens während der meisten Zeit des Ereignisses auf rund 3000 Metern oder leicht darüber. Erst in der Nacht auf Donnerstag mit dem Kaltfrontdurchgang sank sie auf 2500 bis 2700 Meter.

Juni-Niederschläge

Das Monatsende steht kurz bevor, und so wollen wir schon mal vorweg eine Monatsbilanz vom Niederschlag ziehen. Am meisten Niederschlag fiel klar auf der Alpensüdseite mit 160 bis 300 mm, in der Region Lugano sogar bis zu 470 mm! Aber auch in Graubünden fielen mit 100 bis 180 mm noch beachtliche Mengen, in Soglio im Bergell waren es sogar fast 260 mm.

Zum Vergleich zu den aktuellen Juni-Niederschlägen können wir die durchschnittlichen Juni Niederschlagsmengen (1981-2010) heranziehen. Hier zeigt sich eine deutliche Zweiteilung. Während auf der Alpennordseite und in den Alpen der diesjährige Juni vorwiegend unterdurchschnittliche Mengen aufweist, fiel dagegen auf der Alpensüdseite und in Graubünden zum Teil deutlich mehr Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt.

Wenn Sie noch mehr wissen wollen zum aktuellen Juni, so lesen Sie das heute erschienene Klimabulletin .

Kommentare (4)

  1. U. Müller, 29.06.2017, 20:16

    Wieso wird eigentlich nicht gewartet bis ein Monat zu Ende ist, bevor ein Monatsbulletin herausgegeben wird?

    1. MeteoSchweiz, 30.06.2017, 11:16

      Mit der Herausgabe einer Monatszusammenfassung kurz vor Monatsende reagierte MeteoSchweiz auf ein Kundenbedürfnis. Vor allem die Medienwelt ist sehr interessiert daran, insbesondere dann, wenn der Monat einen nicht ganz alltäglichen Verlauf nahm. Mit der Veröffentlichung einer provisorischen Monatsbeurteilung kurz vor Monatsende entlastet sich MeteoSchweiz. Seither ist die Zahl der Anfragen merklich zurückgegangen. MeteoSchweiz hat Methoden entwickelt, um den Monat, basierend auf den vorliegenden Prognosen, bis zum Monatsende zu beurteilen. Somit weichen die Angaben im provisorischen Bulletin in der Regel nur wenig ab vom Inhalt des definitiven Monats-Bulletins (Klimabulletin), welches nach dem Monatsende veröffentlicht wird.

    2. Pinato, 30.06.2017, 16:26

      Ich habe eine Frage warum fällt man Bäume um eine Strasse breiter zu bauen! Ich habe in der Schule gelernt das Bäume sehr wichtig sind für das Klima.

    3. MeteoSchweiz, 04.07.2017, 11:40

      Von 1880 bis 2000 hat die Waldfläche in der Schweiz gemäss einer neuen Studie um 21.6% zugenommen. Nach früheren Untersuchungen sind es zwischen 1850 und 2010 sogar bis zu 50 Prozent Waldzunahme.

      https://www.waldwissen.net/technik/land_raum/wsl_waldflaechenentwicklung_schweiz/index_DE

      Die heutige Waldfläche in der Schweiz ist geschützt, d.h. sie darf nicht verändert werden. Muss ein Waldstück aus irgend einem Grund abgeholzt werden, so muss dieselbe Fläche an einem anderen Ort wieder aufgeforstet werden.

      Wenn nun einige Bäume einer Strassenverbreiterung zum Opfer fallen, so ist dies zwar schade um die Bäume, doch gegenüber der gesamten Waldzunahme fallen sie kaum ins Gewicht.