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Rekordhohe Nachttemperaturen

23. Juni 2017, 10 Kommentare
Themen: Wetter

Regional wurde auf heute Freitag die mildeste Nacht seit Beginn der automatischen Messungen verzeichnet.

Sonnenaufgang über dem Flughafen Zürich nach der bewölkten Tropennacht D. Buck
Sonnenaufgang über dem Flughafen Zürich nach der bewölkten Tropennacht D. Buck

Regional mildeste Nacht seit 1981

Vergrösserte Ansicht: Nachtminima vom 22. auf den 23. Juni 2017: vor allem in der Nordostschweiz wurde eine aussergewöhnliche Tropennacht verzeichnet (T > 20 Grad).
Nachtminima vom 22. auf den 23. Juni 2017: vor allem in der Nordostschweiz wurde eine aussergewöhnliche Tropennacht verzeichnet (T > 20 Grad).
MeteoSchweiz

Der extrem heisse Juni hat es in sich: regional erlebte die Schweiz vom 22. auf den 23. Juni die mildeste Nacht seit Beginn der automatischen Messungen im Jahr 1981. Aussergewöhnlich  mild war die Nacht am Bodensee. Güttingen registrierte ein Nachtminimum von 25.2 Grad. Da wurde die Nacht zum Sommertag! Die bisher mildeste Nacht vom 21./22. Juni 1998 brachte hier ein Minimum von 20.9 Grad. Der alte Rekord wurde also geradezu pulverisiert.

Auch in Tänikon ausserordentlich mild

Vergrösserte Ansicht: Der Ballonaufstieg von Payerne (VD) von 02 Uhr MESZ zeigt feuchtere Luftschichten (Taupunkt: gestrichelte Linie näher bei Temperatur: ausgezogene Linie)  zwischen etwa 800 und 560 hPa (etwa zwischen 2000 und 5500 m/M). In diesen Schichten hatte es vor allem in der Nordostschweiz ausgedehnte Wolkenfelder. In der Folge entstand in Bodennähe nur eine schwache Inversion durch Abstrahlung: zu diesem Zeitpunkt lag Minima bei etwa 25 Grad.
Der Ballonaufstieg von Payerne (VD) von 02 Uhr MESZ zeigt feuchtere Luftschichten (Taupunkt: gestrichelte Linie näher bei Temperatur: ausgezogene Linie) zwischen etwa 800 und 560 hPa (etwa zwischen 2000 und 5500 m/M). In diesen Schichten hatte es vor allem in der Nordostschweiz ausgedehnte Wolkenfelder. In der Folge entstand in Bodennähe nur eine schwache Inversion durch Abstrahlung: zu diesem Zeitpunkt lag Minima bei etwa 25 Grad.
MeteoSchweiz

Auch in Tänikon bei Winterthur war die Nacht "schlaflos-wälzend". Das Minimum sank auf extrem milde 24.2 Grad. Die bisher mildeste Nacht meldete Tänikon vom 14. auf den 15. August 1987 mit einem Minimum von 20.3 Grad. Ebenso mild wie in Tänikon war die vergangene Nacht auf dem Zürichberg. Das Minimum von 24.2 Grad war ebenfalls ein Rekord. Er steht aber nicht so weit über dem bisherigen Rekordwert: in der Nacht auf den 1. August 1983 sank das Minimum auf dem Zürichberg auf 23.0 Grad.

Es geht noch wärmer

Einen knappen neuen Rekord schaffte Neuenburg. Das Nachtminimum erreichte milde 24.0 Grad. Im Hitzesommer 2003 gab es hier vom 13. auf den 14. August das bisher höchste Nachtminimum von 23.7 Grad. Noch wärmere Nächte sind möglich! Altdorf registrierte in der Tropennacht auf den 1. August 1983 sagenhafte 26.9 Grad als Minimum. In Vaduz zeigte das Nachtminimum damals 26.5 Grad. Es waren wohl die mildesten Nächte in der Schweiz seit Beginn der kontinuierlichen Aufzeichnungen. Selbst die Messreihen auf der Alpensüdseite zeigen keine derart hohen Nachtminima.

Trotz Wolkenfelder recht sonnig

Vergrösserte Ansicht: Am Vormittag wurden über dem Flughafen Zürich nur noch wenige Wolken in der feuchteren und instabilen Luftschicht beobachtet (Altocumulus castellanus).
Am Vormittag wurden über dem Flughafen nur noch wenige Wolken in der feuchteren und instabilen Luftschicht beobachtet (Altocumulus castellanus).
D. Buck

Zum Schluss noch kurz zum heutigen Wetter: unter leichtem Hochdruckeinfluss war es trotz Wolkenfelder verbreitet recht sonnig. Mit westlichen bis nordwestlichen Winden zogen nur sehr lokal Schauer- und Gewitterzellen vom Jura her über das Mittelland zu den Alpen, vor allem am Nachmittag und in den nördlichen und östlichen Landesteilen der Schweiz.

Im Norden und Osten etwas weniger heiss

Vergrösserte Ansicht: In den Bergen wie hier auf der Glattalp fühlte es sich heute mit den vorüberziehenden Wolken und dem böig auffrischenden Westwind - mindestens zeitweise - fast schon zu kühl an.
In den Bergen wie hier auf der Glattalp fühlte es sich heute mit den vorüberziehenden Wolken und dem böig auffrischenden Westwind - mindestens zeitweise - fast schon zu kühl an.
D. Gerstgrasser

In den bereits erwähnten nördlichen und östlichen Regionen floss auch etwas weniger heisse Luft ein und die Temperaturen erreichten "nur" noch 30 bis 33 Grad. In den westlichen und südlichen Gebieten lagen sie mit maximal 32 bis 35 Grad noch gleich hoch wie am Vortag. Die Nullgradgrenze lag immer noch in etwa 4300 Metern Höhe.

Im Norden spürbarer West- bis Nordwestwind

Vergrösserte Ansicht: Die stärkste Gewitterzelle heute Nachmittag über dem Zugerland von Uster ZH aus aufgenommen.
Die stärkste Gewitterzelle heute Nachmittag über dem Zugerland von Uster ZH aus aufgenommen.
M. Kasper

Die Winde wehten im Norden und in den Alpen im Flachland schwach bis mässig, in den Bergen mässig bis stark aus Sektor West bis Nordwest. In Gewitternähe gab es vereinzelt Sturmböen mit bis zu 100 km/h, gemessen in Cham im Kanton Zug.

Kommentare (10)

  1. Eiszeit jetzt, 24.06.2017, 15:58

    Stoff für Wachalpträume...
    Vor 16 Jahren reiste ich ins Amazonasgebiet, und bei aller Faszination dachte ich, welch ein Glück, dass so ein Klima zuhause unmöglich ist. Oh was habe ich mich zu früh gefreut!
    Noch ein paar Jahre solcher Feuchthitze, und hier wird ein Urwald aus dem Boden schiessen (wirklich, Sie sollten unsere Kürbisse sehen!), der bald soviel CO2 versenkt, dass es richtig herrlich pinguinkalt wird. Schlafen kann man zwar nicht mehr, aber wachträumen darf man wenigstens noch.

  2. Baur H.P., 24.06.2017, 00:46

    Ist in der Nacht auf heute Samstag (24.6.) etwas erträglichere Luft von Deutschland her in das nordöstliche Flachland der Deutschschweiz eingeflossen weil der Taupunkt zum Beispiel in Schaffhausen um 0.45 h bei 15 Grad liegt während wir hier in Glarus Nord bei einem Taupunkt von 18 Grad und immer noch abartig hohen 25 Grad Aussentemperatur weiter stöhnen und schwitzen?

    1. MeteoSchweiz, 27.06.2017, 10:51

      Tatsächlich verschob sich die Luftmasse mit tieferen Taupunkten in der Nacht von Freitag auf Samstag von Nordwesten her zum Nordrand der Schweiz, während sich ein Hotspot mit feuchtwarmer Luft und hohen Taupunkten von der Zentralschweiz nach Nordosten Richtung Glarnerland bewegte. Schliesslich folgte am Morgen dann wieder feuchtere Luft und in der Höhe etwas kältere Luft im Norden der Schweiz nach und mit Sonnenaufgang bildeten sich rasch Cumuli (Bodensee-Thurgau-Bregenz) während wir am Flughafen unter einer dicken Wolkenschicht liegen blieben, die sich erst am Mittag und Nachmittag auflockerte.

  3. Christoph Frauenfelder, 24.06.2017, 00:44

    Bei mir in Niederuzwil SG 515 m ein Minimum von 26.2 Grad.

  4. Appi, 23.06.2017, 22:56

    Die mildeste Nacht?!? Eine Sauhitze war das. Mild ist ja völlig übertrieben

  5. Leo, 23.06.2017, 21:57

    Guten Abend
    Seit Tagen haben wir sonnigen, sehr warmen Wetter.
    Trotzdem geht der Barometer nicht weit höher als die 970 hPa.

    Wie ist das zu erklären?
    Vielleicht, dass mein Wohnort 438 m.ü.M liegt und das der absolute Wert ist? Oder bringe ich die Sachen durcheinander? ;-)

    Danke und Gruss,
    Leo

    1. MeteoSchweiz, 27.06.2017, 10:44

      Sonniges Wetter ist nicht gezwungenermassen an hohen Luftdruck gebunden. Im Gegenteil; in Gebieten mit warmer bis heisser Luft ist der Luftdruck meistens eher tief, denn die Luftmasse wird durch die Sonneneinstrahlung weiter erwärmt und steigt auf. Erreicht sie das Kondensationsniveau entstehen Wolken, sogenannte Cumuluswolken, die weiter anwachsen und sich zu Gewittertürmen ausbilden können.

      Die letzten Tage waren von einer solchen Flachdrucklage geprägt; die Luftdruckgegensätze waren gering.

  6. Tobias, 23.06.2017, 19:36

    Schade dass dieser Blog so kurz war. Die Gewitter über dem Rheintal hätte man zumindest hervorheben können. Neben Hagel konnte zumindest für kurze Zeit auch eine Rotation erkannt werden. Aber auch generell etwas mehr über die Gewitter wäre wünschenswert gewesen.

  7. Janine, 23.06.2017, 19:35

    Da wäre es noch spannend zu wissen, warum hier der Begriff mild verwendet wird. Warm oder schwülwarm würde doch viel besser passen, oder nicht?

    1. MeteoSchweiz, 27.06.2017, 10:48

      Mild beschreibt, dass die Temperatur 1 bis 5 Grad über der Norm liegt. In diesem Fall wurde damit ausgesagt, dass die Nachttemperatur "ungewöhnlich hoch" war. Mit den hohen Taupunkten wurde sie von manchen auch schwül empfunden. Nur ist schwül oder schwülwarm, schwülheiss kein offizieller Begriff für Temperatur- und Feuchteangaben (auch wenn er ab und zu mal auftaucht). Es ist der "künstlerischen Freiheit" der/des PrognostikerIn überlassen, welchen Begriff sie/er verwendet.