Schwüle Gewitterluft

15. Juni 2017, 11 Kommentare
Themen: Wetter

Über der ganzen Schweiz lag heute schwülwarme, teils gar schwülheisse Gewitterluft. Nach einem sonnigen Tag entwickelten sich gebietsweise kräftige Gewitter. Die gute Nachricht: Auf morgen wird die schwülwarme Luft ausgeräumt.

Bereits am Mittag entwickelten sich über dem Puschlav erste grössere Quellwolken. Foto: Markus Burri
Bereits am Mittag entwickelten sich über dem Puschlav erste grössere Quellwolken. Foto: Markus Burri

Wetterlage

Vergrösserte Ansicht: Bodenanalyse mit Fronten von heute um 12 UTC.
Bodenanalyse mit Fronten von heute um 12 UTC.
Quelle: Deutscher Wetterdienst, DWD

Die Schweiz lag heute auf der Vorderseite von einer Tiefdruckrinne, die sich vom Nordmeer über die Britischen Inseln bis zu den Benelux-Ländern erstreckte. Die gestern an dieser Stelle beschriebene Luftmassengrenze hat sich nach Osten verlagert, dementsprechend wurden auch die nordöstlichen Landesteile von der schwülwarmen Luftmasse erfasst und die Taupunkte sind gegenüber gestern um rund 5 Grad angestiegen.

Viel Sonne und stellenweise ein Hitzetag

Vergrösserte Ansicht: Blauer Himmel und relativ gute Sichtverhältnisse herrschten heute Vormittag im Oberengadin. Der Blick geht vom Muottas Muragl ins Oberengadin..
Blauer Himmel und relativ gute Sichtverhältnisse herrschten heute Vormittag im Oberengadin. Der Blick geht vom Muottas Muragl ins Oberengadin.
Foto: Markus Burri

Abgesehen von etwas Restbewölkung von den gestrigen Gewittern über Frankreich startete der Tag in weiten Teilen der Schweiz sonnig, lediglich in der West- und Zentralschweiz sowie im Wallis und Tessin hatte es am Vormittag noch etwas dichtere Bewölkung und letzte lokale Schauer.

In der Folge konnte die starke Juni-Sonne weitgehend ungehindert einstrahlen und führte am Nachmittag insbesondere im zentralen und östlichen Mitteland zu Temperaturen von rund 30 Grad. In Zürich-Kloten wurden sogar 31 Grad registriert.

Erste Gewitter - vorerst aber eher unorganisiert

Vergrösserte Ansicht: Blick von Oerlikon auf den Regenfuss der Nachmittagsgewitter in der Flughafenregion.
Blick von Oerlikon auf den Regenfuss der Nachmittagsgewitter in der Flughafenregion.
Foto: Silvia Reynolds

Durch die starke Erwärmung bildeten sich allerdings relativ rasch wieder erste Quellwolken, vor allem über den Bergen. Diese blieben vorerst noch harmlos. Die ersten Schauer entwickelten sich kurz vor 14.00 Uhr entlang des Jura und der Voralpen.

Kurz vor Redaktionschluss um 17.00 Uhr wurden im zentralen und östlichen Mittelland einige - vorerst noch eher wenig organisierte - Gewitter ausgelöst. Eines zog genau über den Flughafen Kloten. Dabei regnete es kurzzeitig intensiv, der Wind frischte mit Böen von knapp 70 km/h auf und innert kurzer Zeit ging die Temperatur um 8 Grad zurück.

Langgestreckte Gewitterlinie

Von Frankreich her näherte sich eine Kaltfront der Schweiz, in ihrem Vorfeld entwickelte sich im Laufe des Nachmittags eine langgestreckte Linie mit teils heftigen Gewitter. Diese erstreckte sich am Nachmittag von Holland über Frankreich bis zu den östlichen Pyrenäen und weiter nach Spanien hinunter. Details zu dieser Entwicklung erfahren Sie morgen an dieser Stelle.

(Vorübergehende) Abkühlung in Sicht

Vergrösserte Ansicht: Prognostizierte Tiefsttemperaturen für den kommenden Samstag (17. Juni 2017).
Prognostizierte Tiefsttemperaturen für den kommenden Samstag (17. Juni 2017).

Egal wie die Gewitteraktivität heute Abend und in der Nacht auf morgen verläuft - mit der Kaltfront fliesst auf morgen im Norden deutlich kühlere Luft ein. Eine weitere Abkühlung erfolgt in der Nacht auf den Samstag, sodass alle Schwüle- und Hitzegeplagten ihre Wohnungen ausgiebig durchlüften können. Die tiefsten Temperaturen erwarten wir am Samstagmorgen - der Blogger freut sich auf die rund 12 Grad...

Kommentare (11)

  1. Kohl Michael, 16.06.2017, 10:01

    Interessante Erklärungen und Zusatzinfos, toll!
    Gestern Abend (21-22 Uhr) zog ein Gewitter sehr langsam aus W-NW über das Zürcher Oberland. Dabei fiel mir (zum 1. Mal?) auf, dass es "dauerblitzte", aber kein einziger Blitz sich zwischen Wolken und Erde entlud, sondern es spielte sich alles hoch oben ab... Gibt es da eine Erklärung, bzw. kommen solche Situationen öfter vor?

    1. MeteoSchweiz, 18.06.2017, 09:54

      Sehr spannende Fragen. Wir haben beide dem Spezialisten weitergeleitet. Mit Schichtarbeit kann die Beantwortung etwas länger dauern - wir melden uns auf jeden Fall wieder an dieser Stelle mit den Antworten. Danke für die Geduld.

    2. MeteoSchweiz, 25.07.2017, 08:34

      Blitze zucken manchmal ausschliesslich in den mittleren und höheren Stockwerken der Troposphäre, erreichen aber nie den Boden. In diesem Fall müssen die sie verursachenden Wolkenbereiche mit den geladenen Teilen sich auf eben diese Höhenbereiche konzentrieren oder, besser gesagt, beschränken. Dies die triviale, aber natürlich nur oberflächliche und damit unbefriedigende Antwort auf die spannende Frage.
      Viel interessanter wäre es natürlich zu wissen, warum und in welchen Wettersituationen das passiert. Genau dieser Sachverhalt ist aber sehr kompliziert und vielleicht sogar teilweise unverstanden, weil nicht nur die gesamte Strömungsdynamik und sondern auch die genaue Ladungstrennung und -verteilung als Voraussetzung für die Wolkenblitze in speziell diesem Gewittersystem sowie am Erdboden beschrieben werden müsste. Ein unmögliches Unterfangen, weder Messsysteme noch Wettermodelle schaffen diese Leistung im Alltag! Die schematische Darstellung einer Gewitterwolke und ihrer Ladungs-Schwerpunkte von Dale Ward im Gewitter-Blog (http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/aktuell/meteoschweiz-blog.subpage.html/de/data/blogs/2017/5/gewitter-1---entstehung-und-typisierung.html) ist lediglich eine von unendlich vielen in der Natur möglichen Anordnungen der Ladungsverteilung.
      Immerhin gibt sein Schema noch eine Antwort auf ihre zweite Frage nach der Häufigkeit der Wolkenblitze: Rund zwei Drittel aller Blitze spielen sich innerhalt oder zwischen den Wolken ab, nur ein Drittel hingegen zwischen der Wolke und dem Boden. Insofern war die Beobachtung zwar auffällig, aber nicht aussergewöhnlich.

  2. Jacqueline Bisaz, 16.06.2017, 09:23

    Ich hatte so sehr auf Regen gehofft, aber ausser leeren Versprechungen in Form von tiefschwarzen Wolken war leider nichts!

  3. Brb, 16.06.2017, 02:10

    Super Artikel, danke!

  4. Bayard Paul, 15.06.2017, 22:19

    Da freut sich mein geschundener Körper. Ich hasse nichts so sehr wie diese unausstehlichen Hitzenächte und auch -tage.

    1. Natalie Swysen, 16.06.2017, 17:05

      Wohnung/Haus während der Nacht und am frühen Morgen dauerlüften und danach alles zu und dunkel machen. Erst am späten Abend alles wieder auf, für die ganze Nacht. Dann geht es wunderbar. Und anstatt Duvet einfach den Duvetbezug oder etwas anderes als Decke nehmen, wenn überhaupt. :)

  5. Stefan, 15.06.2017, 20:23

    Ab Sonntag wird es ja bereits wieder überaus heiss. Der Juni dürfte angesichts der vielen Sommer- und einigen Hitzetagen insgesamt zu warm ausfallen. Ist schon absehbar, um wie viel zirka?

    1. Thomas, 16.06.2017, 10:18

      Nimmt man die Referenzperiode 1960-1990 wahrscheinlich über 2,5°, ächz...!

    2. steve nicevalley, 16.06.2017, 10:32

      Um gefühlte 20 grad etwa.... 😣

    3. MeteoSchweiz, 16.06.2017, 10:42

      Wir bitten um ein wenig Geduld, unser Blog-Autor wird im heutigen Blog u.a. auf diese Frage eingehen.